Frankfurt im UEFA-Cup: Glas halb voll oder halb leer?

Von am 16. November 2007 – 14.46 Uhr 11 Kommentare

Gute oder schlechte Ausgangssituation für den deutschen Frauenfußball-Meister? Eine Frage, die sich nach dem Hinspiel des 1. FFC Frankfurt im UEFA-Cup-Viertelfinale beim WFC Rossiyanka geradezu zwangsläufig stellt. 0:0 hieß es am Ende in Khimki, wohin das Spiel verlegt wurde, um im verschneiten Russland in einem Stadion mit Rasenheizung einen bespielbaren Boden vorfinden zu können.

Damit ist der Ausgang dieses Viertelfinal-Duells vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch um 13.30 Uhr im Frankfurter Stadion am Brentanobad (live im HR) völlig offen. Optimale Ausgangsbedingungen für die Zuschauer. Aber nicht ganz optimal für den Deutschen Meister, dass man es verpasst hat, zu einem wegen der Auswärtstor-Regel so wertvollen Treffer zu kommen. Da die russischen Gastgeberinnen bei einem Kopfball von Natalia Barbashina, der nur den Innenpfosten traf, jedoch die beste Chance des Spiels hatten, sollten die Hessinnen aber gut mit diesem Resultat leben können.

Stark besetzter Gegner

Anzeige

„Rossiyanka hat 14 Nationalspielerinnen in seinen Reihen, die sich als Profis alle nur aufs Fußballspielen konzentrieren können. Daher waren wir über die Leistung der Russinnen nicht überrascht. Denn die Zeiten, als man als deutsches Team im Viertelfinale eines Europapokals einfach durchmarschieren konnte, sind lange vorbei. Andere Nationen haben deutlich aufgeholt“, ordnete Frankfurts Trainer Hans-Jürgen Tritschoks das Remis ein. Um gleich anzufügen: „Für uns ist das Ergebnis eine gute Ausgangsbasis für das Rückspiel.“

Sein Gegenüber Wladimir Gerasimow haderte hingegen ein wenig mit dem Ergebnis, denn sein Team hatte dem zweimaligen Cupsieger aus der hessischen Metropole alles abverlangt. Von einem „schmeichelhaften Unentschieden“ spricht die Frankfurter Rundschau. „Das 0:0 spiegelt das Spiel nicht wider, wir hätten gewinnen müssen“, meinte Gerasimow.

Kleine Spitze gegen Potsdam?

Rundherum positiv bewerteten die Gäste jedoch die Platzverhältnisse. Zwar ist in der Pressemitteilung des FFC von „tiefem und weichem Untergrund“ die Rede, doch unter diesen Bedingungen sei der Platz in „optimalem Zustand gewesen.“ Ein Lob ließ auch FFC-Manager Siegfried Dietrich folgen: „Sie haben sich um alles gekümmert, waren sehr gute Gastgeber und haben bewiesen, dass sie nicht nur ein professionelles Team auf dem Rasen sondern auch im Umfeld haben.“ Ein Lob, das in dieser Überschwänglichkeit sicherlich nicht von den heftigen Diskussionen nach dem Bundesliga-Topspiel in Potsdam zu trennen ist.

Auf ein Ende des Winterwetters hoffen alle Beteiligten jetzt mit Blick auf das Rückspiel am Mittwoch. Geht alles glatt (nur im übertragenen Sinne zu verstehen), dürfte am Sonntag im Bundesliga-Heimspiel gegen den TSV Crailsheim Mittelfeldregisseurin Renate Lingor ihr Comeback feiern, nachdem sie eine Muskelverletzung im Anschluss an die WM bis heute zum Zuschauen gezwungen hatte.

[poll=68]

Tags: , , , , , ,

11 Kommentare »

  • Christian sagt:

    Ich denke, man sollte das Lob an die russischen Gastgeber eher vor dem Hintergrund der Bedingungen bei der vorangegangenen Minirunde in Belgien sehen. Denn die waren wohl alles andere als gut (schlechte Unterkunft und Verpflegung, kleiner Platz ohne ausreichende Beleuchtung, miserable Umkleidekabinen)!

