Neid plädiert für Verkleinerung der Bundesliga

Von am 13. Januar 2008 – 17.47 Uhr 23 Kommentare

Über eines sind sich alle Verantwortlichen des Frauenfußballs einig: Die Bundesliga muss an Qualität gewinnen, will man bis zur Frauenfußball-WM 2011 und darüber hinaus neue Zuschauerkreise erschließen und den Sport auch für das Fernsehen attraktiver machen. Uneinigkeit herrscht jedoch über den Weg, der zum Erfolg führen soll.

Bundestrainerin Silvia Neid sprach sich am Rande des DFB-Hallenpokals nachdrücklich für eine Verkleinerung der Liga von 12 auf 8 Vereine aus. „Wir brauchen mehr Highlights“, so Neid. Doch dieser Vorschlag stößt nicht bei allen Bundesligavereinen auf Gegenliebe.

Die mangelnde Attraktivität der Liga lasse sich an den geringen Zuschauerzahlen ablesen. „Als ich noch gespielt habe, war die Liga zweigeteilt und zum Finale kamen schon damals 5.000 Zuschauer. Aber heute steht schon Mitte Mai fest, wer Meister wird. Es ist doch logisch, dass man da als neutraler Zuschauer nicht mehr hingeht.“

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Play-offs zur Steigerung der Attraktivität

Mit der Einführung von Play-off-Spielen soll die Bundesliga für Zuschauer wie Medien gleichermaßen an Attraktivität gewinnen. „Man könnte beispielsweise die besten vier Mannschaften über Kreuz noch einmal gegeneinander antreten lassen.“ Eine Verkleinerung der Liga mit der damit verbundenen geringeren Anzahl von Spieltagen (14 statt 22) würde zudem zu einer Entzerrung des jetzt schon engen Terminkalenders führen, der die Nationalspielerinnen schon heute an die Grenzen der Belastbarkeit führt.

„Wir können ja nicht auf die Qualifikation für Olympia, EM und WM verzichten, nur damit unsere Spielerinnen regenerieren können, das ist nicht der Sinn der Sache. Die Nationalmannschaft ist immer noch das Aushängeschild des deutschen Frauenfußballs.“

Neid appelliert an alle beteiligten Teams, im Sinne des Frauenfußballs, eigene Interessen hinten anzustellen. „Man muss sich jetzt an einen Tisch setzen und überlegen, was für den Frauenfußball bis 2011 am Besten ist. Man darf nicht egoistisch denken, sondern muss den gesamten Frauenfußball im Auge haben, damit wir das Optimale herausholen und eine gute WM spielen.“

Ablehnung der Reformpläne

Sonst könnte der deutsche Frauenfußball an Boden gegenüber der Konkurrenz verlieren. „Wir sollten über den Tellerrand schauen. Man sieht ja etwa, was in Holland passiert, wo die Vereine an den Männerfußball gekoppelt werden. Da wird die ganze Woche in Richtung Nationalmannschaft gearbeitet und deren Philosophie vertreten.“

Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder weist derartige Gedankenspiele jedoch zurück. „Die Arbeit der Clubs wird immer viel zu negativ dargestellt. Woher kommen denn die Top- Spielerinnen? Man tut jetzt so, als wäre man Weltmeister geworden ohne die Vereine.“ Eine Verkleinerung der Liga kommt für ihn nicht in Frage. „Wir brauchen eine breite und starke Liga. Wenn es da unten nichts mehr gibt, haben wir Inzucht.“

„14 Spieltage sind zu wenig. Wichtiger wäre, dass alle Vereine einen so großen und ausgeglichenen Kader haben, dass sie auch mal auf eine Auswahlspielerin verzichten können“, ist Tanja Schulte, Trainerin von Wattenscheid 09, ebenfalls gegen eine Verkleinerung.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

23 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    … und ich sollte die Präpositionen besser im Griff haben: Es muss natürlich heißen: „… soll ihre (Elite-) Liga auf acht Mannschaften reduzieren…“.

