Nur Deutschland stolpert zum Auftakt

Von am 6. März 2008 – 9.02 Uhr

Logo Algarve Cup 2008Vom portugiesischen Winde verweht wurden am ersten Tag des Algarve Cup die Hoffnungen der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, anders als im Vorjahr diesmal mit einem Sieg ins Turnier zu starten.

Ausgerechnet der Weltmeister patzte bei der 0:1-Niederlage gegen Dänemark als einziger der Topfavoriten. USA, Norwegen und Schweden gewannen ihre Auftaktspiele hingegen souverän.

15 Spiele war die DFB-Elf ungeschlagen geblieben, die letzte Niederlage hatte es im vergangenen Jahr nur wenige Kilometer entfernt von Faro gegeben, als man in Olhao mit 0:1 gegen Italien verlor. Seit dem 2:2 im WM-Vorbereitungsspiel gegen Norwegen war man sogar ohne Gegentreffer geblieben, auch die Däninnen hatte man vor der WM mit 4:0 klar besiegt.

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Schneller Rückstand in Halbzeit zwei
Doch nach 54 Sekunden der zweiten Halbzeit war es soweit. Birgit Prinz hatte bei einem eigenen Angriffsversuch an der Strafraumgrenze den Ball verloren, die Däninnen über nur drei Stationen die deutsche Abwehr mit einem schnellen Konter überrascht. Kerstin Stegemann übersah die in ihrem Rücken durchstartende Johanna M. Rasmussen, die ungehindert auf Merete Pedersen in die Mitte legen konnte. Die 123-fache Nationalspielerin schob den Ball aus kurzer Distanz kaltschnäuzig über die Linie.

Wie schon über weite Strecken in der ersten Halbzeit agierten die Deutschen auch nach dem Rückstand zu umständlich und unorganisiert. Das Offensivspiel über die Flügel funktionierte nicht, Prinz lief sich oft an der starken Mariann Gajhede Knudsen fest und auch Conny Pohlers sowie Petra Wimbersky konnten keine Akzente setzen. Aus dem Mittelfeld fehlte es an Impulsen, eine Spielgestalterin vermisste man an diesem Tag schmerzlich. Einer der wenige Lichtblicke war die eingewechselte Lena Goeßling, der in der Schlussphase bei einem Lattenschuss aus elf Metern fast noch der Ausgleich gelungen wäre.

Mangelnde Abstimmung
Bundestrainerin Silvia Neid erklärte nach der Partie: „Es hat heute an Nuancen gehapert, vor allem bei der Annahme und Mitnahme des Balls. Aber wir hatten tolle Moral, haben auch noch die Latte getroffen. Es sollte heute nicht sein, aber wir können damit umgehen. Wir haben gezeigt bekommen, wie man gegen einen guten und kompakten Gegner spielen muss.”
Die Aussagen von Renate Lingor („Die Abstimmung hat nicht gepasst. Wir haben uns falsch bewegt.“) erinnern ein wenig an das Turnier im Vorjahr, als die deutsche Elf während des gesamten Turniers nicht in Tritt kam und nur ein einziges Spiel gewann – gegen Dänemark.

Torhüterin Silke Rottenberg dürfte es trotz einer insgesamt guten Leistung und einer Glanzparade nach einer guten Viertelstunde mächtig gewurmt haben, dass gerade mit ihr im Tor die Serie ohne Gegentreffer riss. „Natürlich wollten wir zu Null spielen, aber es ist völlig uninteressant, dass die Serie gerissen ist.“

Schweden gegen Finnland souverän – Ljungberg bricht Rekord
Im zweiten Spiel der Gruppe A hatte Schweden beim 3:1 (2:0)-Sieg gegen Deutschlands nächsten Gegner Finnland, den Vize-Europameister von 2005, wie schon zum Auftakt im Vorjahr gegen den gleichen Gegner nur phasenweise Mühe, wenngleich man in der zweiten Halbzeit ein wenig die Kontrolle über das Spiel verlor.

Hanna Ljungberg (25.), Nilla Fischer (29.) und Therese Lundin (87.) trafen für die Schwedinnen, den Ehrentreffer erzielte Sanna Talonen (64.). „Meine Spielerinnen wissen, dass schwerere Spiele auf uns warten als heute“, so Trainer Thomas Dennerby.

