WM 2011: Hektik in den Bewerberstädten

Von am 1. November 2007 – 12.49 Uhr 15 Kommentare

Insgesamt 23 deutsche Städte bewarben sich ursprünglich darum, Austragungsort für Spiele der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland zu werden. 12 von ihnen hatten Erfolg und wurden vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) offiziell ins Rennen geschickt. Nachdem Deutschland am vergangenen Dienstag den Zuschlag erhielt, ist bei den 12 Kandidaten hektische Betriebsamkeit ausgebrochen. 

Nicht ohne Grund. Denn nach Aussage des neuen DFB-Generalsekretärs Wolfgang Niersbach geht der Trend beim Fußball-Weltverband (FIFA) zu „16 und nicht 24 Mannschaften“. Nachdem Berlin und Frankfurt als Austragungsorte eine Bank sind, kämen somit voraussichtlich maximal vier der zehn weiteren Städte in den Genuss, Ausrichter von WM-Spielen zu werden. Und so rühren die Kandidaten kräftig die PR-Trommel und bringen sich in Position.

„Diesmal sind wir ja wohl mit Leverkusen als Spielort dabei“, so Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer 04 Leverkusen. Um die Nicht-Berücksichtigung Leverkusens als Spielort der Männer-WM 2006 hatte es mächtig Wirbel gegeben, so dass der DFB diesmal kaum umhin kommen wird, die Stadt zu berücksichtigen.

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Doch auch in anderen Orten geht man fest davon aus, dass man zu den Auserwählten gehören wird. „Die WM ist für unsere Stadt eine unbezahlbare Chance, sich weltweit positiv darzustellen“, so Augsburgs Oberbürgermeister Paul Wengert.

Vorteil Sinsheim?

In Sinsheim hofft man auf Unterstützung von höchster Stelle, da Ralf Zwanziger, der Sohn des DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger, im nahe gelegenen St. Leon Leiter des im Aufbau befindlichen Frauenfußball-Förderzentrums ist. „DFB-Boss Zwanziger war Ende August in St. Leon und ist von der Anlage begeistert“, sagt Anton Nagl, Vorsitzender des Dietmar-Hopp-Zentrums.

„Wir werden jetzt alles tun, damit Wolfsburg den Zuschlag bekommt“, verspricht Karl Rothmund, Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes und frisch gekürter DFB-Vize. Die Stadt freue sich „auf viele internationale Gäste“, ergänzt Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke.

Magdeburg und Dresden hoffen

Auch im Osten des Landes will man nicht leer ausgehen. „Wir sind sehr optimistisch, weil Magdeburg eine sehr gute Bewerbung abgeliefert hat“, erklärt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper. Sachsen Ministerpräsident Georg Milbradt sagt: „Ich hoffe und drücke uns die Daumen, dass unsere Landeshauptstadt sich als Gastgeber der Frauen-WM 2011 präsentieren darf.“

Welch hohe wirtschaftliche Bedeutung der Zuschlag als Spielort haben kann, ermittelte Sport + Markt, eines der führenden Forschungs- und Beratungsunternehmen im internationalen Sportbusiness. So könnte der Einzelhandel mit einem Umsatzplus von 150 bis 200 Millionen Euro rechnen, Gastronomie und Hotellerie mit einem Plus von 30 Millionen Euro.

Alle 12 Bewerberstädte im Überblick

AUGSBURG

Kapazität: 25.579 Plätze

Fertigstellung: 2009

BERLIN

Kapazität: 74.244 Plätze

Erbaut: 1936

Letzte Renovierung: 2004

BIELEFELD

Kapazität: 28.000 Plätze

Erbaut: 1926

Letzte Renovierung: 2007

Renovierung für 2011

BOCHUM

Kapazität: 23.000 Plätze

Erbaut: 1926

Letzte Renovierung: 2006

Renovierung für 2011

DRESDEN

Kapazität: 27.190 Plätze

Fertigstellung: 2009

FRANKFURT/MAIN

Kapazität: 49.240 Plätze

Erbaut: 2005

LEVERKUSEN

Kapazität: 30.200 Plätze

Erbaut: 1999

Renovierung für 2011

MÖNCHENGLADBACH

Kapazität: 46.297 Plätze

Erbaut: 2004

SINSHEIM

Kapazität: 25.641 Plätze

Fertigstellung: voraussichtlich 2009

WOLFSBURG

Kapazität: 25.361 Plätze

Erbaut: 2002

ESSEN

Kapazität: 25.000 Plätze

Letzte Renovierung: 2006

Renovierung für 2011

MAGDEBURG

Kapazität: 27.000 Plätze

Erbaut: 2006

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • Marian sagt:

    ich hoffe der Osten wird bei dieser WM etwas mehr berücksichtigt als es im letzten Jahr der Fall war. Aber scheinbar sind ja nur zwei Städte zur Auswahl, wovon sicherlich nur eine berücksichtigt wird. Damit wird dann die Quote erfüllt und fertig.

