Versaut uns das Kartellamt die Frauenfußball-WM 2011?

Von am 7. April 2008 – 13.36 Uhr 4 Kommentare

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) brodelt es hinter den Kulissen derzeit gewaltig. Hintergrund: Das vom Bundeskartellamt angestrengte Verfahren wegen Verdachts auf wettbewerbswidrige Absprachen bei der Sponsorensuche könnte gravierende Folgen haben, unter anderem die Rückgabe der Frauenfußball-WM 2011 an den Fußball-Weltverband (FIFA).

Nach einem Bericht des „kicker“ mit dem reißerischen Titel „Die Jagd auf den Fußball“ gehöre eine Absage der Frauen-WM 2011 zum Worst-Case-Szenario. DFB-Sprecher Harald Stenger bestätigte, dass in dem Bericht „Fragen aufgeworfen werden, denen sich die DFB-Spitze in den vergangenen Tagen auch stellen musste.“

Am 26. Februar hatten die Kartellwächter die Zentralen von DFB und Deutscher Fußball-Liga (DFL) durchsucht und eine „Informationssperre“ für die Funktionäre von DFB und DFL verhängt. Diese dürfen somit über Sponsoren nicht miteinander reden. Bei Zuwiderhandlung drohen Geldbußen in Höhe von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes, die auch gegen die führenden Funktionäre – DFB-Präsident Theo Zwanziger und Liga-Präsident Reinhard Rauball – persönlich ausgesprochen werden können.

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Beim DFB würde die Geldbuße bei rund 80 Millionen Euro Jahresumsatz acht Millionen Euro betragen. Auf die DFL könnte bei einem Umsatz pro Jahr von 1,75 Milliarden Euro eine Forderung von gar 175 Millionen Euro zukommen.

Probleme bei der Sponsorensuche
Gravierend könnten die Auswirkungen für die Frauenfußball-WM 2011 sein. Wenn die derzeit gängige Praxis der Sponsorensuche nicht umzusetzen ist, kann der DFB die Ausrichtung der WM möglicherweise nicht mehr gewährleisten. Dann müsste der DFB die Frauenfußball-WM an den Fußball-Weltverband FIFA zurückgeben.

Ein Beispiel dafür, was das Kartellamt laut „kicker“ als Wettbewerbsverstoß ansieht: Der DFB sucht Sponsoren für die Frauen-WM 2011. Die Bahn AG, schon Sponsor bei der WM 2006 in Deutschland, zählt zu den interessanten Kandidaten. Die Bahn AG ist aktuell Hauptsponsor von Hertha BSC. Allein ein Hinweis des DFB an Hertha-Manager Dieter Hoeneß, dass der DFB die Bahn AG ansprechen wird, stellt nach Auffassung des Kartellamtes eine wettbewerbswidrige Absprache dar.

Droht die Frauenfußball-WM 2011 an den strengen Vorgaben des Kartellamtes zu scheitern? Eure Meinungen sind gefragt!

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Crackfly sagt:

    Ich hoffe mal, das Ganze ist übertrieben. Wir haben sonst auch nix mit der DFL zu tun. Warum sollte uns wegen irgendwelcher Spiränzchen die WM entzogen werden? Und wer sagt, dass der DFB nicht auch andere Sponsoren findet, ohne irgendwelche Absprachen mit der DFL (wenn dem denn so ist)

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  • Max Diderot sagt:

    Wenn ich mich recht erinnere, war anlässlich der Vergabe der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011, die im vergangenen Jahr stattfand, auch Frau von der Leyen, in ihrer Funktion als Ministerin des Bundeskabinetts, in der Schweiz anwesend. Im Namen der Bundesregierung signierte sie doch auch das zwischen der FIFA und dem DFB beschlossene Schriftdokument, dass die Ausrichtung definiert. Dieser quasi „hoheitliche Akt“ soll ja auch zum Ausdruck bringen, dass dem (bundesdeutschen) Staat sehr an der Veranstaltung gelegen ist. Und das Kartellrecht (eine sehr gute Sache!) sähe selbst im Falle eines Banns der Frauenfußball-WM 2011, durch die Kartellbehörde, immer noch Gestaltungsmöglichkeiten vor, die die Veranstaltung möglich machen.
    Was aber begrüßenswert ist, dürfte der Umstand sein, dass das Kartellamt in diesen undurchsichtigen Sumpf der direkten und indirekten Geldleistungen im (Fußball-) Sport ein wenig Licht bringen will. Denn, so angenehm es auch ist, ein interessantes und spannendes Match verfolgen zu können, so unstrittig dürfte der Hinweis darauf sein, dass das Metier in dem sich weibliche und männliche Fußballer bewegen, ein stellenweise undurchsichtigster und in einigen Bereichen sicher auch korrupter ökonomischer Prozess ist.

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  • KaDe sagt:

    Ich frage auch:Was hat die DFL mit FF zu tun?
    Wohl nichts, also ist das Thema hier nicht relevant.
    Oder verstehe ich einiges nicht (oder falsch)???

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  • Max Diderot sagt:

    Ein kleiner Teil des DFL-Umsatzes, so ein Vorschlag des SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Danckert, der vor ungefähr einem halben Jahr diese Idee verkündete, solle zukünftig in Projekte des Frauenfußballs investiert werden. Insoweit entstünde ein perspektivischer Bezug.
    Aktuell hat die DFL (zumindest nach meinem Kenntnisstand) nichts mit dem nationalen Frauenfußball zu tun. Aber das ist auch nicht die Frage in der augenblicklichen Debatte. Denn diese bezieht drei Parteien (und ergo zwei Positionen) ein: das Bundeskartellamt auf der einen und die DFL, als Vereinigung der Profivereine im deutschen (Männer-) Fußball, als auch den DFB auf der anderen Seite.
    Und da der Deutsche Fußballbund sich als ein ambitionierter Vorreiter für die Entwicklung des Frauenfußballs versteht, und dies zurecht auch immer betont, bleibt uns die Thematik erhalten. Anders ausgedrückt: wenn Fußballspiele Lyrik bedeuten, könnten die administrativen Prozesse ins Reich der Prosa interpretiert werden!

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