FFC Wacker München: Die Multi-Kulti-Truppe aus Sendling

Von am 12. Februar 2008 – 10.01 Uhr

Multi-Kulti-FrauenfußballFrauenfußball international: Seit mehreren Jahren spielen Leila Jürgensen, Hélène Brévart und Sabrina Cruz dos Reis beim Frauenfußball-Zweitligisten FFC Wacker München.

Leila hat deutsche und französisch-marokkanische Wurzeln, „Sabsee“ ist gebürtige Münchnerin mit portugiesischen Eltern und Hélène kommt aus dem französischen Saint-Doulchard. Im Interview sprechen die drei über ihr Leben bei Wacker, ihre Vergangenheit und Zukunft.Was verbindet euch mit dem FFC Wacker?

Sabsee: Fast mein ganzes sportliche Leben. Seit meinem 12. Lebensjahr spiele ich in diesen Verein Fußball.

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Hélène: Das ist mein erster Verein und ich bin sehr glücklich hier. Ich konnte damals vor drei Jahren noch kein Wort Deutsch und hatte Fußball nur auf der Straße gespielt. Ich hatte auch schon eine Absage eines anderen Vereins hinter mir. Der FFC Wacker hat mir gleich gesagt, dass ich hier spielen darf. Dafür bin ich sehr dankbar und werde weiterhin versuchen, für Wacker Tore zu schießen.

Leila: Mit dem FFC Wacker verbinde ich so ziemlich alles, was Fußball angeht. Ich habe hier angefangen und so gut wie alles in diesem Verein gelernt, nicht nur was den Fußball anbelangt, sondern auch die Teamfähigkeit und andere soziale Komponenten. Zudem habe ich viele neue Leute kennen gelernt und auch richtig gute Freunde gefunden.

Was hat euch nach München verschlagen?

Sabsee: Ich bin hier geboren worden, nachdem meine Eltern Jahre zuvor nach München gekommen sind.

Hélène: Ich bin wegen meiner Eltern hierher gekommen, die in München arbeiteten. Nachdem ich mein Abitur gemacht habe, war die Frage: Deutschland oder Frankreich? Ich habe mich für Deutschland entschieden, da ich mich hier sehr wohl fühle und ich hier den Anfang meiner Zukunft sehe.

Leila: Das Schicksal hat mich nach München verschlagen, ich bin hier geboren und aufgewachsen.

Multi-Kulti-FrauenfußballWie seid ihr zum Fußball spielen gekommen?

Sabsee: Meine Hände sind nicht fähig einen Ball zu fangen oder zu werfen, deswegen Fußball.

Hélène: Sport ist für mich eine Leidenschaft. Bevor ich zum Fußball kam, hab ich fast alle Sportarten praktiziert. Fußball habe ich immer mit meinen Brüdern gespielt. Es macht mir immer sehr viel Spaß.

Leila: Ich bin durch meine Cousine zum Fußball gekommen. Wir waren früher oft auf dem Neurieder Bolzplatz (Anm. d. Red.: Neuried ist ein Vorort im Südwesten von München) zum Kicken. Und auch in der Schule kam der Fußball nicht zu knapp.

Was erwartet ihr von der WM 2011 in Deutschland?

Sabsee: Dass Portugal dabei ist!

Hélène: Es wäre für mich ein Traum, wenn die französische Nationalmannschaft was erreichen könnte und wenn das auch noch in Deutschland ist, klasse!! Aber Hauptsache eine schöne WM mit vielen Toren und eine tolle Atmosphäre am besten wie 2006.

Leila: Viel Stimmung. Wahrscheinlich nicht soviel wie 2006 bei der Männer-WM, aber wenn man sieht, wie viel Leute auf dem Frankfurter Römer den deutschen Frauen nach dem WM-Sieg zugejubelt haben denke ich, wir werden auch 2011 viel Stimmung in den Stadien haben. Zudem könnte es nochmals einen Schub geben in Richtung Professionalität des Frauenfußballs in Deutschland.

Angenommen ihr seid Vereinsvorstand. Was würdet ihr sofort Neues einführen?

Sabsee: Die Festanstellung einer Sportpsychologin.

Hélène: Einen Regelkatalog statt einen Strafenkatalog. Ich finde, man muss sich schon an Regeln halten besonderes in der 2. Liga. Die Strafen sollten individuell und nach dem Verhalten der einzelnen Spielerin ausfallen.

Leila: Die Schnittstelle zwischen Frauen und Juniorinnen verbessern. Wenn Juniorinnen zu den Frauen „wechseln“ gibt es Schwierigkeiten mit dem Tempo, dem körperbetonten Spiel  und der Taktik. Man braucht logischerweise Zeit um sich zu akklimatisieren. Ich denke, dass wenn der ältere Jahrgang der B-Juniorinnen regelmäßig bei den Frauen mittrainieren würde (vielleicht einmal die Woche), dann würde den Spielerinnen der Sprung leichter fallen und sie hätten auch mehr Selbstvertrauen, weil sie nicht ins kalte Wasser geworfen werden.

Multi-Kulti-FrauenfußballZum Schluss, wie würdet ihr eure Zukunft sehen?

Sabsee: In einem Strandhäuschen an der Costa da Caparica mit Hund, Katze und viel Zeit zum Surfen!

Hélène: In erster Linie möchte ich mein Studium in München erfolgreich abschließen. Dann werde ich sehen, wohin mich die Arbeit bringt. Natürlich möchte ich noch viele Jahre in München bleiben, aber trotzdem irgendwann mal nach Frankreich zurückkehren. Frankreich ist meine Heimat und da fühle ich mich am Wohlsten.

Leila: Erstmal schauen, dass ich mein Studium so gut wie möglich über die Bühne bringe und nebenher auch noch Fußball spielen kann. Vielleicht gelingt ja mal der Aufstieg mit Wacker in die erste Liga.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.