Vorschau Frauenfußball-Bundesliga, 15. Spieltag

Von am 13. April 2008 – 9.27 Uhr

Viola Odebrecht in AktionEine der interessantesten Begegnungen steigt am heutigen Sonntag im Apollinaris-Stadion zwischen dem SC 07 Bad Neuenahr und dem Tabellendritten Turbine Potsdam. Noch in bester Erinnerung ist das Pokalduell der beiden Teams im vergangenen November, als in der packenden Partie nicht weniger als zehn Treffer fielen, ehe Turbine als 6:4-Sieger nach Verlängerung die Heimreise antreten konnte.

Auch die anderen Partien versprechen reizvolle Duelle. So möchte der neue Tabellenvierte VfL Wolfsburg im Gastspiel beim Meister 1. FFC Frankfurt den Hessinnen wie schon im Hinspiel kurz vor Weihnachten Punkte wegnehmen.

Bayern München ist in der Partie beim TSV Crailsheim auf Wiedergutmachung für die überraschende Heimniederlage gegen den SC Freiburg aus.

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Für die SG Essen-Schönebeck wird es Zeit, wieder einmal zu punkten, gegen Aufsteiger 1. FC Saarbrücken soll die negative Serie von vier Niederlagen in Folge beendet werden. Ebenfalls Heimspiele haben Wattenscheid 09 und der SC Freiburg, die wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg sammeln wollen.

Neuenahr will Revanche für Pokalniederlage
Mit einer 1:4-Niederlage beim VfL Wolfsburg wurde der Höhenflug des SC 07 Bad Neuenahr am vergangenen Wochenende jäh gestoppt. Dabei wurde Spielertrainerin Sandra Minnert schmerzlich vermisst, die wegen Kniebeschwerden pausieren musste. Erst kurzfristig soll über ihren möglichen Einsatz entschieden werden. Gegen die schnellen Potsdamer Angreiferinnen hofft man, wieder auf Minnerts Erfahrung zurückgreifen zu können.

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Sicher mit dabei wird wieder Lydia Neumann sein, die in Wolfsburg ebenfalls verletzt pausieren musste. Für Viola Odebrecht gibt es ein Wiedersehen mit ihrem ehemaligen und zukünftigen Verein, zu dem sie ab der Saison 2008/2009 wieder wechseln wird. WM-OK-Chefin Steffi Jones wird sich das Spiel nicht entgehen lassen und im Stadion weilen.

Der Gast aus Potsdam will nach drei Siegen in Folge seinen Lauf fortsetzen. „Das wird eine Partie auf Augenhöhe, da entscheidet die Tagesform über Sieg und Niederlage“, glaubt Trainer Bernd Schröder. Ob Babett Peter (Knieverletzung) schon wieder spielen kann, wird sich erst am Spieltag entscheiden. Fraglich ist auch, ob Anja Mittag bereits wieder über 90 Minuten gehen kann. Schröder erwartet „eine völlig andere Mannschaft als damals im November.“

Wolfsburg will den Meister ärgern
Heimlich, still und leise hat sich der VfL Wolfsburg nach anfänglichen Schwierigkeiten bis auf Tabellenplatz 4 nach vorne gearbeitet. Und aus dem neu gewonnenen Selbstvertrauen macht das Team keinen Hehl. „Wir fahren nicht nach Frankfurt, um dort zu verlieren“, so die deutlichen Worte von Wolfsburgs Spielführerin Britta Carlson, wenngleich sie einräumt, dass ein Punktgewinn eine Überraschung wäre.

Beim 1:1 kurz vor Weihnachten knöpfte das Team von Trainer Bernd Huneke, der wegen der Konfirmation seiner Tochter nicht nach Frankfurt reisen wird, dem Meister schon einmal Punkte ab, doch damals waren die Frankfurterinnen kräftemäßig nicht auf der Höhe, so dass das Unterfangen diesmal deutlich schwerer werden dürfte. Doch falls keine Punkte will das Team zumindest weitere Erfahrung sammeln. „Ich denke, dass eine Partie in Frankfurt auch immer ein Erlebnis für jede Akteurin ist“, so Huneke.

Vor allem vor den Stürmerinnen Martina Müller und Shelly Thompson, die 19 der 24 Wolfsburger Saisontore schossen, und dem Mittelfeld um Carlson und Navina Omilade wird sich der FFC in Acht nehmen müssen. „Wir sind gewarnt“, sagt Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks. Im Tor der Frankfurterinnen wird die frühere Wolfsburgerin Stephanie Ullrich stehen, da Silke Rottenberg Adduktorenprobleme hat.

Essen will raus aus der Krise
Dass Essen und Saarbrücken nach 14 Spieltagen in der Bundesliga nur ein einziger Punkt trennen würde, hätten vor Saisonbeginn wohl die wenigsten erwartet. Vier Niederlagen in Folge stehen bei den Essenerinnen zu Buche, nach einer weiteren Niederlage gegen den Aufsteiger müsste man sich endgültig nach unten orientieren. Sieben Punkte Abstand hat man derzeit auf einen Abstiegsplatz.

