Frankfurt siegt glanzlos, aber souverän

Von am 24. März 2008 – 20.41 Uhr 12 Kommentare

Frauenfußball-Primus 1. FFC Frankfurt war an diesem Tag nicht zu stoppenDer 1. FFC Frankfurt hat zum zehnten Mal in Folge das Endspiel des DFB-Pokals in Berlin erreicht. Beim nie gefährdeten 4:0 (2:0)-Sieg gegen Bayern München reichte im mit 2.800 Zuschauern ausverkauften Sportpark von Aschheim eine durchschnittliche Leistung, um die im Torabschluss harmlosen Münchenerinnen in Schach zu halten.

FFC-Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks war zufrieden, dass sich sein Team zum Auftakt in die Woche der Wahrheit keinen Ausrutscher leistete. Bayern-Trainerin Sissy Raith bemängelte die mangelnde Chancenverwertung.

Tritschoks erklärte nach der Partie: „In solchen Spielen kann man keine Superleistung erwarten. Es war wichtig, dass wir unser Ziel erreicht haben, auch wenn wir heute nicht überragend gespielt haben. Aber wir haben das Spiel über die Bühne gebracht und freuen uns auf Berlin.“

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Frühe Frankfurter Führung
Bereits in der Anfangsviertelstunde stellten die Frankfurterinnen frühzeitig die Weichen auf Sieg. Birgit Prinz ging am linken Flügel auf und davon, fand mit einem exakten Pass Conny Pohlers, die nach einer schnellen Drehung aus elf Metern sicher verwertete (11.).

Die Münchnerinnen hatten zwar in den ersten 45 Minuten optische Vorteile, doch echte Gefahr kam vor dem von Silke Rottenberg gehüteten Tor nur selten auf, zu selten fand im Münchener Offensivspiel der letzte Pass eine Abnehmerin. Ein Freistoß von Sandra de Pol landete in Rottenbergs auffangbereiten Armen (24.), Nina Aigners Distanzversuch war die beste Aktion der Bayern (38.).

Starke Pohlers trifft doppelt
Doch die Tore fielen auf der anderen Seite. Rettete zunächst Bianca Rech noch auf der Linie nach einem Schuss von Sandra Smisek für die bereits geschlagene Torhüterin Ulrike Schmetz, war es erneut Pohlers, die kurz vor dem Pausenpfiff ihre starke Leistung mit dem zweiten Treffer krönte (44.).

Zumal die Bayern nicht einmal das Gastgeschenk von Rottenberg annahmen, die bei einem Abstoß in den Boden trat. Bayern-Stürmerin Vanessa Bürki zögerte freistehend an der Strafraumgrenze zu lange, Gina Lewandowski konnte im letzten Moment klären. „Ich wollte noch weiter laufen und habe nicht gesehen, dass noch eine von hinten kommt. Logisch muss ich den reinmachen“, so die Schweizer Nationalspielerin.

Bayern zu harmlos
Anders als der FCR 2001 Duisburg im Halbfinale ließ der Meister in der zweiten Halbzeit sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Auch in den zweiten 45 Minuten durften die Münchnerinnen das Spiel gestalten, doch man hatte nie das Gefühl, dass Frankfurt an diesem Tag das Feld als Verlierer verlassen könnte. Auch wenn Rottenberg gegen Sylvie Banecki Kopf und Kragen riskieren musste (57.).

Auf der Gegenseite sorgte die frühere Münchnerin Petra Wimbersky für die endgültige Entscheidung (69.). Kerstin Garefrekes feierte in der Schlussviertelstunde auf Frankfurter Seite ein erfolgreiches Comeback, für sie ging Pohlers vom Rasen.

Bürki ohne Glück
Bürki vergab erneut aus aussichtsreicher Position eine gute Chance und fand in Rottenberg ihre Meisterin (87.). Die immer weiter aufrückenden Gastgeberinnen wurden dann in der Schlussminute noch einmal kalt erwischt, als Sandra Smisek den Ball via Pfosten ins Gehäuse beförderte (90.).

