Zwanziger unterstützt Coming-out von Lesben und Schwulen

Von am 20. Dezember 2007 – 11.57 Uhr 7 Kommentare

Ein schwuler Bundesligafußballer? Eine lesbische Nationalspielerin? Was es laut Statistik dutzendfach geben müsste, existiert in Deutschland offiziell bisher nicht: Kein Fußballstar ist offen homosexuell, zu groß ist nach wie vor die Angst vor negativen Auswirkungen. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hat nun ein Tabu gebrochen und erstmals öffentlich über Lesben und Schwule im deutschen Fußball gesprochen.

„Sicherlich wäre es wünschenswert, dass jemand mal den Mut hätte, es zu sagen“, so Zwanziger gegenüber der Zeitschrift „L-Mag“. Er garantiert, dass er selbst und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) jede lesbische Spielerin und jeden schwulen Spieler beim Coming-out unterstützen würden.

Allerdings räumt er ein: „Ich kann niemanden zur Zivilcourage zwingen.“ Die Diskriminierung von Homosexuellen im Fußball ist vielfältig: schwulenfeindliche Gesänge in den Fankurven, Mobbing in Vereinen und Mannschaften. Das will der DFB energisch bekämpfen. So gibt es bereits Kontakte zum Sportverband EGLSF der Schwulen und Lesben (European Gay and Lesbian Sport Federation). Erst kürzlich hat der DFB eine „Erklärung gegen Diskriminierung im Fußball“ unterzeichnet.

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Das vollständige Exklusiv-Interview mit Dr. Theo Zwanziger ist in der Januar-Ausgabe des Lesben-Magazins „L-Mag“ zu lesen, die am 21. Dezember erscheint. L-Mag gibt es an jedem Bahnhofskiosk, im Abo und an bundesweiten Verkaufsstellen.

Die Titel-Story: TV-Star Anne Will und ihr Bekenntnis, lesbisch zu sein. Der bekanntesten ARD-Moderatorin hat ihr Coming-out in keiner Weise geschadet. Bei Fußballstars muss dies nicht anders sein.

Siehe zum Thema auch frühere Beiträge von Womensoccer.de, unter anderem ein Interview mit Tanja Walther (1. Teil, 2. Teil).

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • michael sagt:

    Herr Zwanziger muß sich meiner Meinung nach nicht zu jedem Thema melden, vorallem nicht derart naiv.Der DFB schafft es nicht mal die Beleidigungen andersfarbiger Spieler in der Herrenbundesliga zu unterbinden. Welche wirklichkeitsnahe Hilfe will der Präsident bieten, wenn sich Spieler/innen dem teilweise rechten Mob der angeblichen Fußballfans ausliefern. Noch bedarf man hunderter von Polizeibeamten um einen Bundesligaspieltag der Herren einigermaßen gewaltfrei über die Bühne zu bringen.Was bei den Frauen, aber auch Sportarten wie Handball oder Eishockey nicht der Fall ist.

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  • Sunny sagt:

    Ich weiss nicht.. Wenn ich die Kommentare von Theo Zwanziger lese, dann bekomme ich das Gefühl, dass Schwule und Lesben irgend etwas „besonderes“ sind oder haben. Wie eine Art Krankheit.
    „Wir würden sie bei ihrem Coming-Out unterstützen“… Das sind Sätze, bei denen sich mir die Nackenhaare einfach hochstellen..

    Ich glaube, dass ist das, was Schwule und Lesben am wenigsten wollen. Als etwas besonderes behandelt zu werden, sondern einfach als was normales, so wie Heteromenschen.

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  • Christian sagt:

    Tja, ist wohl eine Frage der Perspektive, wie man die Äußerungen von Herrn Zwanziger bewertet. Ich bin jedenfalls davon angetan, daß er das Thema offensiv angeht. Zum einen weil er damit seine Aufgeschlossenheit unter Beweis stellt, eine Haltung die gerade für den DFB leider nicht so selbstverständlich ist, wie sie sein sollte. Man denke nur mal an die lange Zeit vorherrschende Einstellung des „Altherrenverbandes“ gegenüber dem Frauenfußball oder wie schwer sich der DFB lange mit einer ehrlichen Beurteilung seines Verhältnisses zum Nationalsozialismus getan hat.

    Zum anderen halte ich seine Stellungnahme für gut und wichtig, da er den DFB in der Frage Homophobie damit nochmal offen positioniert. Natürlich ist die Ausage des DFB-Präsidenten noch keine konkrete Hilfe. Aber wenn sich jetzt noch ein Spieler oder Vereinsverantwortlicher offen oder latent schwulenfeindlich äußert oder handelt, so kann nicht mehr auf eine stillschweigende Duldung durch den DFB gehofft werden.
    Auch ein „Klimawechsel“ kann schon ein wichtiger Beitrag sein. Spätestens jetzt darf es auch keinen Unterschied mehr machen ob ein Spieler als „schwarze Sau“ oder „nur“ als „schwule Sau“ beschimpft wird.

