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1. FFC Frankfurt stellt Weichen für Halbprofitum

Von am 23. Februar 2008 – 15.08 Uhr 3 Kommentare

Sieg bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2007 und Vergabe der WM 2011 an Deutschland: Der Nährboden für die weitere Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland könnte besser nicht sein. Das dachte sich auch der 1. FFC Frankfurt, der auf seiner bislang größten Pressekonferenz im 49. Stock des Commerzbank-Towers über den Dächern von Frankfurt einen umfangreichen Maßnahmenkatalog präsentierte, der bis 2011 das Halbprofitum ermöglichen soll.

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Klangen derartige Pläne in der Vergangenheit noch eher wie eine Utopie, kommt man der Umsetzung inzwischen mit kleinen, aber festen Schritten immer näher. Ein Etat von „mindestens 1,3 Millionen Euro“ ist laut FFC-Manager Siegfried Dietrich dafür nötig. Von diesem Budget ist man nicht mehr allzu weit entfernt, zur Saison 2009/2010 sollte die Schallmauer von einer Million fallen.

Vor allem der langjährige Partner Commerzbank sorgt mit der ungewohnt frühzeitigen Ausdehnung seines Trikotsponsorvertrags bis zum Ende der Saison 2011/2012 für wertvolle Planungssicherheit, wie auch die Vertragsverlängerung mit Dietrich und die Wahl des neuen Vorstands bis 2010 dem Gesamtgefüge Stabilität verleihen.

Sportlich hat man ebenfalls ein deutliches Signal gesetzt, dass man in den kommenden Jahren national wie international eine tragende Rolle spielen will, indem man Birgit Prinz für drei weitere Jahre an den Verein binden konnte.

Schlüssiges Gesamtkonzept

Gleich auf mehreren Ebenen sollen die Vereinsstrukturen in Zukunft optimiert und weiter professionalisiert werden. Ein gesamtkonzeptioneller Ansatz soll dafür sorgen, dass in Zukunft Talente noch stärker gefördert werden und bereits die Juniorenmannschaften besser von den Rahmenbedingungen profitieren. So sollen national und international konkurrenzfähige Teams inklusive einer starken U23 entstehen, wo Talente an die erste Mannschaft herangeführt werden können.

Neben der medizinischen Abteilung soll auch der Trainer- und Betreuerstab erweitert werden. Die Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter wird wachsen und die Stadt Frankfurt hat bereits eine großzügige Modernisierung des Stadions zugesagt: in Planung sind ein neuer Rasen, eine Rundum-Stehplatztribüne, ein fernsehgerechtes Flutlicht, ein weiterer Kunstrasen sowie zusätzliche Funktionsgebäude.

Neue Sponsoren

Diese Modernisierung der Vereinsstrukturen kombiniert mit dem Ausbau des Sponsorenpools und einer intensivierten Zusammenarbeit mit den Fans (Fan-Busfahrten und Fanclub-Aktivitäten) soll den Traum vom Halbprofitum schon in kurzer Zeit greifbar machen. Bereits ab September 2008 soll ein FFC-Business-Club mit 30 neuen Förderern und Kleinsponsoren entstehen. Zudem konnte im früheren langjährigen Trikotsponsor Lotto Hessen ein altbekannter Partner ab der Saison 2008/2009 als Special-Partner gewonnen werden.

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger lobt die in Frankfurt geleistete Arbeit. „Was hier entstanden ist, das müssen andere erst noch lösen. Die Bedingungen im Umfeld müssen bei vielen Klubs attraktiver werden. Darüber werde ich mit jedem Verein reden“, kündigt Zwanziger an.

Richtungweisendes Spiel

Doch gute Rahmenbedingungen sind nur etwas wert, wenn auch der sportliche Erfolg stimmt. Ein erster wichtiger Schritt dahin ist das Spitzenspiel gegen den FCR 2001 Duisburg am Sonntag. „Das ist ein richtungweisendes Spiel, denn wir wollen den Titel verteidigen und uns damit erneut für den UEFA-Pokal qualifizieren“, so Dietrich.

Und die nächsten sportlichen Highlights werfen bereits ihre Schatten voraus. Am Ostermontag, 24. März, steigt im Osten Münchens das Halbfinale im DFB-Pokal, das auf HR und BR live im Fernsehen übertragen wird. Nur fünf Tage später findet im Stadion am Brentanobad das Hinspiel im UEFA-Pokal-Halbfinale gegen Bardolino Verona statt. Auch hier bietet der HR eine Liveübertragung an, im ZDF-Sportstudio werden Ausschnitte zu sehen sein.