Eine ernüchterte Bayern-Trainerin Sissy Raith meinte: „Wir sind natürlich nicht erfreut über das Ergebnis und den Ausgang. Wir haben in der ersten Halbzeit gezeigt, dass wir gut mithalten können. Aber wir mussten zu früh einem Rückstand hinterher rennen. Wir haben uns Chancen erarbeitet, aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor.“

Mangelnde Routine
Conny Pohlers kommt immer besser in SchwungJulia Simic erklärte: „Die haben so viele Nationalspielerinnen, die machen aus dem Nichts ein Tor.“ Und Bianca Rech ergänzte: „Wir haben zwar Druck gemacht, aber die Tore muss man schon selber schießen. Das 0:4 entspricht nicht dem Spielverlauf. Uns hat wohl die Routine gefehlt.“

Der Gast aus Hessen verteilte artig Komplimente: „Sie sind auf einem guten Weg“, so Frankfurts Trainer Tritschoks, der mit den Gedanken aber bereits beim ersten UEFA-Pokal-Halbfinale am kommenden Samstag gegen Bardolino Verona war.

Eine Lanze brach er für Conny Pohlers: „Sie ist viel kritisiert worden, aber heute auf dem Platz hat sie die Antwort gegeben und gezeigt, dass sie eine Weltklassestürmerin ist. Wir sind sehr glücklich, dass sie bei uns ist.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • Katha sagt:

    Habe das Spiel gestern im TV verfolgt.
    Bayern München war klar besser.
    Leider war die Chancenauswertung mangelhaft.
    Die Frankfurterinnen schießen 6 mal aufs Tor und machen 4 Tore daraus.
    Wobei die beiden ersten Tore klar auf die Kappe von Ulrike Schmelz gingen. Herausragende Spielerinnen der Partie waren Stefanie Mirlach und Julia Simic. Auf der Seite der Frankfurterinnen gefiel nur Conny Pohlers.

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  • Idgie-Jonsi-Fan sagt:

    Warum darf eigentlich Renate Lingor nicht mehr spielen? Sie ist fit und gesund und eigentlich Kapitän der Mannschaft! 🙁

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  • oliist sagt:

    Vielleicht eine Vorsichtsmaßnahme für das anstehende Halbfinale im UEFA CUP am Samstag könnte ich mir vorstellen.
    Ohne sie war Frankfurts Spielkultur jedenfalls doch ein wenig zu simpel und für eine reifere Mannschaft als den FCB auch zu ausrechenbar.

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  • Conny68 sagt:

    Ich war live in Aschheim dabei. Frankfurt hat das Spiel hochverdient gewonnen. Sie waren einfach das reifere Team. Eigentlich hatte man zu keiner Zeit das Gefühl, dass Frankfurt verlieren könnte. Leider mußten sie auch nicht so viel tun, weil Bayern zwar vieles probierte, aber die Frankfurterinnen letzlich zu wenig forderten. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Bayern-Mädels selbst zu wenig an einen Sieg glaubten. Vielleicht wäre es noch mal anders gelaufen, wenn Bayern kurz vor dem Pausenpfiff das 1:2 geschlossen hätte.
    Die beste Spielerin auf dem Platz war Tina Wunderlich in der Viererabwehrkette. Ein überragendes Spiel von ihr. Birgit Prinz hatte wenige Szenen, aber diese waren dann halt perfekt – klasse Vorbeitungen zum 1:0 und 2:0.
    Ein Lob noch an die Frankfurterinnen. Die meisten Spielerinnen nahmen sich trotz der kühlen Temperaturen nach Spielschluß für die Fans viel Zeit, gaben Autogramme und ließen sich mit ihnen fotografieren.

