Kann das Internet-TV den Frauenfußball revolutionieren?

Von am 7. November 2007 – 15.39 Uhr 15 Kommentare

„Vereine und DFB sollten in einer konzertierten Aktion Überlegungen anstellen, wie die Damenligen attraktiver werden könnten“, schrieb unser Leser „Max Diderot“ vor kurzem in einem Kommentar. Und in der Tat: Ohne qualitative Verbesserung sowohl in struktureller wie sportlicher Hinsicht wird es der Frauenfußball auch in Zukunft schwer haben, abseits von Großereignissen wie Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen in der Öffentlichkeit hohe Aufmerksamkeit zu erzielen.

Ein häufig geäußerter Kritikpunkt ist auch, der Frauenfußball, und hier speziell die Bundesliga, fände in der Regel zu wenig Platz in der Medienberichterstattung. Doch auch andere Randsportarten leiden darunter, in den TV-Sendern nur geringe Beachtung zu finden. Einige Sportverbände und Vereine haben bereits das Internet als Verbreitungsweg für sich entdeckt. Ist dies auch eine Option für den Frauenfußball?

Früher fehlte es oft an einer ausreichenden Zahl von Programmplätzen, um auch Randsportarten in größerem Umfang im Fernsehen Übertragungsfläche zu bieten. So besitzen etwa die Öffentlich-Rechtlichen Sender ARD und ZDF über den so genannten 32er-Vertrag die Übertragungsrechte an so exotischen TV-Sportarten wie Synchronschwimmen, Tauziehen oder auch Schach. Doch Gebrauch davon haben sie aus Rentabilitätsgründen, denen sich auch ein Öffentlich-Rechtlicher Sender nicht komplett entziehen kann, nur selten gemacht.

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Frauenfußball-Bundesliga via IP-TV?

Zu den Spielen der Frauenfußball-Bundesliga kommen nach wie vor relativ wenige Zuschauer, das generelle Interesse am Ligabetrieb ist zu gering, um bei den Sendern regelmäßige Übertragungen einfordern zu können. Nicht völlig zu Unrecht würde wohl eine Diskussion um die sinnvolle Verwendung von Gebührengeldern losgetreten.

Durch die zunehmende Digitalisierung entstehen aber Möglichkeiten, über die auch der Frauenfußball nachdenken sollte. So könnten beispielsweise der Deutsche Fußball-Bund (DFB) oder auch einzelne Vereine, Spiele über IP-TV übertragen. „IP-TV ist Fernsehen, das über den weltweiten Standard des Internet-Protokolls (IP) ausgestrahlt wird und über alle IP-basierten Kanäle empfangen werden kann“, erläutert Ingo Wolf, Geschäftsführer von Grid-TV. „Web-TV wird oft als Synonym für IP-TV gebraucht, aber es reduziert das IP-basierte Fernsehen auf die Übertragung im Internet. Die von Grid-TV entwickelte IP-TV-Technologie ermöglicht ein globales Fernsehen über alle digitalen Kommunikationswege: Internet, Satellit, Terrestrisch, Kabel, UMTS und GPRS, ohne die Notwendigkeit von Zusatzgeräten oder Decodern“, ergänzt er.

Mit den neuen Übertragungswegen sind auch die Kosten für die Verbreitung drastisch gesunken. Über jeden DSL-Anschluss kann heute Internetfernsehen in einer Qualität empfangen werden, die dem klassischen Fernsehen nahe kommt. Um Kosten deckend zu arbeiten, wird die Anzahl der benötigten Nutzer immer kleiner. Dadurch können auch kleine Zielgruppen erreicht werden, solange deren Bereitschaft vorhanden ist, dafür zu zahlen.

Übertragungskosten drastisch gesunken

Es existieren bereits Unternehmen, die sich auf die Gründung von Internetspartensendern spezialisiert haben. So bietet etwa Grid-TV bereits jetzt derartige Sender an, gezeigt werden überwiegend unkommentierte Bilder. Zwar fehlt die journalistische Aufbereitung und das Angebot ist mit dem einer Fernsehübertragung nicht vergleichbar, doch der Frauenfußball-Fan bekäme immerhin Bewegtbilder seines Lieblingsvereins zu sehen. Ab 2.500 Euro im Monat ist ein Sender laut Wolf machbar.