    (0)
  • Detlef sagt:

    @Christian,
    Du kannst Katja schon glauben, wenn sie von einer „Spitze gegen Potsdam“ schreibt, sie kennt das Frankfurter Umfeld recht gut!!!
    Aber WARUM muss denn schon um 13.30 Uhr angepfiffen werden???
    Da es die (äußerst professionelle) Frankfurter Spielstätte so verlangt!!!
    Zur allerbesten Sendezeit für Hausfrauen/-männer, Arbeitslose, Rentner und Schulschwänzer!!!

    (0)
  • Christian sagt:

    @Detlef
    Du glaubst jetzt auch nur das, was in dein „Weltbild“ paßt und unterschlägst auch noch geflissentlich das Fragezeichen, das hinter der Zwischenüberschrift steht (oder setzt du deshalb immer DREI Frage- oder Ausrufezeichen, weil du ein einzelnes Satzzeichen nicht mehr erkennst???)!!!
    Aber Spaß beiseite. Die Herstellung eines Bezugs der Aussage zum Spiel in Potsdam ist auf den ersten Blick genauso naheliegend, wie unangebracht. Für die Spielaustragung in Babelsberg war die Schiedsrichterin verantwortlich, genauso wie für das Freischippenlassen der Strafräume. Mit diesen Entscheidungen hat der gastgebende Verein wenig zu tun, das wissen auch die Verantwortlichen beim 1. FFC Frankfurt. Anders sieht es mit den Rahmenbedingungen bei den UEFA Cup-Spielen aus und diese unterschieden sich in Belgien und Moskau wie Tag und Nacht.
    In Frankfurt wird professionell gearbeitet und der Fokus war längst auf den UEFA Cup gerichtet. Mit Potsdam wird man sich dort gewiß erst wieder befassen, wenn das Rückspiel in der Bundesliga oder evtl. ein Aufeinandertreffen im DFB-Pokal anstehen.

    Die Anstoßzeit des Rückspiels ist sicherlich nicht optimal für viele Interessierte. Vielleicht wird den Gästen dadurch aber eine Übernachtung erspart?
    Man kann immer das Negative in den Vordergrund stellen. die positive Sichtweise: Trotz der ungünstigen Spielzeit überträgt der hr live. Und es soll in Deutschland sogar Menschen mit Videorekorder geben, die sich das Spiel aufzeichnen und dann zu geeigneter Zeit anschauen. 😉

    (0)
  • Detlef sagt:

    @Christian,
    wie mein „Weltbild“ aussieht, kannst Du gar nicht wissen!!! Ich kritisiere Frankfurt genauso, wie ich auch TURBINE kritisiere!!!
    SiDi lässt keine Möglichkeit aus, Potsdam zu kritisieren!!! Schröder im Gegenzug aber auch nicht!!! Bei beiden kommt dabei oft (nicht immer) nur „Müll“ raus, weil das Verhältnis zu emotional ist!!! So ein Disput gibt es komischerweise zwischen Duisburg und Frankfurt, bzw Duisburg und Potsdam nicht!!!
    Gerade weil in Frankfurt so professionell gearbeitet wird, wäre eine spätere Anstoßzeit besser gewesen!!! Der Gegner ist allerdings nicht so zugkräftig, dass man mit Teufelsgewalt, eine spätere Übertragung für unbedingt notwendig gehalten hätte!!!
    Aber DANKE für Dein TIP!!! Irgendwo habe ich so eine „antike Aufzeichnungsmaschine“ auch noch stehen!!! Ich verlasse mich da lieber auf mein Festplattenrecorder!!!
    Ein treuer Frankfurtfan, muss dann eben auch für ein Heimspiel Urlaub nehmen!!!

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Frankfurts Manager Siggi Dietrich hat sich gestern in der Pressekonferenz zur Anstoßzeit geäußert. Dabei hat er auch bedauert, dass das Spiel zu einer für die Zuschauer ungünstigen Zeit angepfiffen werden muss. Grund hierfür ist letztlich einfach die Tatsache, dass im Stadion noch kein Flutlicht existiert. Da prinzipiell Zeit eingeplant werden muss für eine mögliche Verlängerung und Elfmeterschießen, läßt sich an der Anpfiffzeit nicht viel drehen, auf keinen Fall kommt man zu einer Zeit, an der der arbeitende Teil der Bevölkerung schon Freizeit hat.

