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Deutschland steigert sich – Dänemark wieder im Finale

Von am 8. März 2008 – 8.19 Uhr

Renate Lingor war im Spiel gegen Finnland eher unauffälligDie deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft präsentierte sich am zweiten Spieltag beim Algarve Cup deutlich verbessert. Mehr Tempo, mehr Lauffreude und eine erhöhte Genauigkeit im Passspiel führten zu einem lockeren 3:0 (3:0)-Sieg gegen ein in der ersten Halbzeit überfordertes finnisches Team.

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Dänemark landete nach dem Erfolg über Deutschland den nächsten Coup und revanchierte sich beim 1:0-Sieg gegen Schweden für die beiden Niederlagen im Play-off um einen Startplatz für die Olympischen Spiele in Peking.

Damit steht das Team bereits vorzeitig als erster Finalist fest, bereits im Vorjahr standen die Skandinavierinnen im Endspiel. Die USA landeten in Gruppe B einen glanzlosen Pflichtsieg gegen Italien, Norwegen setzte sich ohne Probleme gegen China durch.

Verbesserte DFB-Elf
Trotz eines in der ersten Halbzeit überzeugend heraus gespielten 3:0 (3:0)-Sieges gegen Finnland kann Weltmeister Deutschland nicht mehr das Endspiel beim Algarve Cup erreichen, weil Dänemark nach zwei Siegen nicht mehr von der Tabellenspitze der Gruppe A verdrängt werden kann, da bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt.

Gleich auf sechs Positionen veränderte Bundestrainerin Silvia Neid im Spiel gegen Finnland ihre Startformation. Für Silke Rottenberg spielte Nadine Angerer, Annike Krahn, Jennifer Zietz, Martina Müller, Simone Laudehr und Conny Pohlers saßen auf der Bank, stattdessen begannen Navina Omilade, Saskia Bartusiak, Isabell Bachor, Lena Goeßling und Melanie Behringer.

Und die Neulinge in der Startformation machten ihre Sache gut. Von Beginn an ließ das DFB-Team keinen Zweifel daran aufkommen, wer heute als Sieger vom Platz gehen sollte. Mit druckvollem Spiel über die Flügel, angetrieben von der gut aufgelegten Melanie Behringer und der agilen Isabell Bachor, drängte man Finnland von Beginn an in die Defensive und wurde schnell belohnt.

Birgit Prinz traf nach Maßflanke von Bachor volley zur Führung (17.), elf Minuten später gelang der dreifachen Weltfußballerin fast eine Kopie dieses Treffers zum 2:0, diesmal legte Kerstin Stegemann auf (28.). Nach einem Foul an Prinz verwandelte die ansonsten wenig auffällige Renate Lingor den fälligen Elfmeter sicher (37.).

Länderspieldebüt für Banecki
In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild. Die Deutschen schalteten mit der sicheren Führung im Rücken einen Gang zurück, Gegner Finnland steigerte sich, ohne den Weltmeister aber ernsthaft zu gefährden. Neid wechselte in der Folge gleich fünfmal, was den nun stockenden Spielfluss zusätzlich hemmte. Zietz, Krahn und Müller kamen nach einer Stunde für Lingor, Hingst und Wimbersky ins Spiel, Conny Pohlers etwas später für Bachor und Nicole Banecki (für Behringer), die ihr Länderspieldebüt feierte, aber zu kurz auf dem Platz war, um Akzente zu setzen.

Nadine Angerer bliebt auch in ihrem zehnten Spiele in Folge ohne Gegentreffer, verlebte aber genauso wie die umgestellte Viererkette in der Abwehr einen überwiegend ruhigen Nachmittag. Vor allem Bachor konnte sich an diesem Tag empfehlen, sie bot eine starke Leistung. Goeßling, erstmals in der Anfangsformation, untermauerte den guten Eindruck der ersten Spiele mit teils guten Pässen und engagiertem Forechecking. Die quirlige Behringer nutzte ihre großen Freiräume ansatzweise gut, wenngleich nicht immer optimal, ließ aber mit zunehmender Spieldauer zusehends nach. Die überraschend in der Innenverteidigung eingesetzte Navina Omilade wurde selten gefordert, wusste aber zu gefallen. Es ist allerdings zu früh, um dieses Experiment zu bewerten.

„Mit der ersten Halbzeit war ich sehr zufrieden, wir haben gut kombiniert“, erklärte Neid nach dem Spiel. „In der zweiten Halbzeit haben wir mit nachlassender Power etwas den Faden verloren. Die jungen Spielerinnen müssen sich erst an das Tempo gewöhnen.” Doch auch den routinierten Kräften schien nach und nach die Puste auszugehen, die Umstellung auf das mildere Klima Portugals ist noch nicht komplett vollzogen.

Am Montag geht es für die DFB-Elf nun gegen Schweden (14.15 Uhr, live im ZDF) um den Einzug ins Spiel um Platz 3.

