DFB-Elf will Schwedenhappen vernaschen

Von am 9. März 2008 – 21.18 Uhr

Ariane Hingst kennt den schwedischen Frauenfußball besonders gutDie Finalteilnahme beim Algarve Cup hat sich die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft durch die 0:1-Niederlage zum Auftakt gegen Dänemark verbaut, doch mit einem Sieg oder Remis gegen Schweden im abschließenden Gruppenspiel gegen Schweden (ab 14.00 Uhr live im ZDF und Womensoccer-Liveticker) kann sich die DFB-Elf zumindest für das Spiel um Platz 3 qualifizieren, wo dann die USA oder Norwegen als Gegner warten würden.

Abwehrspielerin Kerstin Stegemann glaubt an eine knappe Auseinandersetzung: „Ich denke, die Chancen stehen 50:50, aber ich freue mich auf das Spiel. Das ist noch einmal eine Standortbestimmung.“

Darüber hinaus betont sie im Interview mit DFB-TV weiter: „In wichtigen Spielen haben wir gegen Schweden immer gewonnen, aber es waren auch immer spannende Duelle.“

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Erfolgreiche Duelle
Unvergessen sind das WM-Finale 2003, das Nia Künzer mit ihrem Golden Goal zum 2:1-Sieg in der Verlängerung entschied, aber auch die EM-Endspiele 1995 (3:2) und 2001 (1:0 durch Golden Goal von Claudia Müller). Auch im Spiel um Platz 3 bei den Olympischen Spielen 2004 behielt das DFB-Team mit 1:0 die Oberhand.

15 Mal trafen die beiden Teams bisher aufeinander, nur zweimal in Testspielen. Nur 1991 bei der ersten WM in China gewann Schweden mit 4:0 gegen Deutschland im Rahmen eines großen Turniers.

Smisek und Peter wieder fit
Am Montag dürften auch Sandra Smisek und Babett Peter Spielpraxis erhalten. Die Frankfurterin hatte wegen einer Zerrung im Oberschenkel pausieren müssen, die Potsdamerin fehlte in den vergangenen beiden Spielen wegen einer Verhärtung im Adduktorenbereich. Erneut wird Bundestrainerin Silvia Neid ihre Startformation auf einigen Positionen verändern. „Wir haben nicht häufig die Gelegenheit, so intensiv zusammenzuarbeiten.“

Zumal im Olympiajahr nur vier Lehrgänge auf dem Programm stehen und somit die Vorbereitungszeit auf das olympische Fußballturnier kürzer ausfällt als vor der WM im Vorjahr. „Ich bin sehr froh, dass wir hier einiges ausprobieren können“, ergänzt sie.

Steigerung gegen Finnland
Beim 3:0-Sieg gegen Finnland war in der ersten Halbzeit eine deutliche Steigerung zum Dänemark-Spiel zu erkennen, wenngleich es der Gegner den Deutschen auch relativ einfach machte und oft zu weit von der Gegenspielerin weg stand, so dass sich ungewohnte Freiräume vor allem auf den Flügeln ergaben. Allerdings konnte das Niveau in der zweiten Halbzeit nicht gehalten werden. „Da hatten wir ein wenig den Faden verloren“, erklärt die DFB-Trainerin. „Da hatten wir einfach nicht mehr die Power und die Schärfe in den Pässen.“

Für Torhüterin Nadine Angerer und Ariane Hingst ist es ein besonderes Spiel, da sie beide in der schwedischen Liga bei Djurgården IF spielen und auf einige Teamkolleginnen treffen werden, wie etwa auf Victoria Svensson oder Sara Thunebro. Im Tor soll gemäß Rotation allerdings erneut Silke Rottenberg stehen.

Das Ende der goldenen Generation
Die schwedische Nationalmannschaft will bei den Olympischen Spielen zumindest eine Medaille holen, für zahlreiche Spielerinnen der goldenen Generation wird es die letzte Chance sein, mit einem großen Titel von der internationalen Fußballbühne abzutreten. Hanna Marklund ist bereits im Winter zurückgetreten, Svensson hört definitiv nach Peking in der Nationalmannschaft auf, möglicherweise wird sie auch bei Djurgården ihre aktive Karriere beenden.

Und auch Hanna Ljungberg, Karolina Westberg und Frida Östberg haben sich noch nicht entschieden, ob sie nach den Olympischen Spielen weitermachen. „Das hängt davon ab, ob ich verletzungsfrei bleibe“, sagt etwa Ljungberg. Einzig Therese Sjögran hat bereits signalisiert, bis zur EM 2009 in Finnland ihre Nationalmannschaftskarriere fortzusetzen.

Den Schwedinnen hilft nur ein Sieg gegen Deutschland, will man ins Spiel um Platz 3 einziehen und die schlechteste Platzierung beim Algarve Cup seit 2004 verhindern. Damals wurde man Fünfter.

Schweden verärgert über Anstoßzeit
Schwedens Trainer Thomas Dennerby ist weder über die frühe Anstoßzeit (13.15 Uhr Ortszeit), noch über den fernen Austragungsort der Partie gegen Deutschland nahe der spanischen Grenze in VR Santo António begeistert.

„Die Deutschen tragen alle ihre Spiele um diese Zeit aus, das wird das deutsche Fernsehen ein Wörtchen mitgeredet haben. Aber sitzen die Leute wirklich um diese Zeit vorm Fernseher, um Frauenfußball zu schauen?“ Außerdem meint Dennerby: „Das Problem ist, dass der Spielplan so spät herauskommt, das man es nicht mehr beeinflussen kann.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.