    An dem Problem wird aber gearbeitet, ab 2009 soll es dann Flutlicht geben. Man mag es als mangelnde Professionalität werten, dass der FFC Frankfurt kein Flutlicht hat, aber das Stadion gehört der Stadt Frankfurt, der FFC teilt es sich mit einem Männerverein, und Verhandlungen sind hier schwierig.

    Alles, was der 1. FFC Frankfurt aufgebaut hat, mußte alleine vom Verein geleistet werden, eine Unterstützung durch das Land Hessen hat es hier nie gegeben, und die Stadt kassiert zwar reichlich Miete für das Stadion, bringt aber wenig Gegenleistung.

    Ich betrachte es als ziemlich absurde Kaffeesatzleserei, ob das Lob an die Verantwortlichen von Rossiyanka nun als Spitze gegen irgendwen zu werten ist, sei es gegen Potsdam oder gegen Belgien. Beides wäre genauso denkbar wie die Möglichkeit, dass wirklich einfach nur die russischen Gastgeber ein Lob bekommen haben, dass sie sich in den Augen des Frankfurter Managers verdient haben.

    Die Vorgehensweise, eine Behauptung aufzustellen und sie mit Fragezeichen versehen in den Raum zu stellen, halte ich nicht für redlich, ja journalistisch grundsätzlich fragwürdig.

    Letztlich ist es tatsächlich so, dass in Frankfurt nicht dauernd an Potsdam gedacht wird. Da gehört schon eine eigenartige Wahrnehmung dazu, um zu jeder Aussage, die in Frankfurt gemacht wird – hier im Rahmen des Uefa-Cups, mit dem Potsdam rein gar nichts zu tun hat – immer noch einen Bezug zu Potsdam herzustellen.

    (0)
  • Lucy sagt:

    Bravo Tom, Hauptsächlich für deinen letzten Absatz ! 🙂

    (0)
  • Vielen Dank für die vielen Meinungen!

    Ich denke, Aussagen lassen sich immer verschieden interpretieren. Interpretationen und Spekulationen, über die man kontrovers diskutieren kann, gehören zu Blogs wie Eier zu Ostern. Wer sich ein bisschen in der Blogosphäre umschaut, der merkt, dass es gerade auch eine gewachsene Diskussionskultur ist, die eine Sportart zusätzlich reizvoll machen kann. Meiner Meinung nach hat der Frauenfußball (in Deutschland) da noch viel Nachholbedarf.

    Schaut man sich mal im englischsprachigen Bigsoccer-Forum um, kam ein WM-Spiel dort locker mal auf 20 oder 30 Forumsseiten. Dabei gehört es dazu, dass einem manche Meinungen weniger passen als andere und bestimmte Punkte hart ausgefochten werden. Deswegen begrüße ich es auch ausdrücklich, wenn ich hier Contra zu meiner Interpretation der Aussagen bezüglich der Platzverhältnisse bekomme.

    Was ich nicht nachvollziehen kann, ist der Vorwurf, meine Formulierungen seien unredlich, ja sogar journalistisch fragwürdig. Blogbeiträge sind Meinungsbeiträge – was ich geschrieben habe, ist demnach meine Interpretation, keine Feststellung. Ein Vergleich mit Newsseiten, deren Artikel frei von Meinungen sein sollten – sofern es sich nicht um Kommentare handelt -, hinkt daher zwangsläufig.

    Inhaltlich will ich noch ergänzen, dass auch ich nichts davon halte, zwanghaft Bezüge zu Potsdam herzustellen. Ich kann aber nicht erkennen, dass die Bezugnahme auf die Diskussionen über die Platzverhältnisse im Karl-Liebknecht-Stadion aus der Luft gegriffen wäre. Das Spiel fand drei Tage zuvor statt und hatte zu kontroversen Diskussionen geführt. Ob Potsdam mit dem UEFA-Cup „etwas zu tun hat“ oder nicht, ist da völlig unerheblich. Es handelte sich schließlich nicht um ein Spiel, das schon Monate zurücklag, sondern noch frisch in Erinnerung war. Demzufolge kann man diese Aussagen als Spitze gegen Potsdam deuten – man muss es aber selbstverständlich nicht.