Dänemark gelingt Revanche gegen SchwedenDänemark gelingt Revanche
Cathrine Paaske Sørensen sorgte mit ihrem geschickten Heber über Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl dafür (7.), dass Dänemark durch einen 1:0 (1:0)-Sieg erstmals seit fünf Jahren wieder gegen Nachbar Schweden gewinnen konnte, wenngleich das Spiel auf keinem hohen Niveau stand. Trainer Kenneth Heiner-Møller war natürlich trotzdem glücklich: „Ich bin sehr, sehr zufrieden. Ich möchte aber keine Spielerin hervorheben, denn die gesamte Mannschaft hat für diesen Sieg gearbeitet.“

Siege gegen die Nummern 1 und 3 der Weltrangliste sollten das Selbstvertrauen für die bevorstehenden Aufgaben in der EM-Qualifikation stärken. Dänemark besticht im bisherigen Turnier überraschend durch Effizienz, eine Eigenschaft, die sonst nicht gerade zu den Stärken der Nationalmannschaft zählt.

Schwedens Trainer Thomas Dennerby war mit seinem Team nicht unzufrieden, meinte aber: „Im Angriffsdrittel müssen wir effektiver sein.“ Zum Ende der Siegesserie gegen Dänemark erklärte er: „So ist Fußball. Man kann nicht immer gewinnen. Aber wenn wir schon ein Spiel gegen Dänemark verlieren müssen, dann am liebsten dieses Spiel.“

USA mit Arbeitssieg gegen robuste Italienerinnen
Ein Abstaubertor von Lindsay Tarpley (6.) und ein sehenswerter Schuss aus spitzem Winkel von Heather O’Reilly (74.) reichten den USA zu einem 2:0 (1:0)-Sieg gegen einen robusten Gegner, der mit gewohntem Einsatz in die Zweikämpfe ging. US-Torhüterin Hope Solo machte beim Stand von 1:0 glänzend die einzige hochkarätige Chance der Italienerinnen zunichte, als sie einen Schuss der durchgebrochenen Melania Gabbiadini klärte.

US-Trainer Pia Sundhages Fazit: „Es war ein hartes Stück Arbeit gegen ein physisches Team. Wir hatten im Mittelfeld nur wenig Zeit, aber das frühe Tor hat uns geholfen. Und Heathers Tor war einfach großartig.“

Am Montag reicht dem US-Team im Klassiker gegen Norwegen nun bereits ein Remis zum Einzug ins Finale, da das Team gegenüber den Skandinavierinnen das bessere Torverhältnis hat.

Norwegen mit den Gedanken schon beim USA-Spiel
Es dauerte bis zur 42. Minute, ehe ein Eigentor der Chinesinnen für die norwegische Führung sorgte. Yue Guo gelang in der 62. Minute der Ausgleich, doch Lene Storløkken brachte ihr Team wenige Augenblicke später bereits wieder in Führung (64.). Melissa Wiik beseitige in ihrem 25. Länderspiel in der Schlussminute letzte Zweifel (90.). Über die gesamte Spielzeit waren die Norwegerinnen die Spiel bestimmende Mannschaft, doch Mängel gab es in punkto Chancenverwertung.

Norwegens Trainer Bjarne Berntsen wollte sich nicht lange mit dem China-Spiel aufhalten und blickte bereits voraus auf das entscheidende Gruppenspiel gegen die USA. „Die USA sind eine der Mannschaften, gegen die ich noch nie gewonnen habe. Letztes Jahr haben wir mit dem Sieg gegen Deutschland eine Barriere durchbrochen, dieses Mal wollen wir gegen die USA dasselbe schaffen. Unmöglich ist das sicherlich nicht“, so Berntsen.

Alle Ergebnisse des 2. Spieltags im Überblick

Gruppe A:

Deutschland – Finnland 3:0 (3:0)
Tore: 1:0 und 2:0 Birgit Prinz (17. und 28.), 3:0 Renate Lingor (37., Elfmeter)

Dänemark – Schweden 1:0 (1:0)
Tore: 1:0 Cathrine Paaske Sørensen (6.)

Gruppe B:

USA – Italien 2:0 (1:0)
Tore: 1:0 Lindsay Tarpley (5.), 2:0 Heather O’Reilly (74.)

Norwegen – China 3:1 (1:0)
Tore: 1:0 Eigentor China (42.), 1:1 Yue Guo (62.), 2:1 Lene Storløkken (64.), 3:1 Melissa Wiik (90.)

Gruppe C:

Portugal – Polen 3:1 (2:1)
Tore: 1:0 Carla Couto (17.), 1:1 Karolina Bochra (42.) 2:1 Edite (44.), 3:1 Sofia Vieira (80.)

Republik Irland – Island 1:4 (1:4)
Tore: 0:1 Erla Steina Arnardóttir (7.), 0:2 Margrét Lára Viðarsdóttir (12.), 0:3 Sara Björk Gunnarsdóttir (19.), 1:3 ? (23.), 1:4 Margrét Lára Viðarsdóttir (40.)

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.