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Cristianes Wahl unter die Top 3 ist ein falsches Signal

Von am 5. Dezember 2007 – 16.18 Uhr 14 Kommentare

CristianeIn der vergangenen Woche hat der Weltfußballverband FIFA die Namen der drei Spielerinnen bekannt gegeben, die von den Spielführerinnen und Trainern der Nationalmannschaften die meisten Stimmen für die Wahl zur Weltfußballerin erhielten. Aus den 26 von FIFA-Kommissionen vornominierten Spielerinnen wählten sie ihre Favoriten für die Plätze 1 bis 3.

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Neben der dreifachen Weltfußballerin Birgit Prinz und Vorjahressiegerin Marta, deren Wahl allenthalben erwartet wurde, komplettiert die Brasilianerin Cristiane, die den deutschen Frauenfußballfreunden aus ihrer Zeit bei Turbine Potsdam und dem VfL Wolfsburg bestens bekannt ist, das Spitzentrio. Eine Entscheidung, die Fragen aufwirft. Auch danach, welche Bedeutung dem Fairplay beigemessen wird.

Das Dilemma der dennoch wichtigen Weltfußballerinnen-Wahl

Wie etwa sind Leistungen auf Vereinsebene in den Jahren zu gewichten, in denen der Fokus auf einem großen Turnier wie einer Welt- und Europameisterschaft oder im nächsten Jahr den Olympischen Spielen liegt?

Schadet es nicht der öffentlichen Wahrnehmung des Frauenfußballs in der Breite – und der wird Woche für Woche in den Vereinen gespielt -, wenn lediglich das All-Star-Team der WM um einige wenige Spielerinnen ergänzt wird, um auf 26 Vornominierte zu kommen?

Wird dadurch nicht gerade das Dilemma offensichtlich, dass die ohnehin subjektiven Personenwahlen im Frauenfußball mangels ausreichender TV-Übertragungen eine so dünne Beurteilungsgrundlage aufweisen, dass man um jedes TV-Spiel dankbar ist, das einem die Entscheidung erleichtert?

Ja, alle drei Fragen lassen sich mit Ja beantworten. Das Dilemma ist evident. Doch gleichzeitig erfährt der Frauenfußball durch seine Einbeziehung in die alljährliche Fußballer-Gala Mitte Dezember in Zürich eine Beachtung, die in ihrer Bedeutung für die öffentliche Wahrnehmung des Frauenfußballs nicht unterschätzt werden sollte.

Auf welcher Grundlage wird gewählt?

Das sieht auch die niederländische Nationaltrainerin Vera Pauw so, die im Interview mit FanSoccer den Finger in die Wunden des Abstimmungssystems legt. Zwar bestehe kein Zweifel daran, dass die kommende Weltfußballerin auch bei dem Top-Ereignis schlechthin, also in diesem Jahr der Weltmeisterschaft, auf hohem Niveau überzeugt haben sollte. Doch: „Insgesamt sehen die TrainerInnen und Spielerinnen, die schließlich wählen, jedoch nicht das Niveau der Spielerinnen außerhalb der WM-Mannschaften.“

Und damit kommen wir zurück auf Cristiane. Die 22-Jährige spielte zweifelsohne ein starkes Turnier in China, schoss fünf Tore und legte ihrer Sturmpartnerin Marta mit mehreren Zuckerpässen in fast schon genialer Art und Weise die Tore auf. Auch bei den Panamerikanischen Spielen im Juli trumpfte die ehemalige Wolfsburgerin groß auf. Doch abgesehen von diesen Turnieren absolvierte die brasilianische Nationalmannschaft bis Ende Juni kein einziges Länderspiel, bleiben also nur noch ihre Leistungen in der Rückrunde beim VfL Wolfsburg.

