Bundesliga-Topspiel lässt Emotionen hochkochen

Von am 11. November 2007 – 19.39 Uhr 9 Kommentare

potsdam_jubel.jpgNach dem 1:1 (0:0)-Unentschieden im Topspiel der Frauenfußball-Bundesliga zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt und den ersten Punktverlusten für den Meister ließ FFC-Trainer Hans-Jürgen Tritschoks seinen Emotionen freien Lauf.

„Ich bin stinksauer“, schimpfte er über die seiner Meinung nach irregulären Platzverhältnisse. „Das war nur Kick-and-Rush und hatte mit Fußball nur noch wenig zu tun“, wetterte er. „Unbegreiflich, dass die Partie überhaupt angepfiffen wurde. Das bringt den Frauenfußball nicht weiter.“

In der FFC-Pressemitteilung wollte man sogar eine „Schneeballschlacht“ im Karl-Liebknecht-Stadion gesehen haben. Potsdams Trainer Bernd Schröder hatte eine andere Sicht der Dinge und konterte: „Wir sind eine Freiluftsportart, also muss man auch mit solchen Bedingungen klar kommen. Man sollte nicht das Bild vermitteln, dass Frauenfußball nur bei Sonnenschein stattfinden kann.“

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Und in der Tat fanden im deutschen Fußball in der Vergangenheit schon bei ganz anderen Verhältnissen Fußballspiele statt. Schiedsrichterin Anja Kunick war nach mehrfacher Platzbegehung zu dem Schluss gekommen, dass die Partie stattfinden kann. Eine Entscheidung, mit der beide Teams gleichermaßen klar kommen mussten, auch wenn sie die technisch versierten Frankfurterinnen nicht unbedingt begünstigte.

Pfosten und Latte verhindern Tore in Halbzeit eins

Vor den Aussagen der Beteiligten sahen die 1.102 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion auf dem schneebedeckten Boden eine spannende Partie, bei der beide Teams gute Tor- und Siegchancen hatten. Bereits nach acht Minuten hätten die Gäste in Führung gehen können. Doch die frühere Potsdamerin Conny Pohlers scheiterte zweimal am Pfosten, Nadine Angerers Vertreterin im Potsdamer Tor Desirée Schumann hatte Glück, nicht früh hinter sich greifen zu müssen.

Doch die Gastgeberinnen versteckten sich nicht. Anja Mittag hatte die beste Chance der ersten Halbzeit, bei ihrem Lattenschuss wäre Frankfurts Keeperin Silke Rottenberg machtlos gewesen (36.). Kerstin Garefrekes verpasste mit einem Schuss über das Tor kurze Zeit später die mögliche Frankfurter Führung.

Frankfurt am Rand einer Niederlage

In der zweiten Halbzeit waren es die Potsdamerinnen, die die besseren Möglichkeiten hatten. Anfang der zweiten Halbzeit scheiterte Jennifer Zietz noch an Rottenberg, doch in der 84. Minute nutzte sie eine Unachtsamkeit in der Frankfurter Abwehr mit einem satten Schuss zur viel umjubelten Führung.

Doch die hielt nur drei Minuten: Dann war Garefrekes zur Stelle und verhinderte mit ihrem Kopfballtreffer die drohende erste Niederlage der Frankfurterinnen in der Frauenfußball-Bundesliga seit dem 0:4 beim FCR 2001 Duisburg am letzten Spieltag der Saison 2005/2006.

„Meine Mannschaft hat bis zum Schluss gekämpft und zumindest den einen Punkt noch erreicht“, so die Bewertung Tritschoks nach der Partie.

Neuerliche Pleite für Wolfsburg – Essen holt Punkt in München

In den anderen vier Spielen am sechsten Spieltag – das Spiel zwischen Tabellenführer FCR 2001 Duisburg und dem SC Bad Neuenahr wurde wegen der schlechten Platzverhältnisse abgesagt – kam Aufsteiger 1. FFC Saarbrücken beim 2:1 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg zum ersten Saisonsieg. Zwei Treffer von Nadine Kraus (54., 68.) sorgten für die Entscheidung und lange Gesichter beim im bisherigen Saisonverlauf enttäuschenden Wolfsburg. Shelley Thompson gelang für die Niedersachsen, die nach der Gelb-Roten Karte gegen Anna Blässe (62.) in Unterzahl spielten, nur noch der späte Anschlusstreffer (88.).

