Frauenfußball-Bundesliga: Essen auf Rekordjagd

Von am 19. November 2007 – 1.39 Uhr

Toptorjägerin in der Frauenfußball-Bundesliga: Charline HartmannSechs Unentschieden in sieben Spielen – die SG Essen-Schönebeck bekommt in der Frauenfußball-Bundesliga derzeit die Tücken der 1995 eingeführten Dreipunkteregel tüchtig zu spüren. Erst einmal ging das Team von Trainer Ralf Agolli in dieser Saison als Verlierer vom Platz, dennoch rutscht die Elf mit jedem Remis etwas weiter der Abstiegszone entgegen.

Ergebnisse und Tabelle der Frauenfußball-Bundesliga

Noch vier weitere Remis in den verbleibenden 15 Saisonspielen und die Essenerinnen würden sich in die Rekordbücher schreiben. Denn die bisher meisten Remis (9) in einer Saison der Frauenfußball-Bundesliga erzielte Heike Rheine in der Saison 2001/2002.

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In Bad Neuenahr hatte das zuletzt etwas außer Tritt geratene Bayern München überraschend wenig Mühe, drei Punkte zu holen. Turbine Potsdam feierte bereits am Samstag einen nur von der Papierform her deutlichen Sieg gegen Aufsteiger 1. FC Saarbrücken.

Meister 1. FFC Frankfurt entledigte sich der Pflichtaufgabe Crailsheim vor dem Rückspiel im UEFA-Pokal am Mittwoch glanzlos, aber souverän und eroberte dank des Ausfalls der Partie Wolfsburg gegen Duisburg die Tabellenspitze. In der Lohrheide enttäuschte Aufsteiger Wattenscheid gegen den SC Freiburg.

Essen enttäuscht

„Gegen den HSV muss ein Sieg her“, hatte Essens Trainer Ralf Agolli vor der Partie gefordert. Am Ende stand vor 1.012 Zuschauern am Hallo ein enttäuschendes 1:1 und somit das sechste Remis im siebten Saisonspiel.

Charline Hartmann erzielte früh (7.) ihren bereits sechsten Treffer im vierten Spiel hintereinander, und liegt damit nun zusammen mit vier weiteren Spielerinnen (Pohlers, Wimbersky, Prinz und Grings) auf Platz 1 der Torschützinnenliste.

Ruhe brachte das schnelle 1:0 dennoch nicht ins Spiel. Ganz im Gegenteil: Den Hanseatinnen gelang durch einen Kopfball von Denise Lehmann (37.) noch vor der Pause der Ausgleich.

Harte Kritik von Agolli

„Wir haben Ansprüche, ein Top-Team zu sein. Aber denen werden wir derzeit nicht gerecht“, so Agolli, dessen Frustration groß sein muss, ließ er doch zum wiederholten Male öffentlich die Kritik auf seine Spielerinnen niederprasseln. „Wenn man sechs, sieben hochkarätige Chancen hat, muss man die einfach machen. Unsere Torausbeute ist derzeit nicht Bundesliga-tauglich“, ging er hart mit seiner Elf ins Gericht.

Anders hingegen die Reaktion beim Überraschungs-Fünften: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft“, erklärte HSV-Trainer Achim Feifel nach dem Spiel, „weil sie trotz der hohen Belastung der letzten Wochen alles gegeben hat.“

Bayern zeigt Schokoladenseite

Die Wundertüte Bayern München hat nach zwei durchwachsenen Leistungen (1:2 in Wattenscheid und 3:3 gegen Essen) wieder einmal für positive Akzente gesorgt. Das Team von Trainerin Sissy Raith gewann in Bad Neuenahr vor 550 Zuschauern souverän mit 3:1. Nina Aigner (45.), Vanessa Bürki (52.) und Nicole Banecki (55.) sorgten für die Münchner Tore, Lydia Neumann gelang nur noch der Ehrentreffer (83.).

Matchwinnerin für die Bayern war Julia Simic, die an allen drei Bayern-Treffern beteiligt war. Bedanken durften sich die Münchner aber auch bei einer starken Torhüterin Uli Schmetz, die sich durch die Rotation der vergangenen Wochen nicht aus der Ruhe bringen ließ und sich gleich mehrfach auszeichnen konnte, als das Team mit der sicheren Führung im Rücken etwas nachlässig wurde.

Neuenahr außer Tritt

In der munteren Begegnung hätten bereits in der ersten Halbzeit mehr als ein Treffer fallen können, ließen doch beide Teams zahlreiche gute Chancen ungenutzt. Stürmerin Nina Aigner freute sich über den Sieg: „Die erste Hälfe war ausgeglichen. Mein Tor fiel gerade zur richtigen Zeit. Und in der zweiten Hälfte waren wir klar besser und der Sieg kaum gefährdet.“

Groß war hingegen die Enttäuschung bei den Gastgeberinnen, wo man auf der vereinseigenen Website dem eigenen Team in Halbzeit eins gar eine „unterirdische Leistung“ attestierte. „Ich bin von Spiel und Ergebnis tief enttäuscht“, so Trainer Didi Schacht nach der Partie wortkarg.