Beim VfL Wolfsburg nicht überzeugt

Sowohl Prinz als auch Marta wussten auch auf Vereinsebene zu überzeugen. Gewiss, Titel allein sind kein Gradmesser, weil der VfL Wolfsburg kein Titelkandidat ist. Dafür gibt es andere Maßstäbe, und die sprechen gegen Cristiane. Zwar erzielte die Brasilianerin in der abgelaufenen Saison sieben Tore, blieb insgesamt aber weit hinter den Erwartungen zurück und erhielt keinen neuen Vertrag bei den Wölfen.

Andere Spielerinnen hingegen bleiben außen vor, die über das gesamte Jahr hinweg zu überzeugen wussten. Zu nennen ist da allen voran die Engländerin Kelly Smith, die mit Arsenal LFC den UEFA-Pokal gewann und aus einer sehr soliden englischen Mannschaft bei der WM positiv herausragte. Was ist mit einer Bente Nordby, die mit Djurgården Zweiter der Damallsvenskan wurde, in 22 Spielen lediglich 20 Gegentreffer zuließ und ihrer Mannschaft in China ein sicherer Rückhalt war?

Gelb-Rot für Shannon Boxx und triumphierender Jubel bei Cristiane

Sportlich lässt sich über diese Wahl also trefflich streiten. Nicht nur strittig, sondern fragwürdig ist das Votum für Cristiane aber vor dem Hintergrund der stetigen Bemühungen um Fairplay im Sport. Auf die Frage, wann sie gewusst habe, dass Deutschland Weltmeister werde, antwortete Nationaltorfrau Nadine Angerer kurz nach dem Titelgewinn in der NDR Talk Show: „Als wir beim Halbfinale gegen die USA gesehen haben, wie Cristiane nach der gelb-roten Karte an Shannon Boxx gejubelt hat. Da haben wir uns gedacht: sowas Unfaires, das kriegt ihr zurück!“

[youtube XW4OyQrXNF8 Shannon Boxx carded out]

In der Tat löste diese Szene nach dem WM-Halbfinale heftige Diskussionen aus. Im Laufduell mit der Amerikanerin Shannon Boxx (siehe Videoclip) kam Cristiane ins Straucheln, weil sie der vor ihr laufenden Boxx aus Versehen auf die Füße trat. Schiedsrichterin Nicole Petignat , die die Szene nicht sehen konnte, offenbar aber auch nicht Rücksprache mit ihren Assistentinnen hielt, entschied auf Platzverweis für Boxx. Eine gelb-rote Karte, die Cristiane vehement gefordert hatte und anschließend triumphierend bejubelte, obwohl Boxx auch für sie offensichtlich kein Foul begangen hatte.

Viele, die Sympathien für den Frauenfußball entwickeln, werden nicht müde zu betonen, dass sich das fairere Spiel, weniger Theatralik und das Akzeptieren von Schiedsrichterentscheidungen wohltuend vom Männerfußball abheben. Nun sollte man nicht den Fehler machen, den Frauenfußball zu idealisieren, denn selbstverständlich gibt es überall Diskussionen und Auseinandersetzungen, wenn Emotionen im Spiel sind.

Ist Cristianes Wahl unter die Top 3 also gut oder schlecht, berechtigt oder unberechtigt?

Doch sollte nicht auch der Gesichtspunkt Fairplay hier eine Rolle spielen? Ich sage: Ja, er sollte eine Rolle spielen. Oder ist das komplett von den sportlichen Leistungen zu trennen? Ich sage: Nein. Könnt ihr Cristianes Wahl unter die Top3 sportlich nachvollziehen? Auch hier von mir ein klares Nein, denn eine Kelly Smith oder Bente Nordby hätten es mehr verdient. Doch die Frage ist zu komplex, um darüber mit einer schlichten Ja-Nein-Umfrage abstimmen zu lassen. Deshalb – haut in die Tasten und sagt, was ihr davon haltet.