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  • Detlef sagt:

    @Helena,
    Wenn Du mal 2-3 Jahre zurückdenkst, da hattte TURBINE eine nahezu perfekte, und schlagkräftige Truppe!!! In die Gefilde von MITTAG; WIMBERSKY; POHLERS; HINGST; CARLSON; FUSS; ANGERER; BECHER und OMILADE, konnte keiner der großen Talente, die in Potsdams ZWEITER spielten, eindringen!!! In Frankfurt ist das bis heute so!!! Dort konnten, bzw können die Talente nur dann mal aufs Feld, wenn sich die Stars mal verletzt haben, bzw geschont werden!!!
    Gesetz den Fall, es gelingt wirklich, alle guten, und sehr guten Spielerinnen Deutschlands dazu zu bringen, in diese TOP ACHT zu wechseln, wird es keinen Platz für den Nachwuchs mehr geben!!! Wo sollten sie denn bitte spielen??? Na gut, in deren ZWEITER!!! Aber für die ERSTE LIGA, sind sie verloren!!!
    Möglicherweise, wird sich die Situation sowieso von ganz allein noch dahingehend zuspitzen, dass die allerbesten Spielerinnen, der Bundesliga ganz den Rücken kehren!!! Dazu muss man die Entwicklung in den USA, in Schweden, möglicherweise Holland, aber auch in China oder Australien abwarten!!!
    Diesen Herrausforderungen wird man aber nicht durch BESCHNEIDEN der FF-Liga entgegnen können, sondern nur durch umstrukturieren der Vereine!!! Dies braucht sicher noch viel Zeit, und darf auch nicht übers Knie gebrochen werden, nur weil da eine WM ins Haus steht!!! Daran hätte man beim DFB auch mal etwas früher denken können, dort ist in der Vergangenheit, zu viel Zeit, einfach vergeudet worden!!! Jetzt ist man aufgewacht, und hat sicherlich einige gute, und wichtige Hebel in Gang gesetzt!!! Dem ist eigentlich nur noch hinzuzufügen, dass uns THEO ZWANZIGER, hoffentlich noch lange erhalten bleibt!!! Er versucht sicher sein Möglichstes, kämpft sich aber sicher noch durch ne Menge BETON, in den Köpfen vieler DFB-Funktionäre!!! Ohne diese unsere LICHTGESTALT, säßen wir noch in der finsteren Dynastie, des Meyer-Vorschläfer!!!

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  • Detlef sagt:

    Achso, hätte ich beinahe vergessen!!!
    Bernhard, Du hast absolut recht, in Bayern gibt es ganz sicher nicht weniger Talente, als im Ruhrgebiet, oder im Osten Deutschlands!!! Einige kann man ja schon bewundern, Katharina Grießemer, Katharina Baunach, Julia Simic, und nicht zuletzt unsere JESSICA WICH!!!
    Und nur so nebenbei, wir sind immer ganz gut gefahren mit den Mädels aus Bayern!!! (und natürlich auch aus Franken)

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  • Markus Juchem sagt:

    Vielen Dank an alle für die zahlreichen Meinungen und die interessante Diskussion!

    Ich möchte noch ein paar andere Argumente zur Diskussion stellen. Bisher dreht es sich fast ausschließlich um die sportliche Qualität der Liga bzw. die nicht vorhandene Ausgeglichenheit der Teams.

    Das ist aber denke ich nur ein Teilaspekt. Ich stelle einfach mal die These auf, dass heute, wenn wir ein spannendes Tabellenbild hätten mit sagen wir drei punktgleichen Teams auf den ersten drei Plätzen und vier Verfolgern dahinter mit zwei Punkten Rückstand, nicht automatisch deutlich mehr Zuschauern in die Stadien kämen.

    Weitere Ansatzpunkte: Verbesserungsfähiges Ambiente in den Stadien, verbesserte Infrastruktur und Anfahrtswege.

