Frauenfußball: Professionalisierung mit Tücken

Von am 18. Februar 2008 – 9.47 Uhr 12 Kommentare

Seitdem der Fußball-Weltverband (FIFA) am 30. Oktober des vergangenen Jahres Deutschland den Zuschlag zur Ausrichtung der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 erteilte, hat im deutschen Frauenfußball eine neue Zeitrechnung begonnen. Von der wachsenden Beliebtheit des Frauenfußballs will bis 2011 jeder profitieren und ein Stück vom Kuchen abbekommen.

Fieberhaft bemühen sich potenzielle WM-Städte, Vereine, Spielerinnen und Trainer mehr oder weniger systematisch darum, sich für die Herausforderungen der nächsten Jahre zu wappnen. Während die Bewerber als WM-Spielort hinter den Kulissen seit Monaten Lobbyarbeit betreiben, um vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) den Zuschlag als einer der heiß begehrten Spielorte zu erhalten, hat darüber hinaus bei einigen Vereinen der ersten und zweiten Frauenfußball-Bundesliga sowie Spielerinnen und Trainern ein Umdenkprozess eingesetzt.

Und so bot die Winterpause einen ersten Vorgeschmack darauf, was in den kommenden Jahren noch zu erwarten ist: Die Professionalisierung des Frauenfußballs wird nicht geräuschlos vonstatten gehen.

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Frankfurt setzt weiter auf Dietrich

Beim Meister 1. FFC Frankfurt hat man die Weichen für die nächsten Jahre gestellt und den Vertrag mit Manager Siegfried Dietrich und dessen Vermarktungsagentur SIDI-Sportmanagement bis zur Saison 2011/2012 verlängert. „Wir haben noch viel vor und mit der Vertragsverlängerung möchte ich signalisieren, dass ich es auch langfristig als große Herausforderung sehe, (…) an der sportlichen Weiterentwicklung und der unternehmerischen Ausgestaltung unseres Vereins zu arbeiten.“

Das Bewusstsein, dass auch im Frauenfußball die Vereine in Zukunft wie kleine bis mittelständische Unternehmen zu führen sein werden, will man sich auch in verschärfter Wettbewerbssituation behaupten, setzt sich auch an anderen Orten nach und nach durch.

Personalkarussell dreht sich in Duisburg

Vizemeister FCR 2001 Duisburg will mit der Einführung eines sportlichen Leiters nach dem Vorbild von Werder Bremen seinem Verein eine professionellere Struktur verpassen und den gewachsenen Anforderungen Rechnung tragen. Die ehemalige Nationalspielerin Martina Voss war ursprünglich für diese Rolle vorgesehen, doch nach dem Rücktritt von Trainer Thomas Obliers ist eine völlig neue Situation entstanden. Der hatte im vergangenen Herbst ein eigenes sportliches Konzept vorgelegt und nach Bekanntwerden der Pläne mit Voss den Rückzug angetreten.

Voss wird möglicherweise den Posten als Cheftrainerin vorziehen, denn für dieses Amt müsste sie ihre bestehenden Tätigkeiten als Verbandstrainerin Niederrhein und Chefredakteurin des FF-Magazins nicht unbedingt aufgeben. „Ich muss die Situation neu überdenken“, sagt Voss. Ein erster Fingerzeig. Es wäre also keine Überraschung, wenn sich der Verein auf die Suche nach einem anderen sportlichen Leiter begeben müsste.

Sportlich arbeitet man bereits am Team der Zukunft. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die zweifache Weltmeisterin Linda Bresonik, die noch vor der WM in China ihre Verbundenheit zur SG Essen-Schönebeck zum Ausdruck gebracht hatte, zum Ruhrpottnachbarn wechseln wird. Dem sie offenbar eher zutraut, in den kommenden Jahren im Konzert der Großen mitzuspielen.

Schlafender Riese im Süden?

Auch im Süden ist einiges in Bewegung geraten. „Wir haben die Bedeutung des Frauenfußballs erkannt“, so der bei Bayern München für Frauenfußball zuständige Abteilungsleiter Werner Kern. Der frühere Crailsheimer Trainer Günther Wörle wurde verpflichtet, er soll die von Sissy Raith begonnene Arbeit fortführen, die hauptberuflich zum Bayerischen Fußballverband (BFV) wechselt. Sie wird sich in ihrer neuen Funktion um die Talentförderung kümmern und damit perspektivisch nicht nur den diversen Auswahlteams und Junioren-Nationalmannschaften neue Talente zuführen, sondern auch Bayern München.