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14 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Es ist ein ästhetischer Genuss Cristiane spielen zu sehen. Eine atemberaubende Kombination aus Technik und Schnelligkeit. Sie wird da nur noch von Martha übertroffen. Insofern finde ich ihre Nominierung völlig in Ordnung. Die „Goldmedaille“ wird sie eh nicht bekommen.

    Dass sie sich bei der WM in wenigstens zwei Szenen nicht sonderlich sportlich verhalten hat, mag unschön sein, aber die positiven Erinnerungen an dieses Jahr überwiegen bei ihr.

    Zinedine Zidane kam unter die ersten Drei 2006 trotz des Kopfstoßes gegen Materazzi, Maradona war 1986 trotz des mit der Faust erzielten Tores gegen England der Star des Jahres.

    Ich hoffe, dass Cristiane in der nächsten Saison in Schweden spielt und man sie bei LdB Malmö sehen kann. Ganz auszuschließen ist das wohl noch nicht.

    Sicherlich hätte man die eine oder andere statt Cristiane und Birgit Prinz nominieren können, lediglich Martas Platz ist völlig indiskutabel.

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  • Philipp sagt:

    Christiane hat sich während der WM nicht gerade als faire Spielerin präsentiert. Wesentlich schlimmer als den Jubel über die rote Karte empfinde ich die Forderung nach der gelben Karte davor. Soweit ich mich erinnern kann hat sie das auch gegen die Deutsche Mannschaft im Finale versucht.
    Man muß hierzu allerdings auch erwähnen, daß die Forderung auch daher begünstigt wird, daß die Schiedsrichterinnen fast ausnahmslos schlecht waren und sich durch so etwas beeinflussen lassen. Hier hat der Frauenfußball sicherlich noch extrem viel aufzuholen. Eine Forderung nach einer Karte im Herrenfußball führt nicht selten zu einer gelben Karte für denjenigen der sie fordert. Mir schienen hier die Schiedsrichterinnen doch all zu oft überfordert.

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  • Max Diderot sagt:

    Vielen Dank, ein sehr interessanter Artikel.
    Und wenn ich auch zugebe, dass ich zu jener Gruppe gehörte, die die Theatralik der Brasilianerin Cristiane während der WM als anmassend und beinahe obszön empfand, tue ich mich doch schwer, dieses Verhalten in Bausch und Bogen zu verdammen. Als Außenstehender tut man sich ja immer leicht und ist schnell mit einem Urteil bei der Hand. Welchem Druck die Akteure im Profisport dabei ausgesetzt sind, wird recht schnell vergessen.
    Vor noch nicht allzu langer Zeit soll eine Studie herausgefunden haben, dass eine Ursache der männlichen Befriedigung darin begründet ist, gegenüber möglichen Konkurrenten mit materiellen Vorteilen punkten zu können. So entwickelt sich eine Zielorientierung, die mehr vorder- als tiefgründig ist und schnell in ihrer beliebigen Oberflächlichkeit verpufft. Jetzt will ich mich nicht als Moralapostel gerieren, aber ich meine, dass diese junge brasilianische Dame mit ihrem wenig ladyliken Verhalten, sich auf einem ähnlichen Weg befindet, der ihr unabhängig davon, wie gut sie Fußball spielt, eine schwere Hypothek auflastet.
    Trotzdem würde ich aktuell für Nachsicht plädieren und ihr Absolution erteilen. Vielleicht wissen wir dann in zwei, drei oder vier Jahren mehr über die charakterlichen Eigenheiten einer Cristiane. Und wenn sie dann immer noch zu unfairen und hinterfotzigen Methoden greift, um ihre Konkurrentinnen zu düpieren, wird es gewiss einen geben, der sich über dieses Verhalten ungemein ärgert.

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  • Markus Juchem sagt:

    Nicht unbedingt die Wahl unter die Top 3 ist ein falsches Signal, sondern die Aufnahme von Cristiane in die Vorauswahl. Die FIFA hat ja ihre Fairplay-Kampagne damals unter anderem im Nachklang an die bereits erwähnte „Hand Gottes“ von Maradona gestartet.

