Brauweiler hofft auf Rettung

Von am 9. April 2008 – 14.45 Uhr 5 Kommentare

Frauenfußball-Zweitligist FFC Brauweiler Pulheim 2000 hat die Hoffnung noch nicht aufgegebenSeit 18. Februar ist Monika Beckmann, 1. Vorsitzende des FFC Brauweiler Pulheim 2000, erst im Amt und nur knapp zwei Monate nach Beginn ihrer Tätigkeit sieht sie sich mit dem drohenden Aus beim Traditionsverein und deutschen Frauenfußball-Meister von 1997 konfrontiert.

Dass vor einiger Zeit beim Verein eine Steuerprüfung stattgefunden hatte, war Beckmann bei Amtsantritt klar, doch als der Nachforderungsbescheid des Finanzamts in fünfstelliger Höhe einging, verschlug es ihr den Atem. „Dass es solche Dimensionen haben würde, damit habe ich nicht gerechnet“, offenbart sie im Gespräch mit Womensoccer.de.

Und so blieb keine andere Wahl. „Wir mussten diese Entscheidung treffen, da das Finanzamt Forderungen hat, denen wir nicht nachkommen können.“ Der Insolvenzantrag ist zwar gestellt, doch die Hoffnung hat man noch lange nicht aufgegeben. „Es ist ja alles noch ganz frisch, aber wir hoffen schon, dass wir noch eine Lösung finden werden.“

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Sponsorensuche in Köln
Wie die aussehen könnte, ist klar. Man hegt die Hoffnung, einen Sponsor aus der Kölner Wirtschaft zu finden, der mit Blickrichtung Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland bereit ist, Geld zu investieren. „Man darf aber nicht zu naiv sein und muss die Sache realistisch sehen. Die finanzielle Lage der einzelnen Unternehmen ist auch nicht immer ganz rosig.“

Doch zumindest sportlich konnte der Zweitligist den Super-GAU zunächst abwenden. „Wir werden alle restlichen Saisonspiele bestreiten. Das ist mit dem DFB so abgesprochen. Wir hoffen, dass wir bis dahin eine Lösung gefunden haben.“

Ein Zeitfenster, bis wann der Verein noch zu retten ist, gibt es bisher nicht. „Es gibt bisher keinen exakten Stichtag. Nächste Woche habe ich einen Termin beim Insolvenzverwalter, dann kann ich erst sagen, bis wann und in welcher Form Entscheidungen gefallen sein müssen.“

Im Insolvenzfall Annullierung der Ergebnisse
Sollte der Verein am Ende wirklich nicht gerettet werden können, würden alle Spiele der laufenden Saison gemäß Spielordnung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) annulliert. Wovon in der Tabelle Vereine wie FCR 2001 Duisburg II, 1. FFC Frankfurt, Wacker München, ASV Hagsfeld und SV Dirmingen profitieren würden, die gegen Brauweiler nur remis spielten oder gar verloren.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • Markus sagt:

    In Köln Sponsoren suchen? Da kann man nur viel Glück wünschen! Im Basketball hat Köln das ganze vor wenigen Wochen selbst durchmachen müssen. Am Ende ging es gerade noch so gut, weil ein Basketball-Mäzen aus Hamburg endlich eine eigene Mannschaft haben wollte und sich ein Kölner Baulöwe weiterhin Hoffnungen auf eine neue (rentable) Multi-Funktions-Halle macht… Ansonsten haben Randsportarten in Köln neben dem FC und Eishockey eher geringe Chancen.

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  • Anke sagt:

    Allerdings, in Köln gestaltet sich die Sponsorensuche mehr als schwierig. Allerdings würde ich mich als Sponsor auch fragen, was in einem Verein vorgefallen sein muss, der sich innerhalb weniger Jahre vom Topteam zur Lachnummer gewandelt hat. Anscheinend wurde da über Jahre über die eigenen Verhältnisse gelebt, sonst wären die hohen finanziellen Verpflichtungen nicht zu erklären. Andere Vereine schaffen es ja auch, mit einer „roten Null“ durch die Saison zu kommen.

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  • Detlef sagt:

    Es wäre schon bitter, wenn schon wieder ein Traditionsklub des FF in der Versenkung verschwinden würde!!! Andererseits haben Vereine, die nicht richtig wirtschaften können es auch nicht verdient, in Liga Zwei weiter zu „wurschteln“!!!
    Ich kann es eigentlich kaum glauben, dass es im Großraum Köln, Bonn, Leverkusen, nicht ein paar Sponsoren geben sollte, die den FF unterstützen können!!! Es ist eine „Fußball-verrückte“ Ecke, und WARUM sollten nicht auch die Mädels davon profitieren???
    Allerdings muss man sich in Pulheim aber auch bewusst sein, dass niemand Geld in ein Fass ohne Boden rein wirft!!! Will sagen, das Vertrauen muss erst mal wieder hergestellt werden!!!

