Martina Voss: „Wir wollen mit Duisburg wieder Titel gewinnen“

Von am 22. Februar 2008 – 7.16 Uhr 2 Kommentare

Martina Voss will den Frauenfußball in Duisburg vorantreibenEs ist gerade einmal etwas mehr als eine Woche her, da wurde die 125-fache ehemalige Nationalspielerin Martina Voss vorerst übergangsweise Trainerin beim Frauenfußball-Bundesligisten FCR 2001 Duisburg.

Im Interview mit Womensoccer.de spricht sie über das bevorstehende Topspiel beim 1. FFC Frankfurt, die Verpflichtung von Linda Bresonik und die Zukunft des Frauenfußballs in Duisburg.

Womensoccer.de: Herzlichen Glückwunsch zum Sieg gegen Bad Neuenahr. Das war ein hartes Stück Arbeit.

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Martina Voss: 1:0 hört sich holprig an, aber wir hatten die klareren Torchancen und der Sieg war hoch verdient. In der zweiten Halbzeit haben wir es versäumt, das 2:0 oder 3:0 zu machen, dann wäre in unser Spiel Ruhe eingekehrt. So aber blieb es unruhig, weil der Gegner bei dem knappen Rückstand bis zum Schluss hoch motiviert war.

In Wolfsburg wurde zuvor eine 2:0-Führung verspielt. Was lief dort schief?

Es war ärgerlich, dass wir direkt nach dem 2:0 den Anschlusstreffer bekommen haben. Wir haben bei den Standardsituationen nicht aufgepasst. Wir machen auf vielen Positionen oftmals noch zu viele Fehler, wir sind nicht konstant genug in der Leistung. Den jungen Spielerinnen muss man das allerdings auch zugestehen. Einige Spielerinnen hatten zudem keine Spielpraxis, wie etwa Kathrin Längert, die lange verletzt war.

Nun wartet am Sonntag in Frankfurt der ultimative Test. Kommt das Spiel zu früh für Ihr Team?

Es ist kein guter Zeitpunkt gegen Frankfurt zu spielen. In der jetzigen Situation ist es eh schwierig für uns. Aber wir dürfen nicht jammern. Eines möchte ich allerdings einmal festhalten: Wer sagt, dass diese Duisburger Mannschaft deutscher Meister werden muss, ist vermessen und anmaßend. Man kann es sicherlich auch in dieser Saison bei einem optimalen Verlauf schaffen, aber müssen tut man es nicht. Wir werden in Frankfurt alles probieren und uns so teuer wie möglich verkaufen. Aber die Welt wird nicht untergehen, wenn uns das nicht gelingt.

Wie stoppt man denn dieses starke Frankfurter Team?

Nach vorne sind sie natürlich überragend besetzt mit Petra Wimbersky, Sandra Smisek, Conny Pohlers und Birgit Prinz. Wir müssen schauen, dass dort die Bälle gar nicht erst ankommen. Wir müssen kompakt stehen und im Mittelfeld die Passwege zustellen, so dass der Gegner langsamer aufbauen kann. Unsererseits müssen wir Bälle erobern, die wir dann schnell in die Tiefe spielen. Was Turid Knaak derzeit leistet, ist überragend, genauso wie das, was Inka Grings in zwei Spielen trotz eines Bänderrisses gezeigt hat. Ich hoffe, wir können die Frankfurter Abwehr fordern.

Einige hat es überrascht, dass Linda Bresonik nach Duisburg zurückkehren wird.

Linda hatte verschiedene Angebote von mehreren Vereinen und hat sich für Duisburg entschieden. Die Gründe sehe ich im privaten Bereich. Sie möchte hier im Umfeld bleiben, weil sie sich hier heimisch fühlt. Sie weiß außerdem, wie es in Duisburg weiter geht und sie möchte gerne mit mir zusammenarbeiten.

Dass Bresonik eine sportliche Verstärkung ist, ist unbestritten. Ärgert es Sie, wenn immer wieder private Dinge aus der Vergangenheit hervorgekramt werden?

Ärgern ist der falsche Ausdruck, ich finde es einfach nur traurig. Mit solchen Dingen sollte jeder Mensch sehr vorsichtig sein. Es ist respektlos, etwas zu beurteilen, was man nicht beurteilen kann. Wir dürfen uns nicht anmaßen, andere mit über Dritte erworbenem Halbwissen zu verurteilen. Wir sind uns bewusst, dass wir eine tolle Spielerin verpflichtet haben, die gereift ist. Wir freuen uns einfach nur auf die Zusammenarbeit und dass Linda sich für Duisburg entschieden hat.

Wird es in naher Zukunft weitere namhafte Verpflichtungen geben?

Diese Planungen gibt es. Es wird Gespräche geben, und dann hoffen wir, dass wir mit der einen oder andere noch zusammen kommen.

Zu Ihrer Person: Trainerin oder sportliche Leiterin – wohin geht die Tendenz?