    Auf der FIFA-Website heißt es: „Fairplay spielt im Sport eine fundamentale Rolle und muss daher bei allen sportlichen Aktivitäten zur Anwendung bekommen. Das gilt insbesondere für den Kindersport. Kinder brauchen für ihre Persönlichkeitsentwicklung starke moralische Werte. Da es sich beim Fussball um einen Mannschaftssport handelt, wird schnell klar, wie wichtig Disziplin, Respekt, Teamgeist und Fairness im Spiel und auch im Leben sind.“

    Hier wurde meines Erachtens versäumt, ein Zeichen zu setzen.

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  • Detlef sagt:

    Für mich ist dies eine ganz schwierige Entscheidung!!!
    Eigentlich freue ich mich sehr für CRISSY, bekommt sie doch nun die Anerkennung, die ihr (zumindest sportlich) auch zusteht!!! Was ihre Leistung in WOB angeht, so kann ich dazu nicht viel sagen!!! Auch bei TURBINE schwankten ihre Leistungen sehr stark!!! Sie ist noch recht jung, und hatte wohl immer starke Probleme, mit einem autoritativen Führungsstil!!! Auch merkte man mit der Zeit sehr deutlich, dass sie sich nicht sehr wohl fühlte in Potsdam!!! Das waren sicher einige Gründe, WARUM sie in der Bundesliga, nur ansatzweise ihr wahres Können gezeigt hat!!! Ihre „Zauberkunststücke“ und ihr Zug zum Tor, den sie bei der WM gezeigt hat, verblüffte viele TURBINE-Anhänger!!! WARUM hat sie das nie bei Potsdam gezeigt, war der allgemeine Tenor??? So zeigte sich für mich ganz deutlich, wie das Umfeld, die Leistung einer Spielerin beeinflussen kann, sowohl NEGATIV, als auch POSITIV!!! Was jetzt ihr Verhalten, nicht nur in diesem Spiel gegen die US-Girls, angeht, so war (und bin es immer noch) ich tief erschüttert!!! Ich dachte wirklich, ich kenne CRISSY!!! Wir haben oft miteinander gelacht, geredet, und sogar getanzt!!! Da ich die Mannschaft auf alle Reisen im UEFA-Pokal begleitet habe, kam man halt auch so in Kontakt!!!
    So ein Verhalten, welches CRISSY in China an den Tag legte, hätte ich ihr NIEMALS zugetraut!!! Sie hat in keinem einzigen Spiel, welches sie für TURBINE bestritten hat, NIEMALS eine Karte gefordert!!! Ich bin doch sehr enttäuscht von ihr, und kann es mir nicht erklären, wie sich ein Mensch so ändern kann!!!
    Natürlich gebe ich Dir recht Katja, dass möglichst die gesamte Persönlichkeit, bei der Wahl zur Weltbesten Fußballerin, eine Rolle spielen sollte!!! Deshalb tue ich mich auch sehr schwer damit, ihre Nominierung als gerecht zu bezeichnen!!!
    Ich tue es trotzdem, und hoffe wirklich inständig, dass sie sich wieder zu der CRISSY zurück entwickelt, die ich kennengelernt habe!!!

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  • Steffen sagt:

    Hallo.

    Mein Meinung nach steckt man da in einer Zwickmühle, nicht nur hier im Fall Cristiane, sondern allgemein. Wenn die FIFA nun Cristiane nicht nominiert hätte, dann hätten das viele auch nicht verstanden. Entweder, weil sie die Unsportlichkeit nicht gesehen haben oder weil es ihnen nur auf die spielerischen Fähigkeiten ankommt. Und wie wäre es bei einer Marta gewesen, wenn die sich so unsportlich wie Cristiane verhalten hätte. Die kann man doch nicht ausschließen? Bei den Männern kam bzw. kommt das ja auch nicht in Betracht, Beispiel Zidane.

