Marta vor Prinz – die vorhersehbare Wahl

Von am 18. Dezember 2007 – 10.09 Uhr 7 Kommentare

Marta, Beste im Frauenfußball des Jahres 2007Während andere in der Woche vor Heiligabend gewöhnlich in hektischer Betriebsamkeit die letzten Weihnachtsgeschenke besorgen, musste Birgit Prinz wieder einmal die Reise nach Zürich antreten. Bis auf 2006, als sie unverständlicherweise nicht einmal nominiert wurde, stand sie seit 2002 jedes Mal unter den Top 3 bei der Wahl zur Weltfußballerin des Jahres.

Die Spannung hielt sich im Jahr 2007 indes in überschaubaren Grenzen. Denn wohl selten zuvor war das Endergebnis der Wahl vorhersehbarer als diesmal – Marta vor Birgit Prinz und Cristiane. Fast doppelt so viele Punkte wie die Zweitplatzierte (988 zu 507) konnte die Brasilianerin auf sich vereinen, Cristiane (150) wurde gar zur Statistin degradiert.

Spätestens seit Martas Zaubertor im Halbfinale gegen die USA, das per TV-Bilder um die Welt ging und sogar eingefleischten Frauenfußball-Gegnern Respekt abverlangte, war klar, dass sich die Brasilianerin zum zweiten Mal in Folge den Titel sichern würde – und wohl auch im nächsten eine heiße Anwärterin sein wird, sollte sich ihr Team für die Olympischen Spiele 2008 qualifizieren. Denn das olympische Frauenfußball-Turnier wird das Einzige sein im kommenden Jahr, das für die meisten zur Beurteilung der spielerischen Leistungen herangezogen werden kann.

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Beurteilungs-Dilemma

Die Darbietungen in den Ligen werden erneut überwiegend unberücksichtigt bleiben. Die Ergebnisse zeigen somit auch das Dilemma der Weltfußballerinnen-Wahl, denn mangels TV-Präsenz lassen sich die Leistungen der Kickerinnen anders als die ihrer männlichen Pendants kaum adäquat beurteilen. Doch trotz der sportlich zweifelhaften Wertigkeit ist es wichtig und richtig, dass einmal im Jahr bei der Gala in Zürich auch etwas Glanz für die Fußballerinnen abfällt, auch wenn der Wahl- und Nominierungsmodus Optimierungspotenzial birgt.

Wie viele der Trainerinnen und Trainer sowie Spielführerinnen der 137 wahlberechtigten Nationen können ernsthaft beurteilen, wie stark oder schwach eine Marta in Umeå, eine Birgit Prinz in Frankfurt oder eine Cristiane zuletzt in Wolfsburg gespielt haben? Könnten Sie es, hätte es Cristiane trotz einer guten WM wohl nie unter die Top 3 geschafft, vom Thema Fairplay ganz zu schweigen. Eine Auszeichnung für die sportliche Leistung ist die Weltfußballerinnen-Wahl also nur zum Teil. Vielmehr ist ein hoher Bekanntheitsgrad Voraussetzung für ein gutes Ergebnis.

Erfrischend aufrichtig

Birgit Prinz gewann die Wahl in den vergangenen sechs Jahren dreimal, zweimal wurde sie Zweite. Doch so konstant wie es die Auszeichnungen vermuten lassen könnten, waren Prinz’ Leistungen nicht. Das weiß die 30-Jährige, die ihre schärfste Kritikerin ist, selbst am Besten. Deswegen schiebt die erfrischend geradlinige Stürmerin auch jedes Jahr im Interview aufrichtig dasselbe hinterher; dass derartige Preise zwar ganz nett sind, aber in der persönlichen Wichtigkeitsskala nicht gerade weit oben stehen.