Auch in der zweiten Liga ist die Beschaulichkeit vergangener Tage vorüber. So wurde Günter Rommel als Trainer beim Tabellenzweiten VfL Sindelfingen wegen zu hoher Ansprüche entlassen. Begründung: „Er nimmt keine Rücksicht auf die Gegebenheiten, die wir hier in Sindelfingen haben“, so Abteilungsleiter Siegfried Althaus. Zudem habe er gerade die jungen Spielerinnen zu hart angepackt.

Und so darf man gespannt sein, welcher Verein auf dem steinigen Weg der Professionalisierung als nächstes Schlagzeilen schreiben wird.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • Rosa sagt:

    Es war klar, dass gerade der Lobbyismus inflationär die Diskussion um die sportliche Zukunft des Frauenfußballs lenken wird. Immer mit dem Auge auf das höhere Ziel, der WM 2011, hinterläßt das Projekt „Professionalisierung“ Hoffnung und einen faden Beigeschmack zugleich.

    Was soll das eigentlich sein, die Professionalisierung, nach der gerade so sehr geschrien wird? Anscheinend wirklich zum großen Teil die Aufrüstung in den Personalabteilungen in Richtung Marketing und Repräsentation. Anscheinend auch mit ähnlicher Priorität die Repräsentation von bestimmten Städten. Bedeutet Professionalisierung in erster Linie die Qualität von Repräsentation?

    Die Art wie viel und immer mehr von „Professionalisierung“ gesprochen wird lässt immer mehr eines aus dem Fokus rutschen. Die Spielerinnen, insbesondere die jungen Spielerinnen. Hier liegt die Zukunft, die dann meinetwegen auch als Professionalisierung des Frauenfußballs beschrieben werden kann. Jugendarbeit wird von Lobbyismus, Repräsentation und Personalfragen an den Rand der Gespräche gedrängt. Wenn nicht sogar die altersunabhängige sportliche Arbeit von und mit Spielerinnen und Trainer/innen. Dabei geht es dann um Macht, die andere haben, Funktionäre, die manchmal auch Spielerinnen sind oder waren, aber eigentlich wird der Diskurs von anderen geführt als den eigentlichen Protagonisten.

    Sissy Raiths Mühen sind umso begrüßenswerter und auch Sindelfingens Umgang mit seinen Spielerinnen kann die Aufmerksamkeit wieder auf die Bedürfnisse, nicht nur die sportlichen, der Spielerinnen lenken. Aber auch Raith agiert von einer Position in einem Machtsystem, die noch zu hoch in der Hierarchie angesiedelt ist um den Kern der Entwicklung zu fassen und zu fördern. Die Talente, die sich in Bayerns ländlichen Gebieten aufhalten, müssen nicht nur von einer höheren Instanz entdeckt, selektiert und dann gezielt gefördert werden. Viel wichtiger ist die gezielte Unterstützung und Förderung auf unterer Ebene, in den Vereinen selbst, die sich um Möglichkeiten junger Spielerinnen bemühen. Das gilt für jedes Bundesland.

    Die Professionalisierung des Frauenfußballs muss viel geräuschvoller vonstatten gehen.

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  • Max Diderot sagt:

    Rosa, ich bemühe mich, Sie zu verstehen. Und parallel dazu empfinde ich die gemachten Aussagen als Gralssuche! Die nun auftretenden Aussagen über die Professionalisierung des Frauenfußballs sind per se doch nicht schlecht, und in der diesbezüglichen Nachwuchsarbeit scheint es, betrachtet man die Resultate der weiblichen Teams, keine gravierenden Mängel zu geben.
    Der DFB und die Landesverbände waren zwar spät aber nicht zu spät in der Lage, die Förderung junger Menschen systematischer zu unterstützen und zu entwickeln. Ich persönlich wünschte mir, dass dieses konzeptionelle Tun auch in anderen Teilen unserer Gesellschaft zu finden wäre.
    Wenn ich Ihnen eingangs ob Ihrer Ausführungen trotzdem zustimmte, so meine ich doch, dass der Fokus auf eine andere Gruppe von Protagonisten gerichtet werden sollte. Trainer und Übungsleiter müssen besser werden. Es gibt doch den schönen Spruch: Das Gute ist der Feind des Besseren. Vielleicht täte eine Individualisierung des Trainings auch dem Frauenfußball gut. Das benötigt aber auch ein Mehr an Personal. Und damit wären wir wieder bei der Professionalisierung.

