Deutschland verliert gegen Norwegen – USA erneut Turniersieger

Von am 12. März 2008 – 20.27 Uhr 1 Kommentar

Frauenfußball par excellence brachte der Algarve Cup 2008Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft hat sich mit einer 0:2 (0:1)-Niederlage gegen Norwegen und Platz vier vom Algarve Cup verabschiedet. Den Skandinavierinnen gelang somit die Revanche für das verloren gegangene Halbfinale bei der Frauenfußball-WM in China.

Der DFB-Elf wurde nachdrücklich aufgezeigt, woran es bis zum Beginn der Olympischen Spiele noch zu arbeiten gilt. Sieger des Turniers wurde wie schon im Vorjahr das Team der USA, das zu einem knappen Erfolg gegen Dänemark kam.

Bundestrainerin Silvia Neid zog trotz der zwei Niederlagen im Turnier ein positives Gesamtfazit. „Unsere Spielerinnen haben hier einen fitteren Eindruck als zur gleichen Zeit vor einem Jahr hinterlassen. Allerdings haben wir insbesondere heute im Spiel um Platz drei gesehen, dass wir noch einiges tun müssen bis Olympia im August“, so die 43-Jährige.

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Norwegen, das zwei Tage zuvor noch mit 0:4 gegen die USA unter die Räder gekommen war, zeigte sich an diesem Tag ungewohnt effizient im Abschluss. Melissa Wiik (41.) und Marie Knutsen (49.) sorgten mit ihren Treffern kurz vor und nach der Pause für die Entscheidung.

Nadine Angerer musste erstmals nach 1022 Minuten wieder hinter sich greifen. „Ich bin froh, dass das jetzt vorbei ist. Ich habe die Minuten nicht mitgezählt, das war mir auch nicht so wichtig“, so Angerer. Den letzten Treffer zuvor hatte sie sich ebenfalls von einer Norwegerin eingefangen. Solveig Gulbrandsen traf beim 2:2 beider Teams in Mainz am 30. August 2007.

Starke Abwehr, Probleme in Aufbau und Offensive
„Das Abwehrverhalten, das Stellungsspiel und die Abstimmung hinten waren schon ganz in Ordnung“, zollte Neid vor allem ihrer Defensive Lob, die über weite Strecken des Turniers eine starke Leistung bot. Auch das Experiment, Navina Omilade als Innenverteidigerin aufzubieten, erwies sich als interessante Variante.

Vor allem das Spiel nach vorne muss jedoch noch verbessert werden. „Dort müssen wir die Schwerpunkte unserer Arbeit bis zur Nominierung des Olympia-Kaders setzen. Teilweise hatten wir eine schlechte Ballkontrolle. Die Laufwege waren noch nicht optimal. Das Passspiel in die Spitze muss schneller und präziser werden“, so Neid.

Bis zum Beginn des olympischen Fußballturniers stehen noch vier Lehrgänge und drei Länderspiele auf dem Programm. „Die Auswahl an Spielerinnen ist groß. Am Ende entscheidet vor allem die Fitness darüber, wer mit nach China reist. Weiteres wichtiges Kriterium ist die Flexibilität. Akteurinnen, die mehrere Positionen spielen können, sind besonderes wertvoll“, erklärt Neid.

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USA zum 6. Mal Algarve-Cup-Sieger
Dänemark, das in den Gruppenspielen drei 1:0-Siege gefeiert hatte, musste sich im Endspiel gegen die USA knapp mit 1:2 geschlagen geben. Natasha Kai brachte die Amerikanerinnen in Führung (14.), die zur besten Spielerin des Turniers gekürte Cathrine Paaske Sørensen schaffte nach einer guten halben Stunde den Ausgleich (31.). Doch wieder einmal war es Abby Wambach vorbehalten, in einem wichtigen Spiel den entscheidenden Treffer zu erzielen (50.).