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Umso mehr freuen sich hingegen die Manager, wie etwa Siegfried Dietrich, die es verstehen, die prestigeträchtigen Titel in bare Münze umzuwandeln. Und so dürfte die Wahl in den kommenden Jahren im Frauenfußball eher noch an Bedeutung gewinnen. Denn eine Auszeichnung zur Weltfußballerin des Jahres wird in der Zukunft mehr denn je der Türöffner für lukrative Werbeverträge sein.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • Steffen sagt:

    Hallo.

    Mit dem Ergebnis bin ich ganz zufrieden. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass Birgit Prinz gewinnt, aber Marta war bei der WM meiner Meinung nach einen Tick besser, außer im Finale, da war Birgit besser :-). Der Matchwinner war aber Nadine Angerer! Was ich nicht verstehe, ist, dass Marta fast doppelt so viele Punkte bekommen hat wie Prinz. D.h. wenn Birgit Prinz bei der WM noch besser gespielt hätte, hätte sie die Wahl trotzdem verloren.

    Ich sehe das auch so wie Markus, die Olympischen Spiele geben nächstes Jahr den Ausschlag zur Wahl der Weltfussballerin. Und wenn Marta da halbwegs gut spielt, wird sie wieder gewinnen. Das liegt vor allem am Bekanntheitsgrad und an ihren Tricks mit dem Ball. Z.B. der Trick gegen die USA. Dieser Trick war schon die halbe Miete zur Wahl der Weltfussballerin. Aber es haben bestimmt auch andere Spielerinnen in diesem Jahr ähnlich schöne Tricks gemacht, man sieht sie aber leider nicht. Man sieht ja die Ligen nicht. 🙁 Wobei dieses Tor zum 3 oder 4 null völlig unwichtig war. Sonst hätte sie das vielleicht gar nicht riskiert. Im Gegensatz zum 1:0 im Finale.

    Ich komme noch mal auf Nadine Angerer zurück. Eigentlich hätte Nadine unter die besten 3 gewählt werden sollen. Sie hätte zwar genauso wenig eine Chance gehabt wie Birgit und Cristiane, aber dann wäre wenigstens mal eine Torhüterin unter die besten 3 gekommen. Das gibt bzw. gab es ja auch noch nicht so oft und dieses Jahr wäre die Chance dazu da gewesen. Wenn nicht dieses Jahr, wann denn dann. Wenn gerade beim Frauenfussball alle Welt nur auf die die großen Turniere schaut. Und wie WM ist das größte. Und sie ist Weltmeisterin ohne ein Gegentor geworden, gute Abwehr hin oder her. Oliver Kahn hat es ja auch geschafft. Er wurde zum besten Spieler der WM 2002 gewählt und wurde 2. bei der Wahl zum Weltfussballer.

    Und was ich auch nicht gut finde, dass man schon vorher wusste, wer gewinnt, und die Spannung nur darin bestand, ob Kaká bzw. Marta vielleicht doch nicht gewinnen. Wie kann das sein, dass die italienischen Gazzetten schon vor Wochen geschrieben haben, wer gewinnt.

    Tschüss.

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  • Ruhrschnellweg sagt:

    Guter Artikel, der insbesondere auf gewisse Schwierigkeiten hinweist, was die Bewertung und Einschätzung der Leistungen betrifft, was es sicher nicht einfacher macht.
    Mit Marta hat man aber sicher die Richtige erwischt, und was ist bei der FIFA schon vorhersehbar?

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  • Rainer sagt:

    Marta ist ganz einfach eine andere Dimension des Frauenfussballs. Technisch gesehen, denn da kann man Männer und Frauen vergleichen, gibt es wohl kaum einen Menschen, der besser am Ball ist.
    Ihre Schnelligkeit sucht ihresgleichen, ihre Athletik ist beeindruckend, ihre Schussstärke mit beiden Beinen selbst in grösster Bedrängnis sagenhaft. Ich habe sie in Schweden sicher schon ein gutes Dutzend Mal live sehen können, jedes Mal ein Genuss. Darüber hinaus eine sehr bescheidene Frau, für viele Tausend Mädchen hierzulande ein Vorbild.
    Cristiane wird übrigens immer noch mit Umeå IK und LdB Malmö FC für 2008 in Verbindung gebracht.