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  • Detlef sagt:

    @Max,
    ausnahmsweise, stimme ich Dir hier zu!!!
    Die Professionalisierung muss zunächst in den Vorständen, und bei den Übungsleitern beginnen!!! Erst dann kann auch das Training professioneller werden!!!
    Zu dieser Problematik, möchte ich auch noch mal an die Äußerung einiger Nationalspielerinnen erinnern!!! Sie meinten, „Immer nur Fußball, da wird man ja blöd von“!!! Ist dies eine unprofessionelle Einstellung??? Wird man eventuell nicht blöd davon, wenn man als Lohn für die Mühen, mit reichlich Mammon entschädigt wird!!! Fehlt den Frauen hier eine „professionelle(re) Denkweise“???
    Oder könnte es gelingen, den erstklassigen FF auf einer Stufe einzufrieren, der in etwa der Dritten Klasse der Herren entspricht!!! Dort muss kein Spieler mehr nebenher arbeiten gehen, um sich finanziell unabhängig zu stellen!!! Andererseits spielt aber die Kohle nicht die Hauptrolle, und es bleibt immer noch genug „Fußball-Romantik“ übrig!!!

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  • Max Diderot sagt:

    Detlef, meiner Meinung nach machst Du einen gravierenden Fehler, wenn Du versuchst, die Schablone des Männerfußballs nahtlos auf den der Frauen zu übertragen. Ich sehe auch keinen Widerspruch darin, vermögend und gebildet zu sein. Möglicherweise sind ja einige kickende Jungspunde ebenso quivive wie ein Herr Z. aus Köln und erhalten demnächst Besuch?
    Nein, eine gut alimentierte Fußballerin muss nicht zwangsläufig zu einem gesellschaftlichen Klon ihres männlichen Pendants werden. Und ob sie nun das Buch oder die Spielekonsole als Freizeittätigkeit präferieren, ist mir ehrlich gesagt wurscht. Oder besser: Wichtig ist aufm Platz!

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  • Detlef sagt:

    @Max,
    es ist gar nicht meine Absicht, irgendjemand eine Schablone aufzudrücken, nur damit man dem „Ding“ einen Namen geben kann!!!
    Ich sehe ebenfalls keinen Widerspruch darin, vermögend und gebildet zu sein!!! Es stellt sich für mich nur die Frage, was für einen Fußballprofi wichtig sein sollte??? Und hängen diese Prioritäten allein von der Höhe der Bezüge ab??? Wo ist da die Grenze??? Natürlich müssen und sollen die Mädels auch an ihr Karriereende denken!!! Wenn man genügend Geld hat, lassen sich Studium und Leistungssport, gut miteinander kombinieren!!! Aber die Frage sollte doch erlaubt sein, „WAS wollen wir mit der Professionalisierung denn erreichen???“
    Finanziell unabhängigere Spielerinnen, die dadurch öfter trainieren können, um auf dem Platz, bessere Leistungen zu bringen!!! Und nicht nur in zwei-drei Klubs, sondern mindestens in sechs oder sieben Vereinen!!! Dann wird auch die FF-Liga spannender, und noch interessanter!!!

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  • Detlef sagt:

    @Max,
    eins habe ich noch vergessen!!! Mein Wink mit der Dritten Liga der Herren, sollte eigentlich nur verdeutlichen, wo ich den FF im „Endstadium“ sehen möchte!!! Ich will keine Millionärinnen im FF sehen, die mit zweistelligen Millionenbeträgen, ihren „Besitzer“ wechseln!!! Es soll doch letztendlich um Fußball gehen, und nicht um Monopoli!!! Wenn FF-Vereine, zwischen 2-6 Millionen Euro Jahresbudget haben, verdienen die Spielerinnen genug Geld, und längere Auswärtsfahrten könnte man fliegend überbrücken!!! Ich möchte auch nicht erleben, dass sich FF-Vereine, in den finanzielle Ruin treiben lassen, von skrupellosen „Beratern“, und gierigen Managern!!! All diese negativen „Nebenwirkungen“, inklusive der durchgeknallten „Fans“, möchte ich dem FF gerne ersparen!!!
    Aber ich bin auch nicht so weltfremd, dass ich nicht wüsste, wie es zugeht in dieser Gesellschaft!!! Also lassen wir uns mal überraschen!!!

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  • Rosa sagt:

    Max, du hast vollkommen recht, ich möchte Trainer und Übungsleiter nicht ausschließen. Ich zähle sie gleichberechtigt zu den Protagonisten dazu. Du kannst übrigens gerne Du sagen.