Keinen Sieger gab es beim 3:3 (1:2) zwischen dem FC Bayern München und der SG Essen-Schönebeck. Nach der frühen Bayern-Führung durch Nina Aigner (6.) schien Charline Hartmann mit drei Treffern in der 32., 36. und 61. Minute den Bayern den K.o. zu versetzen und Essens ersten Saisonsieg unter Dach und Fach zu bringen. Doch die Bayern bewiesen Moral, Sylvie Banecki (72.) und Julia Simic (77.) konnten den Gastgebern bei Regen und böigem Wind zumindest noch einen Punkt retten.

Bundesliga-Mittelfeld rückt zusammen

Claudia Nußelt sicherte dem TSV Crailsheim beim 1:0 (1:0-)-Arbeitssieg gegen den SC Freiburg drei wichtige Punkte und vergrößerte die Sorgen der Breisgauerinnen. Die SG Wattenscheid 09 kassierte nach dem Überraschungssieg gegen Bayern München beim 0:1 (0:1) in Hamburg die vierte Niederlage im sechsten Spiel, Denise Lehmann gelang nach 32 Minuten der Siegtreffer für die Hanseaten.

Nach dem sechsten Spieltag sind die Teams in der Tabelle noch enger zusammengerückt. Hinter dem Top-Trio Duisburg, Frankfurt und Potsdam liegen zwischen dem viertplatzierten Bayern München und dem Elftplatzierten Wattenscheid 09 gerade einmal vier Punkte. Für Spannung in den nächsten Wochen ist also gesorgt.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • Hullu poro sagt:

    Herr Tritschoks soll sich mal nicht so anstellen. Hätte seine Mannschaft gewonnen hätte er sich nicht über die Platzverhältnisse beschwert. Außerdem musste Turbine auch mit dem schneebecketen Rasen zurechtkommen.

    Irgedwie habe ich das Gefühl, das man in Praunheim die Schuld bei anderen sucht.

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  • Rene sagt:

    Am Donnerstag wird es in Rußland ähnliche Bedingungen geben. Also soll er sich nicht aufregen, so konnten sie mal bei diesen Bedingungen üben.

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  • Lucy sagt:

    @ Rene

    Ich meine mal gelesen zu haben, dass in Rußland in einer großen Halle gespielt wird… (?)

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  • michael sagt:

    Zur Militärweltmeisterschaft niemanden abstellen, Frankfurter Spielerinnen die bei bedeutungsloseren Natiospielen passgenau verletzt sind und nun Platzverhältnisse die nicht regulär wären aber beide Mannschaften betrafen. Beim FFC Frankfurt lebt man/frau wohl schon in einer anderen Fußballwelt. Ein sommerlicher Platzregen macht einen Rasen sehr schnell seifig und schlecht bespielbar. Ein Risiko welches im Freiluftfußball immer besteht. Eine Klasseelf muß reagieren können und von technischen Spiel notfalls auch auf Kick and rush umstellen. Die besseren Einzelspielerinnen standen auf Frankfurter Seite den Punkt hat man auf der kämpferischen Seite verloren. Ein Manko welches nicht wetterabhänig ist .