Umgelegt auf die 12 Vereine der Frauenfußball-Bundesliga und entsprechend lokal wie regional vermarktet könnte unter dem Strich möglicherweise eine Nullrechnung stehen. Das große Geld lässt sich realistisch betrachtet sicherlich nicht verdienen, doch dies müsste auch nicht der Anspruch sein. Via Internet und Handy-TV könnten die Fans zumindest erreicht und die Zielgruppe mit Hinblick auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 erweitert sowie die Marke Frauenfußball-Bundesliga in der Öffentlichkeit etabliert werden.

Gedankenspiele im Bayerischen Fußballverband

Im Bayerischen Fußballverband (BFV) gibt es bereits Gedankenspiele, zukünftig die Spiele der Bayernliga der Männer per Internet-TV zu übertragen. „Wir sind stark dabei, das zu sondieren“, so BFV-Präsident Dr. Rainer Koch. Auch er glaubt, dass sich ein derartiges Projekt kostendeckend betreiben lässt. „Wir wollen uns da mit den Clubs zusammen Gedanken machen. Aber wenn der Autohändler Huber in Kötzting weiß, dass sein Verein im Internet präsentiert wird, ist er vielleicht eher bereit, den Verein zu unterstützen.“

Auch andere Sportarten drängen ins Internet-TV. So hat die die ARD/ZDF-Sportrechtetochter SportA bereits zu Jahresbeginn einen Vertrag mit Science-TV, einem Schwesterunternehmen von Grid-TV, abgeschlossen, um dort auch Übertragungen von Sportarten aus dem 32er-Vertrag zu verwirklichen. Zu den Sportarten, an denen Science-TV nun Rechte besitzt, zählen unter anderem Billard, Curling, Judo, Moderner Fünfkampf, Rudern, Schach, Segeln, Tauziehen und Wasserski.

Auch Handball und Basketball im Internet

Einen eigenen Internetsender betreiben bereits die Handball-Bundesliga und die Deutsche Basketball-Liga zusammen mit dem Sportrechtevermarkter Sportfive. Bei Sportdigital.TV wird mit professionellen Strukturen gearbeitet. So arbeitet im Hintergrund ein 30-köpfiges Redaktionsteam, jede Begegnung wird mit fünf Kameras begleitet. Während der Handball-WM wurde das Angebot von 25.000 zahlenden Nutzern angenommen.

Komplizierter dürfte sich die Frage nach der Rechtevergabe gestalten, da die Verschmelzung der Verbreitungswege eine Unterscheidung immer schwieriger macht. Doch auch hier ist der DFB gefragt, bei der anstehenden Neuvergabe der Bundesligarechte entsprechende Regelungen zu treffen und die Frauenfußball-Bundesliga im Internet möglicherweise in Eigenregie (DFB-TV) zu übertragen.

In den kommenden Jahren wird das Thema sicherlich an Bedeutung gewinnen, auch wenn heute noch viel Spekulation im Spiel ist. „Wer weiß, was in zwei Jahren im Internet passiert, zwei Jahre sind in dieser Welt ja schon Lichtjahre“, so Koch. Eine Chance für den Frauenfußball wäre das Internet-TV jedoch allemal.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • Crackfly sagt:

    Auch ich habe darüber mal nachgedacht. Nur ich sehe ein wenig Schwierigkeiten darin, vernünftige Bilder zu bekommen. Immerhin braucht man hierfür auch mindestens eine Kamera pro Spiel. Und jemand, der sie führt.

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  • Rainer sagt:

    Sehr interessanter Artikel, ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird.

    Heute Abend findet das Hinspiel der Olympia-Qualifikation zwischen Dänemark und Schweden in Viborg statt. Kein Fernsehsender überträgt und die größte schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter schreibt Geschichte:

    Kurz entschlossen kaufte man die Fernsehrechte und sendet das Spiel heute Abend ab 19.00 Uhr im Internet: http://www.dn.se.

