1. FFC Frankfurt: Starke zweite Halbzeit reicht zum Titel

Von am 19. April 2008 – 21.21 Uhr 2 Kommentare

DFB-Pokalsieger 2008: 1. FFC FrankfurtNach dem klaren 5:1 (1:1)-Sieg des 1. FFC Frankfurt gegen den 1. FC Saarbrücken hätte die Wahrnehmung über die Geschehnisse in der ersten Halbzeit nicht unterschiedlicher ausfallen können. Beim Saarbrücker Aufsteiger schossen nach der überraschenden Führung durch die im Winter zum 1. FC Saarbrücken gewechselte US-Studentin Natalie Budge die Glückshormone in die Blutbahn, die Sensation schien in greifbare Nähe zu rücken. „Ich war einfach nur happy“, so Saarbrückens Torhüterin Romina Holz nach dem 1:0 und dem gehaltenen Foulelfmeter gegen Renate Lingor. „Es begann wie ein Traum“, erklärte Saarbrückens Trainer Guido Mey.

Fotos zum DFB-Pokalfinale

Doch in der zweiten Halbzeit korrigierte Frankfurt sein zuvor fehleranfälliges Spiel und spielte den kräftemäßig nachlassenden Bundesliga-Aufsteiger locker vom Feld. „Wir haben das Spiel souverän umgebogen. Ich hatte heute immer ein gutes Gefühl“, so Birgit Prinz nach der Partie.

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Und Conny Pohlers ergänzte: „Es war klar, dass wir dieses Spiel nicht verlieren können“, wischte die Stürmerin die Träumereien des Underdogs beiseite. Doch der 1. FC Saarbrücken hinterließ in der ersten Halbzeit eine gute Visitenkarte, war ein würdiger Gegner und untermauerte, warum er auch in der Bundesliga bereits für das eine oder andere Team zum Stolperstein wurde.

Die Frankfurterinnen ließen dem Gegner in der Anfangsphase zu viel Raum, Budge sorgte nach tollem Pass von Nadine Krauss für die überraschende Führung (4.). „Ich war aufgeregt, aber nicht nervös“, so die Torschützin, die Torhüterin Silke Rottenberg mit einem Schuss aus 13 Metern überwand.

Fehlentscheidungen prägen Anfangsphase
Begünstigt wurde die Saarbrücker Führung von der schwachen Schiedsrichterin Daniela Schneider, die nach etwas mehr als einer Minute übersah, dass der Abstauber von Kerstin Garefrekes von Budge erst deutlich hinter der Linie geklärt wurde, auch wenn die 22-Jährige beharrte: „Der Ball war nicht hinter der Linie.“

Dem Favoriten fiel nach der Saarbrücker Führung nur wenig ein, viele Fehlpässe prägten in dieser Phase das Geschehen, die Souveränität der Bundesliga- und UEFA-Pokal-Auftritte im Jahr 2008 war zunächst dahin, zu pomadig agierte das Team von Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks. Zumal Lingor bei einem zweifelhaften Elfmeter nach angeblichem Foul von Josefine Henning an Prinz in Holz ihre Meisterin fand.

Wimbersky gleicht aus
Der Außenseiter spielte weiter munter mit, wenngleich Frankfurt nach 20 Minuten mehr Druck entfachen konnte. Der sich schnell bezahlt machte, als Petra Wimbersky mit einem schönen Heber der wichtige Ausgleich gelang (22.). „Die leichten Aufgaben sind manchmal die schwersten Spiele“, kommentierte Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, der seinen Spielerinnen in der Pause die Leviten las.

Nach dem „Anschiss“ (Conny Pohlers) drückte der FFC auf das Tempo und wurde schnell belohnt. Nachdem ein Schuss von Prinz zunächst noch von Holz pariert wurde, nickte Pohlers nach Ecke Lingor zur 2:1-Führung ein (51.). „Wir haben uns schwer getan, in der zweiten Halbzeit gleich wieder präsent zu sein“, so Keßler über die nachlassende Leistung ihres Teams.

Und Frankfurt nutzte die sich nun bietenden Möglichkeiten gnadenlos aus. Kerstin Garefrekes schlenzte den Ball zum 3:1 in den Winkel (54.), Pohlers mit ihrem zweiten Treffer sorgte schnell für die Entscheidung (59.), wenngleich Selina Wagner einem zweiten Saarbrücker Tor nahe kam, Silke Rottenberg jedoch glänzend per Fußabwehr parierte (70.). Prinz war es vorbehalten, den Endstand herzustellen (75.).

Lingor mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch
Doch die Frankfurterinnen mussten den Sieg teuer bezahlen. Renate Lingor zog sich bei einem Pressschlag mit Lisa Schwab vermutlich einen Schlüsselbeinbruch zu. „Ich möchte mich für meine Überreaktion entschuldigen, ich habe es zunächst als Foul gesehen“, entschuldigte sich Tritschoks beim Gegner. „Für Idgie ist das ganz bitter“, so Tritschoks und FFC-Manager Siegfried Dietrich unisono, die auf Lingor in den verbleibenden Saisonspielen wohl nicht mehr zurückgreifen können.

„Wir sind verdient als Sieger vom Platz gegangen und haben in der zweiten Halbzeit unseren Ansprüchen entsprechend gespielt. In der ersten Halbzeit ist der Gegner über sich hinausgewachsen“, so Tritschoks.

Sein Gegenüber Guido Mey bilanzierte: „In der zweiten Halbzeit hat uns Frankfurt in die Realität zurückgeholt. Aber das war eine positive Lektion für meine Mannschaft.“ Doch diese Worte konnten Nadine Keßler nicht trösten, sichtlich geknickt schlich sie durch die Katakomben des Berliner Olympiastadions. „Nach dem Spielverlauf ist die Enttäuschung schon groß. Man hat gesehen, dass es physisch noch große Unterschiede zwischen den Teams gibt.“

Statistik:

1. FC Saarbrücken – 1. FFC Frankfurt 1:5 (1:1)

1. FC Saarbrücken: Holz – Hinsberger (69. Leykauf), Kraus (74. Meyer), Henning, Blank – Karnbach, Keßler – Wagner, Marozsan, Budge – Schwab (78. Arend)

1. FFC Frankfurt: Rottenberg – Kliehm, Tina Wunderlich, Lewandowski, Krieger – Garefrekes, Thomas, Lingor (71. Weber), Wimbersky (71. Smisek) – Pohlers, Prinz

Schiedsrichterin: Schneider (Limbach-Oberfrohna)

Zuschauer: 10.000

Tore: 1:0 Budge (4.), 1:1 Wimbersky (22.), 1:2 Pohlers (51.), 1:3 Garefrekes (54.), 1:4 Pohlers (59.), 1:5 Prinz (75.)

Besonderes Vorkommnis: Holz (1. FC Saarbrücken) hält Foulelfmeter von Lingor (12.)

Gelbe Karten: Henning / –

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Petra M. sagt:

    Glückwunsch an den 1. FFC!
    Doch für mich als Idgie-Fan ein Titel mit bitterem Beigeschmack, besonders, weil dies wohl ihre letzte Saison ist. Gute Besserung!

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  • Idgie-Jonsi-Fan sagt:

    Gute und schnelle Genesung an Idgie und viel Glück für die OP!! 🙂

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