Durch Arbeitssieg weiße Weste gewahrt

Von am 1. November 2007 – 23.29 Uhr 5 Kommentare

Annike KrahnDer deutschen Nationalmannschaft ist am heutigen Abend durch einen 1:0-Sieg gegen die Niederlande ein erfolgreicher Abschluss des WM-Jahres gelungen. Mit fünf Siegen aus fünf Qualifikationsspielen führt der amtierende Welt- und Europameister die Gruppe 4 nun überlegen mit 15 Punkten an.

Der Drei-Punkte-Erfolg musste allerdings hart und teuer erkämpft werden. Die physisch starken Niederländerinnen brachten die deutsche Mannschaft, der der Kräfteverschleiß der letzten Wochen und Monate deutlich anzumerken war, mit gelungenen Kombinationen mehrfach ernsthaft in Bedrängnis.

Kerstin Stegemann schied bereits nach fünf Minuten mit einer Bänderverletzung aus. Sandra Minnert, die heute ihr letztes Länderspiel bestritt, musste fünf Minuten vor Spielende nach einem Schlag auf den Knöchel ausgewechselt werden. Auch für Saskia Bartusiak ging es nach der ersten Halbzeit nicht weiter.

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Auf langsamem Geläuf findet deutsche Mannschaft nicht ins Spiel

Auf dem schwierig zu bespielenden Kunstrasen in Volendam tat sich die deutsche Mannschaft im ersten Spielabschnitt sehr schwer, ein geordnetes Aufbauspiel aufzuziehen. Das langsame Geläuf erforderte eine hohe Laufbereitschaft, um die gegnerische Abwehr auszuspielen, die von der ehemaligen Rheinenserin Liesbeth Migchelsen geschickt dirigiert wurde. Birgit Prinz hatte mit Daphne Koster eine Gegenspielerin bekommen, die so hartnäckig und giftig agierte, dass sie vermutlich auch noch ihren eigenen Schatten angegriffen hätte.

Erste halbe Stunde gehörte den Niederlanden

Aus ihrer gut gestaffelten Deckung heraus zeigten die Niederländerinnen von Beginn an einen enormen Zug zum Tor und ließen mit den ersten guten Torgelenheiten nicht lange auf sich warten. Sylvia Smit in der fünften und Karin Stevens in der 12. Minute kamen gefährlich vor das Tor von Nadine Angerer. Die deutsche Mannschaft hatte demgegenüber nur zwei harmlose Freistöße von Melanie Behringer zu verzeichnen.

Krahn per Kopf zur Führung

Erst gegen Ende der ersten Hälfte versuchten die Deutschen ihre Gegenspielerinnen schon einige Meter weiter vorne zu stoppen und unterbanden früher das durchaus gefällige Kombinationsspiel der Gastgeberinnen. Das erlösende 1:0 fiel dennoch aus einer Standardsituation, als Annike Krahn per Kopf nach Behringer-Freistoß zur etwas glücklichen Führung einnetzte.

Die Chance auf das 2:0 hatte vier Minuten später Sandra Minnert, doch mit ihrem schön um die Mauer herum geschlenzten Freistoß fand sie in der starken Keeperin Loes Geurts ihre Meisterin. Auf der anderen Seite hatte die deutsche Mannschaft Glück, als Schiedsrichterin Anna de Toni den Körpereinsatz von Annike Krahn gegen Smit im Strafraum nicht als Foul wertete.

Auch mit der Führung im Rücken konnte die DFB-Elf der zweiten Halbzeit nicht ihren Stempel aufdrücken. Zwar hatte der Treffer dem Spiel gut getan, weil die Niederländerinnen nun noch offensiver auftraten und sich die Torraumszenen auf beiden Seiten häuften. Doch die meisten dieser Chancen konnten die Oranjes für sich verbuchen.

Gastgeber vergibt hochkarätige Chancen auf Ausgleich

In der 55. Minute zog Karin Legemate dynamisch an Annike Krahn und der für die angeschlagene Saskia Bartusiak ins Spiel gekommenen Navina Omilade vorbei und bediente Smit auf der linken Außenseite, die mit ihrem Schuss jedoch nur das Außennetz traf. Das Spiel war nun in eine Phase gekommen, in der die Niederländerinnen mit der Unterstützung des fast schon enthusiastischen Heimpublikums vehement auf den Ausgleich drängten. Karin Stevens (61.) und die ungemein wendige Manon Melis (64.) verpassten diesen allerdings ebenfalls.

Elfmeter für Deutschland nicht gegeben

Trotz der optischen Überlegenheit war die deutsche Mannschaft in der 58. Minute dem zweiten Treffer jedoch näher als die Heimmannschaft. Als Anouk Hoogendijk Anja Mittag im Strafraum deutlich sichtbar am Trikot zog, blieb die Pfeife von de Toni wie auch bei einigen anderen Attacken gegen deutsche Spielerinnen stumm. Aus eigener Kraft hätte in der 73. Minute Linda Bresonik die letzten Bedenken ausräumen kömmen. Nach einer schönen Flanke von Behringer kam sie freistehend zum Kopfball, dem sich Loes Geurts jedoch in heldenhafter Manier entgegenwarf und zur Ecke klären konnte.

