WM 2011: Der große Showdown naht

Von am 25. Oktober 2007 – 2.05 Uhr 3 Kommentare

Logo WM 2011Deutschland oder Kanada – in wenigen Tagen, am 30. Oktober 2007, fällt in Zürich die Entscheidung, welches der beiden Länder die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 ausrichten darf.

Was zunächst ein Sechskampf zu werden schien, hat sich nach dem Rückzug der Länder Schweiz, Frankreich, Peru und Australien zu einem Zweikampf entwickelt. Womensoccer.de beleuchtet die Chancen der beiden Länder und tippt auf ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen.

Zugegeben: Seit der WM in Schweden 1995 hat keine Frauenfußball-Weltmeisterschaft mehr auf europäischem Boden stattgefunden und die Verantwortlichen innerhalb des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) spekulieren, dass dies ein Pluspunkt der eigenen Bewerbung sein könnte.

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Doch: 2003 sprangen die USA als Notnagel für China ein, das wegen der SARS-Epidemie das Turnier damals nicht ausrichten konnte. Eine Entwicklung, die man Kanada nicht zum Nachteil gereichen kann, wie FIFA-Präsident Sepp Blatter schon vor einigen Jahren betonte. Zudem galt Kanada bereits als Topfavorit auf die Ausrichtung der WM 2007, bevor China diese Titelkämpfe ersatzweise für 2003 übertragen bekam.

Beide Länder geeignete Kandidaten

In Sachen Infrastruktur, Stadien, Sicherheit und allgemeiner Organisation haben beide Länder in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sportliche Großveranstaltungen erfolgreich bewältigen können. Deutschland zuletzt bei der stimmungsvollen Männer-WM 2006 und zuvor bei der Männer-WM 1974, der Männer-EM 1988 sowie drei Frauen-Europameisterschaften (1989, 1995 und 2001), Kanada erst vor wenigen Monaten bei der U20-WM der Männer und bei der U19-WM der Frauen im Jahr 2002.

Das 24-köpfige FIFA-Exekutivkomitee mit Vertretern aus allen Kontinentalverbänden wird seinen Urteilsspruch am kommenden Dienstag verkünden, nachdem einen Tag zuvor erst Kanada und dann Deutschland die Gelegenheit erhalten, ihre Bewerbung vorzutragen. Die DFB-Delegation wird von Präsident Dr. Theo Zwanziger angeführt werden. Die  dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz und die 19-jährige Fatmire Bajramaj sind bei der von der ARD-Moderatorin Monica Lierhaus geleiteten Präsentation ebenfalls mit dabei.

Deutschlands Chancen gestiegen

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Mit einer aufwändigen Veranstaltung in Berlin und einer 39-seitigen Broschüre hatte der DFB bereits zu Beginn der Bewerbungsphase ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Unter dem Motto „Wiedersehen bei Freunden“ versucht man auf die erfolgreiche Männer-WM 2006 und die positive Entwicklung im Frauenfußball aufzubauen. Der Rückzug der anderen europäischen Bewerber hat die Ausgangsposition für Deutschland verbessert, der Perus dürfte vor allem Kanada gelegen kommen. „Wir haben von Anfang an mit Deutschland als schärfstem Widersacher gerechnet“, so John Rocha, Vorsitzender des kanadischen Bewerbungskomitees. „Aber wir werden eine sehr starke Präsentation abliefern“, ist Rocha optimistisch.

Auch die Kanadier waren nicht untätig und überreichten bereits im Juni 2006 kurz vor Beginn der Männer-WM auf dem FIFA-Kongress in München als erster Kandidat ihre Absichtserklärung, die WM 2011 ausrichten zu wollen. FIFA-Präsident Blatter hatte bereits 2003 erklärt, dass er einer kanadischen Bewerbung um die WM 2011 Wohlwollen entgegen bringen würde. Auch Jack Warner, der mächtige CONCACAF-Präsident und FIFA-Vizepräsident, steht einer möglichen WM in Kanada logischerweise aufgeschlossen gegenüber.

