WM 2011: Sommermärchen light

Von am 31. Oktober 2007 – 10.06 Uhr 3 Kommentare

Es war nicht wirklich eine Überraschung, als FIFA-Präsident Sepp Blatter am Dienstagnachmittag kurz nach 15 Uhr verkündete, dass Deutschland Gastgeber der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 sein wird. Bereits im Vorfeld war Deutschland als klarer Favorit gehandelt worden und es lag vielleicht daran, dass einzig DFB-Präsident und Frauenfußballförderer Dr. Theo Zwanziger seinen Emotionen freien Lauf ließ, während der Rest der Delegation mit kontrollierter Freude reagierte.

Die Welt zu Gast bei Freunden hieß das Motto der Männer-WM 2006 und die stimmungsvolle Atmosphäre des damaligen Turniers war noch in bester Erinnerung, als das FIFA-Exekutivkomitee sich nun dafür aussprach, 2011 zum Wiedersehen mit Freunden erneut nach Deutschland zu kommen. Der Frauenfußball weltweit dürfte stark vom Turnier profitieren, wenn wieder Bilder der Begeisterung rund um den Erdball gehen werden. Denn es herrscht Einigkeit darüber, dass die WM 2011 erneut weite Teile der Bevölkerung in Partystimmung versetzen wird.

Auch Public Viewing dürfte bei den Titelkämpfen eine Selbstverständlichkeit sein, wenn auch in kleinerem Rahmen. Denn die nötigen Zutaten sind erneut vorhanden. Ein sportliches Großereignis verbunden mit einem Erfolg versprechenden deutschen Team, und eine Öffentlichkeit, die wieder danach dürsten wird, die Alltagssorgen für ein paar Wochen beiseite zu schieben, um mit wildfremden Menschen, denen man sonst auf der Straße nur widerwillig Hallo sagen würde, eine gigantische Sommerparty zu feiern.

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Frauenfußball als Wachstumsmotor

Die Entscheidung pro Deutschland setzt aber vor allem auch Hoffnung darauf, dass die WM ein finanzieller Erfolg wird und weltweit auch in Gebieten, in den der Frauenfußball noch eine kaum wahrnehmbare Rolle spielt, für eine Initialzündung sorgen wird. Längst hat die FIFA erkannt, dass man mittel- bis langfristig nur über den Frauenfußball die Erlössituation des Weltverbands nachhaltig in neue Rekordhöhen wird schrauben können, wenn mit wachsendem weltweiten Interesse auch die Nachfrage nach den TV-Rechten und somit auch die Erträge ansteigen werden.

Blatter, der wohl 2011 nicht mehr zur Wiederwahl als FIFA-Präsident kandidieren wird, könnte sich zudem mit einem erfolgreichen Turnier einen nachhaltigen Abgang verschaffen.

Doch mit der Gunst, die Frauenfußball-WM 2011 ausrichten zu dürfen, ist auch eine große Verpflichtung verbunden. Denn der Frauenfußball in Deutschland hat in vier Jahren die vielleicht einmalige Chance, in der öffentlichen Wahrnehmung dauerhaft aus dem Schatten zu treten und sich endgültig als weibliche Mannschaftssportart Nummer eins zu etablieren.

Wachsender öffentlicher Druck

So wird die WM im eigenen Land sportlich eine noch größere Herausforderung sein als in der Vergangenheit. Denn Zielsetzung kann nur sein, zum dritten Mal in Folge das bedeutendste Frauenfußball-Turnier zu gewinnen. Der Druck auf Trainerin Silvia Neid und ihre Spielerinnen wird größer denn je sein, eine Situation, an die man sich erst wird gewöhnen müssen.

Ob die Ausrichtung der WM 2011 mit voraussichtlich nach wie vor 16 Mannschaften sich allerdings auch positiv auf den Ligabetrieb auswirken wird, ist fraglich, solange die sportliche Qualität in der Breite nicht weiter zunehmen wird. Ein kleines Sommermärchen wird Deutschland 2011 dennoch erleben.

