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Zwanziger: „Frauenfußball-Bundesliga ist größte Herausforderung“

Von am 16. Januar 2008 – 12.25 Uhr 8 Kommentare

Am 25. Januar fällt in Frankfurt mit der offiziellen Eröffnung des Organisationskomitee-Büros der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 der Startschuss für die Titelkämpfe im eigenen Land. Zwar beträgt die Vorbereitungszeit nur dreieinhalb Jahre, doch kaum einer zweifelt, dass Deutschland 2011 wie schon 2006 eine perfekte WM organisieren wird.

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Mehr Sorge bereitet hingegen die Entwicklung der Frauenfußball-Bundesliga. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger erklärt: „Das ist die Herausforderung des deutschen Frauenfußballs. Das wird die große parallele Anstrengung zur Vorbereitung des Turniers sein. Wenn diese Weltmeisterschaft 2011 einen Sinn haben soll, dann muss nach dieser WM eine stärkere, attraktivere, spannendere und ausgeglichenere Frauenfußball-Bundesliga da sein.“

Fehlendes Konzept

Doch wie der Weg zu einer besseren Liga konkret aussehen soll, bleibt nach wie vor im Dunkeln. Von einem konzeptionellen Ansatz oder gar einem durchdachten Konzept ist bisher nichts zu sehen. Bundestrainerin Silvia Neid regte am vergangenen Samstag eine Verkleinerung der Liga von 12 auf 8 Mannschaften an und zog sich prompt die Kritik einiger Bundesligatrainer zu. Doch immerhin ist es ein erster Gedankenanstoß, sich in Zukunft systematischer mit Entwicklung der Liga zu beschäftigen. Eigene konkrete Ideen, wie man die Frauenfußball-Bundesliga auf ein höheres Niveau hieven kann, hatten die Kritiker auch nicht parat.

In England ist man bereits einen Schritt weiter. Dort hat der Frauenfußball-Ausschuss des englischen Fußball-Verbands (FA) eine auf Sport spezialisierte Unternehmensberatung beauftragt, eine Ist-Analyse der Liga vorzunehmen, Meinungen von beteiligten Spielerinnen, Trainern, ehrenamtlichen Mitarbeitern, Fans, Sponsoren und den Medien einzuholen. Am vergangenen Wochenende diskutierte der Verband mit allen beteiligten Vereinen erste Ergebnisse, die in Handlungsempfehlungen und konkrete Anweisungen münden sollen.

Gespräche vonnöten

Auch in Deutschland gilt es, einen ähnlichen Weg zu beschreiten. „Ich werde mit allen Bundesligaclubs, dem Frauenfußballausschuss und mit all den vielen Leuten in Deutschland, die an der Weiterentwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs interessiert sind, darüber sprechen, auf welchem Wege wir weiter kommen können. Das setzt Gespräche und auch Entscheidungen voraus“, so Zwanziger.

„Wenn wir diese Nachhaltigkeit nicht im Blick haben und verschlafen, dann haben wir vieles von dem, was uns die Frauenfußball-WM an Chancen geben wird, nicht umgesetzt“, befürchtet Zwanziger, der einige allgemeine Handlungsanweisungen gibt. „Das Sportliche und auch das gesamte Ambiente in den Stadien muss verbessert werden. Dazu auch das Verhältnis zu den Medien. Da müssen viele Facetten ineinander greifen.“

Bewusstsein stärken

Auch die ganz jungen Spielerinnen möchte er bereits im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern. „Bereits unter den 17-jährigen Mädchen sind ganz erstaunliche junge Persönlichkeiten und Typen, die häufiger in die Öffentlichkeit gebracht werden müssen. Sie können für diese Gesellschaft Vorbildcharakter entwickeln.“

Auch bei der Verhandlung der neuen Fernsehrechte hofft Zwanziger, bessere Konditionen für den Frauenfußball herausschlagen zu können. „Wir werden 2009 natürlich versuchen, angemessene, ehrliche, korrekte wirtschaftliche Daten auch für den Frauenfußball zu bekommen. Speziell für die Nationalmannschaft. Dort sind die Einschaltquoten so gut, dass wir Ansprüche stellen können. Die Bundesliga ist da leider noch nicht soweit.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Ich kann Herrn Zwanziger nur zustimmen und bin zuversichtlich, dass sich all die klugen Köpfe neue Konzepte überlegen werden. Es ist manchmal auch gar nicht so schwer. In vielen Bereichen des Frauenfußballs (ich spreche nur von Schweden, weil ich die aktuelle Situation in D nicxht so gut kenne, antizipiere aber, dass es durchaus Paralellen gibt) wird einfach (noch) nicht professionell gearbeitet.