    Noch zu erwähnen ist, dass Marta auch nicht ganz so fair ist, wie man denkt. Sie hat zwar nicht die 2. Gelbe Karte für Shannon Boxx gefordert, aber dann genauso geklatscht wie Cristiane. Siehe Bild.

    Tschüss.

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  • KaDe sagt:

    Ich stimme Katjas Meinung rundherum zu.
    Es geht um die Wahl der Fußballerin des JAHRES und nicht um die Spielerin der WM. In China waren Christianes Leistungen zweifelsohne herausragend. Es machte Spaß ihrem technisch guten und einfallsreichen Spiel zuzusehen.
    Doch leider hatte sie auch weniger gute Einfälle. Die Szene gegen Boxx im Halbfinale hat mich damals schon aufgeregt. Besonders der Jubel nach der offensichtlichen Fehlentscheidung der Schiedsrichterin war alles andere als OK. Im Finale forderte sie auch schon nach wenigen Minuten eine Karte für Garefrekes.
    Wenn die FIFA schon selbst das Fairplay so hochhängt, dann ist die Nominierung Christianes wirklich das falsche Signal.

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  • Rainer sagt:

    @KaDe: Im Prinzip hast du Recht, dass nicht nur die Leistungen bei einer WM berücksichtigt werden sollen, allerdings hat der Frauenfussball das Problem, das er ausser WM, Olympia und EM nur noch den Women’s Cup hat, den schon kaum ein Stimmberechtigter sieht. Die nationalen Ligen werden shon im eigenen Land nicht angeschaut, geschweige denn im Ausland. Bildmaterial ist schwer zu bekommen. Letztlich konzentrieren sich dann alle auf die grossen Turniere.

    @Steffen: Stimme dir weitgehend zu. Im Übrigen sind sehr viele Spielerinnen nicht so fair wie wir denken. Wo geht denn die Grenze? Wenn Spielerin A klatscht, Spielerin B lächelt? Was ist, wenn die gefoulte Spielerin C eines andern Landes bei einer roten Karte für die Gegnerin äusserlich betroffen, empört, verletzt wirkt, innerlich aber jubelt und denkt „Das war echt eine geile Schwalbe, die ich gemacht habe.“

    Cristiane fehlt es nicht an Fairness, sondern an Abgebrühtheit und Reife.

    Die Grenzen zwischen der gebotenen Fairness und unfairem Verhalten. Sehr schwierig.

    Ich denke mal einer von zehn Elfmetern in einer Liga ist sehr zweifelhaft und das ist auch dem Team klar, dass den Elfer bekommt. Dennoch freut man sich sicher darüber und auch im Frauenfussball, zumindest in Schweden, hat niemand Hemmungen, einen unberechtigten Elfer zu verwandeln.

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  • Ruhrschnellweg sagt:

    Ohne langes Drumherum:

    Christiane Top 3- schlicht falsch!
    Ich lasse mal mal das selten unfaire Verhalten einfach weg und frage: kann ein gutes Turnier genügen? dann müssten zig andere nominiert werden – u.a. eine Nadine Angerer!
    Zu so einer Nominierung gehört mehr als ein halbes Dutzend Spiele!

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  • Christian sagt:

    Der Charakter, also auch die Beherzigung des Fairplay-Gedankens gehört für mich als Auswahlkriterium auf jeden Fall dazu. Eine Grenzziehung ist gewiß schwierig, soll man sich deshalb aber vor Entscheidungen drücken?

    Cristiane hätte meiner Meinung nach nicht auf die Nominierungsliste gehört. Gerade ihr Verhalten im Endspiel zeigt mir, daß der Vorfall mit Boxx keine einmalige Entgleisung war. Sie scheint das Karteneinfordern als erfolgversprechendes Mittel zur Schwächung des Gegners anzusehen.
    Leider werden in den Spielberichten und Kommentaren bei FIFA.com negative Erscheinungn nicht kommentiert.

