Frenetische Freude in Frankfurt

Von am 8. April 2008 – 10.26 Uhr 11 Kommentare

Freude pur bei Frauenfußball-Bundesliigist 1. FFC Frankfurt„Ein gutes Springpferd springt nicht höher als es muss“, heißt eine altbekannte Weisheit aus dem Reitsport. Und der 1. FFC Frankfurt deutete im UEFA-Pokal-Halbfinale gegen CS Bardolino Verona nach dem etwas schludrigen 4:2 im Hinspiel beim überzeugenden 3:0-Erfolg im Rückspiel an, dass mit ihm in den beiden Finalspielen gegen Umeå IK zu rechnen sein wird.

Groß war die Freude im Lager der Frankfurterinnen nach dem frühen und enttäuschenden Viertelfinal-Aus im Vorjahr nun endlich wieder die Chance zu bekommen, um den Titel in der europäischen Königsklasse des Frauenfußballs zu kämpfen. Und damit auch wirtschaftlich dem angestrebten Halbprofitum ein Stück näher zu kommen.

„Wir sind sehr stolz und glücklich, dass unsere Mannschaft mit dem Einzug in das vierte UEFA-Pokal-Endspiel innerhalb von sieben Jahren ein weiteres Saisonziel erreicht hat“, freute sich FFC-Manager Siegfried Dietrich und Conny Pohlers, UEFA-Pokal-Siegerin 2005 mit Turbine Potsdam,  überzeugte auf der Rückfahrt zum Hotel als „Deutschlands beste Showmasterin“.

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Das 7:2-Gesamtergebnis aus den beiden Spielen gegen den italienischen Meister mag den Eindruck erweckt haben, der Gegner aus dem Veneto sei bei seinem Debüt unter den besten vier Teams Europas für den routinierten FFC nur Kanonenfutter und kein gleichwertiger Konkurrent gewesen. Doch wenngleich der FFC sicherlich den angenehmsten aller möglichen Halbfinalgegner erwischt hatte, war dennoch viel Geduld gefragt, bis der schöne Treffer von Karolin Thomas Mitte der zweiten Halbzeit letzte Zweifel zerstreute und der FFC in der Schlussviertelstunde zum Schaulaufen ansetzen konnte.

Vor den fast 13.000 Fans im Stadio Bentegodi bedurfte es aber einer konzentrierten Leistung, um die Italienerinnen in Schach zu halten, die zwar sicherlich nicht zur Crème de la Crème des europäischen Frauenfußballs gehören, doch ein ehrgeiziger und ernst zu nehmender Emporkömmling sind. Wenngleich es ein paar mehr Spielerinnen vom Kaliber einer Patrizia Panico oder einer Melania Gabbiadini bedurft hätte, um die Frankfurterinnen ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Große Zuschauerresonanz
Bis in die Haarspitzen motiviert präsentierte sich die auf drei Positionen veränderte Startformation der Deutschen, in der Renate Lingor nach ihrer Denkpause zumindest in Ansätzen zeigte, was sie in der Vergangenheit so stark gemacht hat. Karolin Thomas avancierte mit ihrem tollen Distanzschuss zum 1:0 und der Vorlage zum 2:0 zur Matchwinnerin.

Zudem belebte Kerstin Garefrekes das FFC-Spiel nach ihrer Einwechslung zu Beginn der zweiten Halbzeit. Und der Sturm um Conny Pohlers, Birgit Prinz und Petra Wimbersky braucht sich vor der europäischen Konkurrenz nicht zu verstecken, wenngleich in Sachen Abschluss und Kaltschnäuzigkeit noch Optimierungspotenzial vorhanden ist.

In den beiden Finalspielen am 17. und 24. Mai gegen Umeå IK wird man die Leistung noch einmal deutlich steigern müssen, denn der schwedische Meister wird den Hessinnen mehr abverlangen und angeführt von Weltfußballerin Marta vor allem die Frankfurter Defensive auf eine harte Probe stellen.

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UEFA-Pokal der Frauen eine Erfolgsgeschichte
Dass zum zweiten Mal binnen einer Woche eine fünfstellige Besucherzahl ein Halbfinalspiel im UEFA-Pokal der Frauen im Stadion verfolgen wollte (beim Spiel Lyon gegen Umeå waren es 12.375), hat man beim europäischen Fußballverband sicherlich mit Freude zur Kenntnis genommen.

Der 2001 eingeführte Wettbewerb hat sich in den sieben Jahren seines Bestehens kontinuierlich weiterentwickelt. In der UEFA-Kommission für Frauenfußball wurde erst kürzlich rege diskutiert, wie man den UEFA-Pokal auf ein noch höheres Niveau hieven kann. „Ich bin mir sicher, dass in fünf Jahren der Frauenfußball angesehener sein wird als je zuvor“, ist sich Kommissionsvorsitzender Mircea Sandu sicher.

