Sissy Raith: „Frankfurt ist eine lösbare Aufgabe“

Von am 20. März 2008 – 8.37 Uhr 11 Kommentare

Spielszene zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Bayern MünchenAm Ostermontag, 24. März, 13.00 Uhr (live in BR und HR), steht für die Frauenfußball-Mannschaft des FC Bayern München das Highlight der Vereinsgeschichte auf dem Programm: das DFB-Pokal-Halbfinale gegen den amtierenden Meister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt.

Seit der Auslosung beim DFB-Hallenpokal im Januar fiebert man bei den Bayern dem Spiel entgegen. Die Vorbereitung und das Training sind ganz auf den Pokalhit ausgerichtet, der Traum vom ersten Einzug ins DFB-Pokalfinale in Berlin seit 1990 soll wahr werden.

Im Interview mit Womensoccer.de spricht Bayern-Trainerin Sissy Raith über die Stärken ihres Teams, die Chancen gegen Frankfurt und warum ein 0:0 für sie nicht in Frage kommt.

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Wenn Bayern Münchens Trainerin Sissy Raith darüber nachdenkt, wie man dem großen 1. FFC Frankfurt ein Bein stellen kann, wandern ihre Gedanken immer wieder zurück zum 19. August vergangenen Jahres. Damals verloren die Münchnerinnen zum Bundesliga-Auftakt in Frankfurt von der Papierform her deutlich mit 2:5. Doch die Kräfteverhältnisse waren an diesem Tag alles andere als klar verteilt.

Vergebener Matchball
Nach einem scheinbar aussichtslosen 0:2-Rückstand zur Halbzeit hatte Bayern zu Beginn der zweiten Halbzeit binnen fünf Minuten ausgeglichen und sich gegen den verunsicherten Gegner plötzlich spielerische Vorteile erarbeitet. Und dann vergab die routinierte österreichische Stürmerin Nina Aigner frei vor Frankfurts Torhüterin Stephanie Ullrich die große Chance zur Bayern-Führung. Der FFC wankte, fiel aber nicht. Die eingewechselte Conny Pohlers brachte die Hessinnen zurück auf die Siegerstraße.

„Das war wirklich bitter und die Niederlage auch im Ausmaß nicht verdient“, erinnert sich Raith im Gespräch mit Womensoccer.de. „Wir haben aber an diesem Tag gezeigt, dass wir nicht nur mithalten, sondern auch gute Spiele zeigen können“, schöpft sie eine Menge Hoffnung aus der Partie im vorigen Sommer.

Unbändige Moral
Und aus der unglaublichen Moral, die ihre Spielerinnen im bisherigen Saisonverlauf schon mehrfach gezeigt haben. Etwa beim 2:1-Auswärtssieg gegen Turbine Potsdam nach frühem 0:1, beim 3:3 gegen die SG Essen-Schönebeck nach 1:3, im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FCR 2001 Duisburg, als man mit einem 0:2 in die Halbzeit ging und der Gegner das Spiel schon abgehakt hatte, oder auch eine Runde zuvor, als man den SC Freiburg nach 0:1-Rückstand noch mit 2:1 besiegte.

Raith kommt die Außenseiterrolle gerade recht. „Über die Favoritenrolle brauchen wir nicht zu reden. Die Frankfurter Spielerinnen haben zusammen um die 1.000 A-Länderspiele, bei meinen Spielerinnen sind es 22. Aber das ist alles nur die Papierform. Gerade weil es ein schwerer Gegner ist, ist die Aufgabe lösbar. In Saarbrücken oder Köln hätten wir uns viel, viel schwerer getan.“ Schritt für Schritt soll das Ziel Pokalsieg realisiert werden. „Eine Etappe war, dass wir im Halbfinale ein Heimspiel kriegen, die zweite, dass wir nach Berlin kommen und die dritte, dass wir auch Pokalsieger werden.“

Sissy Raith will ins DFB-Pokalfinale nach BerlinRespekt ablegen
Die Spielerinnen sind heiß auf das Duell vor 2.500 Zuschauern im ausverkauften Sportpark Aschheim. „Wir haben gut trainiert und sind gut vorbereitet“, so Raith, die am vergangenen Wochenende beim DFB-Länderpokal in Duisburg sechs ihrer Spielerinnen aus der ersten Mannschaft noch einmal persönlich in Augenschein nahm. Sie hofft vor allem eines: „Wir dürfen nicht zu viel Respekt haben und uns nicht selbst im Weg stehen. Meine Spielerinnen müssen einmal 90 Minuten vergessen, dass sie gegen den großen FFC spielen. Wenn an diesem Tag alles zusammenpasst und bei Frankfurt ein bisschen Sand im Getriebe ist, dann können wir Frankfurt schlagen.“