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  • Max Diderot sagt:

    Die Frage, ob das Medium Internet-TV den Frauenfußball revolutionieren wird, erscheint mir absolut. Eine Umwälzung der bestehenden Koordinaten halte ich für weniger bedeutend als deren signifikante Fortentwicklung. Außerdem, sollte nicht mindestens gleichzeitig mit der Suche nach probablen Übertragungswegen zuerst einmal eine Bestandsaufnahme und eine mittelfristige Perspektive der Frauenfußball-Bundesligen vorgenommen werden?
    Die WM 2007 ist beendet und niemand interessiert sich mehr für den Frauenfußball? Könnte man(n) meinen. Nämlich dann, wenn Etats und Zuschauerzahlen der Bundesligen von Damen und Herren planlos verglichen werden. Ich habe ein paar Zahlen zusammengetragen und versuche einen absoluten und relativen Bezug deutlich zu machen. Die Quellenangaben befinden sich am Ende des Textes.
    Der Zuschauerdurchschnitt der Frauen Bundesliga in der Saison 2006/07 betrug 733 Besucher pro Partie. In der aktuell angelaufenen Spielzeit liegt er bei 987 Eintritten. Bei der 1. Bundesliga der Männer ist das Verhältnis 39.957 (in der Saison 06/07) zu 39.167. Auch wenn der Zuschauerzuspruch der Frauen Bundesliga auf einem vergleichsweise niedrigeren Level basiert, hat sich deren Besucherakzeptanz um 36,63% gegenüber der der Männerliga verbessert. Noch deutlicher wird dieser Aspekt, wenn die Spitzenreiter der Zuschauergunst, Frankfurt und Dortmund verglichen werden. Die Hessinnen konnten sich um aktuell 52,57% (1.286 in der Saison 06/07 zu momentan 1.962) steigern, während die Westfalen „nur“ eine Steigerungsrate von 1,86% (natürlich auf einem ungemein hohen Niveau: 72.652 zu 74.006) aufweisen können. Noch interessanter ist es, wird der Faden weiter gesponnen. Bei den Schlusslichtern der Besucherzahlen ergibt auch hier die Relation einen deutlichen Vorsprung des Frauenfußballs:-3,65% bei Energie Cottbus zu 128,76% bei FFC Brauweiler/FC Bayern München. Es sind nur ein paar Zahlen, aber sie signalisieren eine mögliche Verbesserung der öffentlichen Bereitschaft, den Frauenfußball aktiv begleiten zu wollen.
    Was aber haben diese Ergebnisse mit der eigentlichen Fragestellung zu tun? Zumindest können sie als ein Fortschritt interpretiert werden. Und positive Entwicklungen, die ja nicht ausschließlich die sportlich erfolgreichen Teams zu betreffen scheinen, sind notwendig, um Sponsoren und Mäzene für ein Vorhaben zu gewinnen. Dabei ergibt sich ein indifferentes Bild. Die mir vorliegenden Zahlen der Saison 2006/07 variieren zwischen € 700.000.– und € 150.000.– . Spitzenreiter ist auch hier der 1.FFC Frankfurt, gefolgt von Turbine Potsdam mit ca. € 500.000.–, im Mittelfeld Neuenahr und Duisburg mit ca. 300.000.–, während Crailsheim und Brauweiler Pulheim einen Etat von € 160.000.– bzw. € 150.000 gehabt haben sollen. Der Anteil der alimentierten Fernsehgelder soll sich dabei pro Verein auf € 69.000.– belaufen haben. Soweit die Rahmendaten.
    Nehmen wir an, die Frauenfußball Bundesliga würde über das Internet übertragen. Nehmen wir desweiteren an, das spezielle Abonnement kostet dann € 10.– pro Monat, wobei sich die eigentliche Spielzeit auf 10 Monate beschränkt. Gehen wir davon aus, dass sich für dieses Angebot mindestens jene interessieren werden, die in der Saison 2006/07 die Spiele der Damenliga besucht haben, plus eines Aufschlages von 10% neu hinzukommender Interessenten. Kalkulatorisch wären wir dann bei ca. 107.000 Interessenten. Diese kaufen das Abonnement, damit ergibt sich ein Bruttoumsatz von € 10,7 Millionen. Nach Abzug der (schätzungsweise) hälftigen Aufwand- und Abgabekosten verbleiben € 5,35 Millionen, statisch verteilt auf 12 Vereine also rund € 446.000.– pro Klub. Angesichts der kolpierten Budgets Frauenfußball Bundesligavereine wäre die vorangegangene theoretische Annahme eine gute Möglichkeit, zusätzliche Gelder zu generieren.
    Die technische Entwicklung im Bereich IPTV (also dem Internetfernsehen) wird sich verbessern. Auch wenn eine jüngste Studie der Beratungsfirma Capgemmini die Marktprognose von 2,5 Millionen auf 1,7 Millionen IPTV-Zuseher in Deutschland bis 2012 reduziert hat, bietet das Medium interessante weltweite Perspektiven.
    Aber wird darüber in den zuständigen Organen gesprochen? Welche Ziele verfolgen der DFB und die betreffenden Vereine? Mir sind bis jetzt keine Strategien bekannt geworden, die in einer mittelfristigen Planung die Professionalisierung des Frauenfußballs in Deutschland vorantreiben könnten.