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  • Steffen sagt:

    Du hast es gut Rainer, dass du Marta bei UIK sehen kannst. Ich würde auch gerne immer mal ein paar Spiele von ihr sehen. Gibs da irgendwie eine Möglichkeit, Umea über das Internet zu sehen?

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  • michael sagt:

    Wenn man die Theorie von Herrn Schröder verfolgt, ist die Mannschaft der Star und dann würde es solche „Misswahlen“ nicht geben.Da die Mehrzahl aber nach Starspielerinnen verlangt sind die Vermarktungsmöglichkeiten ein wichtiger Bewertungsgrund.Somit ist eine Spielerin aus Nordkorea schon mal weg, Verteidigerinnen fehlt die eigentliche Anerkennung ihrer Leistungen. Eine Abwehrkette zu organisieren verlangt eine hohe Spielauffassung, diese Tätigkeit kann man nicht mit Galerietricks für die Zuschauer bewältigen. Marta wird jenseits ihrer sportlichen Qualitäten der Megastar im Frauenfußball, sie kommt aus einer großen Fußballnation,Schweden braucht sie für ihre teure Liga und sie sieht auch noch gut aus, was bei Frauen unterschwellig immer noch ein Punkt ist. Übrigens gewinnt auch B.Prinz einen Teil ihrer Titel ausschließlich mit ihrem hohen Bekanntheitsgrad, sonst hätte es gegen C.Pohlers und S.Minnert in den letzten Jahren nicht unbedingt zum Erfolg gereicht.

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  • schmidt sagt:

    Was ist das Geheimnis, warum MARTA es auch Kraft der Medien geschafft hat!
    Marta hat sich als sehr gute Einzelkönnerin im FF beim Toreschießen und Passspiel erfolgreich bei der WM in China und in Schweden hervorgetan, wie es eine Reihe anderer auch in ihren Ligaspielen und Nationalspielen getan haben. Ob allein dies der Maßstab sein soll, sie dann als weltbeste Spielerin der Jahres im FF wählen zu müssen, reicht beileibe nicht aus.
    Was mehrheitlich hier den Ausschlag gegeben hat, ist die über Marta in der öffentlichen Diskussion und allen Medien verbreitete individuelle Darstellung, Herausstellung und Betonung ihrer sportlichen Leistungen. Das steigerte die Wirkung und ihren Bekanntheitsgrad um ein Vielfaches, das andere verdiente Spielerinnen bereits im Vorfeld ohne eine solche Unterstützung ins Hintertreffen geraten mußten.
    Es ist auch kein Geheimnis, dass meist nur eine Spielerin überhaupt infrage kommen konnte,

    – die im WM -Endspiel teilnimmt
    – und/oder deren Land in der Rangliste 1-3 geführt wird
    – und/oder auch als Spielführerin fungiert.

    Diese Bedingungen engen den Kreis ungemein ein.

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  • Georg sagt:

    Wann, wenn nicht dieses Jahr und nach dieser Leistung im gesamten WM-Turnier darf sich jemals wieder eine Torfrau Hoffnung machen, diesen begehrenswerten(?) Titel verleiht zu bekommen? Wenn sich im wichtigsten Spiel einer Fußballerkarriere zwei Spieler Auge in Auge beim Elfmeterduell gegenüberstehn und dann die Torhüterin den Ball, ihren einmaligen Rekord und den WM-Pokal für ihre Mannschaft festhält, kommt sie nicht mal unter die ersten Drei und muss der vor Selbstzweifeln kollabierenden Schützin die Schlagzeilen überlassen? Vergesst das Ganze!

    Und sowieso, den Titel hat nur Eine verdient, die mit dem schönsten Lachen und dem allesentscheidenden Tor: Air Simon, gell!!!

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