    Die Verkleinerung der Bundesliga, der Vorschlag von Frau Neid, ist definitiv der falsche Schritt. Talente, die sich entwickeln können, sind in Deutschland mit Sicherheit genügend vorhanden, um, die richtigen Rahmenbedingungen vorausgesetzt, auch eine 12er oder gar 16er Bundesliga mit hervorragenden Spielerinnen zu füllen.

    Es geht um die Rahmenbedingungen. Sponsoren, Marketing, Öffentlichkeit.

    Die Vereine, die in Schweden vom Abstieg bedroht sind, leiden nicht nur darunter, dass die Topclubs die besseren Spielerinnen haben, sondern, dass ihre Spielerinnen ganz andere Rahmenbedingungen haben als die Topclubs. Man arbeitet zu 50, 75 oder gar 100% in viel größerem Ausmaß als beim Spitzenclub. An manchen Spielen (Pokal in der Woche) kann man wegen des Anfahrtswegs und der Arbeit, Schule, Uni am nächsten Tag gar nicht teilnehmen.

    In der Medienarbeit sind viele Vereine noch mehr als amateurhaft im Schwedenland. Die Internetseiten der meisten Vereine werden so gut wie nie aktualisiert und obwohl z.B. der Kader für die neue Saison 2008 bei den meisten Teams feststeht, finde ich allenthalben noch Bilder und Porträts von Spielerinnen, die längst in Lyon oder anderswo sind oder im Mutterschutz. Ich finde auch keine Termine für Freundschaftsspiele bei den meisten Clubs. Manch interessierter Fan wendet sich dann ab und besucht zumindest die Internetseite nicht mehr.

    Es gibt positive Beispiele wie Umeå IK, bei denen nicht nur das Spielerische, sondern auch alles drumherum stimmt. Deshalb stehen sie da wo sie sind.

    Wenn ich Spieler oder Trainer interviewen will, was ich immer häufiger tue, dann komme ich nirgends so schnell und systematisch organisiert ans Ziel wie bei Umeå (oder der Nationmalmannschaft). Spielerinnen anderer Clubs sind nicht immer leicht zu bekommen, weil Kontakte mit den Medienvertretern der Clubs nicht immer reibungslos funktionieren. Dabei ist es im allergrößten Interesse des
    Frauenfußballs, das über ihn und seine Stars geschrieben wird.

    Es gäbe noch viel mehr, was ich erwähnen könnte, aber ich fände es spannend, wenn wir hier eine Diskussion darüber führen und Ideen entwickeln, den Sport zu fördern, den wir alle sehr gern sehen.

    Schöne Grüße aus einem verregneten Stockholm (in das jetzt auch Nadine Angerer ziehen wird…)

    Rainer

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  • Rosa sagt:

    Ich finde es schade, dass in der öffentlichen Diskussion um die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland viele wichtige Komponenten, die meiner Meinung nach prägend sind, ausgelassen werden. Insbesondere Aussagen in den Massenmedien wie von Sylvia Neid (z.B.“der Bundesliga fehlt Leistungsniveau“) fallen meiner Ansicht nach zu flach aus und schaden eher dem Versuch eine größere Öffentlichkeit über die Nationalmannschaft hinaus zu erreichen. Daraus resultieren dann auch wahrscheinlich zu kurz gedachte Lösungsvorschläge, wie etwa die Bundesliga zu verkleinern.

    Wenn man die Präsenz des deutschen Frauenfußball als Konglomerat aus vielen und vielfältigen Komponenten betrachtet, fällt sehr schnell auf, dass eine ausreichende Thematisierung nicht vorhanden ist.

