Frauenfußball-Bundesliga: Vorschau 14. Spieltag

Von am 6. April 2008 – 4.18 Uhr 1 Kommentar

Nadine KeßlerDer 14. Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga hält auf den ersten Blick vielleicht nicht gerade die reizvollsten Partien bereit. Doch: In den fünf Begegnungen werden wichtige Weichen für den weiteren Saisonverlauf gestellt.

Zum Bundesliga-Tippspiel

So könnte sich der FCR 2001 Duisburg mit einem Sieg gegen den TSV Crailsheim für eine Weile an der Tabellenspitze sonnen, im Duell der Aufsteiger zwischen dem 1. FC Saarbrücken und Wattenscheid 09 werden überlebensnotwendige Punkte im Kampf gegen den Abstieg vergeben.

Anzeige

Bad Neuenahr will seinen Höhenflug mit dem vierten Sieg in Serie fortsetzen, Bayern München zum bereits vierten Mal in dieser Saison die Oberhand gegen den SC Freiburg behalten. Turbine Potsdam möchte die Formschwäche der SG Essen-Schönebeck schonungslos ausnutzen und setzt erneut auf Offensive pur.

Duisburg peilt Tabellenspitze an
„Alles geben“, heißt die Devise von Martina Voss, Trainerin des FCR 2001 Duisburg, vor dem Duell mit dem TSV Crailsheim. Mit einem Sieg könnten die Duisburgerinnen die vorläufige Tabellenführung übernehmen, da die Frankfurterinnen ein Spiel weniger ausgetragen haben. Doch Übermut tut selten gut, weiß Voss nur zu genau. „Crailsheim hat in der vergangenen Saison als Aufsteiger Zeichen gesetzt. Wir sind gewarnt, das Team von Andreas Haferkamp nicht zu unterschätzen, die Spiele des TSV gegen Potsdam und Frankfurt lassen grüßen!“, so Voss. Inka Grings präsentierte sich zuletzt in Freiburg mit drei Treffern in Galaform. Auch beim 2:0-Sieg im Hinspiel war sie erfolgreich. Vier der letzten sieben Duisburger Tore gehen auf ihr Konto.

Die Crailsheimerinnen rechnen denn auch mit 90 Minuten Schwerstarbeit in der Abwehr. „Duisburg ist für uns sicher eine Kragenweite zu groß“, macht sich Trainer Andreas Haferkamp wenig Hoffnungen auf einen Punktgewinn. Die Sorgenfalten sind groß, fehlen doch zahlreiche Spielerinnen verletzungsbedingt. Neben den Langzeitverletzten Fanni Vago und Katharina Grießemer fehlt auch Kerstin Schmitt. Die angeschlagene Karin Burger soll für das folgende Bayern-Spiel geschont werden, und Patricia Schwab hat wegen Abiturstress um Befreiung gebeten.

Abstiegskampf pur im Duell der Aufsteiger
Im Abstiegskampf kommt es zum überaus wichtigen Spiel zwischen dem 1. FC Saarbrücken und der SG Wattenscheid 09. Die Gastgeberinnen wollen an die gute Leistung beim 3:1-Sieg im Heimspiel gegen den Hamburger SV anknüpfen und untermauern, dass sie mit Recht auf einem Nicht-Abstiegsplatz stehen. „In den Duellen mit unseren direkten Tabellennachbarn heißt es für uns, viele Punkte zu sammeln und so eine gute Ausgangsbasis zu schaffen für den Endspurt in der Liga“, so Saarbrückens Trainer Guido Mey.

Doch auch der Gegner aus Wattenscheid hat keine Punkte zu verschenken. „Es ist mit Sicherheit eines der wichtigsten Spiele der Saison“, stuft der sportliche Leiter Hans-Peter Agreiter die Partie ein. Mit einem Sieg könnten die Wattenscheiderinnen mit dem Konkurrenten aus dem Süden gleichziehen. Und beim letzten Auswärtsspiel gelang ein 1:0-Überraschungssieg beim VfL Wolfsburg.

„An dieses Spiel wollen wir anknüpfen und mindestens einen Punkt aus Saarbrücken entführen, um den Anschluss an das Mittelfeld weiter zu halten“, so Trainer André Birker. Melissa Thiem und Daniela Löwenberg sind wieder einsatzfähig. Eine Zusammenfassung des Spiels ist ab 18.00 Uhr im DFB-TV unter http://www.dfb.de/ zu sehen.

Hält Bad Neuenahrs Höhenflug an?
Nach drei Siegen in Folge ohne Gegentreffer sind die Begehrlichkeiten beim SC 07 Bad Neuenahr gestiegen. Und so will man beim Kurzbesuch beim VfL Wolfsburg ganz schnell drei Punkte aus Niedersachsen entführen. Denn erst 75 Minuten vor Spielbeginn kommt das Team am Bahnhof in Wolfsburg an, 70 Minuten nach Spielende soll der Tross schon wieder die Heimreise in die Kurstadt antreten. Trainerin Sandra Minnert meint lapidar: „Wir fahren dahin, um was zu holen.“ Bad Neuenahr konnte zuletzt gegen Essen (4:0), Wattenscheid (7:0) und Crailsheim (2:0) einiges fürs Punkt- und Torverhältnis tun und hat den Blick nach oben gerichtet. Mit einem variablen Trainingsprogramm hält Minnert ihre Spielerinnen auf Trab. Leichtathletik-, Gymnasik- und demnächst auch Boxtraining ergänzen den wöchentlichen Fußball-Stundenplan.