    Einen äußerst interessanten Aspekt hat auch kürzlich Katrin Weber-Klüwer in einem Artikel für die FAZ herausgearbeitet:

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  • Detlef sagt:

    @Markus,
    Na klar, für jemand der sicher oft zum FC Bayern nach Aschheim fährt, und kein Auto hat, für den ist es echt BESCHEIDEN!!!
    Aber außer Aschheim, fällt mir gerade keine Sportstätte ein, die dermaßen am Ar….. der Welt liegt, dass man mit dem ÖPNV kaum dahingelangt!!! Selbst SEXAU, wo die Breisgauerinnen früher ihre Heimspiele ausgetragen haben, war mit dem Zug besser zu erreichen!!!
    OK, das PCC-Stadion in Duisburg ist auch etwas abgelegen, geht aber noch!!! Alle anderen, haben meist eine Haltestelle direkt vor der Haustür!!!
    INFRASTRUKTUR??? OK, wer auf VIP-Plätze scharf ist, erlebt beim FF wohl oft sein Waterloo!!! Ansonsten ist es klar, dass die wenigen überdachten Plätze, oft nicht reichen!!! Aber Fußball ist nun mal ein Freiluftsport, und ich weis genau, wenn ich nach Duisburg fahre regnet es, muss mich also entsprechend vorbereiten!!!
    Ein Beispiel ist hier Wolfsburg!!! Die haben wohl mit Abstand die beste Infrastruktur, das beste Stadion, aber auch mit die wenigsten Zuschauer!!!
    Ein großer Kritikpunkt ist hier oft die mangelhafte Werbung!!! Woher sollen es denn die Interessierten wissen, dass an einem Spieltag gerade die Spitzenbegegnung Frankfurt gegen Potsdam stattfindet??? Wer sich nicht selber im Internet oder der Tagespresse informiert, erfährt allenfalls spät abends, in einer kurzen Zusammenfassung davon!!! Wie viele Vereine, werben denn mit Plakaten??? Bad Neuenahr fällt mir da eigentlich nur ein!!!
    Was tun die großen Profiklubs, um ihre weiblichen „Anhängsel“ zu unterstützen??? Positiv wäre hier Bayern München zu nennen, der wohl eine Mail oder FAX an die nahegelegenen Bayern-Fanclubs schickt, mit der Bitte um Unterstützung der Mädels!!!
    Somit kommt es immer wieder zu der merkwürdigen Situation, dass in Potsdam mehr Bayern-Fans ins Stadion kommen, als in Aschheim!!!
    Man kann es drehen und wenden wie man will, man kommt letztlich immer wieder auf die mangelnde Medienpräsenz der FF-Klubs!!!
    Mehr FF-Bundesliga im TV, und es werden automatisch mehr Zuschauer ins Stadion gehen!!! Diesen Widerspruch, habe ich auch anfangs nicht verstanden, aber es ist wirklich so!!! Und was man immer noch sehr beklagen muss, wenn dann schon mal berichtet wird, ist es oft falsch und oberflächlich!!! Es wird auch nicht wirklich besser, wieder LIVE zu erleben beim WDR, bei der Übertragung vom Hallenpokal!!! Mangelnde Vorbereitung, zeigt genauso mangelndes Interesse des Kommentators!!!
    Ich glaube nicht, dass es an der Infrastruktur, oder fehlender VIP-Plätze liegt, dass nicht mehr Zuschauer ins Stadion gehen!!!
    Selbst mit kostenlosem Eintritt, würde man wohl kaum den Schnitt anheben können!!! Und wenn man, so wie in Essen oder Bad Neuenahr, die meisten Karten an Mädchenmannschaften verschenkt, die durch den Gruppenzwang dann auch dahingehen müssen!!!
    WAS erreicht man damit??? Kommen die vielleicht irgendwann mit ihren zahlenden Eltern wieder??? Möglicherweise ist das ein Weg, zu mehr Zuschauern zu kommen!!!