    Die Jugendarbeit der Bundesligavereine ist beispielslos, wenn man sich die Entwicklung der Nachfrage anschaut (8 von 10 Mädchen WÜRDEN gerne Fußball spielen). Gemessen an Maßstäben, die der Männerfußball vorzugeben scheint, ist die Jugendarbeit der Bundesligavereine noch nicht so weit, mit der Entwicklung der Nachfrage mitzuhalten. Vereine, die Männerfußball vorrangig unterstützen und nachhaltig davon geprägt sind, bieten ein breit gefächertes Jugendtrainingsangebot, das sich wiederum maßgeblich vom Mädchenfußball unterscheidet (vor allem in einem breiten Angebot und einem Förderungsmaßstab). Das wirkt sich wiederum auf den Frauenfußball aus, deren Bundesligavereine im Falle eines traditionellem Männervereines (z.B. HSV, FC Bayern) im Schatten des Männerbereiches stehen (deren Amateurteams bei weitem besser gefördert werden als die FrauenBundesligateams). Es gibt immer wieder häßliche Fälle, in denen Frauenteams vom Verein „der Förderung entzogen“ werden, weil sie der erhofften, und im Männerbereich erlangten, „Win-Win Situation“ nicht gerecht werden. Das geforderte „höhere Leistungsniveau“ sollte also auch von eben diesen Vereinen erbracht werden, oder nicht? Jedenfalls sollte der Dialog gesucht werden, wie es Achim Feifel richtig gefordert hat.

    Ein, meiner Meinung nach, ebenso wichtiger Punkt ist auch der weit auseinanderklaffender Unterschied zwischen einem „professionellem Fußballer“ und einer „professionellen Fußballerin“. Nur ein Bruchteil der Bundesligaspielerinnen kann duch das Fußballspielen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das bedeutet zwangsläufig eine Doppelbelastung von Training und Ausbildung/Beruf und dem nachfolgend gewisse Auflage für die Arbeit in den Vereinen, die bei ihren Trainingszeiten dies berücksichtigen müssen. Eine Professionalisierung des Transfermarktes des Frauenfußballs kommt demnach einer Farce gleich, wo doch etliche Wechsel Berufsmotiviert sind/sein müssen.

    Bevor Frau Neid das fehlende Niveau deutscher Fußballspielerinnen thematisiert, sollte eigentlich der mediale Faktor, bzw. Fußball als Spektakel und Inszenierung betrachtet und von DFB Seite thematisiert werden. Wann sieht man schon Frauenfußball im Fernsehen, wenn nicht die Nationalmannschaft spielt oder Frankfurt im UefaCup? Wo bekommt man schon topaktuelle Ergebnisse der Bundesligaspiele? Sämtliche Übertragungsrechte sind schon vergeben, aber die Übertragung beibt aus. Dabei sollte man meinen, dass das Interesse an der Frauenbundesliga da ist, wenn nicht durch den WM Erfolg, dann doch durch die Entwicklung in der Jugend. Aber selbst auf renommierten Sportseiten werden Ergebnisse erst Tage später aktualisiert. Auch hier dürfte der DFB einen Dialog anstreben.

    Frauenfußball wird oft als „langsamer“ im Gegensatz zum Männerfußball beschrieben. Sportwissenschaftler haben da sicher Fakten zusammengetragen. Doch wenn man etwas genauer hinsieht begünstigt das Medium Fernsehen diesen Gegensatz auf prägnante Weise. Das konnte man besonders in der Winterpause betrachten, in der Testspiele von Männerteams auf den dritten Programmen übertragen wurden. Der FC Bayern mit seinen Topstars mutete plötzlich stark „langsamer“ an, als es im Bundesliga Alltag der Fall ist. Der Grund ist ein simpler und auch ausschlaggebend für die Übertragungen der Spiele der Frauennationalmannschaft. Es werden bei weitem weniger Kameras eingesetzt, was weniger Flexiblität der Perspektive bedeutet und weniger Dynamik beim Schnitt. Und Medienwissenschaftler bestätigten schon mehrfach, dass eben diese Dynamik ausschlaggebend für die Rezeptionshaltung der Fans ist.

    Fußball lebt gleichzeitig von seiner Kulisse, also dem Spektakel. Wenn man sich in einem der großen Stadien einen günstigen Sitzplatz in den oberen Reihen leistet, wird die Spannung nicht hauptsächlich von den Geschehnissen auf dem Spielfeld ausgelöst. Es geht vielmehr um die Masse, die dem Spiel beiwohnt. Ein ähnliches Spiel auf einem Sportplatz wie dem des FFC Frankfurt zu betrachten, würde viel von der Gesamtdynamik einbüßen lassen. Es fehlt also auch die Kulisse im Frauenfußball und auch hier sollte der DFB den Dialog mit den Bundesligavereinen suchen um eine größere Kulisse zu ermöglichen.

