Sandra Minnert sagt heute Servus

Von am 1. November 2007 – 17.14 Uhr 5 Kommentare

Sandra Minnert bestreitet ihr letztes LänderspielZur allerbesten Sendezeit steht heute Abend das letzte EM-Qualifikationsspiel dieses Jahres im niederländischen Volendam an (ab 19.25 Uhr, live im ZDF). Ein würdiger Termin, um ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr zu beenden und sich mit Sandra Minnert von einer der ganz Großen im deutschen Frauenfußball angemessen zu verabschieden.

Nach vier Siegen in vier Spielen würde selbst eine Niederlage das Unternehmen EM-Qualifikation nicht ernsthaft gefährden. Doch ein Jahr, in dem die deutsche Nationalmannschaft nach dem holprig verlaufenen Frühjahr, als man den Algarve Cup nur als Achter beendete, als erste Mannschaft ihren Titel bei einer Frauenfußball-Weltmeisterschaft verteidigen konnte, soll natürlich ohne Punktverlust beendet werden.

Das ist Anreiz genug, aus den nach den letzten Anstrengungen müden Körpern nochmal alles herauszuholen. Auch wenn Bundestrainerin Silvia Neid und ihre Assistentin Ulrike Ballweg davon berichten, dass der Akku der Spielerinnen leer sei, hat die DFB-Elf diese Herausforderung am Sonntag gegen Belgien hervorragend gemeistert. Gegen den vermeintlich stärksten Gruppengegner aus den Niederlanden, bei dem man heute antritt, gab es im Hinspiel einen klaren 5:1-Sieg.

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Noch einmal zur WM zurückgekämpft

Nicht mit von der Partie war damals Sandra Minnert. Die Abwehrspielerin vom SC 07 Bad Neuenahr musste mehrere Monate wegen eines Knorpelschadens im Knie pausieren und fand dennoch dank ihres großen Kämpferherzes bis zur WM rechtzeitig zurück zu alter Form.

Dort bestritt sie das Auftaktspiel gegen Argentinien, ehe sie eine Oberschenkelverletzung für die beiden letzten Gruppenspiele außer Gefecht setzte. Ihre 12 Jahre jüngere Vertreterin Annike Krahn, der die Zukunft gehört, machte ihre Sache dort so gut, dass Minnert nur noch zu Kurzeinsätzen kam.

Nicht eigene Schwäche, sondern die Stärke und vor allem die Zukunftsperspektive ihrer Konkurrentin waren ausschlaggebend. Denn Minnert präsentierte sich auch im 16. Jahre ihrer Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft als absolut sichere Bank, die mit ihrem guten Stellungsspiel, ihrer Kopfball- und Zweikampfstärke aus diesem Nationalteam kaum wegzudenken ist.

Nationalmannschaft ohne Minnert – kaum vorstellbar für viele

„Wir sind so einen langen Weg miteinander zusammen gegangen, ich kann es mir eigentlich gar nicht ohne sie vorstellen“, sagt stellvertretend Kapitänin Birgit Prinz, die mit Minnert bei beiden Frankfurter Vereinen – FSV und FFC – sowie im Nationalteam seit mehr als 15 Jahren zusammengespielt hat: „Und jetzt hört sie einfach auf. Schade.“

Es werden einige noch ihre Zeit brauchen, um zu realisieren, was diese Entscheidung bedeutet, die Minnert getroffen hat, nachdem sie das Thema „seit Monaten beschäftigt“ hatte, wie sie dem Bonner General-Anzeiger erzählte. Sie selber auch. „In ein letztes Spiel zu gehen, ist schon komisch. Schon gegen Belgien musste ich mich schwer zusammenreißen, als die Hymnen gespielt wurden. Leicht wird es mir sicher nicht fallen“, blickt die 34-Jährige mit mulmigen Gefühlen auf ihren letzten Auftritt im schwarz-weißen Dress.

Vielleicht gelingt der beliebten Abwehrspielerin ja auch wie schon beim letzten Heim-Auftritt am Sonntag gegen Belgien erneut ein Tor. Gar nicht ausgeschlossen, denn Minnert ist eine der wenigen Abwehrspielerinnen, die auch im Offensivspiel ihrer Vielseitigkeit unter Beweis stellen können. Per Kopf bei Standardsituationen oder mit ihren gefährlichen, geschlenzten Freistößen hat sie in 146 Länderspielen immerhin 16 Treffer erzielt. Käme heute Nummer 17 oder mehr dazu, würde es ihr wohl jeder gönnen.

Denn Nationalmannschaft ohne Sandra Minnert ist kaum vorstellbar. Was geht Euch dabei durch den Kopf?

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5 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Minni hat (fast) alles erreicht, was man sich vorstellen kann!!! Auch für die beste Spielerin, kommt irgendwann der Tag, an dem sie sich von der Natio verabschieden muss!!! Vor allem, wenn der eigene Körper nicht mehr mitmacht, wird es Zeit, die Segel zu streichen!!! Es gibt ein Leben nach dem Fußball, und Minnis Nachfolgerinnen, stehen schon in den Startlöchern!!!

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  • Crackfly sagt:

    Vor allem aber wird sie dem Fußi ja erhalten bleiben. Aber noch eine kleine Anekdote: wie in vielen ihrer Spiele in letzter Zeit in der Natio hat sie mal wieder einen auf die Nase, bzw. ins Gesicht bekommen. Ich erinnere mich wenn ich ihren Namen höre eigentlich meist mit einem Schmunzeln an ihre Gesichtsmaske

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  • Nadze Fan sagt:

    SCHADE ABER ES GEHT NICHT ANDERS ………….

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  • michael sagt:

    Nach Steffi nun Sandra, es bleibt zu hoffen, daß der DFB für beide Spielerinnen ein Fußballfest als Abschied organisiert.Ein Spiel gegen eine Weltauswahl wäre der würdige Rahmen. Alles darunter ein Armutszeugnis für den größten Fußballverband. Wann gibt es eigentlich eine Ehrenspielfüherin. In der Praxis ist auch beim DFB die Gleichberechtigung noch weit zurück.
    Sandra sei ein Dank für ihre Leistung. Leider oft nicht so berücksichtigt wie bei einigen anderen Spielerinnen, die wohl eine bessere Lobby in der Öffentlichkeit hatten. Hoffe die Gesundheit kehrt bald wieder und es bleiben keine Dauerschäden.

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  • Crackfly sagt:

    Wieso? Bettina Wiegmann ist doch Ehrenspielführerin. Und wann war Sandra Minnert denn mal Spielführerin bei der Natio? Nicht zu vergessen ist aber auch der Rücktritt von Britta Carlson. Ohne die wir vielleicht auch 2005 nicht Europameister geworden wären.

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