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  • Detlef sagt:

    Mann hätte sicher nicht meckern dürfen, wenn Frau Kunick anders entschieden hätte, und das Spiel abgesagt worden wär!!!
    Aber ich war wohl genauso froh, dass sie den Platz für bespielbar hielt, wie die etwa 12-15 weit gereisten Frankfurt-Anhänger!!! Wenn man 600 km durch Regen, Schnee und Eis fährt, um dann eine Spielabsage zu hören, wäre der FRUST sicher größer gewesen, als nach diesem 1:1!!!
    Natürlich konnte der Ligaprimus nicht diesen Glanz versprühen,mit denen sie zuletzt den SC Freiburg im Vorbeigehen eliminierten!!!
    TURBINES Youngster waren hervorragend eingestellt, und zeigten nicht den Hauch von Angst oder Respekt, vor dieser Galatruppe aus Mainhatten!!! Und der schneebedeckte Rasen, behinderte nicht nur die Favoriten!!! Auch die Potsdamer Mädels, hatten sichtbare Probleme mit diesem Untergrund!!! Und was das angebliche „Kick and Rush“ betrifft, so kann TURBINE im Moment gar nicht anders spielen, da unser Mittelfeld im Augenblick nicht einsetzbar ist!!! So spielte Schröder mit 5 Abwehrspielerinnen, 4 Stürmerinnen, und lediglich JENNY ZIETZ im EINFRAUMITTELFELD!!! So spielten wir schon gegen Wattenscheid, Bad Neuenahr und auch in WOB!!!
    Herausragendste Spielerin war für mich (mal wieder) AFFERDITA KAMERAJ!!! Sie ist im Moment in einer sensationellen Form, und hat vor allem CONNY POHLERS das Leben schwer gemacht!!! Aber auch Birgit Prinz, und PIWI, haben ihre Leistung zu spüren bekommen!!!
    GANZ dickes Bienchen für unsere AFFE!!! Aber auch die anderen Spielerinnen konnten gegenüber dem WOB-Spiel, nochmal 15-20% zulegen, was komischerweise immer gegen Frankfurt funktioniert!!!
    Die einzige, der im gesamten Spiel, fast überhaupt nix gelang, war JENNY!!! Sie spielte sehr unglücklich, obwohl sie fightete, wie ein Boxer im Ring!!! Und ausgerechnet ihr gelang dieses 1:0, ist schon fast ein Witz!!! Leider konnten sie diesen Treffer nicht sehr lange bejubeln, denn dann gelang dem hohen Favorit das, was 87 Minuten verhindert werden konnte!!! PIWI konnte flanken, und KG stand genau richtig!!! DESI, die sich erneut mehrfach auszeichnen konnte, war gegen diesen Kopfball machtlos!!!
    So fehlten den TURBINEN gerade einmal 3-4 Minuten, zum ganz großen Wurf!!! Aber auch das werden sie noch lernen, dass man gerade gegen die Mainhattenerinnen, erst nach dem Abpfiff, jubeln kann!!!

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  • Lucy sagt:

    @Detlef

    Wir waren immerhin 20 Leutz im Bus ! Ich bitte darum, diese enorm hohe Anzahl an mitgereisten Fans nicht zu schmälern… 😉

    Das stimmt, eine Spielabsage wäre für uns angereisten wirklich enttäuschend gewesen, obwohl wir schon fast damit gerechnet haben, so wie es ab ca. 70 km vor Potsdam aussah.

    Ich muss sagen, für mich geht das Unentschieden total in Ordnung, mehr war einfach nicht drin, bei der Rutschpartie. Es gab zwar auf beiden Seiten genug Chancen, aber die Turbinchen kamen mit der Situation ab der 2. HZ irgendwie besser zurecht.

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  • Detlef sagt:

    @Lucy,
    Sorry, ich wollte Eure geballte Fan-Power nicht absichtlich minimieren!!!
    In meinem Alter, kann man sich doch mal verschätzen!!!
    Dann bin ich mal auf das Rückspiel gespannt!!! In den letzten Jahren, hat TURBINE in Frankfurt immer besser und erfolgreicher gespielt, als daheim im KARLI!!! Hoffentlich hält die Serie!!!

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  • Tickets sagt:

    Unglaublich wieviele Fans die Mannschaft hat 🙂

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  • Lucy sagt:

    @Tickets

    Es waren noch einige selbst angereist, vor allem aus Berlin.

    Wahrscheinlich hat einfach viele Leute die 4 Uhr Abfahrtzeit abgeschreckt, ansonsten kommen da bei Auswärtsspielen schon mehr zusammen… 😉

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