    Man kann die vielfältigen Komponenten sicherlich noch detaillierter auflisten. Es ist schade, dass der DFB und auch die Repräsentationsfiguren des Frauenfußballs einen so eingeschränkten Horizont abbilden. Gerade Sylvia Neid sollte um die Peripherie des Frauenfußballs und seiner Probleme wissen. Eine Verkleinerung der Liga würde diese Probleme nicht lösen. Und die Aussagen der Repräsentationsfiguren schaden dem Frauenfußball eher, als das sie ihm helfen. Auch die angeregten Gespräche unter Funktionären und Beteiligten ist eher eine nebensächliche Angelegenheit. Wichtig ist der direkte Dialog über konkrete Themen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Rosa, herzlich willkommen auf Womensoccer und vielen Dank für Deinen langen Beitrag. Ich gebe Dir Recht, dass die ganze Problematik in der Öffentlichkeit bisher ansatzweise bis gar nicht diskutiert wird. Auch hinter den Kulissen scheint noch nicht allzu viel zu passieren, zumindest entsteht dieser Eindruck.

    Zum Thema Medien hatte ich bereits einmal mit Detlef eine Diskussion geführt. Ich sehe hier vor allem erst einmal die Vereine in der Pflicht. Warum sollte eine renommierte Sportseite topaktuell sein, wenn manch ein Club selbst es nicht schafft, Ergebnisse oder Spielberichte zeitnah und aktuell auf der eigenen Website zu publizieren?

    Man darf nicht vergessen, dass der Frauenfußball nach wie vor eine Randsportart ist, die es nur punktuell bisher schafft, größeres Interesse zu erzeugen, wie bei Weltmeisterschaften oder eben den Länderspielen. So schlecht ist es um die Berichterstattung im Fernsehen gar nicht bestellt, wenn man es mit anderen Sportarten ähnlicher Größenordnung vergleicht.

    Du schreibst man sollte meinen, dass das Interesse an der Frauenfußball-Bundesliga da ist. Aber es ist ja eben in der Öffentlichkeit nicht in großem Maße vorhanden. Ständig liest man von Zuwachsraten beim Mädchen- und Frauenfußball, doch der springende Punkt ist, dass selbst aktive Fußballerinnen sich oft nicht für Frauenfußball, sondern für Männerfußball interessiert. Oder nimm heute 12- oder 13-jährige Mädchen. Die haben nicht Birgit Prinz, Renate Lingor oder Simone Laudehr als Vorbild, sondern Diego, Kaká oder Drogba.

    Wie Du schreibst, es ist ein vielfältiges Thema mit vielen verschiedenen Aspekten, die es zu bedenken gilt. Umso wichtiger, dass bald einmal damit angefangen wird, eine systematische Bestandsaufnahme in Form einer Ist-Analyse zu machen, um dann zu sehen, was man konkret ändern bzw. verbessern kann.

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  • Rosa sagt:

    Hallo Markus, danke für diese Seite!

    Du hast recht, dass die Vereine in der Pflicht stehen eine bessere Berichtserstattung zu gewährleisten. Dieser Bereich ist noch zu viel von ehrenamtlichen Kräften abhängig, die sich bemühen, die Anforderungen aber Verständlicherweise nicht ausreichend erfüllen können. Die Verantwortlichen in den Vereinen scheinen da noch nicht die Veranlassung zu sehen die nötigen Veränderungen in den Strukturen vorzunehmen. Das sollte aber zu einem Ziel werden, auch einem, das der DFB anstrebt.

    Ich glaube man sollte auch nicht vergessen, dass der Frauenfußball auch zu einem großen Teil zu einer Randsportart gemacht wird (damit will ich nicht sagen, dass er nicht auch eine ist). Das geht unglaublich tief und man könnte wahrscheinlich einen eigenen langen Artikel darüber verfassen. Das geht über die Stellung von Frauenbereichen im Verein, der suggerierten Außenseiterposition, marode Strukturen, die eben nur diese Position zulassen, Öffentlichkeits-, Jugendarbeit, etc., etc.. An Sportarten ähnlicher Größenordnung und eventuell auch ähnlichen Problemen werden in der Öffentlichkeit nicht so hohe Anforderungen gestellt, wie es zur Zeit durch den Blick auf die WM 2011 passiert. Der Weg zurück zur Reform des Fundaments wird dadurch immens erschwert.