Ich bin überhaupt noch nicht zur Ruhe gekommen. Den ganzen Tag klingelt das Telefon, es gilt viele Überlegungen anzustellen und es gibt viel Arbeit im Verband. Ich führe auch viele Gespräche mit der Mannschaft. Ich werde 10 bis 14 Tage arbeiten, dann werden wir uns nach diesen ersten hektischen Tagen mit allen Beteiligten in Ruhe zusammensetzen und danach eine Entscheidung treffen.

Das klingt nach einer offenen Angelegenheit. Der Trainerposten reizt Sie also auch?

Es war ja auch schon vorher einmal in der Überlegung, sportlich mitzuarbeiten. Jetzt haben wir eine andere Situation. Wir müssen ja auch über die Position Trainer und Co-Trainer neu diskutieren. Es ist weder eine One-Woman- noch eine One-Man-Show. Es wird so sein, dass es ganz klar abgesteckte Aufgabenbereiche gibt, damit alle für ein Ziel arbeiten, den Verein strukturell und professionell besser aufzustellen.

Bisher gibt es in der Frauenfußball-Bundesliga keinen sportlichen Leiter. Ein Modell für die Zukunft?

Es ist ganz wichtig, dass man eine solche Position hat. Sie wird zweigeteilt sein: Es gilt, administrativ und organisatorisch tätig zu sein, aber auch mit sportlichem Sachverstand den Trainer zu beraten und zu unterstützen. Man wird sich im Sinne der Sache permanent austauschen müssen, das wird mit zunehmender Professionalisierung im Frauenfußball notwendig sein. Erst einmal gilt es aber, die sportlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, da ist man in einigen Vereinen noch weit davon entfernt. Das ganze Paket muss in sich stimmig sein, es wartet noch eine Menge Arbeit.

Ist man in Duisburg für die Zukunft bereits gerüstet?

Es ist unser Ziel, oben mitzuspielen. Wir wollen mit Duisburg auch einmal international Fußball spielen und wieder Titel gewinnen. Das geht nur über eine gesunde Aufbauarbeit. Wir haben zahlreiche Nachwuchstalente und stellen neben Potsdam die meisten Spielerinnen für die Juniorinnen-Nationalmannschaften. Es muss der Weg der Zukunft sein, diese Spielerinnen an den Verein zu binden und eine Identifikation zu schaffen, um ihnen das Gefühl zu geben, dass sie sich hier weiterentwickeln können. Dabei gilt es, sich punktuell zu verstärken, wie wir das etwa mit Bresonik getan haben.

Ist es wichtig, sich bereits heute zu positionieren, weil in den kommenden Jahren noch ganz andere Vereine in den Frauenfußball drängen werden?

Man muss sich als reiner, kleiner Frauenfußballverein einen Vorsprung erarbeiten. Man sieht ja schon ansatzweise, wie es gehen kann, wenn ein Verein wie Wolfsburg richtig will. Oder auch bei Bayern München, wenn man den Frauenfußball noch stärker mittragen würde. Weitere Beispiele könnten der HSV und Bremen sein. Wenn man sieht, welche Trainingsmöglichkeiten etwa ein Verein wie Mönchengladbach bietet, der inzwischen auch in den Mädchen- und Frauenfußball investiert, sprechen wir von Rahmenbedingungen, die wir noch gar nicht haben. Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben: Eine starke Bundesligamannschaft, eine junge starke zweite Mannschaft und einen deutschen Meister in der U17. Wir werden aber auch unsere gute Nachwuchsarbeit weiter optimieren, um diesen Vorsprung zu halten und uns der Konkurrenz weiter stellen zu können.

Eine Frage zum Schluss: Warum gab es so viele Trainerentlassungen in der Winterpause?

Aus unterschiedlichen Gründen. Aber ich glaube, dass zum Teil auch die Qualität des Trainer hinterfragt wurde. Das ist ja auch ein Anliegen des DFB, in diesem Bereich noch enger zusammenzuarbeiten und auch über gut ausgebildete Trainer eine Philosophie zu entwickeln, die bei der Nationalmannschaft aufhört und von den Vereinen mitgetragen wird. Und der eine oder andere Verein kam offenbar zu dem Schluss, sich verändern zu wollen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Antje aus London sagt:

    Vielen Dank fuer das Interview.

    Ich frage mich, ob Marina Voss nun eigentlich den Job als Herausgeberin des FF-Magazins wieder aufgeben wird? Erstens ist das sicherlich zeitlich nur schwer zu vereinbaren, aber als Trainerin einer Bundesligamannschaft gibt es da ja wohl auch Interessenkonflikte.

    Antje

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Antje

    Das wird wohl davon abhängen, für welche Tätigkeit sie sich in Zukunft entscheiden wird. Deine Anmerkung mit dem Interessenskonflikt ist sehr richtig. Rein zeitlich wäre aber der Job beim FF-Magazin neben einer Trainertätigkeit wohl zu stemmen, neben der einer sportlichen Leiterin schon eher schwerer.

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