Wer Gold will, muss auch diese Gruppe packen

Von am 20. April 2008 – 19.43 Uhr 6 Kommentare

Silvia Neid, Bundestrainerin von Frauenfußball-Weltmeister DeutschlandErstmals 12 statt bisher zehn Teams nehmen vom 6. bis 23. August am vierten olympischen Frauenfußball-Turnier in Peking teil. Doch trotz der Aufstockung hat die Qualität des Teilnehmerfeldes keine Einbußen erlitten. Ganz im Gegenteil.

Denn das Leistungsniveau der Teams nähert sich langsam an. Die Hoffnung von Bundestrainerin Silvia Neid, dass ihr Team sich in den Gruppenspielen langsam in Topform spielen kann, erhielt durch die Auslosung einen kräftigen Dämpfer.

Denn in Gruppe F muss sich die DFB-Elf gleich zu Beginn in einer Neuauflage des WM-Finales von 2007 am Mittwoch, 6. August, in Shenyang (10 Uhr MESZ)  mit Brasilien auseinandersetzen, das bei Olympischen Spielen noch nie schlechter als Platz 4 abgeschnitten hat.

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Weitere Gegner sind am Samstag, 9. August, in Shenyang (10 Uhr MESZ) das unangenehm zu spielende Nordkorea und am Dienstag, 12. August, in Tianjing (10 Uhr MESZ) Afrika-Meister Nigeria. Doch die schweren Duelle gegen den 4., 6. und 24. der Weltrangliste haben auch etwas Gutes.

Von Beginn an Gas geben
„Das ist eine ganz schwere Auslosung. Wir haben auf jeden Fall die stärkste Gruppe erwischt. Das sind drei absolute Knaller, die da auf uns warten. Es wird nicht einfach sein, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren“, so Neid in einer ersten Reaktion. Einen lockeren Einstieg in das Turnier wie beim 11:0-Rekordsieg gegen Argentinien bei der WM wird es also nicht geben.

 „Wir müssen schon zu tausend Prozent da sein, wenn das Turnier beginnt“, erklärt Neid. Doch darin liegt möglicherweise sogar ein Vorteil. Denn wer weiß, dass er vom ersten Spiel an auf höchstem Niveau agieren muss, lässt gar nicht erst den Schlendrian einkehren. Erinnert sei an Schweden, das bei der WM durch das unnötige Remis gegen Nigeria zu Beginn bereits entscheidenden Boden einbüßte und schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten musste.

Wiedersehen mit Marta und Cristiane
„Gleich zum Auftakt des Turniers die Wiederholung des WM- Endspiels ist eine attraktive Begegnung für die Zuschauer und eine große Herausforderung für uns. Wir wissen, wie stark die Brasilianerinnen sind“, so Neid.

Warum Weltfußballerin Marta aber von einer besonderen Rivalität spricht, die sich zwischen den beiden Teams in den vergangenen Jahren entwickelt haben soll, erschließt sich mir nicht. Denn außer dem WM-Finale traf man zuvor sieben Jahre lang nicht auf die Südamerikanerinnen, zuletzt in Sydney 2000, so dass von einer über die Zeit gewachsenen Rivalität wie etwa der zwischen Deutschland und Schweden oder USA und Norwegen keine Rede sein kann.

Top-Konkurrenz aus Afrika und Asien
Auch die Partien gegen Nigeria und Nordkorea sind alles andere als leicht. „Gegen Nigeria haben wir uns schon immer schwer getan, und Platz 6 in der Weltrangliste sagt einiges über die Qualität der Koreanerinnen aus.“

Doch an der Zielsetzung ändert die Gruppenauslosung nichts. „Wir wollen erneut eine Medaille holen“, sagt Neid, die mit olympischem Gold sogar ihre Vorgänger Gero Bisanz und Tina Theune-Meyer in punkto Erfolgen überbieten könnte, die die Mission Olympia in der Vergangenheit nicht zu einem perfekten Abschluss bringen konnten.

