Nach der WM ist vor der EM

Von am 27. Oktober 2007 – 23.50 Uhr 1 Kommentar

Martina MüllerWenn morgen um 13 Uhr im Stadion Lohmühle in Lübeck (ab 12.45 Uhr live in der ARD) der Anpfiff zum EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien ertönt, hat die deutsche Nationalmannschaft nach der WM-Euphorie der Alltag endgültig wieder eingeholt. Vor wahrscheinlich ausverkauftem Haus werden 17.000 Zuschauer dabei sein wollen, wenn der frischgebackene Weltmeister seinen vierten Sieg im vierten Spiel anpeilt.

Dafür, dass die morgige und die Partie am Donnerstag um 20 Uhr gegen die Niederlande in Volendam (live im ZDF) mehr als nur Pflichtaufgaben sein dürften, garantiert auch die interessante Personalkonstellation nach dem Ausfall dreier Stammkräfte. Spielerinnen aus der zweiten Reihe und mit Navina Omilade eine der bei der WM Daheimgebliebenen werden diese Begegnungen als Chance begreifen, um Pluspunkte zu sammeln.

WM-Mittelfeld fällt aus

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An dieser Stelle muss in erster Linie das zentrale Mittelfeld genannt werden. Mit Simone Laudehr (Knieverletzung) und Renate Lingor (Muskelfaserriss) fehlen gleich beide Spielerinnen, die in China die Doppel-Sechs gebildet haben. Saskia Bartusiak und Fatmire Bajramaj, die bei der WM nur zu Kurzeinsätzen kamen, können die besten Karten auf einen Platz in der Startelf bescheinigt werden.

Möglich ist aber auch, dass Linda Bresonik von ihrer Position auf der linken Abwehrseite ins Mittelfeld gezogen wird, da nach den glänzenden Leistungen von Annike Krahn in der Innenverteidigung die routinierte Sandra Minnert gegenüber der 12 Jahre jüngeren Duisburgerin etwas ins Hintertreffen geraten ist. Minnert wäre kein Neuling auf dieser Position.

Smisek muss sechs bis acht Wochen pausieren – Sturmpartnerin für Prinz gesucht

Im Angriff fällt die Frankfurterin Sandra Smisek für beide Qualifikationsspiele aus und wird auch ihrem Verein für sechs bis acht Wochen fehlen. Nachdem sie wegen beruflicher Verpflichtungen bereits frühzeitig absagen musste, zog sie sich am Freitagabend beim unglücklichen Auffangen eines herabfallenden Glases eine Beugesehnen-Trennung am linken Daumen zu und wurde bereits heute in der Frankfurter Unfallklinik operiert.

Gesucht wird daher eine neue Sturmpartnerin für Birgit Prinz. Petra Wimbersky, die mit der dreimaligen Weltfußballerin gemeinsam für den FFC Frankfurt stürmt, kann sich dabei ebenso gute Chancen ausrechnen wie die Wolfsburgerin Martina Müller, die in China in ihrer Jokerrolle brillierte, sicherlich aber auch nichts gegen einen Einsatz von Beginn an einzuwenden hätte.

Anja Mittag, die vor der WM scharfe Kritik von Bundestrainerin Silvia Neid einstecken musste und in China keine Einsatzzeit bekam, will sich zurück an die Startelf herankämpfen, nachdem sie für Turbine Potsdam zuletzt wieder erfolgreich war.

Seit April kein Gegentor in Pflichtspiel

Im Tor steht weiterhin die bei der WM unbezwungene Nadine Angerer. Am 12. April gegen die Niederlande kassierte das letzte Gegentor in einem Pflichtspiel. Damit diese Serie auch morgen fortgesetzt werden kann, hat Co-Trainerin Ulrike Ballweg die Belgierinnen gegen die Schweiz unter die Lupe genommen.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse folgt die Bundestrainerin so zusammen: „Dabei konnte sie (Ulrike Ballweg, Anm.) sehen, dass die Belgierinnen sehr zweikampfstark sind, körperbetont spielen, eher defensiv orientiert auftreten und viel mit langen Bällen operieren.“ Kreatives Aufbauspiel und viel Laufbereitschaft werden daher gefragt sein.

