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Schröder eröffnet Säbelrasseln

Von am 14. Dezember 2007 – 9.28 Uhr 2 Kommentare

Vor dem mit Spannung erwarteten DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt am kommenden Sonntag (ab 14 Uhr im Turbine-Liveticker) hat Potsdams Trainer Bernd Schröder den verbalen Schlagabtausch eröffnet.

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„Wir werden niemals ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, weil einfach die handelnden Personen nicht zusammenpassen“, so Schröder im Interview mit dem „Kicker“ über den Erzrivalen.

Und wird nicht müde, ein häufig kolportiertes Klischee zu pflegen: „Frankfurt will Einzelstars, wir bauen im Wesentlichen auf unsere Jugend. Unsere Nationalspielerinnen stammen meist aus dem eigenen Nachwuchs. Frankfurt holt sich seine Leute irgendwo her, wenn die schon einen Marktwert haben.“

Dabei wird gerne unterschlagen, dass auch Turbine in der Vergangenheit alles andere als nur auf die Jugend gesetzt hat, wenn es der Markt und die eigenen Finanzen hergaben. Etwa im Jahr 2002, als man Petra Wimbersky von Bayern München loseiste, oder auch im Falle von Britta Carlson, die 2004 von Hamburg nach Potsdam wechselte.

Unbestritten hat Turbine im Nachwuchsbereich durch U15, U17, der zweiten Bundesligamannschaft und der Eliteschule einen guten Unterbau, doch auch Frankfurt muss sich zumindest in der näheren Vergangenheit mangelnde Nachwuchsarbeit nicht vorwerfen lassen, denkt man etwa an das Beispiel Svenja Huth, die seit 2005 in Frankfurt behutsam aufgebaut wird.

Aus der Not eine Tugend gemacht

„Wenn ich will, kann ich alle Spielerinnen halten“, sagt Schröder etwas trotzig, angesprochen auf die Frage nach einer Vertragsverlängerung mit Anja Mittag. Eine Aussage, die der Realität der vergangenen Jahre nicht standhält, denkt man an die Abgänge von Nationalspielerinnen wie Petra Wimbersky, Sonja Fuss, Conny Pohlers, Navina Omilade und Cristiane, die einer der Hauptgründe sind, warum Turbine heute aus der Not eine Tugend macht und den Schwerpunkt noch stärker auf junge Spielerinnen legt, als das in der Vergangenheit der Fall war.

Dass Trainer vor dem Kräftemessen mit dem Meister gerne die verbale Keule herausholen, ist nichts Neues. Ob dies der Leistung der eigenen Mannschaft wirklich zuträglich ist, bleibt indes fraglich. Ganz sicher ist es jedoch kontraproduktiv, wenn man die Spielerinnen des Gegners als „Pseudostars“ tituliert und dort für dankbare Extra-Motivation sorgt, ganz unabhängig davon, ob man diese Aussage unterschreiben möchte oder nicht.

„Junge Wilde“ überraschen

Dabei hätte Schröder derartige Scharmützel gar nicht nötig, haben doch seine „jungen Wilden“ im bisherigen Saisonverlauf mit guten Leistungen zu gefallen gewusst. Nur die ärgerliche 1:2-Heimniederlage gegen Bayern München am vergangenen Wochenende trübt ein wenig den positiven Gesamteindruck.

Doch nicht zum ersten Mal schießt Schröder Giftpfeile Richtung Frankfurt. Im Vorjahr warf er dem Ligakonkurrenten vor, „mit brachialer Gewalt nach oben“ zu wollen, das Geld im Vordergrund zerstöre die Philosophie des Frauenfußballs. Heute freut er sich selbst darüber, sich „finanziell auch ein bisschen aus dem Fenster lehnen“ zu dürfen.

Team mit Potenzial für mehr?

„Da kommt immer wieder etwas nach, da können wir uns immer wieder bedienen“, sagt Schröder über den eigenen Nachwuchs. Ausschließlich mit jungen Spielerinnen mag sich eine gute Mannschaft aufbauen lassen, doch ganz ohne erfahrene Kräfte lässt sich weder ein Meisterteam noch eine europäische Spitzenmannschaft formen. Die Verpflichtung der 26-jährigen Leni Larsen Kaurin, die im Pokal bereits spielberechtigt ist, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Dass Schröders Team viel Potenzial besitzt und er es auch herauszukitzeln versteht, ist unbestritten. „Wir haben eine super Mannschaft, wissen, wohin wir uns sportlich hinbewegen können.“

Über die Abgänge von Ariane Hingst und Nadine Angerer sagt er: „Wenn jemand rechtzeitig sagt, dass er den Verein wechselt, kann man damit auch umgehen. Es ist aber auch noch mal ein Unterschied, ob ich ins Ausland gehe oder in der Bundesliga bleibe.“

Gute Ausgangssituation

Innerdeutsche Wechsel scheinen auf der Beliebtheitsskala in Potsdam nicht besonders hoch im Kurs zu stehen. Dabei sollte man denken, dass diese so selbstverständlich zum Fußball gehören wie der Ball oder der Schiedsrichter. Warum sollte eine Spielerin nicht innerhalb der Liga wechseln, wenn sie sich davon sportliche oder finanzielle Vorteile verspricht?

Heute mag die Destination der Weggänge noch häufig Frankfurt sein, mit zunehmender Konkurrenz in den kommenden Jahren werden sich die Kräfteverhältnisse möglicherweise verändern und auch andere Teams den Frauenfußball-Markt erobern.

Am Sonntag heißt es im Karl-Liebknecht-Stadion Bühne frei, denn die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz. Und die Ausgangssituation für Turbine, dem Meister möglicherweise ein Bein stellen zu können, scheint so gut, wie lange nicht mehr. Auch ohne verbales Geklapper.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Die Überschrift „Säbelrasseln“, nimmt Schröder offensichtlich noch wörtlicher, als mancher denkt!!!
    Wenn er davon spricht, dass Frankfurt in Potsdam nur „verbrannte Erde“ hinterlassen habe, weil H.J. Tritschoks sich über die schlechten Platzverhältnisse erregt hatte, klingt das wie ein englischer Boulevard-Journalist, der sich gerne im Militär-Jargon ausdrückt!!!
    Er hat in Potsdam sehr viel erreicht und geleistet!!! Also WARUM muss er sich ständig damit rechtfertigen, dass Frankfurt ja nur Einzelstars bevorzugt, er aber die Mannschaft als Einheit betrachtet!!!
    Er soll sich um sein „BABY“kümmern, nicht um Frankfurt!!! SiDi hat seine Methode, Schröder eine andere, beide waren damit schon erfolgreich!!! Also was soll das Gezeter???
    Und wieviel aktuelle Nationalspielerinnen stammen denn tatsächlich aus der TURBINE-Kaderschmiede??? Schröder hatte (fast) immer ein glückliches Händchen, was seine Neuverpflichtungen angeht!!! Darauf darf er sicher stolz sein!!! Aber er sollte dann doch bei der Wahrheit bleiben, und nicht lügen!!!
    Frankfurt wird 3-4 Topspielerinnen ins Rennen schicken, Potsdam mit viel gutem Willen 1-2!!! Alle anderen nehmen sich gegenseitig nicht viel, und werden sich wohl neutralisieren!!! Frankfurt hat die besseren Individualisten, Potsdam hat in Bestform vielleicht das bessere Kollektiv!!! Es wird also spannend, wer sich am Ende durchsetzen kann!!!

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  • flo sagt:

    detlef dem ist nichts hinzuzufügen 😉

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