Mal wieder gegen China

Von am 27. Februar 2008 – 16.45 Uhr

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft startet am morgigen Donnerstag (16.00 Uhr, live im ZDF) in Freiburg mit einem Länderspiel gegen China ins Fußballjahr 2008 ein. Ein unangenehmer und starker, wenngleich nicht gerade der attraktivste Gegner, den sich die Fans zum Start ins Olympiajahr vorgestellt hätten.

Bundestrainerin Silvia Neid glaubt allerdings, dass der Gegner hoch motiviert in die Partie gehen wird. „Bei der WM haben sie vor eigenem Publikum nicht so gut abgeschnitten, deshalb streben sie jetzt unbedingt eine Medaille bei Olympia an. Außerdem haben sie mit Elisabeth Loisel eine neue Trainerin. Ich bin gespannt auf das Spiel.“ Lokalmatadorin Melanie Behringer (Bild) freut sich besonders auf ihr „Heimspiel“.

Gute Fitnesswerte

Anzeige

Mit dem Verlauf der bisherigen Vorbereitung im olympischen Jahr ist Neid zufrieden, fielen die Fitnesswerte doch deutlich besser aus, als ein Jahr zuvor. „Wir hatten in der vierten Kalenderwoche eine internistische Untersuchung in der Sportklinik Hellersen und in der siebten einen Leistungstest in Köln. Die Spielerinnen haben dabei gute Werte gehabt, insofern gehe ich einigermaßen optimistisch in das erste Spiel im olympischen Jahr.“

Bereits zum 23. Mal treffen die beiden Teams aufeinander, nur gegen Norwegen (29), die USA (25) und Italien hat die deutsche Elf häufiger gespielt. Unvergessen ist der 8:0-Erfolg bei den Olympischen Spielen 2004, doch zweimal in jüngerer Vergangenheit kassierte Deutschland auch unerwartete 0:1-Heimniederlagen; im März 2004 in Fürth und im März 2006 in Homburg. Zuletzt gab es ein 0:0-Unentschieden beim Vier-Nationen-Turnier in Guangzhou Anfang 2007.

Experimentierphase

Gegen China und beim am 5. März beginnenden Algarve Cup will Neid vor allem experimentieren, so dass sich nach und nach erste Fingerzeige für den Olympiakader ergeben werden. „Die nächsten Spiele sind alles Trainingsspiele. Ich will Eindrücke sammeln und so viele Spielerinnen wie möglich sehen, speziell gilt das für Navina Omilade, Jennifer Zietz und Lena Goeßling“, erklärte Neid, die aber das Team dennoch nicht bunt durcheinander würfeln will. „Ich will nicht kunterbunt wechseln, damit der Spielfluss so weit wie möglich erhalten bleibt.“

Für die Freiburgerin Melanie Behringer ist das Spiel im eigenen Stadion eine besondere Erfahrung. „Es haben sich eine Menge Leute angesagt. Mein halbes Heimatdorf wird kommen. Meine Verwandtschaft, Freunde, Kollegen und die Mitglieder aus der Frauenfußball-Abteilung des SC Freiburg haben fleißig Karten gekauft. Es wird einiges los sein.“

China unter gewaltigem Druck

Die frühere französische Nationaltrainerin Elisabeth Loisel soll das Team fit für die Olympischen Spiele in Peking machen und zu einer Medaille führen. „Meine Mannschaft und ich haben gute Gründe zu glauben, dass wir unser Ziel erreichen können“, so Loisel. Mit vielen Spielen gegen hochklassige Gegner soll sich ihre Mannschaft die nötige Wettkampfhärte holen.

„Spielerinnen lernen am besten aus ihren Fehlern, und die erkennt man, wenn man gegen starke Teams spielt“, sagt die Französin. In China zweifelt man inzwischen daran, ob Loisel die richtige Trainerin ist. Mehrmals ist es bereits zu verbalen Auseinandersetzungen mit Teammanager Zhang Jianqiang gekommen, der zugleich Mitglied im Frauenfußball-Ausschuss des Fußball-Weltverbands FIFA ist.

Doch eine Trainerentlassung im Jahr der Olympischen Spiele soll tunlichst vermieden werden, um das von der chinesischen Regierung erwünschte Bild einer harmonischen Gesellschaft nicht zu zerstören und den chinesischen Fußballverband nicht neuerlicher Kritik der Medien auszusetzen. Umso wichtiger, dass das Team gegen Deutschland und beim Algarve Cup eine gute Figur abgibt.

Neue Taktik

Gegen Deutschland will Loisel nach der herben 0:3-Niederlage gegen Japan bei der Ostasien-Meisterschaft erstmals eine taktische 4-5-1-Formation testen. Dabei ist angedacht, dass die hoch gewachsene Guo Yue als einzige Stürmerin anstelle von Han Duan zum Einsatz kommt, die in den vergangenen Spielen enttäuschte. Im Mittelfeld will Bi Yan für kreative Momente sorgen, Xu Yuan und Xie Caixia sollen über die beiden Flügel Yue einsetzen. In der Verteidigung werden die Chinesinnen nur schwerlich den Ausfall von Yuan Fan verkraften und so lastet die Verantwortung ganz auf Spielführerin Li Jie.

Tags: , , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.