    Klar ist auch, daß „Schönwetterreden“ alleine auch nicht viel helfen. Mein persönlicher Eindruck aber ist, daß Dr. Zwanziger seinen Worten auch Taten folgen läßt, wie man das beispielsweise in seinem Engagement für den Frauenfußball oder seinem Dialog mit Fanvertretern ablesen kann.

    Übrigens: Auch Menschen anderer Hautfarbe oder anderen Glaubens möchten gerne als ganz normale Mitmenschen betrachtet werden. Der Anspruch ist richtig, die Realität sieht leider noch nicht zufriedenstellend bei uns aus. Nicht ohne Grund gibt es Kampagnen gegen Rassismus oder Antisemitismus. Insofern sind Minderheiten wie Schwarze, Juden oder Homosexuelle eben doch noch etwas Besonderes in unserer Gesellschaft und bedürfen in manchen Situationen verstärkter Solidarität.

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  • Detlef sagt:

    Ich sehe THEOS Äußerungen auch eher positiv!!!
    Je öfter über Schwulen und Lesben auch im Sport geredet wird, desto mehr wächst in der Öffentlichkeit die Bereitschaft dazu, dies zu akzeptieren!!! Über einen homosexuellen Schauspieler wundert man sich schon gar nicht mehr!!! Sie stehen auch in der Öffentlichkeit, aber es ist nichts besonderes mehr dabei!!! Auch Politiker dürfen in unserer Gesellschaft (zumindest im toleranteren Norden), durchaus lesbisch, bzw schwul sein!!! Soll jetzt der Spitzensport die letzte Bastion der Heteros bleiben???
    Ich bin mir auch nicht sicher, wie der DFB die betroffenen Akteure unterstützen will, aber zumindest im FF hätte er die Macht dazu!!!
    Sobald aber wirtschaftliche Interessen dagegensprechen, wird man auch in Frankfurt, weiterhin das Mäntelchen des Schweigens darüber hängen!!!

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  • Max Diderot sagt:

    Pardon, aber was soll dieser Lametta-beseelte und in vorweihnachtlicher Gemütslage zelebrierte Unsinn eigentlich? Die sexuelle Orientierung eines Menschen ist dessen ureigenste Privatangelegenheit. Eine Intimität, die niemanden etwas angeht! Und wenn sich Menschen öffentlich zu ihrer Neigung bekennen, mag bei den Einen die gockelhafte Eitelkeit eine Rolle spielen während Andere sich als Avantgardisten gefallen. Die großväterliche Attitüde des DFB-Präsidenten ist mir rätselhaft. Wiewohl ich anerkennen will, dass sich die gesellschaftlichen Usancen im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften wesentlich verbessert haben, und hier insbesondere durch die Verbände, bleiben viele homosexuell-orientierte Menschen von Vorurteilen betroffen. Und welchen Effekt soll dieses publizieren der Lust haben? Dass Medien, die sich mit dem Entlarven privatester Momente beschäftigen, ihre Auflagen steigern?
    Es gibt ja den geflügelten Begriff, „Jeder möge nach seiner Fasson glücklich werden“. Umso mehr gilt dieses Motto dort, wo der Öffentlichkeit vorgegaukelt wird, dass das Chichi einer Branche wichtiger sei als eine Nuance Tiefsinn. Ob die Spielerin X oder der Spieler Y ihren aktuellen Lebenssinn darin suchen, eine Partnerschaft führen zu wollen, die (noch) nicht Vatikankompatibel ist, interessiert mich nicht. Anziehend wird diese Person aber für mich dadurch, dass sie ihren öffentlichen Status durch intelligente Aussagen und ein charmantes Auftreten unterlegt. Als Beispiel: In Erinnerung wird mir bleiben, wie einige deutsche Fußballerinnen, anlässlich des nach der WM 2007 stattgefundenen Empfangs, die öffentlich-rechtlichen Journalisten ins Leere laufen ließen, da sie in einer Art Rollenspiel die üblichen Verhaltensweisen umkehrten und somit den Schmock entlarvten.

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  • Watti sagt:

    Wie DCRS berichtete, hat eine Hobbyfußballmannschaft aus Atlanta ihren langäjährigen Torwart aus der Mannschaft geworfen, weil bekannt wurde, dass der 24jährige Mann eine homosexuelle Beziehung unterhält. Nun wurde der junge Mann ein paar Nächte später schwer verprügelt und misshandelt. ( Eine Wahllos zitierte Meldung) Muß man da noch drüber diskutieren ob das Outing eines männlcihen Fußballprofis Nachteile hätte?

