Deutschlands U17 träumt von Neuseeland

Von am 10. April 2008 – 11.55 Uhr 4 Kommentare

Frauenfußball-Talent Dzsenifer MarozsanFreude und Anspannung hielten sich bei der deutschen U17-Frauenfußball-Nationalmannschaft vor Beginn der heute beginnenden zweiten Qualifikationsrunde zur UEFA U17-Europameisterschaft die Waage.

Freude, weil man vor eigenem Publikum die Chance hat, in den Duellen mit der Schweiz, Polen und Schweden sich nicht nur für die Endrunde der erstmals ausgetragenen U17-EM am UEFA-Sitz in Nyon zu qualifizieren, sondern zugleich automatisch ein Ticket für die im November stattfindende Premiere der U17-Frauenfußball-WM in Neuseeland zu ergattern.

Anspannung, weil die Erfolge im deutschen Frauenfußball auch die Erwartungshaltung an die Juniorinnen von Trainer Ralf Peter in die Höhe haben schnellen lassen und die Herausforderung groß ist, da nur die Gruppensieger in den Genuss dieser beiden Turniere kommen werden. „Schweden ist ein absoluter Mitfavorit auf den EM-Titel, die Schweiz und Polen sind nicht zu unterschätzen“, sagt Peter.

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Am heutigen Donnerstag startet die DFB-Elf in Essen gegen die Schweiz (18.00 Uhr, Sportpark „Am Hallo“) in das Turnier. Ein Gegner, gegen den man bei einem Turnier in Venlo im vergangenen Juni überraschend mit 1:2 verlor. Aber Peter versichert, dass diesmal die Ausgangssituation eine andere ist, da der Kader damals nicht komplett gewesen sei.

„Die Mannschaft hat gut gearbeitet und sich weiterentwickelt“, sagt er. „Unser Team ist ausgeglichen besetzt und hat keine größeren Schwachpunkte.“ Vor allem beim Herausspielen und Verwerten von Torchancen sieht Peter aber noch Entwicklungspotenzial. „Dort müssen wir uns mehr konzentrieren und kaltschnäuziger werden.“

Starker Jahrgang
Dass die deutsche U17 ein ganz starker Jahrgang ist, würde wohl kaum einer bestreiten. „Das Niveau ist richtig hoch“, sagt etwas Martina Voss, Trainerin des FCR 2001 Duisburg. Vor allem die Athletik der Nachwuchsspielerinnen seit heute deutlich größer als zu ihrer Zeit: „Wir kamen eher von der Straße.“

Zu den Leistungsträgerinnen im Team gehören auch zwei Essener Lokalmatadorinnen. Inka Wesely, die sich in den vergangenen zwei Jahren in der Innenverteidigung etabliert hat und Isabelle Linden, deren Leistungen aber noch Schwankungen unterworfen sind. „Bella kann an einem guten Tag eine ganze Abwehr auseinander nehmen. Und an einem schlechten ärgert man sich schwarz über sie“, so Peter über seinen Schützling.

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Geballte Offensivpower
Zwei weitere Spielerinnen aus dem Ruhrgebiet sind wichtige Stützen im Team, die beiden Duisburgerinnen Turid Knaak und Alexandra Popp. Gerade in der Offensive braucht sich die Mannschaft nicht zu verstecken; neben Knaak, Popp und Linden finden sich hier Namen wie Svenja Huth, Tabea Kemme, Dszenifer Marozsan oder auch Ivana Rudelic.

Die DFB-Juniorinnen konnten sowohl in der ersten Qualifikationsrunde mit Siegen gegen Israel, Bulgarien und Norwegen überzeugen wie mit dem zweiten Platz beim Vier-Nationen-Turnier in Neuseeland Anfang des Jahres hinter Sieger USA. „Wir möchten uns unbedingt qualifizieren“, so Peters klare Devise. „Das wäre für unsere Perspektivspielerinnen eine wahnsinnig wichtige Erfahrung.“

Schweiz als erster Prüfstein
Die deutsche Defensive sollte zum Auftakt die Schweizerinnen jedoch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn das Team von Trainer Walter Späni ist eine verschworene Einheit und hat ebenfalls in der Offensive seine Stärken. Allerdings muss Späni in Deutschland auf die drei Leistungsträgerinnen verzichten, Selina Kuster, Cinzia Jörg und Aline Joos. „Ich habe nicht 18 gute Spielerinnen, ich habe 24“, versucht er Bedenken zu zerstreuen, sein Team habe an Qualität eingebüßt.

Zahlreiche Bundesligatrainer und Talentspäher werden sich die Spiele in Essen und Bottrop nicht entgehen lassen, hat man doch selten die Chance, eine derartige Vielzahl von Talenten auf einem Fleck zu beobachten. Für die Spielerinnen ist es eine Riesengelegenheit, sich ins Rampenlicht zu spielen und vor einer Kulisse von mehreren Tausend Zuschauern weitere wertvolle Erfahrung zu sammeln. „Wenn es uns gelingt, dass das Team locker bleibt und Spaß am Fußball hat, dann wird es uns begeistern“, ist sich Peter sicher.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Deutschland ist mit einem souveränen 4:0 (1:0)-Sieg gegen die Schweiz in die 2. Runde der EM-Qualifikation gestartet.

    Ein Spielbericht auf Womensoccer.de folgt im Laufe des Abends.

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  • oliist sagt:

    Und Deutschlands Chancen auf den Gesamtsieg sind mit dem 1:1 von Polen gegen Schweden noch gestiegen.

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  • Chausser sagt:

    Alexandra Popp ist wirklich hammer stark. Eine sehr gute Pass-Geberin.

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  • AlfDeluxe sagt:

    Auch bei uns im Norden gibt es jetzt immer mehr Frauenmannschaften.

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