Turbine gewinnt das Duell der Youngsters

Nach dem 1:1-Remis gegen den 1. FFC Frankfurt gab es für Turbine Potsdam gegen Aufsteiger 1. FC Saarbrücken vor 715 Zuschauern einen klaren, wenn auch zu hoch ausgefallenen 4:0 (1:0)-Sieg. Zwei Treffer von Neuzugang Jessica Wich (44. und 74.) und Tore von Essi Sainio (83.) und Anja Mittag (90.) sorgten für zufriedene Gesichter auf den Rängen.

Wich hatte mit einem Schuss aus kurzer Distanz gegen die gut mithaltenden Saarbrückerinnen kurz vor der Pause für die eher schmeichelhafte Turbinen-Führung gesorgt. Auch in der zweiten Halbzeit schien der Gast zunächst einem Treffer näher, doch Wichs Abstauber eine gute Viertelstunde vor Schluss sorgte für die Vorentscheidung.

Szene aus dem Spiel der Frauenfußball-Bundesliga zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FC SaarbrückenSaarbrücken unter Wert geschlagen

Die Freude der finnischen Nationalspielerin Essi Sainio über ihren Treffer nach langer Verletzung fiel entsprechend groß aus. Anja Mittag sorgte quasi mit dem Schlusspfiff mit einem perfekt gezirkelten Freistoß für den schönsten Treffer des Tages.

„Der Unterschied zwischen beiden Teams, die miteinander auf Augenhöhe gespielt haben, war heute, dass wir die Tore gemacht haben“, wusste Schröder den Sieg realistisch einzuschätzen. Saarbrückens Trainer Guido Mey meinte: „Ich kann der Mannschaft keine Vorwürfe machen, denn sie hat gut gekämpft und ein gutes Spiel gemacht. Wir wollten Turbine das Leben schwer machen und das ist uns auch gelungen.“

Meister erklimmt ohne Prinz die Tabellenspitze

Nicht mehr als notwendig tat Meister 1. FFC Frankfurt, um vor dem schweren UEFA-Pokal-Rückspiel am kommenden Mittwoch Kräfte zu sparen. Es reichte trotzdem zu einem ungefährdeten 3:1 (2:0)-Sieg gegen den TSV Crailsheim. Treffer von Conny Pohlers (21. und 65.) und Petra Wimbersky (31.) bei einem Gegentreffer von Crailsheims Kapitänin Ramona Treyer (83.) sorgten vor 1.226 Zuschauern für ein Ergebnis, mit dem am Ende beide Seiten gut leben konnten.

Bereits in der ersten Halbzeit sorgte der ohne Birgit Prinz, die wegen einer Meniskusverletzung geschont wurde, angetretene deutsche Meister für klare Verhältnisse, ging aber fahrlässig mit der Chancenverwertung um. Wie schon beim WM-Überbrückungsturnier hatte der FFC die US-Amerikanerin und Verteidigerin Alex Krieger als zweite Sturmspitze aufgeboten.

Crailsheim zu harmlos

FFC-Trainer Hans-Jürgen Tritschoks meinte: „Ein Kompliment an meine Mannschaft. Insbesondere in der 1. Halbzeit hatten wir gute Kombinationen in unserem Spiel, nur hätten wir aus den vielen Chancen mehr machen müssen.“ Crailsheims Trainer Günther Wörle erklärte: „Der FFC hat seine Pflichtaufgabe erfüllt. Wir hatten uns zwar eine kleine Chance ausgerechnet. Aber das Spiel war bereits in der 1. Hälfte früh und verdientermaßen entschieden.“

Die Frankfurterinnen eroberten durch den Erfolg die Tabellenspitze, da das Gastspiel des FCR 2001 Duisburg beim VfL Wolfsburg wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt wurde.

Nullnummer in der Lohrheide

Einen ziemlich trostlosen Kick bekamen die 878 Zuschauer beim 0:0 zwischen den beiden Abstiegskandidaten SG Wattenscheid 09 und SC Freiburg geboten. „Ein Leckerbissen ist nicht zu erwarten“, hatte Wattenscheids Trainerin Tanja Schulte bereits vor der Partie prophezeit und sie sollte Recht behalten. „Mit dieser Leistung werden wir auf einem Abstiegsplatz überwintern“, so Schulte enttäuscht.

Nachdenklich gestimmt haben dürfte die Gastgeberinnen vor allem, dass die Gäste über weite Strecken das Spiel bestimmten. „Es war nur eine Mannschaft zu sehen, die mit aller Macht gegen den Abstieg gekämpft hat“, fand Schulte deutliche Worte. Und in der Tat fehlte es dem Spiel der Wattenscheiderinnen an Tempo, Kampfeswillen und spielerischer Linie.

Freiburg trauert um verpasste Chance

Trainer Thomas Schweizer wartet mit seinem Team weiter auf den ersten Dreier, wenngleich seine Elf in Wattenscheid einem Sieg recht nahe kam. „Wir haben das Spiel bestimmt, hatten viele Torchancen, aber das Runde einfach nicht ins Eckige bekommen“, ärgerte sich Schweizer über die verpassten Gelegenheiten. So scheiterte Juliane Maier an der Latte, Nationalspielerin Melanie Behringers Alleingang wurde von Wattenscheids Torhüterin Nadine Richter gestoppt. Immerhin blieb die Freiburger Abwehr einmal ohne Gegentreffer. „Es war eine richtig gute Mannschaftsleistung von uns.“

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.