    PS.: Die DFL hat in einer im Jahre 2006 veröffentlichten Studie feststellen lassen, dass sich ca. 11 Millionen Frauen über 14 Jahre in Deutschland für Fußball interessieren.

    Quellen:
    http://www.wikipedia.org, Artikel „Frauenfußball in Deutschland“
    http://www.weltfussball.de
    http://www.faz.de, Artikel „Die zwölfte Frau“ von Julia Schaaf, 16.04.2006

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  • Markus Juchem sagt:

    Max, danke für Deinen ausführlichen Kommentar.

    Zwei Dinge:

    Eine Entwicklung bei den Zuschauerzahlen der Frauenfußball-Bundesliga ist schon festzustellen, aber wir bewegen uns immer noch in einer derart kleinen Dimension, dass hier noch kein Programmverantwortlicher eines Fernsehsenders auch nur einen Gedanken an regelmäßige Liveübertragungen verschwendet.

    Was Deine Beispielrechnung angeht, bin ich mehr als skeptisch, vor allem was die Zahlungsbereitschaft angeht. Mehr als zwei, drei Euro pro Monat wird man hier wohl kaum verlangen können, deswegen glaube ich eben nicht, dass sich wirklich Überschüsse generieren lassen.

    Ich weiß nicht, wie die DFL in ihrer Studie damals zu den Ergebnissen gekommen ist. Tatsache ist aber, dass die elf Millionen sich leider zu 99,99 Prozent für den Männerfußball, aber nicht für den Frauenfußball interessieren. Dies belegen leider auch die Nutzungszahlen im Internet und auch die Verkaufszahlen von Frauenfußball-Büchern.

    Ein gesteigertes Interesse der Öffentlichkeit am Frauenfußball kann ich auch seit dem Erfolg bei der WM 2007 nicht erkennen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke für den Hinweis, Rainer. Das müsste der Direktlink sein:

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  • Max Diderot sagt:

    Markus, wenn ich es richtig verstanden habe, liegt der Preis für ein HBL-TV-Saisonticket, HBL betrifft die Handballbundesliga, bei € 54,99. Dieses Angebot beinhaltet beispielsweise die Übertragung via IPTV. Bei diesem Paket soll es sich um ungefähr 150 Spiele handeln! Die Frauenfußball Bundesliga inkludiert 132 Partien, bei einer möglicherweise höheren Akzeptanz dieser Sportart im Vergleich zum Handball.
    Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die in der DFL-Studie genannte Zahl weiblicher Besucher überwiegend wegen Schweini, Poldi und anderen Akteuren des Männerfußballs die Stadien geht. Andererseits soll aber das Wachstum der DFB-Mitgliederzahlen im weiblichen Bereich überproportional groß sein.
    Apropos Gelder. Im KICKER wird heute vermeldet: „Die Liga geht bei der Vergabe ihrer Medienrechte ab 2009 über eine Spanne von sechs Jahren von einem Wachstum von durchschnittlich knapp 30 Prozent aus. Neben den drei Milliarden Euro, die ihr Vermarktungspartner Leo Kirch als Mindesthonorar für den Verkauf der TV-Rechte auf dem deutschen Markt von 2009 bis 2015 garantiert, sehen die Kalkulationen der Liga vor allem bei der Auslandsvermarktung große Sprünge vor.“
    Ich glaube nicht, dass mittelfristig ein monetäres Problem besteht, die Frauenfußball Bundesligen (mit einem Anschub) zu finanzieren, als mehr der Wille noch nicht erkennbar ist ob und in welcher Form diese Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit angegangen und umgesetzt werden soll.

