Algarve Cup: Beliebtes Turnier mit begrenzter Aussagekraft

Von am 5. März 2008 – 12.23 Uhr

Spielszene vom Algarve Cup 2007 zwischen Deutschland und DänemarkIm März 1994 veranstaltete Portugal auf Initiative des schwedischen Fußballverbands erstmals den Algarve Cup (Bild: Spielszene zwischen Deutschland und Dänemark 2007). Damals nahmen an dem Frauenfußball-Turnier neben Gastgeber Portugal fünf weitere Teams teil: Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und die USA. Zuvor hatten sich die skandinavischen Teams im Winter immer auf Zypern zur Saisonvorbereitung getroffen.

Inzwischen ist das Teilnehmerfeld beim Turnier an der Südküste Portugals auf 12 angewachsen, es erfreut sich bei allen angereisten Teams großer Beliebtheit. Gerne nutzen sie den Aufenthalt im milden Klima, um in familiärer Atmosphäre abseits einer breiten Öffentlichkeit und nur von einer Handvoll Medien begleitet mit neuen Spielerinnen und Taktiken zu experimentieren.

Die Aussagekraft des gemeinhin gerne als drittwichtigsten Frauenfußball-Turniers bezeichneten Wettbewerbs nach Welt- und Europameisterschaften und dem olympischen Fußballturnier bleibt jedoch zweifelhaft, da das Turnier nur ansatzweise Rückschlüsse auf die wahre Leistungsstärke der teilnehmenden Teams zulässt, stecken doch zahlreiche Spielerinnen mitten in der Saisonvorbereitung.

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Banecki vor Länderspieldebüt?
Vor dem Hintergrund des Testens und Experimentierens ist wohl auch die überraschende Nachnominierung von Bayern Münchens Nicole Banecki für die verletzte Anja Mittag zu verstehen, mit der Bundestrainerin Silvia Neid nicht nur das Überraschungsmoment auf ihrer Seite behält, sondern zugleich auch den schwelenden Unmut über die Ausbootung von Bianca Rech dämpft. Banecki hatte nicht auf der offiziellen Abrufliste gestanden. Die dort vertretenen Spielerinnen dürften nicht allzu begeistert über die Berufung der 19-Jährigen sein.

Für die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft geht es zum Gruppenauftakt heute in Faro gegen Dänemark (live ab 14.15 Uhr im ZDF), es folgen die Partien gegen Finnland und Schweden. Länder, in denen die Spielerinnen mit ihren Vereinen mitten in der Saisonvorbereitung stecken, so dass mit einer gegenüber dem Vorjahr verbesserten Fitness für Deutschland die Gruppe zu bewältigen sein sollte.

Rotation im Tor
Für das Turnier nominierte Neid abgesehen von Nachrückerin Banecki die gleichen 20 Spielerinnen wie gegen China. „Für mich sind das alles Trainingsspiele. Ich hoffe, dass uns die starken Gegner, die uns in Portugal erwarten werden, unsere Schwächen aufzeigen. Die Ergebnisse sind für mich zweitrangig. Ich will Eindrücke sammeln, um die Olympia-Planung mit Leben füllen zu können“, so Neid. Die sieht unter anderem vor, im Tor Nadine Angerer und Silke Rottenberg abwechselnd spielen zu lassen. Denn bis August gilt es, den Kader auf 18 Spielerinnen zusammen zu stutzen, der Konkurrenzkampf ist hart, der Nachwuchs drängt.

Auch Dänemarks Trainer Kenneth Heiner-Møller setzt die sportliche Bedeutung des Turniers eher niedrig an. „Für uns ist das ein reines Trainingsturnier, dass nur das einzige Ziel verfolgt, dass wir uns auf die wichtigen EM-Qualifikationsspiele gegen Schottland und die Ukraine vorbereiten.“

Dänemark testet drei Debütantinnen
Gleich drei Debütantinnen hat er mit an die Algarve genommen. Emma Madsen (Skovlunde IF), Theresa Nielsen (Skovlunde IF) und Sine Hovesen (Fortuna Hjørring) hoffen alle auf ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft. Durch die schwere Knieverletzung von Julie Rydahl Bukh und die Rücktritte von Gitte Andersen und Anne Dot Eggers waren drei zusätzliche Startplätze frei geworden.

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Von Hovesen ist Heiner-Møller besonders angetan: „Sie ist eine klassische Flügelspielerin und stark im 1:1-Spiel. Sie ist eine wirklich interessante Spielerin.“ Doch auch die anderen beiden bekommen Lob: „Theresa ist sehr flexibel und technisch versiert, Emma ist vor allem physisch stark.“

Mangelndes Zuschauerinteresse
Für die heimischen Frauenfußball-Fans vor den Fernsehschirmen ist das Turnier in diesem Jahr jedoch ein herber Rückschritt. Zwar überträgt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) erstmals seit Jahren wieder live die deutschen Spiele, doch der paneuropäische Sportsender Eurosport hat sich aus der Übertragung komplett zurückgezogen.

Die Zuschauerzahlen vor Ort werden sich erneut in extrem überschaubaren Grenzen halten. Daran wird sich auch wohl erst etwas ändern, wenn die portugiesische Frauenfußball-Nationalmannschaft an Qualität gewinnt und sich in ferner Zukunft einmal mit den Topteams der Gruppen A und B wird messen können.

Der Algarve Cup sei dennoch „ein großartiger Schritt und ein guter Start“, meint Gilberto Madaíl, der Präsident des portugiesischen Fußballverbands. Portugal habe bereits „beträchtliche Fortschritte“ gemacht, auch wenn die Ergebnisse dies noch nicht belegen würden.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.