Taktisch will sich Raith nicht in die Karten schauen lassen. „Wir haben schon ein paar probate Mittel. Aber ich möchte mich nicht voll und ganz auf den Gegner einstellen. Wir wollen uns nicht verstecken und auch unser Spiel aufziehen. Wir wollen uns nicht ein 0:0 ermauern und dann ins Elfmeterschießen gehen. Wir wollen auch Fußball spielen.“

Ausgeglichener Kader
Das Bayerische und das Hessische Fernsehen übertragen die Partie live, noch nie hat der Frauenfußball im Verein soviel Aufmerksamkeit bekommen, wie in diesen Tagen. Das Medieninteresse steigt von Tag zu Tag. „Ein Pokalhalbfinale gab es überhaupt noch nicht in München, der Frauenfußball brummt sowieso gerade.“ Mit einem Sieg am Montag würde der Frauenfußball bei Bayern München weiteren Auftrieb erhalten.

Raith hält ihr Team vor allem in der Breite für deutlich stärker als in der Vergangenheit. „Wir haben 21 Spielerinnen im Kader der ersten Mannschaft, von denen 15 oder 16 absolut gleichwertig sind. Da entscheidet die Trainingsleistung und der Gesundheitszustand über einen Einsatz. Ich bin froh, dass ich immer wieder noch zwei oder drei Spielerinnen als Alternative habe. Anders, als vielleicht noch vor zehn Jahren.“

Schnaderbeck für Baunach
Schmerzlich vermissen wird man bei Bayern trotz dieser Ausgeglichenheit Katharina Baunach. Die U20-Nationalspielerin muss nach einem Zusammenprall mindestens sechs Wochen pausieren, da Mikroeinrisse im Knie festgestellt wurden. Ein frühzeitiger Comeback-Versuch scheiterte.

Fehlen werden darüber hinaus die langzeitverletzte Sonja Spieler und aller Voraussicht nach Corinna Paukner, die eine traumatische Knochenprellung am Sprunggelenk erlitten hat. Für Kathleen Krüger und Katharina Würmseer dürfte ein Einsatz ebenfalls zu früh kommen.

Für Baunach wurde eine Spielerin aus der zweiten Mannschaft nominiert, die bei Bayern noch für Furore sorgen soll: Viktoria Schnaderbeck. Und vielleicht kann ja die 17-jährige Österreicherin mit dem Riesentalent dank ihrer Unbekümmertheit zum Zünglein an der Waage werden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • Bernhard sagt:

    Lieber Markus,

    schöner Artikel.
    Aber: Der FCB war schon zweimal im Finale des DFB-Pokals in Berlin. 1988 und 1990 wurden beide Finals verloren.

    Gruß
    Bernhard

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  • Markus Juchem sagt:

    Lieber Bernhard, danke für den Hinweis. Habe es bereits korrigiert.

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  • oliist sagt:

    Bleibt nur zu hoffen,daß das Interesse am 1.FCB von Seiten der Fans & Medien nicht allzusehr leidet,falls das wahrscheinlichste Szenario eintritt.Nämlich erst ganz gut mithalten zu können,um schließlich kräftetechnisch auf einigen Positionen einzubrechen und mehr oder weniger deutlich zu verlieren.Ausser in Umea sehe ich momentan kein Team,das dem 1.FFC ernsthaft gefährlich werden kann,insofern nicht der Inhalt einer ganzen Lastwagenladung Sand im oben erwähnten 1.FFC Getriebe landet.Nichtsdestotrotz lasse ich mich am Montag gerne eines besseren belehren und hoffe auf ein enges & spannendes Spiel,ganz egal wie der Sieger am Ende lauten wird.

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  • ViolA sagt:

    ich sehe das ähnlich… zumal nun rotti im tor stehen wird und nicht stephanie ullrich. andererseits sind auch die frankfurterinnen immer wieder für überraschungen gut und wenn es nur deswegen zu sein scheint um die spannung bei den zuschauern hochzuhalten… es wird auf jeden fall spannend werden und am ende könnte die chancenverwertung und vielleicht auch einfach die spielerfahrung die entscheidende rolle spielen. wir dürfen uns wohl auf jeden fall auf ein tolles spiel freuen. auf das das bessere team gewinnen möge.

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  • oliist sagt:

    Ich habe zwar schon an Markus eine E-Mail geschrieben,aber doppelt hält besser.
    Heute 21.45 im SWR RP in der Sendung Flutlicht ist Celia Okoyino da Mbabi zum Thema ‚Weg nach Olympia‘ zu Gast.

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  • Steffen sagt:

    Ich habe mir das 4:0 im HR angeschaut und muss schon sagen, dass Frankfurt das routiniert heruntergespielt hat, wobei Bayern ein Tor hätte schießen können. Ich denke da z.b. an den verunglückten Abstoß von Silke Rottenberg kurz vor der Pause. Außerdem habe ich mich gefreut, dass Kerstin Garefrekes wieder mitgespielt hat. Nicole Banecki hat mir auch gut gefallen. Sie hatte ein paar gute Szenen auf der linken Seite. Aber Tina Wunderlich hat nichts anbrennen lassen.