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  • Markus Juchem sagt:

    Dein Optimismus in allen Ehren, aber woraus schließt Du, dass sich mehr Zuschauer für Frauenfußball als für Männer-Handball interessieren?

    Schau Dir mal die Zuschauertabelle der laufenden Handball-Bundesligasaison an, von so einem Zuspruch ist der Frauenfußball noch weit entfernt!
    http://www.handball-statistik.de/index.php?show=zuschauer&action=verein

    Es mag ja sein, dass das Wachstum im weiblichen Bereich, was Mitgliederzahlen im DFB angeht, groß ist, doch es ist leider kein Indikator für Interesse am Frauenfußball.

    Es wäre ja auch bisher schon genügend Geld vorhanden, um für die Frauenfußball-Bundesliga eine Anschubfinanzierung zu leisten. Doch wie sollte die aussehen? Gestandene Spielerinnen aus dem Ausland einkaufen? Gehälter subventionieren, damit aktuelle Spielerinnen keinen Job ausüben müssen?

    Ich gebe Dir Recht, dass es wohl vor allem erst einmal an Konzepten mangelt.

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  • Max Diderot sagt:

    Jau, meine Rede galt weniger der Präsenz und mehr der Affinität möglicher, in Frage kommender Zuschauerpotenziale. Der hohe Standard, den beispielsweise der Männerhandball in Deutschland ob seines Zuschauerzuspruches erreicht hat, ist ja einer strukturellen Entwicklung (ambitioniertere Hallen) und einer medialen Mischstrategie (IPTV, DSF, Eurosport) zu verdanken. Eventuell vorbildhaft für den Frauenfußball?

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  • Tom Schlimme sagt:

    Ich bleibe bei meiner schon öfter geäußerten Einschätzung, dass die Frauenfußball-Bundesliga das Fernsehen braucht, um populärer zu werden. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, die Zuschauer kommen nicht, weil sie von der Bundesliga in dem Medium, das sie nutzen, und das ist das Fernsehen, nichts davon mitkriegen, und das nehmen dann die Sportchefs der Fernsehsender als Begründung, wieso sie nicht über Frauenfußball berichten.

    Ich finde, man sollte nicht gleich von Life-Übertragungen ganzer Bundesligaspiele reden, sondern erstmal das fordern, was realistisch erscheint. Das sind für mich 5- Minuten Zusammenfassungen von Bundesligabegegnungen in den jeweiligen Regionalsendern der ARD. In den Sendungen, in denen stundenlanger Nachklapp über Männerbundesliga stinklangweilig ausgebreitet wird, aus welchen finanztechnischen Gründen, die ich nicht durchschaue, auch immer.

    Ich bezahle – sehr widerwillig – zwangsweise Fernsehgebühren, weil angeblich das öffentlich rechtliche Fernsehen einen Bildungsauftrag hat und im Gegensatz zum kommerziellen Fernsehen eben auch Sendungen bringen soll, die sich nicht allein an den Quoten und möglichen Werbeeinnahmen orientieren. Dafür erwarte ich von diesen Sendeanstalten, dass sie eben nicht so viel über Männerfußball berichten – dafür gibt es genug Raum, sondern über die anderen Sportarten einschließlich Frauenfußball.

    Rein rechtemäßig kommen wir an den öffentlich rechtlichen sowieso nicht vorbei. Diese Internet-TV-Geschichte ist ja auch eine Qualitätsfrage und eine Rechtefrage. Es dürfte gar nicht so einfach sein, die Infrastruktur für die Übertragung von Frauenfußball-Bundesligaspielen über Internet aufzubauen. Wenn es nicht aussehen soll wie ein Amateurvideo bei You-Tube, meine ich. Das heißt mehrere Kameras, teilsweise beweglich, professionelle Aufarbeitung des gedrehten Materials, professionelle Sendequalität, praktisch gleichwertig mit Fernsehen. Das sehe ich einfach nicht, dass das jemand stemmen kann. Finanziell.
    Wenn aber, nur mal angenommen, käme sofort das Rechte-Problem. Die öffentlich-rechtlichen zahlen eine Summe, von der der DFB fast 70.000 Euronen an jeden Verein weitergeben kann, damit sie die Rechte haben. Die alleinigen Rechte. Vielleicht lassen die es zu, wenn irgendein Minisender irgendwo ein paar Minibildchen über den Bildschirm laufen läßt, aber ein richtig großes allgemeines Angebot in konkurrenzfähiger Qualität würde mit Sicherheit die Rechteinhaber auf den Plan rufen, und das wäre das Ende des Vorhabens.

