Kellerkinder bitten zur Torparty

Von am 9. November 2007 – 11.44 Uhr 2 Kommentare

Frauenfußball der besonderen Art im Kreis Hannover-Land, in der 1. Kreisklasse. Siebener-Kleinfeld, 2 x 35 Minuten. Und jede Menge Gegentore für den MTV Lemmie und die Sportfreunde Landringhausen. Die beiden Null-Punkte-Teams in der Staffel. Zwei junge Mannschaften, die sich trotzdem nicht unterkriegen lassen und einen Teamgeist erzeugen, von denen manch andere Mannschaft nur träumen mag, wie die Trainer aus beiden Lagern mit großer Übereinstimmung berichten.

Am Mittwochabend schlug in einem solchen Kreisklassenspiel in Lemmie die SG Bantorf/Wichtringhausen den gastgebenden MTV mit 11:1 (5:0). Die SG begann furios, führte nach sechs Minuten mit 3:0 und hatte auch eine starke Phase direkt nach dem Seitenwechsel mit sechs Toren in zwölf Minuten. Lemmies Ehrentreffer gegen Ende der Partie erzielte Sabrije Ajeti. Der Treffer der aus dem Kosovo stammenden Spielerin war der zweite in dieser Saison und dementsprechend viel umjubelt. Bei der SG trafen Martina Menschner (4), Alke Laue (3), Sarah Waldmann (2), Jennifer Schulze und Miriam Pfingsten. Deren Handelfmeter war das erste Tor in ihrer Fußballkarriere überhaupt.

Löchrige Abwehrreihen

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Am heutigen Freitagabend bereits gastiert der MTV Lemmie um 18.30 Uhr bei SF Landringhausen zum vorgezogenen Spiel des Wochenendes. Am 11.11. wollten sie nicht spielen, um karnevalsähnlichen Missverständnissen vorzubeugen. Diese Ansetzung bedeutet nämlich das absolute Kellerderby zwischen den beiden Null-Punkte-Mannschaften. Die Sportfreunde erleben ihre erste Saison, haben dabei nach neun Spielen mit 0:143 Toren die Rote Laterne inne. Lemmie kommt mit 2:79 Toren nach acht Niederlagen. „Wir sind jetzt natürlich besonders hoch motiviert, nachdem uns zum zweiten Mal ein Tor gelungen ist“, sagt MTV-Trainer Stefan Zander. „Das 1:11 gegen Bantorf stört uns nicht. Da zählt nur unser Tor. Darauf sind meine Mädels echt stolz. Die lassen sich nicht unterkriegen.“

Das sei auch der Grund, warum er als Trainer vor kurzem neu eingestiegen sei, verrät Zander. „Es ist schon erstaunlich, wie leidensfähig unser Frauenfußball in den letzten elf Jahren mit seinen ewigen letzten Plätzen war. Umso mehr gefällt mir der jetzige Ehrgeiz unserer neuen jungen Mädels, die erst 14, 15 Jahre alt sind, das alles besser zu machen. Nur deshalb habe ich ihnen zugesagt.“

Begeisterung ungebrochen

Auch in Landringhausen lassen sie sich trotz rekordverdächtiger Zwischenbilanz nicht unterkriegen. Die Spielerinnen sind genauso jung, haben noch nie zuvor Fußball gespielt. Am Mittwochabend haben sie trotz des ungemütlichen Wetters mit Regen und heftigen Winden noch ihr Abschlusstraining veranstaltet und sich auf die Begegnung gegen Lemmie eingeschworen. Die Partie soll zur Party werden.

„Unsere Erwartungen sind so, dass wir die ersten Punkte holen und auch unser erstes Tor schießen. Davon, das Lemmie jetzt zum zweiten Mal getroffen hat, lassen wir uns nicht schocken“, sagt Landringhausens Trainer Fabian Ploberger. Woher dieser Optimismus bei dem jungen Mann kommt? „Weil wir von Spiel zu Spiel dazu lernen. Man sieht von Woche zu Woche, wie die Mädels besser werden. Ich bin begeistert über diese Fortschritte. Die vielen Gegentore sind natürlich heftig. Aber es imponiert mir, wie die Mädels das wegstecken und es immer wieder neu versuchen, erfolgreich zu spielen. Wie taff die sind. Das stimmt mich positiv und erwartungsfroh.“ Ganz offensichtlich übertragen sich die positiven Stimmungen gegenseitig vom Trainer auf die Mannschaft und der Mannschaft auf den Trainer.

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Wachsender Zuspruch

Auf seine Mädels lässt Ploberger nichts kommen. Schon gar nicht auf die so arg gebeutelte Laura Schubert im Tor. Ganz im Gegenteil. „Ohne die Laura wären uns schon viel mehr Bälle ins Netz geflogen. Die ist ein richtiger Rückhalt.“

Diese Stimmung spricht sich längst im Dorf herum. „Wir haben zu siebt begonnen. Jetzt sind es schon zehn Spielerinnen. Auch die Zuschauer werden immer mehr, obwohl die Resultate ja dagegen sprechen. Aber dieser Geist im Team ist es offenbar, der den Leuten gefällt. Was hier läuft, ist wunderbar. Wir haben sogar schon Bälle geschenkt bekommen. Es gibt neue Trikots. Demnächst bekommen wir Trainingsanzüge gesponsert. Bestellt sind sie schon. Damit hätte ich nie gerechnet, denn hinter einem Trikotsatz oder Trainingsanzügen steckt schon richtiges Geld.“

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2 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Am gestrigen Freitagabend konnten die beiden bisher arg gebeutelten Abwehrreihen Gegentore verhindern.

    Das lag aber nicht an der starken Leistung, sondern an den schlechten Witterungsverhältnissen, die eine Austragung des Spiels unmöglich machten.

    Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, Regen und böige Winde hätten für irreguläre Verhältnisse gesorgt, da der Sportplatz in Landringhausen ungeschützt auf dem freien Feld liegt.

    Wann das Spiel nachgeholt wird, steht noch nicht fest.

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  • Markus Juchem sagt:

    Das Duell der beiden Kellerkinder SF Landringhausen gegen MTV Lemmie endete 0:0. Der erste Saisonpunkt also für beide Mannschaften, die den Abstand zu den nächsten Mannschaften aus Bad Münder und Ihme/Roloven auf neun Punkte verkürzten.

    Beide Trainer waren nicht unzufrieden. „Endlich gibt es den ersten Punkt. Nur warten wir noch immer auf das erste Tor. Das ist natürlich ärgerlich“, meinte SFL-Trainer Frank Ploberger.

    „Insgesamt war das Spiel ausgeglichen und fair. Beide Mannschaften hatten Torchancen zum Sieg.“ Das SFL-Team bleibt dennoch weiter bei 0:143 stehen. Ebenso wie Stefan Zanders MTV Lemmie bei 2:86 Treffern.

    Übereinstimmung herrschte auch in der Spielbewertung. Tore seien möglich gewesen, aber das Unentschieden sei gerecht. Mit gut 50 Zuschauern war die Partie gut besucht. „Zu unseren Männerspielen kommen nicht so viele Leute“, meinte Zander.

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