    Betrachtet man die Resultate, gibt es wohl in vielerlei Hinsicht wenig zu Bemängeln. Aber sich nur auf Resultate zu stützen macht es auch einfach das zu sagen.

    Die Jugendarbeit wird überschätzt. Vereine mit Teams in der ersten Liga arbeiten natürlich unter guten bis sehr guten Konditionen. Doch selbst in der Klasse gibt es große Qualitätsunterschiede. Dasselbe gilt für die Quantität des Angebots von Fördertraining, insbesondere in Ballungsräumen, sowie für Auswahlteams, deren Abdeckung von Gebieten, in denen Leistung zu finden ist, immer noch Lücken vorweist. Dabei geht vor allem um Chancen und die Förderung dieser.

    Ich will nicht sagen, dass Marketing, Lobbyarbeit, Verbesserung des Personalumfelds und Repräsentationsqualität kein äußerst wichtiger Teil des Fußballs an sich ist. Aber eine Ausgewogenheit von indirekter und direkter sportlichen Förderung wird wenig diskutiert. Wenn das eine Gralssuche bedeutet, dann aber auf!

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  • Heike sagt:

    Ein interessantes Thema. Diese „Professionalisierung“ haben einige derart auf der Stirn eingebrannt, dass sie alles andere vergessen. Nämlich die Spielerinnen auf dem Spielfeld. Aber wenn man erst mal in der „Machthierarchie“ weiter nach oben gekommen ist, will man anscheinend mit Gewalt dem FF den Stempel des Profifußballs der Männer aufdrücken.
    Natürlich wird vieles gut gemacht, natürlich haben wir in den letzten Jahren viel erreicht, auch in kleineren Vereinen.
    Aber ich habe das Gefühl, dass es gerade im FF eine Kluft gibt zwischen den oberen Hierarchien und den Spielerinnen auf den unteren Rängen. Denn da gibt es genug Potential. Aber es geht nicht nur darum, dieses Potential zu entdecken und nach Profiart zu fördern. Da muss viel mehr darauf geachtet werden, den Blickwinkel zunächst einmal auf die menschlichen Bedürfnisse zu richten. Und genau das scheint man auf den höheren Ebenen nicht mehr zu können. D.h. nicht, dass hier eine professionelle Denkweise gänzlich fehlt. Sie ist schon da, aber sie gefördert werden. Und da geht nicht von heute auf morgen, wie es z. Zt. bei einigen versucht wird, so etwas braucht Zeit zum Wachsen. Ev. auch über 2011 hinaus.

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  • Max Diderot sagt:

    Es passt gut zu dem Thema, dass sich die Süddeutsche heute in einem Artikel mit der Thematik befasst. Kathrin Steinbichler beschreibt unter der Überschrift „Theraband und Milchreis – Bayerns Fußballerinnen arbeiten noch professioneller an sich“ die verbesserte Trainingsdidaktik der Fußballerinnen des FC Bayern München. Ein sehr interessanter Text, dessen einziger Nachteil augenblicklich (noch) darin besteht, nicht online verfügbar zu sein, und deshalb kein Link gesetzt werden kann. Frau Steinbichler hat ja schon, wenn ich mich richtig erinnere, in der jüngeren Vergangenheit profund über den Frauenfußball berichtet.
    Rosa, Du schreibst, „Die Jugendarbeit wird überschätzt.“, und ich verstehe diese Aussage nicht. Wenn ich Deine nachfolgenden Sätze damit in Zusammenhang stelle, vermute ich, dass Du (offensichtlich aus eigener Kenntnis) davon ausgehst, dass Du damit die Qualität der Jugendarbeit meinst. Nun gibt es bekanntlich viele Wege, erfolgreich zu werden. Menschen, die in ihrem Tun „Glanz und Ruhm“ erlangen, sind in vielen Momenten auch Einzelkämpfer. Auch in den Mannschaftssportarten. Um aber zu dieser Disziplin und Ambition hingeführt zu werden, bedarf es im Jugendbereich und gerade auch in der Übergangsphase vom Junioren- in den Seniorenbereich guter, pädagogisch geschulter, Trainer. Neben dem vermitteln elementarer Eigenschaften kommen neue Module, wie beispielsweise die Motivation, hinzu. Professionalisierung, in meiner Interpretation, lässt sich sehr gut mit der Leitidee des lebenslangen Lernens beschreiben. Und die Fähigkeiten, die aktive Sportler auszeichnen, Individualität und Integration, sollten auch Kennzeichen einer dynamischen Gesellschaft sein! Ginge es also nach mir, könnte es gar nicht genug Professionalität geben.
    Heike, weshalb gibt es eine besondere Diskrepanz im Frauenfußball zwischen den oberen Hierarchien und den Fußball spielenden Plebejerinnen? Es wäre ja schön, sollte sich die Utopie von der klassenlosen Gesellschaft verwirklichen lassen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dies eintreten wird, halte ich für wesentlich geringer als dass die Argentinierinnen die Fußball-WM 2011 gewinnen werden. Wir sehen doch jetzt schon, Beispiel Schweden, wo die entsprechenden geldlichen Mittel vorhanden sind, wie reflexhaftig sich die Verwertungsmaschinerie an Gewohnheiten orientiert. Der Umstand, dass so viele Brasilianerinnen ihr sportliches Glück anderswo als im Heimatland suchen, ist ja auch darauf zurückzuführen, dass es für den Fußballmarkt eine Industrie gibt. Spielervermittler und Investoren, viele nicht mit einem guten Leumund ausgestattet, dafür aber mit recht guten off-shore-Kenntnissen, bedienen und verdienen. Die Interessen der Spielerinnen dürften dabei nachrangig gegenüber etwaigen Spekulationsgewinnen sein. Da, so hoffe ich, wird der Frauenfußball in Deutschland nicht hinkommen und sich einer möglichen Calmundisierung erwehren.