    Die Übertragungsrechte für den Frauenfußball werden vom DFB als Paket mit einer niedrigen Männerliga, weiß jetzt nicht mehr ob dritter oder vierter, gemeinsam an die Sender verkauft. Das müßte dann alles neu verhandelt werden, dabei müßte der DFB mitspielen und es müßte so laufen, dass es nicht zum Schaden der Dritt-viertligisten-Männer wäre. Dann müßte der Internetanbieter Beträge in Größenordnung von 12 mal 70.000 Euro pro Jahr berappen, zusätzlich zu den Kosten für den Aufbau der Infrastruktur zum Filmen und Senden… Ich glaube nicht, dass die so optimistisch kalkulieren wie Max…

    Freie Sendekapazitäten gibt es. Es gibt inzwischen recht viele Regionalsender, in Süd-Hessen z.B. Rhein-Main-TV. Die haben mir schon vor Jahren erzählt, dass sie gerne über Spiele berichten würden, wegen der Rechte aber nicht dürfen.

    Das Problem ist, ARD und ZDF zahlen einen Batzen Geld dafür, dass sie im Bereich Übertragungen vom Frauenfußball keine Konkurrenz durch Lokalsender oder duch das DSF bekommen. Das ist gewollte Politik, die denken sich was dabei. Was genau, kann ich nur spekulieren, wenn ich mir die regionalen Sportsendungen der ARD ansehe, denke ich, dass es mit Verflechtung mit den Männervereinen zu tun hat.

    Mir kommt auch immer wieder der Gedanke, dass so Geschichten, wie sie mit Jürgen Emig, ehemals Sportchef beim HR, aufgeflogen sind, nur die Spitze eines Eisbergs sein könnten. Nur ganz kurz, es hatte mit Bestechung zu tun, Vereine haben Geld bezahlt, dafür haben sie dann Sendeminuten bekommen, das Ganze lief über eine Firma von Emigs Frau. Bestechung ist natürlich nicht der offizielle Ausdruck, aber es wurde ganz offiziell zugegeben, dass es üblich sei, dass Vereine die Berichterstattung in den Regionalsendern der ARD selbst finanzieren.

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  • Detlef sagt:

    @Tom,
    es kam ja zuletzt nicht sehr oft vor, aber hier hast Du meine uneingeschränkte Zustimmung!!!
    Also was kann man tun, um mehr Zuschauer ins Stadion zu locken???
    In Potsdam ist das große Zauberwort immer; „attraktiven und modernen Fußball spielen!!! Also stell Dir vor, Dein Verein spielt attraktiv und modern, aber keiner bekommt es mit, der nicht im Stadion war!!! Und das Fernsehen hat deshalb nicht berichtet, weil es zu wenige waren!!! Eigentlich ist es doch pervers!?!?!?
    Für die Zuschauer im Stadion, brauch ich doch diesen Bericht nicht machen, die waren ja live dabei!!! Und für die, die nicht im Stadion sein konnten (egal warum), oder noch nie da waren, für diese TV-Zuschauer hat man kein Herz!!! Für die wäre es aber sinnvoll gewesen, diesen Bericht überhaupt zu senden!!! Und so werden es beim nächsten Spiel, wieder genau so viel, oder so wenig sein, wie beim letzten mal!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Tom und Detlef
    Vielen Dank für Eure Ausführungen. Zum Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen: Von seinem ursprünglichen Funktionsauftrag Grundversorgung hat sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon lange entfernt. Sein Expansionsstreben ist ungebremst, längst diktieren Quoten und Werbeeinnahmen auch dort weitestgehend das Programmangebot, dass sich dem der privaten Sender immer weiter annähert. Das war sicherlich nie so gedacht, ist aber die heutige Realität, der sich auch der Frauenfußball stellen muss.