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Ich muss zugeben, dass ein Blog für mich etwas neues ist. Insofern bin ich mit der Kultur in einem Blog auch noch nicht wirklich vertraut.

    Für mich haben eure Beiträge in der Regel Newscharakter und sind journalistisch auch so gut gemacht, dass sie jederzeit als Nachrichten bzw. als objektive Artikel über den Frauenfußball durchgehen würden. Artikel, die Diskussionen auslösen sollen, das ist mir schon klar, aber das können objektive und journalistisch einwandfreie Artikel genauso. Übrigens bieten auch immer mehr Tageszeitungen die Möglichkeit, Artikel online zu kommentieren.

    Bei genauerem Nachdenken sehe ich jetzt auch, dass sich der obige Artikel, du nennst ihn „Meinungsbeitrag“, Katja, schon auch etwas von vielen anderen hier abhebt. Vielleicht wäre es günstig, da eine klarere Trennung formaler Art vorzunehmen, damit solche Missverständnisse in Zukunft nicht mehr so leicht vorkommen.

    Es ist nun mal grundsätzlich nicht gut, Nachricht und Meinung zu vermischen, an diesem Grundprinzip würde ich auch dadurch nicht rütteln wollen, dass man das Ganze einfach „Blog“ nennt, und dann gelten solche Grundsätze auf einmal nicht mehr.

    Zum inhaltlichen noch ein ergänzender Gedanke: Die Verantwortlichen von Rossiyanka waren bereit, das Spiel in ein 70 Kilometer entferntes Stadion zu verlegen, weil dieses über Rasenheizung verfügt und damit einen besser bespielbaren Platz bot, als das eigene Stadion. Ich finde schon, dass es absolut angemessen, ja sogar dringend angebracht ist, dass der Frankfurter Manager dies und die insgesamt gute Betreuung und Organisation lobend erwähnt und sich bei den Verantwortlichen von Rossiyanka dafür bedankt. Das ist ganz einfach gutes Benehmen und gehört sich so. Ihm daraus jetzt einen Strick zu drehen finde ich nicht in Ordnung.

    (0)
  • Christian sagt:

    @Katja

    Im großen und ganzen kann ich dir zu deinen allgemeinen Aussagen folgen. Ich gebe aber zu bedenken, daß Artikel bei womensoccer oft so sachlich geschrieben sind, daß sie Nachrichtencharakter haben. Vielleicht – so meine Anregung als ein in der Blogosphäre auch noch nicht ganz heimischer Mensch – sollte eine persönliche Meinung eines Autors besser erkennbar gemacht werden.

    Und noch mal zum Diskussionspunkt: Tritschoks hat sich darüber aufgeregt, daß das Spiel in Potsdam angepfiffen wurde. Sein Ärger richtete sich damit vornehmlich gegen die Schiedsrichterin als Verantwortliche und nicht gegen Gastgeber Turbine.
    Im übrigen fehlen doch auch vergleichbare Verhältnisse zwischen dem Spiel in Potsdam und jenem in Moskau um eine Spitze – gegen wen auch immer -anbringen zu können. Weder gab es in Potsdam die Alternative auf ein schneefreies Spielfeld auszuweichen, noch wurde in Moskau das Spiel wegen Schnee auf dem Platz abgesagt. Von daher kann ich selbst beim schlechtesten Willen nicht erkennen, wie die Verantwortlichen des FFC zum Ausdruck gebracht haben sollen „seht her, die Moskauer haben es besser gemacht als die Potsdamer.“

    (0)
  • Sant sagt:

    Ich schaue mir gern das Spiel, aber ich kann nicht. Wie Tom erklärte, hat das Stadion kein Flutlicht. Meine Frage ist auch, warum verlagert sich der Spielort nicht nach Bornheim-Hang?

    Und Erinnerung an UEFA-CUP-Finale 2006 in POT – es sah auf dem Platz wirklich schlimm aus.

    (0)
  • Christian sagt:

    @Sant
    Am Bornheimer Hang haben gerade die Umbauarbeiten begonnen. Nächstes Jahr zu dieser Zeit wäre das erneuerte Stadion sicherlich eine Alternative.

    (0)