Beide Finalspiele live im TV
Und schon das Finale dürfte in dieser Hinsicht ein neuer Meilenstein werden. Denn das zweite Finalspiel in Frankfurt am 24. Mai wird in der großen Commerzbank-Arena ausgetragen, angepeilt werden 15.000 bis 20.000 Zuschauer. Der Ticketverkauf beginnt Ende April und auch wer nicht die Chance hat, die Finalspiele vor Ort zu verfolgen, darf sich schon jetzt freuen, denn der paneuropäische Sportsender Eurosport überträgt beide Partien live.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • Crackfly sagt:

    >>>In den beiden Finalspielen am 17. und 24. Mai gegen Umeå IK wird man die Leistung noch einmal deutlich steigern müssen, denn der schwedische Meister wird den Hessinnen mehr abverlangen und angeführt von Weltfußballerin Marta vor allem die Frankfurter Defensive auf eine harte Probe stellen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Man könnte den Satz aber auch ohne Probleme folgendermaßen schreiben:

    „In den beiden Finalspielen am 17. und 24. Mai gegen den 1. FFC Frankfurt wird man die Leistung noch einmal deutlich steigern müssen, denn der Deutsche Meister wird angeführt von der dreifachen Weltfußballerin Birgit Prinz vor allem die Defensive von Umeå IK auf eine harte Probe stellen.“

    🙂

     

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  • Max Diderot sagt:

    Der englische Schriftsteller Tim Parks hat ein wunderbares Buch über die Veroneser Fußballleidenschaft geschrieben. „Eine Saison mit Verona“ heißt es und befasst sich mit den Tifosi von Hellas Verona. Dieser Verein, der zu Beginn der achtziger Jahre, mit dem Lauterer Briegel, italienischer Fußballmeister war, und sein Stadtpedant Chievo Verona waren über lange Jahre die fußballerischen Aushängeschilder des Veneto, also jener italienischen Region, in der sich die Stadt Verona (ca. 260.000 Einwohner) befindet. Beiden Klubs zu eigen ist der Umstand, dass sie im vergangen Jahr abgestiegen sind. Chievo von der ersten in die zweite Klasse und Hellas in die dritte Liga.
    Möglicherweise dokumentieren diese Hinweise aber auch, welchen Erfolg die Damen von Bardolino Verona in der vergangenen Saison errungen haben, als sie den Scudetto, den Meisterschild des Calciodonne gewannen. Und aktuell führen sie auch wieder die Tabelle an.
    Fazit: Neben der Freude in Frankfurt über den Sieg, dürften auch die Damen aus Verona als Gewinnerinnen betrachtet werden. Die große Zuschauerresonanz als auch deren sportliches Auftreten haben den Donne aus Venetien viele Sympathien erbracht und sie, zumindest für den Augenblick, in die Lage versetzt, ihre männliche Konkurrenz in den Schatten zu verbannen. Und Letzteres lässt sich (noch) nicht von allzu vielen Damenteams behaupten!

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  • Markus Juchem sagt:

    Vollkommen richtig, Bardolino hat im diesjährigen UEFA-Pokal eine starke Vorstellung abgegeben. Ich bin gespannt, ob sie im kommenden Jahr an diese Leistungen anknüpfen können. Es wird sicherlich deutlich schwieriger.

    Danke für den Hinweis auf das Buch von Tim Parks. Wer sich näher dafür interessiert, findet unter anderem bei Amazon mehr Details.

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  • Crackfly sagt:

    Das stimmt schon. Aber ich schätze Marta als Einzelspielerin stärker ein als eine Brigit Prinz. Man schaue sich nur noch mal das Finale an. Brigit ist unheimlich gut, nur sie ist absolute Teamplayerin. Marta im Gegensatz kann auch allein ne Abwehr schwindelig spielen. Und so wie ich gesehen habe, war beim FFC wahrlich die Abwehr nicht das Prunkstück in letzter Zeit.

    @Markus: Hast du etwa den Rest meines Kommentars gelöscht?! 😉

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Crackfly, Dein Kommentar kam bereits so abgeschnitten an. Hatte mich deswegen schon gewundert und war nicht sicher, ob Du das vielleicht mit Absicht so pointiert gemacht hast. 🙂

    Kannst Du mir ihn einfach nochmal komplett per Mail schicken? Dann baue ich den Rest des Kommentars noch ein.

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  • Ute sagt:

    Zum Beitrag: Renate Lingor zeigte, finde ich nach ihrer Rückkehr in den Kader – und dafür, dass sie sicherlich erstmal wieder „reinfinden“ mußte – eine starke, wichtige, sehr engagierte und motivierte Leistung. Sie gehört, finde ich, nach wie vor noch ins Spiel und nicht auf die Bank. Es lohnt sich, sich auch mal zu „wehren“ und Position zu beziehen.

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  • spoonman sagt:

    Das Final-Rückspiel wrd auch live im ZDF übertragen. Anstoß: 14:15 Uhr.

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  • spoonman sagt:

    Laut Website von Umea IK steht jetzt auch die Anstoßzeit des Hinspiels fest: Sa. 17.05., 13:00

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo spoonman, vielen Dank für die Info. Das Rückspiel ist auch schon terminiert. Am Samstag, 24.5., in der Commerzbank-Arena um 14.15 Uhr.

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  • spoonman sagt:

    Nun laufen sogar beide Spiele auf jeweils zwei Sendern: Neben Eurosport überträgt auch der HR das Hinspiel live aus Umea. Das Rückspiel dann live bei ZDF+Eurosport.

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