Für Ljungberg war es der 72. Treffer in der Nationalmannschaft. Damit brach sie den bisher von Pia Sundhage gehalten Rekord von 71 Toren. Lotta Schelin musste hingegen wegen einer Oberschenkelverletzung passen. Sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch gegen Dänemark am Freitag und vielleicht sogar gegen Deutschland am Montag fehlen.

Auf Seiten des finnischen Teams spielte Essi Sainio von Turbine Potsdam 70 Minuten lang, bevor sie durch Taru Laihanen von der SG Essen-Schönebeck ersetzt wurde.

USA machen mit China kurzen Prozess
In der Gruppe B dauerte es nur fünf Minuten, da stellte Lindsay Tarpley mit ihrem Treffer bereits die Weichen zum ungefährdeten 4:0 (1:0)-Erfolg der USA gegen China. Die weiteren Treffer erzielten die zur zweiten Halbzeit eingewechselte jüngste Spielerin im Kader, Tobin Heath (47.), Abby Wambach (64.) und Carli Lloyd (69.).

Im Tor der Amerikanerinnen stand diesmal Nicole Barnhart, die in ihrem fünften Länderspieleinsatz, dem erst zweiten in den vergangenen drei Jahren, ohne Gegentor blieb, allerdings auch nahezu beschäftigungslos war.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben. Vier Tore zu erzielen macht natürlich Freude“, so US-Trainerin Pia Sundhage.

Über den ersten Länderspieltreffer von Heath in ihrem dritten Länderspiel, das Debüt von Rachel Buehler und den ersten vierten Einsatz von Angie Woznuk meinte sie: „Die Jugend rückt nach und für mich ist es perfekt, aus erfahrenen und jungen Spielerinnen die richtige Mischung zu finden. Besser geht es nicht.“

Norwegen siegt in trefferreichem Spiel
Im zweiten Spiel der Gruppe B gewann Norwegen in Alvor mit 4:2 (1:1) gegen Italien. Elise Thornes, Jahrgang 1988,  brachte die Norwegerinnen mit ihrem ersten Treffer im Nationaltrikot in der Anfangsphase in Führung (9.), Patrizia Panico gelang noch vor der Pause (34.) der Ausgleich für die Italienerinnen.

Doch in der zweiten Halbzeit schaltete das Team von Trainer Bjarne Berntsen einen Gang hoch, Lene Storløkken (47.), Ane S. Horpestad (63., Elfmeter) und Leni Kaurin (74.) sorgten für klare Verhältnisse, ehe Melania Gaddiadini in der Schlussphase (86.) das Ergebnis etwas freundlicher gestalten konnte.

Vor allem die jungen Norwegerinnen wussten zu gefallen, so etwa Marita Skammelsrud Lund, Jahrgang 1989, die die komplette Partie durchspielte oder auch Torschützin Thorsnes. Und die 20-jährige Erika Skarbø feierte ihr Länderspieldebüt im Tor. Beleg für die gute Basisarbeit, die in den norwegischen Vereinen geleistet wird.

„Wir waren effektiv und siegeshungrig. Das war ein guter Turnierstart“, freute sich Berntsen. Einziger Kritikpunkt war, den Gegnerinnen zu viele Torchancen eingeräumt zu haben, was im nächsten Spiel gegen China unterbunden werden soll.

Alle Ergebnisse des 1. Spieltags im Überblick

Gruppe A:

Deutschland – Dänemark 0:1 (0:0)
Tore: Merete Pedersen (46.)

Finnland – Schweden 1:3 (0:2)
Tore: 0:1 Hanna Ljungberg (25.), 0:2 Nilla Fischer (28.), 1:2 Lena Puranen (63.), 1:3 Therese Lundin (87.)

Gruppe B:

China – USA 0:4 (0:1)
Tore: Lindsay Tarpley (5.), Tobin Heath (47.), Abby Wambach (64.), Carli Lloyd (69.)

Norwegen – Italien 4:2 (1:1)
Tore: Elise Thornes (9.), Lene Storløkken (47.), Ane S. Horpestad (63., Elfmeter), Leni Kaurin (74.); Patrizia Panico (34.), Melania Gaddiadini (86.)

Gruppe C:

Portugal – Irland 2:0 (0:0)
Tore: Edite Fernandes (86.), Sofia Vieira (90.+2)

Island – Polen 2:0 (0:0)
Tore: Dóra Stefánsdóttir (58.), Margrét Lára Viðarsdóttir (81.)

 

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.