Hallenspektakel und Dunkelbier in Jöllenbeck

Von am 21. Januar 2008 – 12.14 Uhr 5 Kommentare

Der FCR 2001 Duisburg gewann das Frauenfußball-Turnier in JöllenbeckEine Woche nach dem attraktiven Budenzauber beim DFB-Hallenpokal in Bonn wurde auch beim Traditionsturnier in Jöllenbeck vor den Toren von Bielefeld Frauenfußball vom Feinsten geboten. Mit bärenstarker internationaler Beteiligung wie etwa dem isländischen Meister Valur Reykjavik.

Spielerisch erste Sahne war das Finale des FCR 2001 Duisburg gegen Bröndby aus Kopenhagen. Vanessa Martini, Anne van Bonn trafen. Die Däninnen glichen jeweils aus. Und wenige Sekunden vor der Schlusssirene entschied Annike Krahn das Spiel. Der deutsche Vizemeister gewann 3:2.

FCR-Trainer Thomas Obliers strahlte zur Siegerehrung. „Hoffentlich hilft uns das in der Feldrunde mental weiter. In der Halle bin ich sehr zufrieden, auch wenn es immer auch ein bisschen des Glücks bedarf, ein Finale zu gewinnen“, spielte Obliers auf das Wochenende zuvor an, als Turbine die Nase vorn hatte.

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Mit Inka Grings stellte der FCR auch die Torschützenkönigin. Kurios: Die beiden Finalisten starteten äußerst schwerfällig ins Turnier. Noch kurioser. Das am ersten Tag ungeschlagene Djurgården aus Schwedens Hauptstadt Stockholm holte am zweiten Tag keinen Punkt mehr, wurde Achter und damit Letzter hinter SC Bad Neuenahr. Um Platz fünf hatte Kolbotn Il aus Norwegen mit 3:1 die Nase vor dem FC Gütersloh, dem Lokalmatadoren aus der 2.Liga Nord.

Vidarsdottir beste Spielerin

Beste Spielerin wurde Reykjaviks Margret Lara Vidarsdottir, die einen sensationellen Auftritt nach dem anderen mit dem Turnier-Neuling erlebte, in der Torliste mit vorne lag und am ersten Tag noch mutig ins Hallenmikrophon sprach. Ein sympathischer Debütant, der gerne wieder kommen darf, war allgemeiner Tenor. „Wir wollen hier Spaß haben, gut spielen und gewinnen“, hatte Islands Sportlerin des Jahres verkündet.

Weil es am ersten Tag super lief, nutzte das Team die freien 90 Minuten abends ungewöhnlich: Die Girls fuhren auf den letzten Drücker in die City zum Shoppen. Nach der Verkündung der besten Torhüterin gab es weiteres Übergepäck. Denn Nationaltorhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir wurde zur Nummer eins gekürt und erhielt neben dem Pokal noch eine Kiste Dunkelbier. Barre Bräu, Dein Herz erfreu! Es muss ein lustiger Rückflug auf die Insel im hohen Norden geworden sein.

Rassige Duelle

Das Spiel zwischen Turbine und Valur war vielleicht das rassigste und intensivste des gesamten Turniers. Turbine mit etwas mehr Kraft, Valur mit mehr Cleverness im Angriff. Eine packende Mischung. Leni Larsen Kaurin schießt für Potsdam das 1:0. Fast im Gegenzug fällt das Tor von Margret Lara Vidarsdottir, die 20 Sekunden später ihr Team mit 2:1 in Führung bringt.

Hopfen und Malz scheinen für Turbine verloren, doch erneut Kaurin und Carolin Schiewe schaffen es tatsächlich noch bis zum Ausgleich – 3:3. Im Neunmeterschießen war Potsdams Torhüterin Desirée Schumann überragend, die von vier Valur-Fehlschüssen drei parierte. 3:2 gewannen die Turbinen am Ende knapp die Entscheidung vom Punkt und sicherten sich somit Platz 3.

Hochklassiger Sport

„Das Turnier in Jöllenbeck hat hochklassigen Sport erbracht. Ich meine sogar, dass das Niveau höher war als in Bonn. Ganz einfach, weil in Bielefeld international gespielt wurde. Das ist noch mal eine andere Ebene. Erst recht, wenn Weltelite am Start ist“, meinte Duisburgs Trainer Obliers. „Die vielen knappen Resultate belegen das.“ Schröder pflichte dieser Auffassung bei. Die finale Torschützin Annike Krahn  meinte, es habe ihr in Bielefeld noch besser gefallen, „weil auf dem Linol der Ball schneller läuft als auf Kunstrasen.“

Potsdams Trainer Bernd Schröder verstärkt die Duisburger Einschätzung gerne. Auch die Organisation des Turniers sei exzellent. Nur mit den Einzelauszeichnungen ging er nicht immer d’accord. „Anja Mittag war genauso wenig zweitbeste Spielerin wie Nadine Angerer zweitbeste Torhüterin.“

Das Fernsehen gewinnen

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Möglicherweise liegt in der internationalen Klasse die Zukunft. Kompetent vorgestellt fehlt bei stets ausverkauften Rängen nur das Fernsehen in der Weiterentwicklung. Und wenn die deutschen Sender es nicht wollen, findet sich vielleicht eine Produktionsfirma, um Bildsignale zu verschicken. Etwa für Schwedens Sportsender TR 4 oder für Island, Norwegen oder Dänemark.