    Ich glaube auch, dass das Interesse vor allem zum größten Teil negiert wird. Und an dem Punkt gibt es kaum eine Chance es zu vergrößern. Britta Beckers Film zur WM wurde wirklich beschämend klein beworben (und der Film selbst zu oft als von Sönke Wortmann ausgezeichnet, obwohl er als Produzent beteiligt war, wohl um das Interesse auszuweiten). Aktive Spielerinnen interessieren sich mehr für den Männerfußball als für den Frauenfußball. Aber die Tendenz steigt auffallend. Und ich würde eher sagen, dass die Vorbilder Diego und Prinz heißen. Insbesondere in Vereinen, die nur die Abteilung Frauenfußball führen, ist Birgit Prinz längst zum Idol avanciert (was auch damit zu tun hat, dass diese jungen Mädchen ein sportliches Ziel vor Augen haben können).

    Ich hatte vor kurzem eine Diskussion über die Veränderung der Frauenbundesliga. Die Meinung meines Gegenübers war, dass der Frauenfußball sowohl international, als auch national ein Profil brauche, das sich signifikant vom Männerfußball unterscheide. Wie soll sich eine Sportart aber von seiner Randposition lösen können, wenn sie dem traditionellem Diskurs ausweicht? Dadurch bestätigt sie doch eher die Vorurteile und Klischees, die das traditionelle Konstrukt aufwirft und zieht selbst eine Grenze um ihre Randposition. Denselben Effekt hätte auch Sylvia Neids Ligaumstellung. Wirklich aufgeweicht werden können die Strukturen nur durch eine Aneignung. Sonst wird der Stempel einer „Randsportart“ nicht blasser.

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  • Max Diderot sagt:

    Für mich ist das nicht ganz nachvollziehbar, weshalb der Terminus Randsportart für den Frauenfußball in Deutschland herangezogen wird. Weder quantitativ noch qualitativ. Unsisono allen Sportarten, abseits des dominierenden Männerfußballs, ist zu eigen, dass ihnen eine Art Aufmerksamkeitsdefizit zugestanden werden muss. Diese Missachtung von teilweise sehr attraktiven Wettbewerben (i.e. Volleyball) ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass ihnen eine adäquate und strukturierte Öffentlichkeitsarbeit abgeht. Dem Frauenfußball geht es im Vergleich mit anderen sportlichen Institutionen in Deutschland darob vergleichsweise gut. Auch wenn ich Rosa zustimme, dass das Marketing für den Film „Die besten Frauen der Welt“ eher suboptimal denn gut war, und dieses sehenswerte filmische Produkt eine bessere Resonanz verdient als es ihm bis dato zuteil wurde, sehe ich erste Ansätze, dass die Medien auch etwas tief- und hintersinniger über den Frauenfußball, speziell in der hiesigen Ausprägung, berichten.
    Das ursächliche Problem, dass es nicht noch schneller voran geht, sehe ich in Deutschland vor allem im Gegensatz von Gemeinnützigkeit und Ökonomie. Einen Bundesligisten im Frauenfußballbereich zu managen, ist ein ambitioniertes, mittelständisches Ansinnen. Den Verein auch erfolgreich zu führen (und dieser Begriff ist sehr bewusst gewählt, da die Verantwortung eher auf wenigen denn auf vielen Schultern ruht) bedarf es mindestens Kenntnissen im Vereins- und Steuerrecht.
    Nach meiner Vorstellung sollte der DFB zweierlei unternehmen. Zuerst könnte eine Art Frauenfußballfonds gegründet werden. Diesem sollten die Bundesligavereine, der DFB und privatwirtschaftliche Interessenten, letztere in geringer Anzahl, angehören. Die Betreiber des Fonds machen es sich zur Aufgabe, die Organisationsstrukturen der Frauenfußballvereine in Deutschland zu verbessern – beispielsweise Pressearbeit, Entwicklung der Stadien u.ä. Die finanziellen Mittel des Fonds speisen sich aus Einlagen des DFB und der Bundesligavereine. Darüber hinaus werden bestimmte Zulagen von übertragenden Sendeanstalten verlangt, ähnlich jener Abgaben die beispielsweise der GEMA zufließen, die dann auch wiederum diesem Fonds zugehen.
    Was ich damit zum Ausdruck bringen will, und Markus, Du hattest ja auch dankenswerterweise den Hinweis auf die Vorgehensweise der FA genannt, ist, dass die weitere Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland auch eine Frage der finanziellen Investition sein wird. Was natürlich nicht bedeuten soll, all jene, die sich sehr engagiert und ehrenamtlich in den Vereinen betätigen, vernachlässigen zu wollen. Carpe diem!