Kaum Regenerationszeit

Auch wenn Bundestrainerin Neid, die in dieser Woche beim DFB einen „Rentenvertrag“ bis 2013 unterschrieb, und Abwehrchefin Ariane Hingst nicht erwarten, dass die in dieser Situation erprobte Mannschaft nach der WM in ein Loch fällt, käme ein frühes Tor der deutschen Elf sicherlich gelegen. Denn die körperliche Belastung war enorm. Bereits eine Woche nach dem WM-Finale stand der nächste Bundesliga-Spieltag an. Zeit für Regeneration blieb kaum. Zahlreiche Spielerinnen waren zudem mit dem 1. FFC Frankfurt im UEFA-Cup im Einsatz und absolvierten vier Spiele in sieben Tagen.

Nach der WM-Euphorie könnte daher die Vorfreude auf die Entscheidung über die WM-Vergabe am Dienstag noch einmal neue Kräfte verleihen. Auch wenn es gegen Belgien und die Niederlande gilt, die weiße Weste zu behalten, haben natürlich alle diesen Termin im Hinterkopf: „Natürlich fiebern wir dem Termin entgegen. Ich denke, wir bekommen die WM, weil wir die beste Bewerbung haben“, sagte stellvertretend Bundestrainerin Silvia Neid.

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1 Kommentar »

  • Max Diderot sagt:

    Irgendwo meinte ich einmal gelesen zu haben, dass man am Sonntag nicht mäkeln und fluchen möge. Letzteres gewiss nicht. Aber hinsichtlich zweier Aussagen will ich Widerspruch anmelden. Die Phrase „Spielerinnen aus der zweiten Reihe …“ scheint mir arg gewagt zu sein und möglicherweise den Verbalgestaltern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens entliehen, die sich mit ihren permanenten rhetorischen Plattitüden ins linguistische Abseits bewegen.
    Vor allem scheint mir der Begriff aber deshalb irrelevant, da der Artikel ja sehr richtig erfasst, dass die unzureichende Regeneration einiger Spielerinnen ein Manko darstellt. Aufgrund der Terminhatz und eines immer anspruchsvoller werdenden Spielplans ist es der Notwendigkeit geschuldet, über möglichst viele Akteurinnen auf einem ähnlich hohen Niveau zu verfügen. Im Herrenbereich lässt sich ja schon erkennen, wohin die Anforderungen des fußballerischen Circus maximus führen, wenn Spiel- und Rekonvaleszenzzeiten ihre Proportionen verlieren.
    Widerspruch will ich ebenfalls bei der Formulierung „Rentenvertrag“, für die Vertragsverlängerung von Frau Neid bis 2013, anmelden. Nach meinem Kenntnisstand wird die Dame in sechs Jahren noch nicht einmal so alt sein, wie die erste Fassung des Grundgesetzes der Bundesrepublik im Jahre 1999. Demnach steht ihr ab 2014 noch eine schaffensreiche und aktive Periode bevor. Unabhängig davon, ob sie sich weiter im Sport verdingen oder beispielsweise den Häkelkurs an einer VHS leiten wird. Die in den Medien lancierten Inhalte über den Kontrakt ihres männlichen Pendants, Joachim Löw, lassen doch eher den Schluss zu, dass sich mit dem, was der Bundestrainer zukünftig verdienen wird, ein komoder Vorruhestand genießen ließe. Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich will damit keine Neiddebatte (sic) anheizen, da der Fußballsport aufgrund seiner hohen Akzeptanz einige Gesetzmäßigkeiten der klassischen Ökonomie quasi außer Kraft setzt. Da aber der Entwicklungsprozess des Frauenfußballs noch dem der Männer hinterher hinkt, halte ich diese subtilen DFB-Maßnahmen, die langfristige Bindung guter Personen, augenblicklich für sinnvoll.

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