Lorrie Fair: Von San Francisco an die Themse

Von am 10. Februar 2008 – 15.22 Uhr 1 Kommentar

Lorrie Fair will den Frauenfußball in England fördernChelsea LFC ist stolz auf seine erste Spielerin aus den USA. Sportlicher Ehrgeiz und Lust auf soziale Verantwortung ließen Lorrie Fair einen Vertrag beim Londoner Verein unterschreiben.

Doch das Debüt meinte es alles andere als gut mit der charismatischen Amerikanerin, es gab eine knappe Auswärtsniederlage. Die erste US-Nationalspielerin in England. Doch das half nicht beim 3:4 gegen Doncaster Rovers Belles.

Obwohl Dunia Susi die Blues aus London früh in Führung schoss. Doncaster antwortete noch mit vier Treffern. Die 29 Jahre alte Kalifornierin Lorrie Fair aus Los Altos südlich von San Francisco, wo auch das legendäre Stanford Stadium steht, ist seit dem 1. Februar in London unter Vertrag. Als Spielerin und als Sozialarbeiterin mit Schwerpunkt Nachwuchsförderung. Beides passt. Zur Spielerin und zum Verein.

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120 A-Länderspiele

Als Spielerin absolvierte Lorrie, die mit bürgerlichem Namen Lorraine Ming mit Vornamen heißt und eine Zwillingsschwester Ronnie sowie einen älteren Bruder Greg hat, bis 2005 exakt 120 A-Länderspiele für die USA. Die Abwehr- und Mittelfeldspielerin, Tochter einer chinesischen Mutter und eines kasachischen Vaters, fiel dann bei April Heinrichs durch das Sieb. Und wer raus ist, kommt schwer wieder rein.

Nach der Auslandserfahrung bei Olympique Lyon spielte sie zuletzt in einem Männerteam, bei den Halbprofis der San Francisco Glens, in Kalifornien. „Das klappte eigentlich recht gut. Solange ich direkt spielen kann oder richtig antizipiere und den Gegner vom Denken her ausspielen kann, ist das kein Problem“, erklärt Fair. Körperlich ist sie ohnehin topfit. Hinzu kommen neben mentaler Schnelligkeit die hohe Spielintelligenz, Spielwitz und Handlungsschnelligkeit.

Lorrie Fair mit Frauenfußball-Ikone Mia HammWeltmeisterin mit bunten Fingernägeln

1999 war sie das Teamküken im WM-Team der Amerikanerinnen und erlebte die WM vor der Haustür. Unvergessen, wie sie damals ihre Fingernägel erst in den USA-Farben bemalt und im Halbfinale vorsichtshalber schon mal Gold gewählt hatte. Ein Jahr später gab es Olympia-Bronze in Sydney. 2003 WM-Bronze im eigenen Land. Zu WUSA-Zeiten war sie bei Philadelphia Charge im Einsatz.

Beruflich hat Fair ihren akademischen Weg bei den Tar Heels genommen und an der University of North Carolina Kommunikation studiert. Was ihr Jobs als Rundfunk- und Fernsehkommentatorin bei regionalen Sendern in Kalifornien eingebracht hat. Bis zu kleinen Moderationen am Spielfeldrand aus den Stadien der MLS für ABC und ESPN2 hat sie es gebracht.

Attraktives Angebot

Jetzt kann sie Studium, Joberfahrung und Fußball in London miteinander verschmelzen. Der Weg zu den Blues war kein zufälliger. Im letzten Juli war Chelsea auf USA-Tour und Lorrie Fair so etwas wie eine Botschafterin, um die Tour zu vermarkten. Im Jahr zuvor stellte sie sich der Right-to-Play-Initiative als Ikone zur Verfügung. Diese Gruppe ist seit 2006 weltweiter Charity-Partner der Chelsea Ladies.

„Als wir uns über einen Vertrag unterhielten, war das Angebot zu gut, als das man es hätte ablehnen können“, sagt Fair. Beide Seiten schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Fair kann wieder Frauenfußball auf Topniveau spielen und sich darüber hinaus in der Sozialarbeit des Vereins weiter entwickeln. Denn neben dem Fußball hat das US-Girl die Aufgabe, für den Frauenfußball beim FC Chelsea zu werben. Insbesondere in den Londoner Vorstadtvierteln bei jungen Leuten aus einfachen Wohnsiedlungen.

Entwicklung des Frauenfußballs fördern

„Für mich ist diese doppelte Herausforderung interessant“, sagt Fair. „Etwas auf dem Feld zu tun und gleichzeitig in der Community das Ansehen des Frauenfußballs zu stärken. Beim FC Chelsea, aber auch darüber hinaus zu helfen, das Ansehen des Frauenfußballs in England weiter zu verbessern.“ Und natürlich profitiert der Verein von diesen beiden Interessen.

Chelsea-Manager Shaun Gore geht sogar sehr weit mit der Aussage: „Lorrie ist eine Fußball-Ikone, die hier in England sehr viel für die Entwicklung der Fußballfrauen tun wird. Jemand wie sie kann für junge weibliche Spielerinnen zum Vorbild werden und dazu beitragen, das noch mehr Frauen und Mädchen sportlich aktiv sind.“ Gedacht ist dabei an Lehrgänge, in denen Gesundheit, Fitness und Selbstvertrauen gestärkt werden.

Kultivierte Persönlichkeit

Fair ist nicht nur ein sozial eingestellter Mensch, sondern versteht auch, Genuss und Kultur zu schätzen. Darauf haben die Eltern bei der Erziehung mit einem anspruchsvollen Qualitätsmaßstab Wert gelegt. So spielt die Fußballerin in ihrer Freizeit gerne Klavier, weiß einen guten von einem schlechten Rotwein zu unterscheiden und hört ihren Bruder Greg gerne an der Oper singen.

Lorrie Fair hat keine Star-Attitüden und lacht gerne. Sie gehört unter den Fußballerinnen nicht nur zu denen, die ihren Sport lieben und dafür alles tun würden, sondern  zu den etwas interessanteren Persönlichkeiten. „Wenn ich in ein Spiel gehe, möchte ich es gewinnen. Ich hasse nichts mehr, als ein Fußballspiel zu verlieren“, hat die Amerikanerin bei der Ankunft in London gesagt.

Umso mehr kratzt das 3:4 gegen Doncaster an ihrem Selbstverständnis. Gleichwohl, auch das weiß Fair, zeigt sich die Persönlichkeit insbesondere am Verarbeiten von Niederlagen. Es warten also jede Menge Herausforderungen auf die junge Frau aus Kalifornien.

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1 Kommentar »

  • schmidt sagt:

    Fair, who will become Chelsea’s first U.S. player, said: „I had the opportunity to come to England and play for Chelsea, which was too good to turn down. It is an honor to play for such a great club.

    „I am here first and foremost to hopefully help the team which has so many good players, and at the same time the challenge of trying to raise the profile of the women’s game in England is also a big motivating factor. Those are the two key things that Chelsea and I focused on when we talked about me coming to play. It was about what I could contribute on the pitch.“

    A pity the US Women don’t have a league of their own…
    Quelle und Vorlage des obigen Artikels:

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