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Werdet nüchtern! Man möchte in aktueller protestantischer Ethik daran gemahnen, dass die augenblicklichen Rituale der Freude, über die FIFA-Entscheidung zur Vergabe der Frauen-WM 2011, mit soviel Zinnober beladen werden, dass sie mir zumindest teilweise schon wieder suspekt erscheinen.
    Vorab: Auch ich freue mich sehr über die Entscheidung und den Zuschlag für den DFB. Aber in unseren Köpfen wird doch noch soviel Kreativität vorhanden sein, die Frauen-WM 2011 nicht zwangsläufig zu einer Kopie der Männer-WM 2006 machen zu wollen. In einer Art medialem Lemmingsverhalten scheinen die Pressekörperschaften schon jetzt suggerieren zu wollen, dass Deutschland im Jahre 2011 das wiederholen wird, was ein halbes Jahrzehnt zuvor so eindrucksvoll war. Meiner Meinung nach ist der vordergründige Vergleich mit 2006 absurd und ab sofort nicht mehr notwendig. Andere interessante Aspekte könnten für eine tolle Frauen-WM in Deutschland sprechen: Unterhaltung, Partystimmung, Information und Respekt, ein Konglomerat von Intention und Event.
    Merkt der DFB eigentlich nicht, wie offensichtlich die FIFA ihm schon jetzt für mögliche Eventualitäten die Rolle des schwarzen Peter zuschiebt? Alle Welt scheint erwarten zu wollen, dass eine Frauen-WM 2011 in sportlicher und finanzieller Hinsicht der große Durchbruch werden wird. Hinsichtlich nationaler Belange mag dieser Anspruch ja auch gerechtfertigt sein. Ökonomisch wird der DFB schlimmstenfalls eine Quersubventionierung aus dem Herrenbereich vornehmen müssen. Aber ob der dräuenden sportlichen Stagnation in der Frauenfußball-Bundesliga scheint sich auch knapp vier Wochen nach dem Triumph in Shanghai noch kein konzeptioneller Ansatz gefunden zu haben. Eigentlich schade.
    Nicht zu Unrecht hat die Bundestrainerin in gestrigen Statements darauf hingewiesen, dass der Frauenfußball in Deutschland nach internationalen Erfolgen schnell wieder in Vergessenheit oder bestenfalls in das Blickfeld einiger weniger Interessierter gerät. Nur hat Frau Neid vergessen, die Gründe für dieses zeitliche Abtauchen zu benennen. Meiner Auffassung nach liegen sie im Ligaspielbetrieb begründet. Hier sollten Vereine und DFB in einer konzertierten Aktion Überlegungen anstellen, wie die Damenligen attraktiver werden könnten. Dabei gilt es, angemessene und realistische Entscheidungen zu treffen und nicht planlose und hybride Ziele zu verfolgen. Ich denke, dass ein wesentlicher Bestandteil der erfolgreichen Akzeptanz des Männerfußballs in Deutschland, darauf zurückzuführen ist, dass vor allem die Bundesligen (in Form der DFL) strategisch und solidarisch agieren. Dies müsste doch auch im Damenbereich zu schaffen sein. Spontan fällt mir jetzt nur ein Beispiel aus einer anderen Sportart ein. In Dänermark und Norwegen haben die Damenhandballerinnen eine sehr hohe Akzeptanz. Dort werden nationale und internationale Begegnungen regelmäßig in den Medien übertragen.
    Langer Rede, kurzer Sinn. Es wäre einerseits gut, würde sich der DFB nicht zu einer Art Mutter Courage des Frauenfußballs durch die FIFA degradieren lassen. Diese hat genügend finanzielle Ressourcen, um internationale Projekte im Frauenfußball anzutreiben. Das soll nicht heißen, dass sich der DFB aus seiner quasi globalen Verantwortung stiehlt. Aber er muss die evidenten Probleme im eigenen Frauenligenbereich entschlossener als bisher angehen.

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  • Soccer_vom_Hocker sagt:

    Ich stimme Max Diderot absolut zu: Der DFB hat nun die einmalige Chance und nicht zuletzt die Verpflichtung die Probleme im eigenen Frauenligenbereich anzugehen. Ein Länderspiel der Frauennationalmannschaft hier und da wird das Interesse an der WM 2011 bei der Bevölkerung wohl kaum steigern lassen. Ziel sollte es sein auch die Bundesliga und die internationalen Wettbewerbe im Fernsehen unterzubringen. Machen wir uns aber nichts vor, dazu muss auch das Niveau der Liga erhöht werden.