    Wenn ich mich nicht irre, so hinkt ein Verweis auf Zidane, da die Wahl der besten WM-Spieler 2006 bereits vor dem Endspiel vorgenommen wurde.

    Unberechtigte Elfmeter akzeptiert man wohl deshalb eher, da man darin so etwas wie „ausgleichende Gerechtigkeit“ sieht, werden einem Team doch auch öfter mal berechtigte Elfer versagt.

    Bei der Nominierung bzw. Wahl einer Spielerin des Jahres sollte die gesamte Jahresleistung in die Beurteilung einfließen, wobei nationale Wettbewerbe einen geringeren Stellenwert haben als UEFA Cup-Einsätze, Länderspiele oder Kontinentalmeisterschaften. Das größte Gewicht sollte freilich bei einer WM liegen.
    Für die Auswahl und Beurteilung wäre es hilfreich, würden alle Kontinentalverbände (also u.a. auch die FIFA!) ihre Spielerinnen des Jahres küren. Warum beispielsweise Asiens Fußballerin des Jahres 2007, Kum Suk Ri, von der FIFA nicht berücksichtigt wurde, ist für mich nicht nachvollziehbar.

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  • michael sagt:

    Christiane unter den ersten Dreien der Weltfußballerinnen ist das Gegenteil von Fairplay. Fairplay ist in der Wirklichkeit aber nur ein Lippenbekennitnis.Der Sport strotzt vor versteckten Regelverstößen
    letztlich zählt nur der Erfolg.Wir als Zuschauer wollen es doch so, wenn wir ehrlich sind.Niemand würde auf einen Titel verzichten, wenn er nicht ausschließlich mit regelgerechter Spielweise erfolgte.Christiane betreibt diese Art perfekt.Im Bundesligaspiel Wolfsburg gegen Potsdam (letzte Saison) forderte sie ständig gelbe Karten.Die gut aufgelegte Schiedsrichterin zeigte sie ihr dann auch dafür.Schwalben gehören ebenfalls zu ihrer Fußballkunst.Da eine solche Wahl eine Schauveranstaltung des Fußballes ist hätte Christiane nicht auf die Liste gehört.Ehrlich ist eine derartige Wahl aber auf keinem Fall.Eine Spielerin aus Nordkorea ist chancenlos wegen den Vorbehalten gegen ihr Heimatland.Abwehrspielerinnen schneiden immer schlechter ab, z.B. war die Leistung von Sandra Minnert in England (Euro) überragend Fußballerin des Jahres in Deutschland wurde trotzdem B.Prinz. Doris Fitschen erhielt noch Jahre nach ihrer aktiven Laufbahn bei der deutschen Wahl mehr Stimmen als aktuelle Bundesligaspielerinnen, was die Kompetenz der Jury deutlich macht. Den Vergleich verschiedener Spielerinnen gibt meiner Meinung nur ein großes Turnier her.Unterschiedliche Ligen lassen sich schlecht bewerten weil die Klasse sehr stark abweichen.Man sollte für alle Mannschaftsteile zunächst eine Vertreterin wählen und daraus die Weltfußballerin. Mein Vorschlag: Tor Nordby,Abwehr Hingst/Krahn,Mittelfeld ???,Sturm Christiane (weil sie nichts für ihr Verhalten kann , es ist einfach Systembedingt).Weltfußballerinnen sind für mich Hingst und Krahn, der Preis also geteilt. Die Eine seit Jahren im Verein und der Natio gut, die Andere der beste Neuling der Saison und zusammen die derzeit beste Innenverteidigung, mindesttens 30% für die Null beim WM-Turnier.