Doch die früheren Bad Neuenahrerinnen Martina Müller und Shelley Thompson wollen den Kurstädterinnen die Party verderben. Wolfsburg gewann zuletzt glücklich 1:0 bei der SG Essen-Schönebeck. „Die Moral bei uns ist gut“, sagt Wolfsburgs Trainer Bernd Huneke, dessen Team unter der Woche wegen der starken Regenfälle auf Kunstrasen trainierte. Bis auf Nathalie Bock kann Huneke personell aus dem Vollen schöpfen. Mit einem Heimsieg könnte man im Optimalfall auf Platz vier klettern. „Daraus können wir zusätzliche Motivation ziehen.“ Das Hinspiel ging jedoch mit 0:3 verloren. Doch: „Ich gehe guten Mutes in das Spiel und glaube an das bessere Ende für uns“, so Huneke.

Nicole und Sylvie BaneckiBayern-Lazarett will drei Punkte einfahren
Bayern München will im Heimspiel gegen den SC Freiburg nach dem Auswärtssieg in Hamburger den zweiten Dreier in Folge einfahren und sich im oberen Tabellendrittel festsetzen. Der Gegner ist ein alter Bekannter, denn gegen die Freiburgerinnen spielte man in dieser Saison bereits in Liga, DFB-Pokal und im WM-Überbrückungsturnier und feierte dabei drei Siege. Eine leichte Aufgabe erwartet Bayern-Trainerin Sissy Raith dennoch nicht: „Der Sportclub hat quasi in jedem Spiel ein sogenanntes Endspiel und will sich aus dem Tabellenkeller befreien. Meiner Meinung nach sind die Breisgauerinnen wesentlich besser, als es der Tabellenplatz derzeit anzeigt.“

Zudem plagen die Bayern kräftige Personalsorgen. Denn neben den Langzeitverletzten Sonja Spieler und Viktoria Schnaderbeck fehlen ebenso Julia Simic (Meniskusverletzung), Stefanie Mirlach (Muskelfaserriss) und auch Torhüterin Ulrike Schmetz (Kapsel- und Bandverletzung in der Schulter). Darüber hinaus ist der Einsatz von Nina Aigner wegen einer schweren Knochenprellung fraglich. Auch Katharina Baunach dürfte noch nicht wieder Kraft für 90 Minuten haben.

Die Gäste wollen sich nicht verstecken. „Wir werden versuchen, Bayern unser Spiel aufzudrücken und das Spiel mutig anzugehen, so wie uns das in Potsdam auch schon gelungen ist“, so Freiburgs Trainer Alexander Fischinger. Auch die Gäste kommen mit Personalsorgen. Ein Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Nicole Söder, die an Knöchelproblemen laboriert und Christine Kaltenbach – mit drei Treffern die bislang erfolgreichste Torschützin des SC gegen Bayern, die noch aktiv ist. Sie hat sich im Training das Knie verdreht.

Turbine will Essens Mini-Krise ausnutzen
Der Tabellendritte Turbine Potsdam empfängt die formschwache SG Essen-Schönebeck, die sich nach drei Niederlagen in Folge in einer Mini-Krise befindet. Doch: „Nicht unbedingt unser Lieblingsgegner und eine schwer zu spielende Mannschaft“, so Turbine-Stürmerin Anja Mittag über den Gegner. Gegen die SGS taten sich die Potsdamerinnen in der näheren Vergangenheit immer schwer. Beim 1:1 im Hinspiel genauso wie in der vergangenen Saison beim 2:3 und 3:3. „Wir sind gewarnt“, erklärt Trainer Bernd Schröder. „Ich erwarte ein absolutes Kampfspiel, bei dem wir warm anziehen müssen.“ Mit drei Spitzen soll das gegnerische Abwehrbollwerk geknackt werden. „Es hat sich gezeigt, dass es uns einfach mehr liegt, mit drei statt nur zwei Stürmerinnen zu spielen“, so Schröder.

Essens Trainer Ralf Agolli hofft auf eine Trendwende: „Vielleicht kommt dieses Spiel ja auch gerade recht. Man erwartet schließlich nichts von uns. Und gegen Turbine haben wir immer ganz gut ausgesehen.” Aber auch der 46-Jährige weiß, dass gute Leistungen allein nicht mehr reichen. Defensive ist Trumpf: „Schöner Fußball allein reicht nicht mehr.” Für die zuletzt wenig souveräne Steffi Löhr wird Lisa Weiß zwischen den Pfosten eine Chance bekommen. Im Sturm könnte Taru Laihanen für Charline Hartmann in die erste Elf rücken. Gegen Turbine fehlen werden die gelb-gesperrte Susanne Kasperczyk sowie Carina Chojnacki und Marlene Kowalik. Mit dabei sind Linda Bresonik (muskuläre Probleme) und auch wieder Melanie Hoffmann, die zuletzt schmerzlich vermisst wurde.

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Markus Juchem sagt:

    Ergebnisse der 1. Frauenfußball-Bundesliga, 14. Spieltag

    FCR 2001 Duisburg – TSV Crailsheim 7:1 (3:1)
    1. FC Saarbrücken – Wattenscheid 09 2:1 (2:1)
    Turbine Potsdam – SG Essen-Schönebeck 3:0 (1:0)
    Bayern München – SC Freiburg 2:4 (2:1)
    VfL Wolfsburg – SC 07 Bad Neuenahr 4:1 (2:0)

    (0)