1. FC Saarbrücken: Frauenfußball-Boom beim Aufsteiger

Von am 16. April 2008 – 22.24 Uhr 2 Kommentare

Der 1. FC Saarbrücken will wie beim Aufstieg Grund zum Feiern habenDer Einzug von Frauenfußball-Bundesligist 1. FC Saarbrücken ins Finale des DFB-Pokals hat den Stellenwert des Frauenfußballs in der Stadt und der Region schlagartig vergrößert. „Die Begeisterung in unserem Verein und im Umfeld ist riesengroß“, freut sich Saarbrückens Trainer Guido Mey.

Das in der regionalen Presse gar als Aushängeschild des saarländischen Fußballs bezeichnete Team will am Samstag in Berlin für eine der größten Sensationen im Frauenfußball sorgen. „Darauf hoffen wir natürlich“, sagt Mey, der aber einräumt, dass „der Titelverteidiger aus Frankfurt weit über uns steht.“

Im voll besetzten Berliner Olympiastadion und vor geschätzten drei bis vier Millionen Zuschauern an den Fernsehschirmen wollen sich die Spielerinnen dem FFC jedoch alles andere denn als Opferlamm präsentieren. „Wir wollen möglichst lange mithalten, so dass unsere Moral keinen Schaden nimmt.“

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Doch unabhängig vom Ergebnis dürfte der Frauenfußball im Saarland nachhaltig von der Finalteilnahme profitieren. „Immer mehr Frauen legen die Zurückhaltung gegenüber diesem Sport ab. Mittlerweile schicken sogar Mütter ihre Töchter zum Fußball, weil sie sehen, dass das eine tolle Sache ist. In der Vergangenheit wurde der Frauenfußball immer ein bisschen belächelt, jetzt sieht man, dass das echte Athletinnen sind“, so Mey über die zunehmende Popularität des Sports.

Den Vorbildern nacheifern
Die Erfolge der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft und großartige Saarbrücker Talente wie Lisa Schwab, Nadine Keßler und Dzsenifer Marozsan haben das Interesse am Frauenfußball in die Höhe schnellen lassen.

Immer mehr Mädchen wollen ihren Vorbildern nacheifern, 140 Nachwuchstalente spielen derzeit allein in der Jugendabteilung des 1. FC Saarbrücken von der E- bis zur B-Jugend. In der ersten Mannschaft sind sechs Spielerinnen im Einsatz, die seit der B-Jugend in Saarbrücken spielen.

Verstärkungen für die Zukunft
Durch punktuelle Verstärkungen soll das Team fit für die Zukunft gemacht werden. So wurde gerade die französische Jugendnationalspielerin Sophie Quatrana verpflichtet, die in der französischen Eliteschule in Clairefontaine nahe Paris ausgebildet wurde und mit ihrer Schnelligkeit, Zweikampf- und Kopfballstärke als hoffnungsvolles Talent für den Abwehrbereich gilt.

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Doch in Saarbrücken gibt es Probleme, mit dem Boom Schritt zu halten, denn der Trainingsplatz quillt inzwischen über, Jugendleiterin Renate Dill-Seiffer spricht gar von „katastrophalen Trainingsbedingungen“. Bis zu 60 Juniorenspielerinnen müssen auf dem Hartplatz in Güdingen mit nur einer Spielhälfte auskommen.

Romina Holz will mit ihren Paraden Frankfurt zur Verzweiflung bringenKein Platz für den Boom?
Teilweise muss das Training auf die Laufbahn verlegt werden, manche Trainingseinheiten müssen gar abgesagt werden. „Ich habe dem Präsidenten gesagt, im schlimmsten Fall muss ich die Aufnahme neuer Spielerinnen stoppen“, so Dill-Seiffer.

Zusammen mit der Stadt Saarbrücken sollen nun schleunigst Mittel und Wege gefunden werden, das Problem zu entschärfen, denn ohne gute Trainingsbedingungen verpufft der Boom auf lange Sicht wirkungslos. Denn der Zuspruch wird mit Blick auf die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland eher weiter zu- als abnehmen.

Tage des Mädchenfußballs
Dass der Frauenfußball beim 1. FC Saarbrücken immer ernster genommen wird, belegt auch eine andere Veranstaltung. Am 31. Mai und 1. Juni veranstaltet der Verein in Völklingen-Luisenthal zwei Tage des Mädchenfußballs. 1.500 bis 2.000 Besucher werden erwartet.

Auf dem umfangreichen Programm stehen ein Schnuppertraining für alle Grundschulen, Autogrammstunden mit Saarbrücker Nationalspielerinnen, die Möglichkeit das Fußball-Sportabzeichen zu machen, ein Streetsoccer-Turnier sowie Pokalendspiele aus dem Jugendbereich. Und sollte dem Team in Berlin gar der ganz große Wurf gelingen, dürfte die Entwicklung noch schneller als bisher vonstatten gehen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Sonnenschutz sagt:

    Frauenfussball ist mittlerweile in Deutscland auch ein sehr anerkannter Sport. Frauen können durchaus auch einen technisch guten Fussball spielen.

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  • Marcel sagt:

    Ich hoffe bei all der Euphorie wird nicht der Klassenerhalt vergessen wenn man nämlich noch gegen alle 4 Teams an der Spitze antreten muss kann der 6 Punkte Vorsprung schnell schmilzen. Auch hatt man gesehen gegen Essen das die Mannschaft von Kessi viel zu abhängig ist
    weil nach vorne lief ja nicht all zu viel zusammen.

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