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  • Christian sagt:

    Wenn mich meine Geographiekenntnisse nicht im Stich lassen, liegen mit Dresden, Magdeburg und BERLIN 3 Bewerberstädte im Osten. 😉

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  • Rainer sagt:

    „Diesmal sind wir ja wohl mit Leverkusen als Spielort dabei“, sagt mein Freund Rudi, aber ich gehe davon aus, dass dieses Mal
    meine Stadt Mönchengladbach dabei ist – wir haben zwar kein Erstligafrauenteam (bald wieder Erstligamänner zwar) aber mit Navina Omilade und Fatmire Bajramaj immerhin zwei Gladbacher Frauen im Nationalteam.

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  • helena sagt:

    Berlin gilt nicht;)

    Es gibt aber nicht wirklich viele gute Stadien im Osten, das ist das eigentliche Problem, weshalb nicht ganz so viele Städte sich beworben haben (und vergleichsweise wenig Interesse. Es ist ja nicht nur eine Frage der DFB-Oberen).
    Bei uns in Dresden wird das Rudolf-Harbig-Stadion umgebaut und, sollte es nicht ganz so lange dauern wie bei einigen anderen Dingen hier in der Stadt, sollte es wohl auch bis 2011 fertig sein.
    Und nur Quoten zu erfüllen sollte ja auch nicht das Ziel der Vergabe sein. Bei der Männer-WM etwa gab es definitiv kein anderes Stadion als das Leipziger, das den hohen Anforderungen an eine Spielstätte im Osten hätte erfüllen können…

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  • Max Diderot sagt:

    Lauter hoffnungsvolle Optimisten. Das steckt an! Dann gehe ich ‚mal davon aus, dass Augsburg berücksichtigt wird! Die haben zwar kein (Frauen-) Bundesligateam, dafür stammt aber Bernd Schuster aus dieser Stadt und der wiederum hat eine Ehefrau, bei deren Anblick das Testosteron hochschnellt – und möglicherweise ist sie ja auch eine probate Kickerin.
    Aber bevor ich mit diesem Vorschlag in die engere Auswahl für den Macho-Preis komme, möchte ich zwei, mir unklare, Dinge wissen.
    Zum Einen, weshalb wurde Freiburg / Breisgau nicht berücksichtigt? Die besitzen doch ein tolles Stadion, eine solide Damenmannschaft und die Stadt jenes angenehme Flair, um das sich andere Regionen so krampfhaft bemühen.
    Hinsichtlich der erwarteten hohen wirtschaftlichen Effekte, möchte ich auf eine Erhebung des DIW, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, verweisen (http://www.diw.de/deutsch/pressemitteilungen/60445.html), dass diesbezügliche Auswirkungen der Männer WM 2006 als marginal betrachtete. Und Frau Ratzeburg hat doch als finanzielle Zielsetzung die schwarze Null auserkoren oder hat sich daran etwas geändert?

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  • Christian sagt:

    Freiburg: Da wurde wohl in der Bewerbung zu den Sitzplätzen versehentlich eine unklare Angabe in der Bewerbung gemacht (derzeitige Anzahl [nicht ausreichend] statt künftigeAnzahl nach Umbau [ausreichend]).

    Die „schwarze Null“ gilt für den Ausrichter/Veranstalter und ist weitgehend unabhängig von den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen. (Extrembeispiel: Ein Sponsor kauft das gesamte Kartenkontingent auf ohne die Karten an Fans weiter zu geben -> FIFA hat Einnahmen aus Ticketverkauf, es kommen aber keine Fans, die das Hotel-, Gaststätten- und Fanartikelgewerbe ankurbeln).

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  • Max Diderot sagt:

    Danke, Christian. Die Angelegenheit mit Freiburg war mir nicht bekannt. Das dortige Stadion ist doch nun offiziell nach einem der Sponsoren, ich glaube Badenova, benannt und in den vergangenen Jahren baulich und energieeffizient modernisiert worden.
    Hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Situation bin ich etwas anderer Auffassung. Veranstalter einer WM ist immer die FIFA, während der nationale Verband der Ausrichter ist. Der FIFA stehen (ich meine auch bei den Damen-Veranstaltungen) die Fernsehrechte zu. Alle anderen Faktoren sind Verhandlungssache von FIFA und DFB. Dabei garantiert der nationale Verband aber der internationalen Organisation einen Mindestbetrag. Gleichzeitig erhält die FIFA durch die Regierung des Gastgeberlandes bestimmte Garantien. Wichtigste merkantile Garantie für die FIFA dürfte die Steuerfreistellung sein, da sie sich nach den Regularien des schweizerischen Zivilgesetzbuches als Verein sieht und ob dieses Status nur geringfügige Abgaben (in der Schweiz) zu entrichten hat.
    Aber den Hinweis auf Hannelore Ratzeburg schrieb ich primär deshalb, weil doch noch nicht geklärt ist, ob die Teilnehmerzahl 2011 bei 16 oder 24 Teams liegen wird. Von daher schien mir die zitierte Aussage der Dame ein wenig prophetisch.