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  • Max Diderot sagt:

    „German Angst“ wurde vor einigen Jahren zum Begriff für die spezielle (nämlich politische) und allgemeine Befindlichkeit in diesem Land. Und der DFB, wohl noch darüber grübelnd ob er den Frauenfußball zukünftig anders einzuschätzen hat, denn als breitensportliches Betätigungsfeld für kickende Damen, hält sich vornehm zurück, wenn seine (Richtlinien-) Kompetenz gefragt ist. Dass es auch anders geht, zeigt der englische Fußballverband FA*. Dort wird die Öffentlichkeit in konkreten Entwicklungsfragen eingebunden.Vielleicht sollte sich der DFB diese Vorgehensweise zum Beispiel nehmen.
    *http://www.thefa.com/Womens/PremierLeague/NewsAndFeatures/Postings/2008/01/FAWPL_sgm.htm

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  • Antje aus London sagt:

    @Max

    Es ist beileibe nicht so, dass in England alles besser waere. Die Liga hier ist noch einseitiger als in Deutschland und die Medienpraesenz ist auch geringer. Was positiv ist, dass die BBC fuer die Uebertragung wichtiger Spiele wie das FA-Cup-Finale im Mai fachkundige Co-Kommentatoren gewinnen kann. Da kann es schon mal passieren, dass Hope Powell 90 Minuten ein Spiel kommntiert und da hoere ich gern zu. Ich bin nicht sicher, ob ich 90 Minuten Silvia Neid auch so unterhaltsam faende. Die Uebertragung jedes Laenderspiels haben wir aber noch lange nicht. Insgesamt sieht der englische Frauenfussball nach Deutschland und nicht umgekehrt.

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  • Max Diderot sagt:

    Mir gefällt der Umstand, dass in England Nägel mit Köpfen gemacht werden. Endlich werden dringende Fragen, deren Beantwortung der Förderung des Frauenfußballs dienlich sein werden, zielorientiert diskutiert. In Deutschland, so scheint es mir, wagt sich niemand aus der technokratischen Deckung und ein jeder trägt weihevoll seine Monstanz lauterer Absichtserklärung, die mehr vernebeln als erhellen. Auch wenn ich Frau Neids aktuellen Vorschlag für nicht sinnvoll erachte, so zolle ich ihr doch Respekt dafür, dass sie sich mit einem konkreten Vorhaben an die Öffentlichkeit gewagt hat.
    Vorwerfen lassen muss sich aber das DFB-Präsidium, insbesondere Frau Ratzeburg und Herr Dr. Zwanziger, dass knapp 4 Monate nach der WM in China weder konzeptioneller Ansatz noch Pragmatismus ob der verbesserten Entwicklung der Frauenfußball-Bundesliga zu erkennen sind. Dabei ist es ja nicht nur ein ideeler (=sportlicher) Effekt sondern auch ein ökonomisches Kriterium, den eine Entwicklung des Frauenfußballs begleitet. Und wenn wir uns in Erinnerung rufen, wie lange es gedauert hat, bis die überwiegende Anzahl der Männervereine die elementaren Bestandteile der Kostenrechnung respektierte, wird es nicht verwegen sein, zu behaupten, dass den Frauenfußballvereinen ähnliche Probleme bevorstehen werden. Und deswegen, lieber DFB: mehr Pragmatismus wagen!

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1 Pingbacks »

  • […] Doch wie der Weg zu einer besseren Liga konkret aussehen soll, bleibt nach wie vor im Dunkeln. Von einem konzeptionellen Ansatz oder gar einem durchdachten Konzept ist bisher nichts zu sehen. Bundestrainerin Silvia Neid regte am vergangenen Samstag eine Verkleinerung der Liga von 12 auf 8 Mannschaften an und zog sich prompt die Kritik einiger Bundesligatrainer zu. Doch immerhin ist es ein erster Gedankenanstoß, sich in Zukunft systematischer mit Entwicklung der Liga zu beschäftigen. Eigene konkrete Ideen, wie man die Frauenfußball-Bundesliga auf ein höheres Niveau hieven kann, hatten die Kritiker auch nicht parat. […]