    Was die Entscheidung zur WM-Vergabe angeht, so habe ich auch kein anderes Votum erwartet. Ein weiteres Turnier in Nordamerika hätte den internationalen Frauenfussball wohl nicht weiterbringen können. Ein Turnier im Herzen Europas beim amtierenden Weltmeister Deutschland dagegen hat die einmalige Chance die Euphorie der letzten WM zumindest für das Gastgeberland mitzunehmen und den Ehrgeiz der umliegenden europäischen Verbände anzustacheln. Die FIFA erhofft sich in Sachen Frauenfußball nicht nur einen Schub für Deutschland sondern auch für (die wichtige Einnahmequelle) Europa.

    Wir sollten uns aber nichts vormachen: Die WM 2011 wird wohl kaum eine zweite WM 2006. So populär wird der Frauenfußball innerhalb von 4 Jahren wohl nicht werden. Dennoch sehe ich zumindest im kleinen Rahmen eine Chance für ein tolles Fußballfest. Im Gegensatz zur Männer-WM 2014 in Brasilien werden die Stadien bei akkuraten Preisen bei allen Spielen gut besetzt sein. Es wird aber auch darauf ankommen, wie lange unsere Nationalmannschaft im Turnier bleibt. Würden sie in der Vorrunde scheitern, wird es wohl Probleme geben die Feststimmung zu halten. Allerdings wäre das wohl auch für die Männer-WM 2006 ein Problem geworden… In Brasilien wäre soetwas ein Mega-Gau, die WM würde dann wahrscheinlich sang- und klanglos und vor allem von den Einheimischen ignoriert zu Ende gehen.

    Wie im obigen Artikel treffend bemerkt, wird der Druck auf das Team von Silvia Neid immens sein. Die meisten Zuschauer werden eine Titelverteidigung erwarten (anders als bspw. bei den Männern 2006), alles andere wäre enttäuschend nach den Titeln 2003 und 2007. Besonders letzterer hat wohl den Nimbus der Unbesiegbarkeit in den Köpfen der (vor allem Gelegenheits-) Zuschauer gesetzt. Der Druck dürfte noch höher werden, wenn die Nationalmannschaft auch bei Olympia und den kommenden Europameisterschaften ganz oben landen sollte.

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  • Detlef sagt:

    Wir haben es doch nun schon mehrfach erlebt, immer wenn die Frauen-Nationalmannschaft einen großen Titel geholt hat, gab es Versprechungen, und vollmundige Lippenbekenntnisse!!! Aber bereits kurze Zeit später, war alles wieder vergessen!!! Keine Übertragungen, oder nur sehr kurze Zusammenfassungen von Ligaspielen, nicht mal eine aktuelle Tabelle im Sportstudio von ARD und ZDF!!! Spielberichte von Ligabegegnungen, finden man nur im Regionalteil von wenigen, kaum überregional erscheinenden Printmedien!!!
    WARUM sollte es jetzt anders werden??? Man hört immer die gleichen faulen Ausreden, wie schon vor 15-20 Jahren!!! Kein Interesse der TV-Zuschauer, zu wenige Stadionbesucher, dafür ist kein Geld da!!!
    Journalisten meinen, die Vereine geben zu wenig Material über die Spielerinnen frei, somit könne bei Lesern und TV-Konsumenten, kein Interesse geweckt werden!!!
    2011, wird sich wohl kaum noch jemand, an die Stimmung von 2006 erinnern können, dafür ist das Tagesgeschäft Fußball, viel zu schnell-lebig!!! Deutschland ist nicht China, hier kann man niemand „zwangsweise“ zum Fähnchen schwenken abkommandieren!!! Und wenn die Anzahl der Teams wirklich auf 24 steigen sollte, wie bekommt man dann ein 20000-Sitzplätze fassendes Stadion voll, wenn ein drittklassiges afrikanisches Team, gegen ein viertklassiges Team aus Ozeanien spielt, mit einem dritt- , oder viertklassigen Schiedsrichtergespann???
    Ich möchte mich ja gerne irren, aber es wird wohl genau so weitergehen, wie nach dem EM-Titel im eigenen Land, und dem ersten Gewinn des Weltmeistertitels!!!

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