    Ich selber (männlich) war in 2 langjährigen Beziehungen jeweils mit einer Fußballerin zusammen und teile deshalb aus Erfahrung komplett die Meinung von Tina Theune-Meyer die in ihrer Diplom-Arbeit gesschätzt hat, dass 20 bis 40 Prozent der Fußballerinnen lesbisch sind. Na und, „warum soll man das wegreden?“ Genau so ist es , warum soll man da was wegreden? Es ist doch ok so und die Frauen die ich kenne gehen damit eher humorvoll und ohne jegliche abnormalität um. Es sollte uns nur zu denken geben warum das ganze im Frauenprofifußball augrund von öffentlichem Machogehabe anders ist und als „offenes Geheimnis“ in den Medien behandelt wird.???
    Meine Meinung ist, dass ein männliches outing ganz sicher Nachteile mit sich bringen würde, da eine Männerbild zerbrechen würde und der „Macho“ sich gekränkt fühlen würde. Ein weibliches outing würde aus meiner Sicht keinerlei Nachteile mit sich bringen sondern eher Vorteile, da es in unteren Klassen als normal angeshen wird und kein Diskusionsthema ist. Frauen haben eine viel höhere Akzeptanz gegenüber nicht heterosexuellen Menschen. Vielleicht sollten wir Männer unser Machogehabe weglassen und die Menschen einfach Ihre Richtungen ausleben lassen?!! Was kümmert es mich denn wenn ein Mann Eistanz mag oder eine Frau boxen geht ? – Was ich allerdings nicht mag ist wenn Menschen sich aufgrund öffentlicher Meinungen mit Ihrer wahren Gesinnung verstecken müssen.

    Vielleicht ist das Zitat des ehemaligen NBA-Basketballers John Amaechi, der sich nach seiner Kariere als Homosexuell geoutet hat die antwort auf all diese Fragen?

    Auf die Frage, warum er erst jetzt, lange nach seinem Karriereende damit an die Öffentlichkeit gehe, sagt der 36Jahre alte Amaechi: ,,Wegen des Machismos, den es nicht nur in der NBA gibt, sondern in jedem professionellen Sport. Der Sport ist der Gipfel der Männlichkeit – zumindest denken das die Leute. Männer und Frauen sehen in Profi-Sportlern Menschen, denen sie gerne ähnlich wären, oder mit denen sie gerne zusammen wären. Wenn man realisiert, dass ein Mensch, den man liebt und unterstützt, schwul ist, geht plötzlich die Musik aus.‘‘
    Dabei wird deutlich: Bis heute aber hat sich kein einziger amerikanischer Teamsport-Profi während seiner Karriere zur Homosexualität bekannt.

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  • Charlie sagt:

    Natürlich wird sich jetzt niemand (oder kaum eineR) dem DFB anvertrauen und um Unterstützung bei seinem Coming Out in der Öffentlichkeit bitten.

    Christian hat es meiner Meinung nach aber auf den Punkt gebracht: es ist wichtig, dass sich der DFB in der Öffentlichkeit zum Thema Homophobie klar positioniert. Denn damit wird nach und nach ein Umfeld geschaffen, wo man als SpielerIN nicht mehr DIE Angst vor einem (un-)gewollten Coming Out haben muss.

    Es kann gar nicht oft genug thematisiert werden, damit Homosexualtität so bald wie nur möglich zur „Normalität“ (und nicht mehr zur Sensation!) wird!!!!!

    Die Entscheidung zum eigenen Outing liegt zwar auch weiterhin bei jedem selbst, aber die Angst sollte eben bei dieser Entscheidung in Zukunft eine immer geringere Rolle spielen.

    Es wird besser, aber ist noch nicht gut genug.
    Ich fühle mich etwas freier, bin aber noch nicht selbstbefreit genug.

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1 Pingbacks »

  • Tooooooooooooooooooooor!!!!! « The Gay Dissenter sagt:

    […] Warum ist eigentlich jeder, sogar dieser falsche Fuffziger Zwanziger, so geil darauf, dass sich endlich mal ein Profifußballer outet? Ich habe jedenfall noch keinen Bundesligaspieler gesehen (im übertragenen Sinn), von dem ich sagen würde, dass mir dessen eventuelles Outing etwas bringen würde. Im Gegenteil, die meisten Profifußballer sind doch solche Hohlbirnen, dass ich mich bei einem Outing des Betreffenden ziemlich mies fühlen würde. […]