    Dass nicht mehr Zuschauer zu den Bundesligaspielen in die Stadien kommen liegt nicht alleine an mangelnden Übertragungen. Es liegt an der in der Breite fehlenden sportlichen Qualität, dem mangelnden Wettbewerb, und auch daran, dass es einfach in der Öffentlichkeit nach wie vor (noch) nicht als besonders schick oder cool gilt, ein Frauenfußball-Bundesligaspiel zu besuchen. Darüber hinaus fehlt es an einer Diskussionskultur rund um den Frauenfußball.

    Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber meines Wissens nach wurden die Rechte der Frauenfußball-Bundesliga bisher im Paket zusammen mit den Rechten an Länderspielen der Männer-Nationalmannschaft und den DFB-Pokalspielen veräußert. Dieser Vertrag wurde in der Vergangenheit auf fünf Jahre abgeschlossen, 2009 beginnt ein neuer Vertragszeitraum.

    Es würde also am DFB liegen, die Rechte hier möglicherweise auszuklammern und in Eigenregie Frauenfußball-Bundesliga zu übertragen bzw. die Verträge dahingehend anzupassen, dass kleinere Sender in Zukunft zu bezahlbaren Preisen Sublizenzen erwerben können bzw. vielleicht das Recht auf kostenlose Kurzberichterstattung erhalten.

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  • Tom Schlimme sagt:

    Ich habe jede Mange attaktive Spiele in der Bundesliga gesehen, auch mit knappem Ausgang, von denen keine Minute im Fernsehen übertragen wurde.

    Das mit dem mangelnden Wettbewerb kann ich auch nicht nachvollziehen. In der so viel gerühmten schwedischen Liga hat der Meister Umea eben gerade genauso mit 9 Punkten Vorsprung abgeschlossen, wie bei uns der Meister Frankfurt in der abgelaufenen Saison. In Schweden wird trotdem mehr im Fernsehen übertragen, und es kommen auch mehr Zuschauer. Egal, was da jetzt Ei ist, oder was Henne, es ist einfach so, Fernsehübertragungen sind die beste Werbung, die es gibt, und andersrum, ohne Fernsehen läuft nicht mehr viel in unserer Gesellschaft.

    Die schwedischen Vereine können es sich auch zunehmend leisten, ausländischen Spielerinnen Profiverträge zu geben. Mehr Fernsehen, mehr Zuschauer, mehr Geld, professionellere Liga, mehr Fernsehen, mehr Zuschauer… so läuft die Spirale!

    Ich sehe es auch nicht ein, wieso man die öffentlich rechtlichen Anstalten so locker aus der Pflicht nehmen sollte. Solange diese Anstalten noch Fernsehgebühren kassieren – im Gegensatz zu den kommerziellen Sendern – kann ich doch wohl auch eine entsprechende Gegenleistung verlangen? Natürlich beobachte ich auch, dass die öffentlich rechtlichen immer mehr von ihrem Funktionsauftrag abweichen, aber hey, ist das in Ordnung? Wäre es in Ordnung von mit, das mit einem Achselzucken hinzunehmen???

    Und ich finde es auch vom DFB nicht in Ordnung, dass er sich das so kritiklos ansieht.

    Obwohl es mich nicht überraschen dürfte. Denn auch wenn ich DFB-Präsident Zwanziger abnehme, dass sein Einsatz für den Frauenfußball von Herzen kommt, besteht der DFB doch in seiner mehrheitlichen Struktur aus den Männervereinen. Und es sind die Männervereine, die die regionalen Sportsendungen der ARD dominieren. Wenn Zwanziger sich da reinhängen würde und mehr Sendezeit für die Frauenbundesliga zulasten der Männervereine fordern würde, würde er sich wahrscheinlich eine Menge Ärger einhandeln…

    Und er würde wahrscheinlich eingespielte Strukturen zwischen Fernsehsendern und Männervereinen gefährden. Wenn es wirklich so sein sollte, wie ich vermute, dass die Männervereine inzwischen die regionalen Sportsendungen der ARD sponsoren und dafür dann Sendezeit bekommen, dann ist es logisch, wieso der HR sonntags im Heimspiel 13 Minuten Interview mit Eintracht Trainer Funkel bringt und Null Minuten 1. FFC Frankfurt, statt 8 Minuten Interview Funkel und 5 Minuten FFC.
    Da Eintracht Frankfurt aber genauso zum DFB gehört wie der 1. FFC Frankfurt, kriegt Zwanziger ein Problem, wenn er sich da reinhängt.