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  • helena sagt:

    @michael
    1. Die Wahl zu Deutschlands bester Fußballerin unternehmen mehr oder weniger ignorante Journalisten, daher erklärt sich, daß Doris Fitschen auf der Liste auftaucht und Birgit Prinz mit ganz großem Abstand immer wieder gewählt wird.
    2. Die Wahl zur Weltfußballerin treffen, nach Vorentscheidung der Fifa – wie ich hier inzwischen lernen durfte;-) – die Spielführer und Trainer, damit rücken die großen Turniere natürlich besonders in den Mittelpunkt des Interesses.
    3. Für jeden Mannschaftsteil eine Spielerin zu nominieren und daraus die Weltfußballerin zu wählen, trägt die gleichen Tücken in sich, wie es jetzt der Fall ist – wer trifft die Auswahl? wieviele werden nominiert?
    4. Christiane kann nichts für ihr Verhalten??? Es ist systembedingt??? Vielleicht sehe ich das Ganze etwas zu naiv und optimistisch, aber ich kann mich nicht daran erinnern, daß etwa Birgit Prinz, die mindestens einem ebenso großen Druck ausgesetzt ist wie Christiane, schon mal ungerechtfertigt gelbe oder rote Karten gefordert hätte. Daß sie sich hin und wieder beschwert, wenn ihr mal wieder jemand rüde in die Beine grätscht – das ist normales Verhalten! Und als Schwalbenkönigin kennen wir sie auch nicht, im Gegenteil, selbst in Fällen, in denen sie im Strafraum sich locker mal hätte hinfallen lassen können, kämpft sie sich lieber durch und versucht den Abschluß, anstatt nen Elfer „rauszuholen“… Es geht also durchaus anders, wie nicht nur Birgit seit Jahren beweist, sondern sehr, sehr viele andere Spielerinnen auch!
    Fairplay ist eben KEIN Lippenbekenntnis, daher ist die Entscheidung, Christiane zu nominieren schlicht falsch.
    5. Selbst wenn man Christiane zugute hält, daß sie auf dem Platz vielleicht emotionaler reagiert als andere und daß sie, im Gegensatz zu anderen Spielerinnen, die ihre Freude über ungerechtfertigte Entscheidungen nicht so offensichtlich machen, dies aus Unbedarftheit oder ??? eben doch tut, so bin ich sehr enttäuscht gewesen, daß sie sich im Anschluß etwa an das Halbfinale in keinster Weise einsichtig gezeigt hat; ich habe zumindest nicht mitbekommen, daß sie ihr eigenes Verhalten mal hinterfragt oder sich vielleicht sogar mal entschuldigt hätte… Etwas Eigenkritik täte so einer Spielerin manchmal ganz gut…

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  • Sarah sagt:

    Die Nominierung von Christiane ist in keiner Art und Weise gerechtfertigt!!!! Wer so unsportlich und unfair spielt, gehört für so eine Auszeichnung überhaupt nicht nominiert!!!! Ich finde zu einer solchen Nominierung gehören immer zwei Seiten: Können und Charakter!! Die Nominierung (auch noch unter die letzten 3!!) ist einfach nur peinlich!!! Marta und Birgit Prinz hätten diese Auszeichnung wirklich verdient, Cristiane absolut nicht!!!!!!!
    Aufgrund ihrer unsportlichen Aktionen bei der WM hätte man Christiane sofort von der Liste streichen , bzw. sie erst gar nicht in Betracht ziehen sollen!!!

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  • Vielen Dank für die vielen Kommentare! Ich freue mich, dass das Thema auf so großes Interesse stößt!

    Ein paar Bemerkungen von mir zu Euren Kommentaren:

    Ganz wichtig finde ich den von mehreren genannten Punkt, dass zum einen eine Entschuldigung für ihr Verhalten in der Szene mit Shannon Boxx ausblieb und sich zum zweiten ähnliche Szenen im Finale wiederholt haben. Es ist sicherlich richtig, dass sich jede Spielerin bei einer WM in einer emotionalen Ausnahmesituation befindet. Das darf aber nicht bedeuten, dass damit alles zu rechtfertigen ist – das wäre alleine schon gegenüber der großen Mehrheit der Spielerinnen ungerecht, die ungeachtet der Drucksituation die gebotene Fairness an den Tag legen. Und schließlich geht der Puls nach Abpfiff auch irgendwann wieder etwas runter, um mit etwas Abstand eigene Fehler einsehen zu können. Hätte Cristiane daraus ihre Lehren gezogen und sich entschuldigt, sähe ich diese Aktion in einem ganz anderen Licht. Das Finale sprach da jedoch leider dagegen.