Dänemark konnte sich am Ende zumindest damit trösten, nicht nur die beste Spielerin des Turniers gestellt, sondern auch noch die Fairplay-Wertung gewonnen zu haben. Dänemarks Trainer Kenneth Heiner-Møller freute sich über Sørensens Auszeichnung: „Das finde ich wirklich toll. Das ist auch absolut verdient, sie hat ein richtig gutes Turnier gespielt.“

Schweden dank Leistungssteigerung Fünfter
Die schwedische Nationalmannschaft verabschiedete sich mit einem versöhnlichen 3:0 (0:0)-Sieg aus dem Turnier. Allerdings bedurfte es einiger Geduld, bis die Abwehr der Italienerinnen das erste Mal ausgehebelt werden konnte. In der ersten Halbzeit war der laufstarke Gegner sogar die bessere Mannschaft.

Josefine Öqvist brach den Bann (56.), zwei Tore der erst in der 56. Minute eingewechselten Kapitänin Victoria Svensson (61. und 80.) sorgten am Ende für einen klaren Sieg. „Ich habe mein ganzes Leben lang als Stürmerin gespielt, das mache ich ja auch zuhause bei Djurgården. Das habe ich also im Blut“, so Svensson.

Starke Isländerinnen, schwache Chinesinnen
In weiteren Platzierungsspielen besiegte Island den schwächelnden Vize-Europameister von 2005, Finnland, sicher mit 3:0 und belegte am Ende den 7. Platz. Margrét Lára Viðarsdóttir, Rakel Hönnudóttir und Guðrún Sóley Gunnarsdóttir erzielten die Treffer für die Isländerinnen, die in ihrer Entwicklung auf einem guten Weg sind.

Gastgeber Portugal schaffte es, gegen China nach 90 Minuten ein 1:1 zu ertrotzen, auch wenn die Chinesinnen im anschließenden Elfmeterschießen mit 5:4 die Oberhand behielten. Ein Resultat, das wohl vor einem Jahr noch keiner für möglich gehalten hätte. Beleg für sich verbessernde Portugiesinnen, aber auch für das schlechte Bild, das die chinesische Nationalmannschaft derzeit abgibt. Die Streitigkeiten um Trainerin Elisabeth Loisel scheinen am Team nicht spurlos vorbeigegangen zu sein.

Ebenfalls ins Elfmeterschießen ging die Partie um Platz 11 zwischen der Republik Irland und Polen. Nach der regulären Spielzeit hatte es 2:2 gestanden. Am Ende setzten sich die Spielerinnen aus Polen durch, die Republik Irland belegte beim diesjährigen Algarve Cup somit den 12. und letzten Platz. Zwei Tage zuvor waren die beiden Teams bereits im Gruppenspiel aufeinander getroffen, das die Republik Irland 1:0 gewann.

Die Platzierungsspiele im Überblick:

Finale: USA – Dänemark 2:1 (1:1)
Tore: 1:0 Kai (14.), 1:1 Sorensen (31.), 2:1 Wambach (50.)

Spiel um Platz 3: Deutschland – Norwegen 0:2 (0:1)
Tore: 0:1 Wiik (41.), 0:2 M. Knutsen (49.)

Spiel um Platz 5: Schweden – Italien 3:0 (0:0)
Tore: 1:0 Öqvist (56.), 2:0 und 3:0 Svensson (61. und 80.)

Spiel um Platz 7: Finnland – Island 0:3 (0:2)
Tore: 0:1 Viðarsdóttir (12.), 0:2 Hönnudóttir (41.), Gunnarsdóttir (90.)

Spiel um Platz 9: China – Portugal 1:1 (1:1) 5:4 nach Elfmeterschießen

Spiel um Platz 11: Republik Irland – Polen 2:2 (2:1) 5:6 nach Elfmeterschießen

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Markus Juchem sagt:

    Wer noch einmal eine Turnierbilanz zum Algarve Cup aus deutscher Sicht lesen möchte, dem empfehle ich meine Analyse auf uefa.com.

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