Leichtere Gruppen E und G
In der Gruppe E trifft Gastgeber China auf Schweden, Argentinien und Kanada, in Gruppe G messen sich Norwegen, USA, Japan und Neuseeland. Keine leichten, aber von der Papierform her doch etwas machbarere Gruppenzusammensetzungen. Vor allem dürfte das Punktesammeln in diesen Gruppen ein wenig leichter fallen, so dass es keine Überraschung wäre, wenn die beiden besten Gruppendritten am Ende aus E und G kommen würden. Für das Viertelfinale qualifizieren sich jeweils die Gruppensieger und Gruppenzweiten sowie die beiden besten Gruppendritten.

Für die deutsche Mannschaft hätte der Gruppensieg den Vorteil, für das Viertelfinale in Tianjin bleiben und somit zusätzliche Reisestrapazen vermeiden zu können. Erst im Halbfinale müsste man dann wieder nach Shanghai und zum Finale oder Spiel um Platz 3 nach Peking reisen.

Spielplan des olympischen Frauenfußball-Turniers

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    „Warum Weltfußballerin Marta aber von einer besonderen Rivalität spricht, die sich zwischen den beiden Teams in den vergangenen Jahren entwickelt haben soll, …“ – erschließt sich mir auch nicht!
    Aber es ist doch im Sport gang und gäbe oder zumindest häufig anzutreffen, dass erfolgreiche deutsche Teams gerne von der Konkurrenz (und nicht nur der Englischen – don’t mention the war!) als ein Kaliber irgendwo zwischen Steinzeit und Erzfeind angesehen werden. Zumindest erspart das dann die Sportpsychologin.
    Ich sehe den Spielplan als eine besondere Herausforderung an, und stimme dem Hinweis zu, dass von Beginn an ein hohes Niveau erforderlich sein wird.
    Aber Frau Neid ist niedlich – 1000% gleich! Irgendwie erinnert mich dieser Versuch einer mathematischen Umschreibung an einen Satz, der einem ehemaligen Fußball-Nationalspieler zugeschrieben wird, der anlässlich von Vertragsverhandlungen die Erhöhung seiner Bezüge um ein Drittel, mit dem Verweis er wolle mindestens ein Viertel mehr, ablehnte.

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  • oliist sagt:

    Es scheint mir,als wenn die gute Marta seit dem verlorenen WM Finale unter einer Art von Verfolgungswahn leidet.Welche langewährende Rivalität kann sie denn da bitte meinen?
    Zur Auslosung:zumindest dieses mal kann sich ja wirklich niemand mehr über deutsches Losglück aufregen.Gegen drei beinharte Teams anzutreten ist mit Sicherheit die größte Herausforderung in einer Vorrunde für ein deutsches A-Frauenteam bisher.

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo oliist, genau das meine ich. Das Originalzitat lautet: „It would be a real thrill to take on Germany in front of a German crowd, particularly because of the special rivalry between Germany and Brazil which has developed in women’s football over recent years, as everyone knows.“

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  • oliist sagt:

    Wenn man sich die dazu gehörende Fotostrecke mal genauer anschaut,muß einem schon Angst und Bange werden.So wie Marta da die deutschen Spielerinnen fixiert,haucht das der Redewendung,Genie und Wahnsinn liegen dicht beisammen,doch wieder ein bißchen Leben ein. 😉

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  • Rainer sagt:

    Naja, sie meint das WM-Finale. Marta ist gerade mal 21 Jahre alt und ihre einzige Schule war und ist der Fussball. Da kann man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Rainer

    Es ging nicht darum, ihre Worte auf die Goldwaage zu legen. Ich hatte es schlicht und einfach nicht verstanden, wie man nach einem Spiel schon eine spezielle Rivalität sehen kann.

    Aber Marta kann seit gestern wahrscheinlich schon nicht mehr ruhig schlafen vor lauter Revanchegelüsten. 🙂

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