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  • Detlef sagt:

    Also obwohl ich im Süden des Landes wohne, verstehe ich es bis jetzt nicht, dass der Norden gar nicht zum Zuge gekommen ist!!!
    Und dass Sinsheim in die engere Wahl gekommen ist (obwohl es dort noch gar kein Stadion gibt), und nicht Karlsruhe, Ulm oder Freiburg,begreife ich auch nicht!!!

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  • Crackfly sagt:

    Ich bin für Frankfurt, Berlin, Augsburg, Magdeburg (geiles Stadion), und eins zwei ausm Pott. Dann wärs recht fair verteilt.

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  • spoonman sagt:

    Ich denke mal, man wird auch ein 16er-Turnier ohne Probleme auf 8 Stadien verteilen können. Wird ja bei der Männer-EM auch so gemacht. Jede Vorrundengruppe könnte z.B. in zwei möglichst nahe beieinanderliegenden Städten spielen (Berlin/Magdeburg, Mönchengladbach/Essen, Frankfurt/Sinsheim, Wolfsburg/Bielefeld).

    Warum Freiburg und Duisburg als klassische Frauenfußball-Städte nicht berücksichtigt wurden, erschließt sich mir auch nicht. Und der Norden ist tatsächlich schwach bis gar nicht vertreten. Wolfsburg kann man nur mit viel Wohlwollen noch als norddeutsche Stadt durchgehen lassen. Hamburg und Hannover hatten sich beworben, aber der DFB hatte ja schon durchblicken lassen, dass von den WM-2006-Städten nur Berlin und Frankfurt berücksichtig werden. Bremen hat die Chance verpasst, und in Schleswig-Holstein gibt es wohl schlicht und einfach keine vorzeigbaren Stadien. Das ist nicht zuletzt deshalb schade, weil dort sicher viele skandinavische Fans hätte hinlocken können.

    Alles in allem ist die Standort-Auswahl damit bisher eher suboptimal ausgefallen…

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  • Detlef sagt:

    @spoonman
    Rostock wäre auch möglich gewesen!!! Ein Vorrundenspiel, bzw ein Viertelfinale, könnte ich mir auch im Ostseestadion vorstellen!!!

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  • spoonman sagt:

    Das stimmt. Aber auch Rostock hat sich (leider) nicht beworben…

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  • schmidt sagt:

    Der Norden Deutschlands kommt bei Nichtberücksichtigung bei der Vergabe der Spielplätze bei der WM 2011 absolut zu kurz. Was wirklich dem Gleichgewicht Nord/ Süd und West/Ost nicht guttut.

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  • Max Diderot sagt:

    Wie bitte? Ein Gleichgewicht? Welches Gleichgewicht? Bestenfalls entnehme ich dem Beitrag, dass dem Teilnehmer sehr daran gelegen ist, den diversen deutschen Regionen Gutes tun zu wollen. Aber ein Gleichgewicht gibt es eben niemals! Es wäre eine Utopie, nicht annehmen zu wollen, dass bestimmte Bundesländer auf eine gewisse Art Vorteile gegenüber anderen Distrikten besitzen. Und genau dieser Unterschied kann dann Anreiz dafür sein, seine Möglichkeiten zu verbessern.
    Die politischen und administrativen Bedenkenträger, deren Kommunen schließlich nicht als Spielorte der Frauenfußball-WM 2011 in Frage kommen, könnten sich ja zumindest planerische Gedanken darüber machen, ob es abseits des Spielgeschehens nicht auch in ihren Orten eine Möglichkeit gibt, durch Festivitäten indirekt ihre Verbundenheit mit dem Ereignis zu zeigen. Das wäre dann abseits allen Lamentierens eine Chance, das Bewerbungsmotto „Wiedersehen bei Freunden“ in die Tat umzusetzen.

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  • Augsburg vor! sagt:

    Augsburg ist gesetzt. Das kannst festhalten. Kann ja wohl nicht sein, dass die WM nicht in Bayern stattfindet.
    Kuckt man auf die Karte, wir es im Ruhrgebiet ziemlich viel Ärger geben wenn da gekürzt wird…

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