    @ Detlef: als engagierte Fans sind wir in solchen allgemeinen Fragen natürlich einig, und das ist auch sehr gut so 🙂

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  • bend:it sagt:

    Unter http://www.sportdigital.tv kann man sehen wie Frauenfußball via Internet realisiert werden könnte. Die hier angebotenen Sportarten sind in Zuschauerzahlen auch etwa mit dem FF vergleichbar.
    Finanziert wird der Dienst über Abo, so kostet z.B. das Volleyballpaket (Männer und Frauen) für die ganze Saison 50 Euro. Damit kann man sich alle 100 Spiele in fernsehähnlcher Qualität (520 x 340 Pixel) auch noch im Replay anschauen.

    Sicher wären viele FF-Begeisterte bereit für einen ähnlichen Betrag sich die Spiele auf den heimischen PC zu holen, aber eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit für den FF lässt sich damit leider nicht erzielen. Daher wird es (leider) keine Revolution via IP-TV geben.

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  • Max Diderot sagt:

    So gerne ich gegen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten polemisiere, weil ich deren TV-Sportberichterstattung in weiten Teilen als unqualifiziert empfinde, denke ich nicht, diese als mediale Samariter des deutschen Frauenfußballs verantwortlich machen zu dürfen. Von der Quantität sind die Ressorts von ARD und ZDF in vielen Sportarten präsent und bemühe sich, mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung, den jeweiligen Erfolgen auch gerecht zu werden. Ich denke auch nicht, dass die (Aus-) Fälle der Herren Emig (HR) und Mohren (MDR), die sich über Unternehmen ihrer Ehefrauen indirekt für eigentlich selbstverständliche Übertragungen zusätzlich alimentieren ließen, repräsentativ für eine derartige Mentalität der öffentlichen Sendeanstalten sind. Und weshalb sollten sich nicht auch die privaten Rundfunkanbieter engagieren? Meines Erachtens spricht nichts dagegen, außer, dass der planerische Wagemut, eine Programmsache konzipiert vorantreiben zu wollen, hier wie dort nicht sonderlich stark ausgeprägt ist.
    Eigentlich sind wir doch mit unseren Beiträgen ziemlich weit von der titelgebenden Aussage abgedriftet. Auch wenn der BFV-Präsident Dr.Rainer Koch Recht hat, und auf die rasanten IT-Entwicklungen verweist, die in ein paar Jahren aus dem momentan nur begrenzt genutzten IPTV einen massenkompatiblen Übertragungsweg machen könnten, stellt sich mir die Frage, weshalb der DFB nicht auf den fahrenden Zug aufspringt? Möglicherweise deutete Markus Juchem ja den Weg, als er schrieb „Komplizierter dürfte sich die Frage nach der Rechtevergabe gestalten, da die Verschmelzung der Verbreitungswege eine Unterscheidung immer schwieriger macht.“. Denn das Internet-TV kennt nicht mehr jene Grenzen, die die Juristen in ihrer technokratischen Auslegung definierten. Wir können uns ohne Einschränkungen, selbst die Bildqualität hat sich immens verbessert, Dänemark vs Schweden am PC ansehen, genau so wie andere europäische Topligen, Champions League oder diverse sportliche Hochkaräter via Internet verfolgen. Schöne neue Welt!

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  • Detlef sagt:

    Ich glaube auch, dass die Übertragungsrechte das eigentliche Problem sind!!! Es ist wohl der gleiche Teufelskreis, wie mit den Zuschauern im Stadion!!! Die ARD hat die Rechte vom DFB erworben, nutzt diese aber kaum zu Übertragungen!!! Kommt jetzt jemand anderes, und möchte von den FF-Ligaspielen übertragen, oder berichten, dann fällt den Herren der ARD plötzlich ein, dass man damit auch Geld verdienen könnte!!! Hier sollte der DFB also daran interessiert sein, dass der FF in Zukunft extra vermarktet werden kann!!! Dann können Regionalsender, Stadtfernsehen, Uni-TV, oder irgendwelche freien Sender, mehr von der FF-Bundesliga berichten!!! Was aber nun die ÖR-Sender angeht, vielleicht ist es dann wie bei zwei Katzen am Freßnapf!!! Man hat zwar kein Interesse, aber bevor es andere übertragen,macht man es dann lieber selbst!!!

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