Attraktiv für die Teams ist auch der Modus mit Hin- und Rückspiel. Bei 15-minütiger Spieldauer kommt es so zu sechs Spielen, in denen die Feinheiten den Umgang miteinander ausmachen und über die gesamte Turnierdauer niemand ausscheidet. Sieben, mit Halbfinals acht Spiele bedeuten 120 Minuten Volldampf in der Halle mit akzeptabler Pausenlänge. Das ist für Trainer wie Spielerinnen und Zuschauer gleichermaßen attraktiv. Den Beweis gibt es beim TuS Jöllenbeck und seiner Öffentlichkeit, die die Weltklasse wirklich noch anfassen kann.

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5 Kommentare »

  • Georg sagt:

    Ich hatte das Vergnügen, am Samstag und Sonntag auch in Jöllenbeck zu sein und obwohl aus der Nähe Stuttgarts angereist, habe ich es nicht bereut. Das war Hallenspektakel vom Feinsten und die Neulinge aus Island haben die Halle gerockt und das nicht nur während ihrer Spiele. Allein das Aufwärmprogramm war das Eintrittsgeld wert!-)

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  • Detlef sagt:

    Ein guter Bericht, Rainer, hattest Du mir ja versprochen!!!
    Dem bleibt eigentlich nichts mehr hinzuzufügen!!!
    Außer, dass der „kleine TUS Jöllenbeck“, es dem großen DFB gezeigt hat, dass man ein WELTKLASSETURNIER auch ohne durchgeknallte Security, und überstrapazierte Verbote durchführen kann!!!
    Da hier allein der Veranstalter das Sagen hat, ist man auch nicht vom Übertragungsmonopol der ARD abhängig!!! Man darf also an den meistbietenden Verkaufen!!!
    Das Niveau war freilig höher, als beim DFB-Hallenpokal, obwohl die internationalen Schwergewichte Djurgaden und Kolbotn, hinter den Erwartungen zurückblieben!!! Dafür sprangen aber die sympatischen Däninnen von Bröndby, und die absoluten Publikumslieblinge aus Island in die Bresche!!! Georg hat es schon angedeutet, allein die Aufwärmübungen der VALUR-Girls, waren das Eintrittsgeld plus die 600km Anreise schon wert!!! Das war Entertainment pur, Spielfreude vom allerfeinsten!!! Und abends im Hotel, da ließen die Mädels von der Insel, die Kuh erst richtig fliegen!!! Und ich muß Dich enttäuschen Rainer, Gudbjörgs Preis wurde schon Sonntag abends niedergemacht!!! Allerdings nicht von ihr, sie bevorzugt härtere Sachen!!! Aber wir haben uns alle köstlich amüsiert, und das WARTEN aufs nächste Jahr, wird sehr schwer!!!

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  • Georg sagt:

    Detlef hat es erwähnt: Entertainment ist genau der Punkt, weshalb Margret Lara beste Spielerin wurde und nicht Anja Mittag, obwohl Anja ein wirklich gutes WE erwischt hatte und aus allen Lagen geballert hat, wie es sich für eine Torjägerin gehört. Leider sieht es bei Anja immer ein bisschen wie Pflichterfüllung aus, wogegen die Isländerin alles gezeigt hat, was Hallenfußball ausmacht: Kabinettstückchen, Spielwitz, viel Einsatz und natürlich ihren unglaublichen rechten Hammer! Klar hätte Hr. Schröder seine Spielerin gerne auf Platz 1 gesehen aber da hätte ich sogar vorher noch Annike Krahn um Nasenlänge voraus gesehen, die wie bereits in Bonn wieder überragend gespielt hat. Apropos Hr. Schröder: Das ist Jöllenbeck live, da kann man die Protagonisten mal zwischen den Spielen erleben und Hr. Schröder ist wirklich ein super Typ und total nett, wobei ich daran nie gezweifelt hab!

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  • Georg sagt:

    @Detlef: Sag mal, haben die Valurmädels auch in der ‚Heidsieker Heide‘ übernachtet? Schaut ja nicht gerade einladend aus von außen.

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  • Detlef sagt:

    @Georg,
    ja, auch die Isländerinnen haben wie Djurgaden und Kolbotn, im Hotel „Heidsiecker Heide“ übernachtet!!!
    OK, es macht von außen nicht viel her!!! Sieht eher aus, wie ein DDR-Plattenbausilo!!! Ist aber von innen ganz OK, wenn man keine großen Ansprüche stellt!!! Dieses Hotel ist ein absolutes Kuriosum, denn es ist das einzige Hotel, was ich kenne, wo die Rezeption im fünften Stock, also ganz oben, unter dem Dach ist!!!
    Außerdem ist im 3. Stock, noch eine große Gemeinschaftspraxis untergebracht!!!

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