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  • Winfried Kramer sagt:

    Die Bundesliga ist nicht zu gross, sondern zu klein. Eine Miniliga mit 12 Vereinen wird von externen Interessierten und potentiellen Sponsoren nicht ernst genommen. Kurzfristig muss eine Erweiterung auf 14, mittelfristig auf 16 Vereine erfolgen. Dafür sollte der Unterbau gestrafft werden – z.B. nur eine zweite Liga und 2 Regionalligen.

    Eine Verkleinerung der Liga führt dazu, dass Nachwuchskräfte noch weniger Chancen auf Spielpraxis haben und begünstigt einseitig die starken Clubs. Es spielen immer mehr Frauen und Mädchen Fussball – dies müssen sie im Wettkampf mit den besten Spielerinnen tun können, also in der Bundesliga.

    International wäre es wünschenswert, einen Landesmeisterwettbewerb (von der unseligen Geldliga „Champions League“ mag ich nicht sprechen) UND einen UEFA-Cup zu haben, in dem 1-3 weitere Teams eines Landes (je nach Stärke der nationalen Liga) antreten dürfen.

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  • Detlef sagt:

    @Winfried,
    da möchte ich Dir wiedersprechen!!!
    Für eine kurzfristige Erweiterung der Bundesliga, ist es nach meiner Einschätzung noch zu früh!!! Allerdings zeigt der derzeitige Tabellenstand, dass wir uns wohl auf einen extrem spannenden Abstiegskampf gefasst machen können!!! Wenn man die Tabellenplätze 4-12 so betrachtet, ist der Unterschied gar nicht sooooo groß!!! Zumindest vom spielerischen Potenzial her!!! Und wer die Breisgauerinnen, etwas besser kennt, der weis genau, die kommen nochmal!!! Auch Wattenscheid, hatte einige gute Ansätze, und kann sich sicher noch steigern!!!
    Langfristig gebe ich Dir aber recht, da sollten Teams wie Gütersloh, Köln, Sindelfingen und TeBe Berlin sicher eine Chance haben, sich in Liga EINS zu profilieren!!!
    Wenn Du den Unterbau straffen willst, und auch die 2. Liga EINGLEISIG machen möchtest, solltest Du aber an die Kosten denken!!! Fahrkosten, Übernachtungskosten, das sind für ZWEITLIGISTEN gigantische Summen!!! Außerdem müssen die Mädels dann Montag wieder in der Schule, Ausbildung, Uni, oder auf der Arbeit sein!!! Das ist dann Stress PUR, und dürfte sehr schwer werden!!!

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  • Max Diderot sagt:

    Mit zwei Hinweisen auf Links möchte ich noch einmal diesen Blogbeitrag reanimieren. Zur kommenden Spielzeit 2008/09 soll ja im Herrenfußball die III. Liga als eingleisiges Projekt die bisherigen Regionalligen ersetzen. Der verantwortliche DFB-Direktor ist Helmut Sandrock. Nun gibt es ein interessantes Gespräch mit ihm über das Vorhaben. Interessant weniger ob etwaiger Innovationen oder richtungsweisender Konzepte. Vielmehr erinnern mich die Antworten von Herrn Sandrock an einen Exkurs in Diplomatie und Diskretion, möglichst keine rhetorischen und faktischen Wagnisse eingehen zu wollen. Für mich ein Beispiel, wie möglicherweise auch die Professionalisierung des deutschen Frauenfußballs an-, be- oder hintertrieben wird.
    Hier der Link:
    In diesem Zusammenhang vielleicht nicht uninteressant, der DFB hat seine aktuellen Finanzdaten publiziert. Wenn die Hausse anhält, ließe sich das Logogramm DFB in nicht allzu ferner Zeit auch als Stabilitätsgarant im Finanzwesen interpretieren.
    Der entsprechende Link dazu:

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