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  • Max Diderot sagt:

    Was für ein fürchterliches Spiel! Der Sieg der Frankfurterinnen geht meines Erachtens völlig in Ordnung. Doch mein Imperativ bezieht sich im wesentlichen auf die Spielkultur. Täusche ich mich, wenn ich behaupte, dass der hiesige Frauenfußball augenblicklich stagniert? Den Münchnerinnen fehlte vieles. Ich sah keine taktische Ausrichtung, keine gescheite Raumaufteilung und technische Unzulänglichkeiten en masse. Die Frankfurter Mannschaft lebte von den Fehlern ihrer Gegnerinnen. Nun, ich habe in letzter Zeit nicht viele Damen-Matches gesehen, aber ein spielerischer Impuls scheint der gewonnene WM-Titel im deutschen Frauenfußball nicht ausgelöst zu haben. Irgendwie erinnert mich die aktuelle Situation fatal an jene im deutschen Männerbereich zu Beginn der 1990er Jahre. Da wurde viel Dampfplauderei betrieben und die Zukunft verpasst!

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  • oliist sagt:

    Von Spannung,wie ich sie mir gewüscht hatte,keine Spur.Und noch weitaus schlimmer war wohl,wie ausgesprochen unattraktiv in wirklich jeder denkbaren Beziehung dieses Spiel war.Der 1.FFC muss sich gehörig steigern,wenn man nicht schon im UEFA Cup Halbfinale,vom Finale gegen Umea(?)ganz zu schweigen,scheitern möchte.
    Dieses Match erinnerte mich schmerzhaft an den Algarve Cup,als man den deutschen Frauen ansehen konnte,daß von Frühform keine Rede sein kann.Nun gut,die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt.
    Vorallem die auf eine goldene Medaille mit fünf Ringen darauf…

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  • ViolA sagt:

    der ffc spielt am samstag gegen verona 😉

    nun das spiel war spannend, auf jeden fall, aber zunächst kamen viele pässe nicht wirklich an. bis zum 1:0 ging eigentlich zunächst einmal gar nichts, auch wenn sich alle sehr bemüht haben. bayern war etwas übermotiviert zu beginn, konnte am ende dagegen einfach nicht mehr mithalten. ansonsten hat man meiner meinung nach deren motivation das ganze spiel über sehen können, nur leider nicht ihre beste leistung, dabei hatten sie durchaus chancen tore zu erzielen. einzig an dem letzten pass nach vorne bzw. der kaltschnäuzigkeit und erfahrung hat es gefehlt. was den ffc angeht hat nach sarahs auswechslung die abwehr wie ne 1 gestanden, vor allem tina wunderlich hat grandios gespielt. das mittelfeld war mit pia gut besetzt aber meike war deutlich unter ihrem können. gleiches gilt für birgit die zwar eine super vorlage zum 1:0 vorgelegt hat, aber zur eigenen chancenverwertung sag ich lieber nix. conny hat zwischendrin einfach zu kompliziert gespielt und zuviel gewollt, aber prima gekämpft. stand ein bisschen oft im abseits… nach dem 6x hab ich aufgehört zu zählen.
    das beste spiel war es sicher nicht aber das schlechteste auch nicht. das stadion war super, die organisation auch, nur die fans direkt hinter mir waren es nicht. was da für gesänge über den platz schalten will ich lieber nicht näher erläutern. ich hoffe das das nächste mal von offizieller seite eingegriffen wird (die sich überigends direkt neben diesen fans befand) und dergleichen nicht mehr zu stande kommt, bzw sofort unterbunden wird. das geht einfach gar nicht und hat nichts mehr mit sportlichkeit oder fairness zu tun.
    gefreut hat mich auch, dass das spiel im tv übertragen wurde und auch die vorstellung von bianca rech war super. man merkt dass der ff nun vermehrt wahrgenommen wird.

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  • Georg sagt:

    @oliist: Was kann der FFC dafür, dass es gegen einen Gegner ging, der diesen Namen nicht verdient hatte…

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  • helena sagt:

    Richtig, Georg!
    Erst den Mund sehr voll nehmen und anschließend nicht die entsprechende Leistung zeigen. Ich fand das Spiel maßlos enttäuschend; natürlich finde ich es klasse, daß Frankfurt im Finale steht, aber etwas mehr Spielkultur hätte ich mir schon gewünscht.
    Es läßt tief blicken in die Zustände der deutschen Liga, wenn eine sehr durchschnittliche Leistung ausreicht, einen zumindest dem Tabellenstand nach nicht ganz schlechten Gegner (in der Herrenliga wäre BM direkt für den Uefa-Cup qualifiziert, das muß man sich mal vorstellen) so hoch zu schlagen.
    Ich bin überzeugt davon, daß alle die Spielerinnen, die sich am Montag noch etwas zurück gehalten haben, gegen Verona deutlich stärker sein werden.

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