Bereits beim ersten Duell mit dem italienischen Meister soll der Grundstein für den Finaleinzug gelegt werden. Und dann winkt ein Finale in der großen Commerzbank-Arena – auf die man aus dem 49. Stock schon mal einen träumerischen Blick werfen konnte.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Marion sagt:

    Halbprofitum und ein Budget von über einer Million Euro? Da hat das „selbsterhaltende System“ Dietrich ja alles richtig gemacht. Erst mal immer weiter Privatgeld reingepumpt, damit den Verein so richtig attraktiv gemacht, und irgendwann läufts von selbst. Natürlich sollte ein Halbprofitum für alle Vereine irgendwann erstrebenswert sein, aber man sollte nicht verschweigen, dass der FFC ohne Dietrichs Privatschatulle nie dorthin gekommen wäre, wo er jetzt ist. Da tun mir die Spielerinnen diverser Zweitligamannschaften schon leid, die keinen SD in der Region haben und so fünf Mal die Woche die Knochen für ihren Verein hinhalten und dafür keinen Cent Geld bekommen. Und wo es hin gehen kann, wenn sich Vereine von Mäzenen abhängig machen, hat man ja unter anderem in Brauweiler gesehen.
    Zudem sollte man den Aspekt der TV-Übertragungen beachten. Wo Spiele gezeigt werden, fließt Geld. Pech für die NRW-Vereine: Der WDR hat kein Interesse an der Übertragung von Spielen. Wüsste nicht, dass außer dem Hallenpokal da jemals etwas live gezeigt geworden wäre. Genausowenig wird in den WDR-Sportmagazinen über die Vereine berichtet (Nur als Beispiel: FFC – Bayern kommt gleich auf ZWEI Dritten Kanälen live, während vom Spiel TuS Köln – Saarbrücken voraussichlich nur die ZDF-Sportreportage kurze Ausschnitte zeigen wird. Bemerke: ZDF. Nicht der in Köln ansässige WDR. Der zeigt lieber jede Woche eine halbe Stunde Drittligafußball der Männer.) Dort sollte der DFB vielleicht einmal versuchen, Einfluss zu nehmen. Ohne TV-Bilder stagnieren die Zuschauerzahlen, was das „Produkt“ FF wiederum unattraktiv für das Fernsehen macht. Ein Teufelskreis, der nur schwer gebrochen werden kann. Die Alternative machen der HSV, Wolfsburg und Bayern München ja gerade vor: FF als „Anschlussprodukt“ eines etablierten Großvereins. Auch hier gilt: Pech für die Vereine, die keinen in der Nähe haben. Oder deren Präsidenten Frauenfußball nicht als fördernswert erachten (Wiederum als Beispiel: Der FC Köln wollte schon in den späten 90ern nichts mit dem damals noch überaus erfolgreichen Brauweiler Verein zu tun haben.) Zusammenfassend kann man sagen: Die FF-Bundesliga wird in wenigen Jahren zwar enger zusammengerückt sein, aber nur noch 2 Typen von Vereinen beherbergen: Die jetzt schon „etablierten“ reinen FF-Clubs und die FF-Abteilungen von großen „Männervereinen“. Mit dem Geld, das diese zunehmend in das „Produkt“ FF pumpen (siehe Werder Bremen, die in einigen Jahren auch mitmischen werden), werden kleinere Vereine wie Crailsheim nicht lange mithalten können.

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  • Max Diderot sagt:

    Jede Entwicklung hat ihre Avantgarde. Auch im Frauenfußball. Möglicherweise finden sich engagierte Personen in anderen Vereinen, für die das Beispiel FFC stimulierend ist, um dem folgen zu wollen. Mit einem solchen Werdegang verbindet sich aber auch immer ein sportlicher und wirtschaftlicher Grat, der auch die verheißungsvollsten Projekte zum Absturz bringen kann. Gerade kleinere Städte (besser: größere Gemeinden) haben aber die Chance, so lange der Frauenfußball noch kein Millionengeschäft ist, durch findige sportliche Entwicklungen ein Umfeld von Mäzenen und Sponsoren zu akquirieren, die diese Entwicklung unterstützen.
    Mir ist nicht bekannt, ob sich der DFB dementsprechend engagiert, aber es wäre hinsichtlich einer linearen Entwicklung zu begrüßen, wenn er die FF-Vereine in medialen und ökonomischen Fragen unterstützen würde. Ebenso hielte ich es für angebracht, wenn sich die Vereine der ersten und zweiten Ligen des Frauenfußballs zu einer Art Interessengemeinschaft vereinen, die gegenüber dem Verband und anderen Institutionen als eine Art Sprachrohr auftritt um die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland auf allen Gebieten zu forcieren.

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  • Rosa sagt:

    Max, ich stimme Dir absolut zu. Noch wichtiger erscheint mir jedoch ein Konzept einer Interessengemeinschaft unterhalb der zweiten Liga. In den ersten beiden Ligen besteht größtenteils bereits eine unorganisierte Gemeinschaft, gefüttert durch die Verbandsturniere der Auswahlmannschaften. Diese gilt es auszubauen und zu organiseren. Ein guter Startpunkt könnten neben den Vereinen eben jene Spielerinnen sein, die beim Länderpokal in Duisburg aufeinandertreffen. Ebenso alle Trainer, Talentsucher und Funktionäre, die diese Veranstaltung ebenfalls wahrnehmen.
    Jenseits davon muss eine Gemeinschaft jedoch erst entstehen. Das fällt bislang schon im engeren geografischen Umfeld schwer, hier muss den Vereinen mit seinen Spielerinnen und Trainern Unterstützung angeboten werden. Eine Bestandsaufnahme auf dieser Ebene könnte ein erster Schritt sein. Ebenso überregionale Trainerfortbildungen/pädagogische Schulungen, die außerdem als Austauschplattform genutzt werden können. Die Talentsucher und Auswahltrainer der Landesverbände sollten hier die Entwicklung anstoßen.

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