    Danke für das Foto, Steffen! Natürlich wäre es falsch, wenn der Eindruck entstünde, mit Ausnahme von Cristiane seien alle Spielerinnen Kandidatinnen für den Fair-Play-Preis. Dem ist mit Sicherheit nicht so, wenngleich ich Forderungen in dieser Dreistigkeit wie bei Cristiane bisher nur selten gesehen habe. Was Marta und Cristiane unterscheidet, ist meines Erachtens ohne jeden Zweifel ihre sportliche Leistung im Jahr 2007. Diese war bei Marta nicht nur im Rahmen der WM herausragend, bei Cristiane beschränkte sie sich auf die WM (plus Panamerikanische Spiele gegen sehr unterschiedliche starke Gegner). Da faires Verhalten für mich ein zwar wichtiges, freilich aber nicht alleiniges Kriterium sein kann, stellt sich hier die Frage der Gewichtung. Martas Klatschen sehe ich als klares Minus an, kein Zweifel. Allerdings ist ihre sportliche Leistung eben ein ganz klares und fettes Plus.

    Deine Einschätzung zu den Schiedsrichterleistungen teile ich weitestgehend, Philipp. Insbesondere die Brasilianerinnen konnten sich während der K.O.-Spiele nicht beklagen, wenn ich nur an den grotesken Elfmeterpfiff im Viertelfinale gegen Australien denke. Allerdings ist dieser Gesichtspunkt für mich bei der Beurteilung von Cristianes Verhalten unerheblich. Dass man den Eindruck bekommt, sich bei Schiedsrichterinnen einiges erlauben zu können, ist noch lange kein Freifahrtschein. Die Schiedsrichterleistungen mögen derartiges Verhalten fördern. Nur gilt eben auch hier, dass die große Mehrheit daraus nicht versucht hat Kapital zu schlagen.

    Deiner Argumentation in deinem zweiten Kommentar, Rainer, kann ich nicht ganz folgen. Du magst gewiss Recht haben, dass äußerliche Bestürzung inneren Jubel verdecken kann. Vielleicht hat sich Cristiane hier auch „ungeschickt“ verhalten. Das mag sein. Allerdings ist doch beides unfair – ob offen gezeigt oder nicht. Wenn du schreibst „Cristiane fehlt es nicht an Fairness, sondern an Abgebrühtheit und Reife“, kann ich das nur so interpretieren, dass diejenige, die ihre insgeheime Freude am besten zu verdecken weiß, dadurch mehr Sportsgeist demonstriert? Das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, schließlich handelt es sich nicht um einen Schauspielwettbewerb.

    Darüber hinaus schließe ich mich Christian an. (Insgeheime) Freude über eine bereits getroffene Fehlentscheidung (inkl. unberechtigter Elfmeter) oder das Hinnehmen dieser und das Fordern einer offensichtlich unberechtigten Bestrafung können nicht in einem Atemzug genannt werden. Insofern muss auch zwischen Cristianes und Martas Verhalten, soweit es uns bekannt ist, zumindest etwas differenziert werden.

    Abschließend noch zu Max – nein, es liegt mir fern, Cristiane in Bausch und Bogen zu verdammen. Sie wird sich noch entwickeln und hat wie jede andere natürlich eine zweite Chance verdient. Aber bezogen auf das Jahr 2007, über das zu entscheiden ist, gehört für mich dieses Verhalten zu ihren Leistungen auf dem Fußballplatz dazu. Hier wurde es verpasst, ein Zeichen zu setzen.

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