Es soll also ein Erfolgserlebnis her, „und wenn wir dafür den Rasen umpflügen müssen“, fordert Trainer Ralf Agolli von seiner Elf hundertprozentigen Einsatz. Mit einer guten Leistung sollen vor allem die Fans versöhnt werden, die in dieser Saison bisher nur selten von ihren Spielerinnen verwöhnt wurden.

Gegen Kritik an seiner Person wehrt sich Agolli: „Ich bin der Erste, der geht, wenn er merkt, es bringt nichts mehr.“ Sein Gegenüber Guido Mey versucht die Gedanken seiner Spielerinnen vom DFB-Pokalfinale in sechs Tagen abzulenken. „Das Spiel gegen Essen ist wichtiger als das Spiel gegen den 1. FFC Frankfurt in Berlin. Ich fordere von meiner Mannschaft absoluten Kampf, um möglichst einen Punkt zu holen.“

Duisburg will Druck auf Frankfurt machen
Für den zweiten Aufsteiger Wattenscheid 09 zählt jeder Punkt im Kampf um den Abstieg. Doch mit dem neuen Tabellenführer FCR 2001 Duisburg kommt eine Elf ins Lohrheide-Stadion, die unter Trainerin Martina Voss eine imposante Bilanz aufweisen kann. 12 Punkte aus den letzten vier Spielen und 16 Tore erzielte das Team, das mit einem weiteren Dreier den Druck auf Frankfurt aufrechterhalten will.

Wattenscheids Trainer André Birker will mit taktischer Disziplin gegen den formstarken Gegner zumindest einen Punkt erzielen. „Ich fordere ein engagiertes Spiel mit höchster Konzentration.“

Beim Wiedersehen mit alten Bekannten will die frühere Wattenscheider Spielerin Annike Krahn mit ihrem Verein allerdings keine Gastgeschenke machen. Nach und nach lichtet sich das Duisburger Lazarett, allerdings müssen auch die Duisburger auf ihre Nachwuchstalente Turid Knaak und Julia Debitzki verzichten.
 
Bayern drängt auf Wiedergutmachung
Mit einem Sieg beim TSV Crailsheim will Bayern München die gegen Freiburg überraschend verloren gegangenen Punkte zurückerobern. Doch die Voraussetzungen sind alles andere als optimal. Neben Sonja Spieler und Julia Simic werden Steffi Mirlach, Ulrike Schmetz und auch Viktoria Schnaderbeck verletzungsbedingt nicht dabei sein.

Zudem fehlt Bayern-Torjägerin Nina Aigner, die am vergangenen Wochenende die Gelb-Rote Karte sah. Bayern-Trainerin Sissy Raith erklärt: „Unsere Mannschaft ist nach wie vor stark und ausgeglichen. Nun können sich die Spielerinnen in Crailsheim zeigen, die mehr Einsätze von mir forderten.“

Die Gastgeberinnen warten immer noch auf den ersten Sieg im Jahr 2008. Gegen die Bayern sollen wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg ergattert werden. Bei den Crailsheimerinnen war allerdings unter der Woche nach der 1:7-Niederlage in Duisburg psychologische Aufbauarbeit gefragt. In der Defensive hofft man auf den Einsatz der in Duisburg geschonten Karin Burger und ein mögliches Comeback von Martina Honecker. Auch Stürmerin Fanni Vágó kann möglicherweise erstmals seit vier Monaten wieder spielen.

Freiburg will Aufschwung fortsetzen
Nach dem 4:2-Überraschungserfolg bei Bayern München und dem ersten Saisonsieg ist beim SC Freiburg Aufbruchstimmung angesagt. 54% der Womensoccer-Leser glauben einer Umfrage zufolge, dass man den Abstieg noch vermeiden kann. „Die bisherigen Leistungen sind kein Zufall, das haben wir uns hart erarbeitet. Im Kampf um den Klassenerhalt ist noch keine Vorentscheidung gefallen, unser Selbstvertrauen wächst, und der HSV ist sicher nicht spielstärker als Bayern“, gibt sich Trainer Alexander Fischinger kämpferisch.

Bei einem Sieg gegen den HSV und einer Niederlage Wattenscheids gegen den Tabellenführer könnten die Breisgauerinnen erstmals seit dem zweiten Spieltag wieder auf dem vorletzten Tabellenplatz stehen und somit die Rote Laterne abgeben. Personell sieht es aber nicht rosig aus bei den Gastgeberinnen. Die starke Valeria Kleiner weilt bei der U17-EM-Quali und wird ebenso nicht zur Verfügung stehen wie die beiden Langzeitverletzten Sandra Schmidt und Julia Zirnstein. Auch der Einsatz von Nicole Söder, Myriam Krüger und Susanne Hartel ist noch fraglich.

Weltmeisterin Melanie Behringer hofft aus einem weiteren Grund auf einen Sieg: „Davon abgesehen, dass wir in jedes Spiel gehen und gewinnen wollen, wäre es am Sonntag natürlich besonders schön, wenn wir Alex noch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk in Form eines ‚Dreiers‘ machen könnten.“

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.