Brauweiler Pulheim stellt Insolvenzantrag

Von am 9. April 2008 – 10.32 Uhr 4 Kommentare

Nach dem TuS Niederkirchen steht ein weiterer Traditionsverein im deutschen Frauenfußball vor dem Aus. Nach eingehender Prüfung der finanziellen Situation und aufgrund von Steuerforderungen des Finanzamtes hat der FFC Brauweiler Pulheim 2000, derzeitiger Tabellenletzter in der 2. Bundesliga Süd, deutscher Meister von 1997 und dreifache DFB-Pokalsieger (1991, 1994, 1997), einen Insolvenzantrag gestellt.

Langwierige Prüfungen des Finanzamts beim derzeitigen Tabellenletzten der 2. Frauenfußball-Bundesliga Süd ergaben erhebliche Steuerforderungen für die zurückliegenden Jahre. „Die finanziellen Altlasten hätten wir noch mit Mühe abtragen können, aber diese neuen Forderungen können wir so nicht stemmen“, begründete die Vorsitzende Monika Beckmann diesen harten Schritt.

1991 sorgte das Team für die größte Sensation im DFB-Pokalfinale, als man als bisher einziger Zweitligist die Trophäe holte und den damals amtierenden deutschen Meister TSV Siegen mit 1:0 bezwang.

Zahlreiche bekannte Spielerinnen schnürten in der Vergangenheit für Brauweiler Pulheim die Fußballschuhe, wie etwa Bettina Wiegmann, Maren Meinert, Tina Theune-Meyer, Silke Rottenberg, Navina Omilade oder auch Sonja Fuss.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Fußballverband Mittelrhein (FVM) waren bereits im Vorfeld durch den erst vor wenigen Wochen im Amt bestätigten Vorstand in Kenntnis gesetzt worden, wie auch die Hauptsponsoren des Vereins, die Stadt Pulheim und die Spielerinnen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Interessant ist in diesem Zusammenhang §6 der DFB-Spielordnung:

    Verein/Kapitalgesellschaft in Insolvenz

    1. Die klassenhöchste Herren-Mannschaft eines Vereins, über dessen Vermögen das Insolvenzverfahren eröffnet oder bei dem die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt wird, gilt als Absteiger in die nächste Spielklasse und rückt insoweit am Ende des Spieljahres an den Schluss der Tabelle.

    Nimmt diese Mannschaft an den Spielen einer Spielklasse unterhalb der Oberliga teil und verfügt der Verein über eine Frauen-Mannschaft, die in der Bundesliga, 2. Frauen-Bundesliga oder Regionalliga spielt, so gilt die klassenhöchste Frauen-Mannschaft als Absteiger.

    Die Anzahl der aus sportlichen Gründen absteigenden Mannschaften vermindert sich entsprechend.

    2. Die von einer solchen Mannschaft ausgetragenen oder noch auszutragenden Spiele werden nicht gewertet.

    Das bedeutet, dass einige Teams, die in der laufenden Saison gegen Brauweiler Punktverluste erlitten haben, von der Insolvenz profitieren, wie etwa am vergangenen Wochenende der 1. FFC Frankfurt II.

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  • ViolA sagt:

    „Nimmt diese Mannschaft an den Spielen einer Spielklasse unterhalb der Oberliga teil und verfügt der Verein über eine Frauen-Mannschaft, die in der Bundesliga, 2. Frauen-Bundesliga oder Regionalliga spielt, so gilt die klassenhöchste Frauen-Mannschaft als Absteiger.“

    diese bestimmung finde ich sonderlich… merkwürdig in dem zusammenhang, dass man vom dfb aus den ff unterstützen und fördern will, dann aber im zweifelsfalle lieber die frauen absteigen läßt als die herren. der gerechtigkeit nach entweder beide oder gar keine oder?

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  • Markus sagt:

    Wieso? Bei der Inso wird halt das „Aushängeschild“ eines Vereins als Absteiger gewertet. Egal ob Frauen oder Männer. Das macht auch Sinn, wenn es nämlich anders wäre, würde das die Türen für den Missbrauch vollkommen öffnen. Siehe Basketball in Köln: Inso der alten Gesellschaft, Lizenzübertragung während der Saison, eine Ohrfeige für alle ehrlich wirtschaftenden Teams. Da ist der DFB hier mit einer viel größeren Profi-Einstellung unterwegs, was die Spielordnung betrifft.

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  • ViolA sagt:

    ah, hatte mich verlesen sorry. statt dem „und“ hatte ich „oder“ gelesen als es um die frauen-mannschaft ging.

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