ÖFB-Frauenliga: Neulengbach nicht zu bremsen, Innsbruck bärenstark

Von am 18. November 2007 – 16.32 Uhr

wackerinnsbruck2.JPGDie Binsenweisheit „es ist alles schon einmal da gewesen“ bewahrheitet sich auch in der  Herbstsaison 2007 der österreichischen Frauenfußball-Bundesliga. Serienmeister SV Neulengbach erklomm trotz der Zusatzbelastung UEFA-Pokal die Tabellenspitze und damit fünf Bonus-Punkte für die obere Play-off-Gruppe im Frühjahr.

Rang 2 sicherte sich Österreichs Rekordmeister USC Landhaus vor dem  „Aufsteiger“ Wacker Innsbruck, Vorjahrs-Vizemeister LUV Graz und überraschend, aber verdient, dem ASK Erlaa.

In der unteren Play-off-Gruppe, sprich im „Abstiegskeller“, werden FC Südburgenland, die Spielgemeinschaft Ardagger/Neustadt, KELAG St. Veit, Union Kleinmünchen und der 1. DFC Leoben versuchen, nicht auf den beiden letzten Plätzen zu landen, da diese Platzierungen den Abstieg in Österreichs 2. Leistungsstufe bedeuten.

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Womensoccer bat die Top 5 um eine Zwischenbilanz der österreichischen Frauenfußball-Bundesliga.

Bruno Mangl, Obmann SV Neulengbach (1. Platz)

Gesamt gesehen haben wir unsere Ziele erreicht. Wir haben trotz der Doppelbelastung den Herbstmeistertitel geschafft und haben auch international das gesetzte Ziel geschafft, zumindest in der 2. UEFA-Pokal-Runde zu punkten. International haben wir in der UEFA-Saison 2007/08 den 12. Rang erreicht und damit auch wertvolle Punkte für die nächsten Jahre geschafft.

Unser größtes Problem war sicherlich das Verletzungspech, welches uns heuer in ungeahntem Ausmaß verfolgte. Zwei Beispiele: ÖFB-Teamspielerin Birgit Hufnagl-Schalkhammer ist aufgrund einer Thrombose seit Juli 2007 nicht einsatzfähig. Probleme gab es auch bei unserer brasilianischen Edel-Legionärin Rosana, die genau genommen nur 25 Minuten (gegen den schottischen Meister LFC Hibernian) im Vollbesitz ihrer physischen Kräfte war. Dann musste sie sich einer Schulteroperation unterziehen, wurde aber beim WM-Spiel Brasilien – China durch einen Schlag aufs Knie erneut verletzt und seither nicht mehr voll fit. Mit ziemlicher Sicherheit wäre unser großes Ziel, erstmals das Viertelfinale im UEFA-Pokal zu erreichen, mit einer voll fitten Rosana realisierbar geworden.

Positiv überrascht hat, dass der österreichische Frauenfußball nicht mehr so weit von der internationalen Spitze entfernt ist. Sicherlich auch positiv, dass der SV Neulengbach den Nimbus der Unbesiegbarkeit durch die Niederlage gegen Landhaus abgelegt hat. Unsere Zuschauerzahlen sind konstant, bei einem Pokalspiel n Hollabrunn (niederösterreichische Landesliga, 3. Leistungsstufe) lockten wir als „Auswärtsmagnet“ beispielsweise 350 Zuschauer (statt der üblichen 30) an. Wir peilen 2008 den Meistertitel an und haben die Hoffnung, dass die eine oder andere Spielerin bis zum Frühjahr fit wird.

Gerhard Traxler, Obmann USC Landhaus (2. Platz)

Tabellenplatz 2 war unser Ziel, obwohl mit etwas mehr Glück (Last-Minute-Niederlage in Innsbruck, 1:1-Heimremis gegen St. Veit) noch mehr möglich gewesen wäre. Wir haben in der Herbsttabelle nur zwei Punkte Rückstand auf Neulengbach und haben den Serienmeister aus dem Wienerwald nach über zwei Jahren und 40 Spielen erstmals wieder eine Niederlage beigebracht.