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  • Idgie-Jonsi-Fan sagt:

    @oliist: Ich hoffe du hast recht… was mir einfach nicht aus dem Kopf geht ist die Tatsache, dass man(n) sie zum Warmlaufen geschickt hatte (vermutlich mit der Aufforderung sich richtig warmzumachen für einen Einsatz), um sie dann doch nicht einzuwechseln… ?-(
    Und Idgies Reaktion nach dem Spiel… (sie musste von zwei Mitspielerinnen sogar getröstet werden) 🙁

    Das mit der Spielkultur sehe ich ähnlich wie du! Hoffen wir das es der Trainer am Samstag auch so sieht!!! Bitte!! *hoff*

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  • michael sagt:

    Die Zeiten von Künzer,Hansen,Garefrekes und Lingor dürften sich inFrankfurt dem Ende nähern.Der Trainer nutzt die Chance für eine Krieger oder Lewandowski.Es wird vorallem für Lingor schwer zurück in die Mannschaft zu kommen.Die deutliche Führung in der Meisterschaft und ein vermeintlich leichtes Pokalfinale werden dem Trainer die Möglichkeit geben, junge Spielerinnen für die neue Saison spielen zu lassen. Also auch eine Thomas im Mittelfeld.

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  • ViolA sagt:

    was künzer und hansen angeht werden beide nach dieser saison eh aufhören. von daher ist die wahrscheinlichkeit eines einsatzes wirklich gering. ich nehme aber auch nicht an, dass eine von ihnen damit rechnet spielen zu dürfen.
    was kg angeht bin ich mir noch nicht so sicher. vor ihrer verletzung war sie absolute stammspielerin und leistungsträgerin und auch jetzt direkt nach ihrer verletzung durfte sie sofort wieder spielen. zunächst in der 2. mannschaft und nun beim pokalspiel. ich denke sie wird sich ihren stammplatz recht schnell wieder erkämpfen.

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  • Steffen sagt:

    Ich bin der gleichen Meinung wie ViolA in Bezug auf Kerstin Garefrekes. Sie ist 28, also noch im besten Fußballer-Alter.

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  • Tom Schlimme sagt:

    KG in Frage zu stellen, ist völlig Banane. Sie war vor ihrer Verletzung konstant eine der Besten im Team und ist erst 28. Dass sie noch nicht wieder voll durch spielen darf, ist klar. Ein Riss des Syndesmosebandes ist eine richtig heftige Sache, dafür ist sie sogar ganz schön schnell wieder gekommen!

    Mannomann, was man manchmal alles lesen muss…

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  • oliist sagt:

    Die Zeit von ‚Allzweckwaffe‘ Kerstin Garefrekes ist,sofern sie sich von ihrer Verletzung erholt,ganz sicher noch nicht vorbei.
    Oder ist mir irgendetwas entgangen?Schwangerschaft?Unverhoffter Reichtum?Fehlende Motivation? 😉
    Aber mal im Ernst:den Rückzug,von einer sicherlich mit am schwersten zu ersetzenden Spielerin,sollte man nicht herbeireden.

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  • Roland sagt:

    Um nochmal zum ursprünglichen Thema (Spiel Bayern – Frankfurt) zurückzukommen: Ich bin der Meinung, dass die Bayern sich taktisch extrem ungeschickt angestellt haben. Wenn man sieht wie sie teilweise die Gegentore bekommen haben, hatte das schon was von Hühnerhaufen. Und bei einem Endergebnis von 0:4 über Chancenauswertung zu jammern, finde ich etwas daneben. Eine ehrliche Analyse sieht da anders aus.

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  • Jochen sagt:

    Ja, da sieht man eben, dass Herr Trittschocks die anhaltende
    Formschwäche von Renate Lingor anders bewertet und ein-
    schätzt als Sylvia Neid, die sie immer wieder spielen lässt, ob-
    wohl Idgie läuferisch nicht mehr mithalten kan. Und nochmal:
    Nur für Standards braucen wir sie nicht!

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