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  • Marion sagt:

    Eben WEIL der Großraum „Fußball-verrückt“ ist, ist es so schwer für FF-Vereine, Sponsoren zu finden. Jeder Unternehmer ist, so bescheuert das auch klingt, lieber der achtundzwanzigste „Premium-Partner“ des FC als FF-Sponsor. Zudem gibt es Männer-Erstligisten im Basketball, Eishockey etc… Für den FF bleibt da leider nichts übrig – erst recht, und das ist der zweite große Hemmnisfaktor, weil die Kölner Medienlandschaft den erfolgreichen FF der Region völlig ignoriert. Gerade der WDR sollte hier in die Verantwortung genommen werden (wobei das Problem ja nicht nur für die Kölner Region besteht, sondern für ganz NRW. Über den FCR oder andere NRW-Erstligisten berichtet der WDR ja auch nicht). Aber auch hier gilt: Sportredaktion = Männerdomäne, der FF wird belächelt.

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  • Max Diderot sagt:

    Das vielfache Lamento, die Suche nach Sponsoren sei so schwierig oder gar unmöglich, kann ich nur bedingt nachvollziehen.

    Wenn ich beispielsweise auf der Straße von einer Person angesprochen werde, die mir das Angebot unterbreitet, eine Werbemaßnahme zu unternehmen, die mein Tun und/oder meine Person in ein mittelfristig günstigeres Licht zu platzieren gedenkt, dann zeige ich mich zuerst einmal erfreut ob dieses Umstandes. Erfahre ich aber, dass damit auch Kosten für mich verbunden sein werden, zucke ich reflexhaftig zurück und überdenke mein ursprüngliches Ansinnen. Nun entsteht ein Vakuum. Wie kann ich inhaltlich weitestgehend davon überzeugt werden, dass diese angestrebte Maßnahme auch für mich nützlich sein wird? Und wenn sie es nicht ist, kann ich alternierend als Mäzen tätig werden? Sowohl die Frage nach dem Effekt einer Marketingmaßnahme (Sponsoring) als auch die selbstlose Spende an einen Verein (mäzenatisch) unterliegen Kriterien, die mehr als nur Wohlwollen verlangen. Und das ist gut so.

    Mir ist der Fall Brauweiler nur unzureichend bekannt. Aber nicht selten agieren Vereine, die ihre sportliche Situation verbessern wollen, nach dem Prinzip Hoffnung. Manchen fehlt auch nur der Hauch einer mittelfristigen Planung, die sogleich ein Soll-Ist-Vergleich beinhaltet. Und anderen fehlen elementare Kenntnisse dort, wo sie auch für das erfolgreiche Gelingen eines Vereins notwendig sind (i.e. die ordnungsgemäße Buchführung).

    Die Sporthochschule Köln unterhält auch ein Institut für Sportökonomie und Sportmanagement. Eine der dort publizierten Dissertationen befasst sich mit dem Thema „Informationsbeschaffung im Sponsoringmanagemet Eine empirische Studie am Beispiel der Sponsoren der Deutschen Fußballbundesliga“. Verfasser ist Robert Wiegand. Nun ist es manchmal so, dass das akademische Arkadien ganz schön blütenreich ist während der profane Vereinsbetrieb eher welk anmutet. Aber wichtig ist auch die Schnittmenge. Welchen Nutzen kann ein relativ kleiner Klub aus Erhebungen erlangen, die dem Profibetrieb zugeschnitten sind. Und könnte es nicht eine Kooperation zwischen der Hochschulinstitution und den Klubs geben, beispielsweise mit Unterstützung des Landesfußballverbandes oder gar dem DFB, wo Modelle entwickelt werden, die Wege aufzeigen, wie und wo profitabel (im Sinne von einer langfristigen Tragbarkeit) in den Vereinen gearbeitet werden kann.

    Also, ein Schritt wäre die Unterstützung von externen Experten. Der zweite Punkt betrifft die Bündelung von Interessen. Gibt es möglicherweise einige Frauenfußballvereine in der Region, die Marketing- und Medieninteressen gemeinsam verfolgen wollen? Ist es möglich, dafür eine externe Agentur zu gewinnen, die bereit wäre auf Provisionsbasis tätig zu werden. Oder lohnt es sich gar, dafür eigene Mitarbeiter einzustellen, die quasi als Start-up auch entsprechende Förderungen beanspruchen könnten.

    Es lohnt sich zu denken! Auch in der scheinbar verfahrensten Situation gibt es oftmals noch Möglichkeiten der Steuerung. Der wichtigste Punkt aber besteht für mich darin, Verbündete zu finden. Vereine sind sportliche Konkurrenten. Viele vereint aber auch eine unzureichende finanzielle und organisatorische Ausstattung. Hier unternehmen, nach meinem Empfinden, die Institutionen von Bund und Ländern zu wenig. Und deshalb sollten, gerade im Frauenfußball, die Klubs selbst und gemeinsam (ähnlich der DFL) initiativ werden.

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