Wir verzeichnen einen überproportionalen Zuschauerzuwachs. Einzelne Spiele unserer Elf werden von mehr Zuschauern verfolgt als die Matches der Herren von ISS Admira. Im Play-off wollen wir wieder den 2. Platz erreichen, mehr wäre für mich eine Sensation. Im Pokal wollen wir das Finale erreichen. Wir hoffen, keine Spielerin zu verlieren, werden aber auch keine Verstärkung bekommen. Leider fehlt uns ein Sponsor, aber wir setzen auch ungeachtet der Finanzsituation verstärkt auf gute Spielerinnen unserer 1B-Mannschaft.

Horst Braun, Leiter Frauenabteilung FC Wacker Innsbruck (3. Platz)

Erklärtes Klubziel war vor der Meisterschaft Rang 5 und damit das Erreichen der oberen Play-off-Gruppe. Meine persönliche Zielsetzung war der 3. Rang. Nach dem Auftaktsieg gegen den Mitfavoriten USC Landhaus und dem Auswärtserfolg bei Vorjahrs-Vize LUV Graz näherte sich auch der Klubwunsch meiner Vorstellung vom 3. Platz im Herbst und Rang 5 kein Thema mehr. Beim Meister Neulengbach mussten wir zwar eine empfindliche 1:8-Schlappe hinnehmen, unsere sonst verlässliche Abwehr erwischte ausnahmsweise den berühmten „schwarzen Tag“. Woher unsere Spielstärke rührt?

Nach dem Ausstieg aus der Bundesliga im Sommer 2006 bot unser Team in der 2. Frauenliga-West einen imponierenden „Durchmarsch“ mit dem Score von 160:2 und 42 Punkten aus 14 Spielen. Dazu gesellten sich im Sommer 2007 mit Ex- Wacker-München-Spielerin Angelika Feldbacher und Melanie Fischer absolute Spitzenfußballerinnen.

Unsere Zuschauerzahlen waren im Herbst leicht rückgängig, im Frühjahr erwarten wir im Play-off Woche für Woche wesentlich attraktivere Gegner und damit eine Steigerung der Besucherzahl. Es soll nicht vermessen klingen, aber: Wir wollen Meister werden! Durch den Hin- und Rückspielmodus im Frühjahr kann jedes Team aus eigener Kraft Meister werden. Und das bleibt unser oberstes Ziel.

Franz Schwab, Sektionsleiter LUV Graz (4. Platz)

Wir haben unser Ziel, die obere Play-off-Gruppe zu erreichen, doch noch geschafft, obwohl wir durch Abgänge und Verletzungen von sieben Stammspielerinnen geschwächt waren. Wir haben im Sommer unsere zweite Mannschaft durch 18 Mädchen im Alter zwischen 14 und 15 (alle steirische U16-Auswahlspielerinnen) ersetzt. Diese radikale Veränderung sehen wir als sportliche Aktie für die Zukunft. Die Zuschauerzahlen steigen, allerdings nimmt die Tagespresse nicht wirklich Notiz vom Frauenfußball. Grundsätzlich sind Meistertitel und Cupsieg unsere Ziele, aber wir nehmen auch „weniger große Erfolge“ gerne an!

Thomas Rauch, Sportdirektor ASK Erlaa (5. Platz)

Unser Ziel war es, das obere Play-off der ÖFB-Frauenliga zu erreichen, dies haben wir erreicht. Unser Frauenteam ist als Spätstarter bekannt, deshalb war es in dieser Herbstsaison unbedingt notwendig, gleich in Topform zu sein, da der Austragungsmodus keinen Spätstart zuließ. Wir haben es geschafft, gegen die Topteams wie Neulengbach (knappe 0:1- Niederlage) und Innsbruck (1:1) nicht nur mitzuhalten, sondern sie auch zu fordern. Wir haben einen großen Schritt nah vorne gemacht und werden weiter viel lernen,  da wir im oberen Play-off sicherlich in jedem Spiel voll gefordert werden.

Insgesamt haben wir etwas mehr Zuseher als vor einem Jahr, da die Mundpropaganda mehr Leute bringt. Meistens verweilen nach Herren-Spielen noch einige Zuseher am Platz und sind über die Leistungen der Mädchen und Frauen begeistert. Sie kommen immer wieder gerne zu unseren Matches. Der Zuwachs an interessierten Mädchen und Frauen am Fußball ist ungebrochen! Bei Matchankündigungen vermissen wir leider nach wie vor die Unterstützung der Printmedien! Realistisch gesehen ist unser Motto für 2007/08: „Four is more“- im  Klartext: Im 4. Bundesligajahr wollen wir die Platzierung aus 2006/2007, den 5. Platz, übertreffen.

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