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  • Rosa sagt:

    Genau diese guten, pädagogisch geschulten Trainer gibt es viel zu wenig. Aber ist das ein Thema in der Debatte um die Professionalisierung?
    Wenn eine Baustelle schneller fertig und das Ergebnis besser sein soll würde man doch auch eher mehr und qualifiziertere Arbeitskräfte einstellen, als eine neue Stelle für einen Baustellenleiter einzurichten (was man ja trotzdem noch tun kann).
    Warum muss eine Utopie sofort abgeschmettert werden? Und es muss doch keine Utopie sein einer Diskrepanz (ob vorhanden sei zur Diskussion gestellt, meiner Meinung nach ist sie das) entgegenzuwirken.
    Du sagst selber, dass es für den Fußballmarkt eine Industrie gibt. Genau auf dem Weg ist der Frauenfußball diese Industrie und seine Mechanismen anzunehmen. Und das nicht erst seit neulich, sondern schon seit geraumer Zeit. Da darf man sich nichts vormachen. Und die Themen, die im Mittelpunkt stehen, treffen sich auf diesem Weg.

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  • Heike sagt:

    Heike, da bin ich genau deiner Meinung. Es gibt eine Menge guter Trainer, aber leider nur wenige pädagogisch oder vielleicht besser psychologisch geschulter. Da werden Trainer auf die Frauen losgelassen, die bei Männern durchaus gute Erfolge zu verzeichnen hatten. Und die versuchen bei den Frauen mit den gleichen Methoden weiter zu kommen. Und da muss man sich von Männern in den oberen Hierarchien immer wieder Sprüche anhören, wie Frauen muss man anders behandeln, die muss man anders ansprechen usw. Aber wie dieses Andersartige aussieht, kann einem niemand von denen sagen. Und dementsprechend wenig wird das auch gehandhabt.
    Ich kenne einige durchaus talentierte Spielerinnen in den unteren Ligen, die sich dem Stress in den oberen nicht antun wollen. Und die werden von solchen Trainern m. E. nach falsch behandelt. Hier gilt es, einen Ansatzpunkt zu finden. Das ist natürlich ein rein menschlicher Aspekt, aber wenn man mehr auf die Bedürfnisse der Spielerinnen eingehen würde, könnte man ihre Ansichten auch ändern.
    Und das dann in Verbindung mit wirtschaftlichen Aspekten. Da kann man schon einiges tun, um diese Diskrepanz zu mindern.
    Aber solange man bei den Verantwortlichen hauptsächlich die Meinung vertritt, entweder die Frauen wollen von alleine oder sie lassen es bleiben, sehe ich da keine Weiterentwicklung.

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  • Heike sagt:

    Uups! ich meinte natürlich dich Rosa!

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  • HD DVD vs. Bill Gates vs. Facebook vs. Twitxr vs. Frauenfußball vs. Traffic-Boost vs. Links, Links, Links – 19.2.2008 sagt:

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