Die deutsche Mannschaft kämpfte nun sichtbar mit der Erschöpfung und verteidigte mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung bis zum Abpfiff die knappe Führung. Zwar deuteten die Niederländerinnen an, wie wichtig eine gute Physis ist, um mit der deutschen Mannschaft mithalten zu können, und behielten ihre große Laufbereitschaft bis zuletzt bei. In den Schlussminuten fehlten ihnen aber die spielerischen Mittel, um doch noch zu dem Punktgewinn zu kommen, der nicht unverdient gewesen wäre.

Qualifikation wird im Mai fortgesetzt

So aber wahrte die DFB-Elf ihre weiße Weste und kann nun in den wohlverdienten (Nationalmannschafts-)Urlaub gehen. Das nächste EM-Qualifkationsspiel findet am 8. Mai 2008 in Belgien statt, ehe sich die Mannschaft am 29. Mai in der EM-Qualifikation gegen Wales in Kassel wieder vor heimischem Publikum präsentiert.

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5 Kommentare »

  • Southafrica2010 sagt:

    Linda hatte den Ball nicht neben das Tor geköpft sondern die Torfrau hatte diesen noch berührt und danach trudelte er am Tor vorbei….

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  • Max Diderot sagt:

    Respekt! Eine tolle holländische Mannschaft und ein recht schmeichelhafter Erfolg der deutschen Damen. Wenn diese Juniorinnentruppe aus dem Nachbarland sich konstant weiterentwickeln kann, wird es interessant werden zu beobachten, wie sie sich in den kommenden Jahren der etablierten Konkurrenz stellt.
    Möglicherweise muss ich jetzt über einen Infekt berichten, von dem ich meine noch nicht befallen zu sein, und den ich, ohne dieser Person zu nahe treten zu wollen, als „Rolf-Töpperwien-Fieber“ bezeichnen will. Dabei scheint es sich um eine journalistische Influenza zu handeln, von der scheinbar die gesamte Sportredaktion des ZDF betroffen ist. Anders kann ich mir diese gestrige Moderation und Kommentation nicht erklären. Über allem strahlt dieses Kuschelbär-Effekt, dessen besonderes Merkmal die eingeschränkte aber wohlig temperierte Eloquenz ist. Speziell das (Kurz-) Interview mit der niederländischen Trainerin Vera Pauw erschien mir sehr arrogant und suggerierte die Fragestellung, wie hoch denn die Niederlage gegen die deutsche Mannschaft ausfallen würde. Es gibt diesen wunderbaren Film „Die große Stille“. Vielleicht tut es der ZDF-Sportredaktion im Verbund mit den Kollegen der ARD einmal gut, sich eines zeitweiligen Schweigegelübdes zu unterziehen. Oder liegt es gar nur an meiner Mimosenhaftigkeit?

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  • @ Southafrica2010

    Danke für den Hinweis. Nach mehrmaligem Zeitlupenstudium muss ich Dir zustimmen. Tolle Aktion von Loes Geurts!

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  • spoonman sagt:

    Die ZDF-Übertragung hatte gestern 4,03 Mio. Zuschauer. Wenn man bedenkt, dass es sich um ein ganz normales (und, Hand aufs Herz: ein eher bedeutungsloses) Quali-Spiel handelte, ist diese Quote fast schon sensationell. Der Marktanteil von 12% dürfte beim ZDF zwar keine Begeisterungsstürme ausgelöst haben, ist aber durchaus solide und öffnet dem Frauenfußball vielleicht weitere Türen.

    Trotzdem bin ich der Meinung, dass solche Übertragungen zur Primetime erst mal die Ausnahme bleiben sollten. In diesem Fall ging es wahrscheinlich nicht anders, weil der holländische Verband auf der späten Anstoßzeit beharrte (lief das Spiel eigentlich im NL-Fernsehen?), aber normalerweise sind die Quali-Spiele im Nachmittags- und Vorabendprogramm ganz gut aufgehoben. Das deutsche Team ist in Europa so überlegen, dass die Partien für die Primetime eigentlich nicht genug Dramatik hergeben.

    Interessant wird die Frage sein, wie ARD und ZDF mit der EM 2009 umgehen. Stehen da schon die Anstoßzeiten fest? Überträgt man nur die deutschen Spiele und überlässt Eurosport den Rest? Oder engagiert man sich im Hinblick auf 2011 ein bisschen mehr?

    Apropos 2011: Da sich die deutsche Mannschaft ja nicht qualifizieren muss, sollte der DFB sich rechtzeitig nach hochkarätigen Testspielgegnern umsehen – auch und gerade außerhalb Europas. Gegen Brasilien oder die USA könnte man dann auch ruhig mal wieder um 20 Uhr spielen… 😉

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  • ari sagt:

    ein sehr schöner beitrag , allerdings hätte annikke krahn etwas mehr lob verdient.Kerstin Stegemann tut mir echt Leid!

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