Beckenbauer mal wieder auf Reisen

Der DFB weiß um die starke Konkurrenz Kanadas und ließ in den vergangenen Wochen nichts unversucht. So bereiste Franz Beckenbauer Asien und Afrika, um Lobbyarbeit in Sachen DFB-Bewerbung zu machen. Denn vor allem die Stimmen der Exekutivmitglieder dieser beiden Kontinente dürften entscheidend sein, denn die Vertreter aus Süd-, Mittel- und Nordamerika dürften geschlossen hinter Kanada stehen, die europäischen geschlossen hinter Deutschland.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel wird den Mitgliedern des FIFA-Exekutivkomitees am nächsten Montag per Videobotschaft die uneingeschränkte Unterstützung der Bundesregierung für eine Frauen-WM in Deutschland garantieren und somit noch einmal nachdrücklich positive Akzente setzen.

Unruhe im kanadischen Verband

Während in Deutschland DFB-Präsident Zwanziger vor seiner Wiederwahl steht, hat es im kanadischen Verband in den vergangenen Monaten viel Unruhe gegeben. CSA-Präsident Colin Linford trat nach nur 15 Monaten im Amt von seinem Posten zurück, nun soll der neue Boss Dominic Maestracci, der die Geschicke, wie er selbst einräumt, „in einer sehr schlechten Lage“ übernimmt, den Verband in ruhigeres Fahrwasser lenken. Die Reise nach Zürich zur WM-Entscheidung ist eine seiner ersten Amtshandlungen. Das Vorrunden-Aus der kanadischen Frauenfußball-Nationalmannschaft bei der WM in China dürfte indes die Chancen nicht unbedingt verbessert haben.

Wirft man einen Blick auf die Zusammensetzung des FIFA-Exekutivkomitees, kann man von folgender Grundkonstellation ausgehen: Von den 24 Mitgliedern stammen 8 aus europäischen Ländern. Diese Stimmen sollte Deutschland sicher haben. Die Verbände Südamerikas (CONMEBOL) sowie aus Nord- Mittelamerika und Karibik (CONCACAF) stellen 6 Vertreter. Bei Stimmgleichheit entscheidet die Stimme des FIFA-Präsidenten, der in der Vergangenheit in der Tendenz eher gegen Deutschland stimmte und dies wohl auch diesmal tun wird. Deutschland braucht also noch fünf Stimmen, um die Mehrheit der Stimmen auf sich zu vereinen.

Mit Afrikas Hilfe zum Erfolg?

Diese fünf Stimmen gilt es, sich aus folgenden Ländern zu sichern: Kamerun, Korea Republik, Tahiti, Katar, Thailand, Japan, Tunesien, Nigeria, Elfenbeinküste. Der deutsche Fußball genießt in Afrika generell ein hohes Ansehen, zahlreiche persönliche Kontakte wurden in der Vergangenheit geknüpft, einige afrikanische Nationen setzen auf deutsche Nationaltrainer, wie etwa Berti Vogts, der Nigerias Frauenfußball-Nationalmannschaft zur WM-Vorbereitung sogar nach Deutschland brachte.

Und so sollten die Chancen gut stehen, dass die Stimmen der afrikanischen Länder mehrheitlich nach Deutschland gehen. Womit nur noch wenige Stimmen fehlen würden. Eine ganz enge Entscheidung wird es werden, doch am Ende sollte Deutschland knapp die Nase vorn haben.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Rachel sagt:

    I really hope Germany gets it. While it would be more convenient for me to travel to Canada, being from the USA, I would much rather watch the WM 2011 in Germany.

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  • die fünfte offizielle sagt:

    …und EINMAL Frauen-WM mit vernünftigen Anstoßzeiten nach mitteleuropäischer Uhr…das wär‘ schön!

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  • Max Diderot sagt:

    Es könnte sich ja auch folgendes Szenario ergeben … Aus einem inneren Streben heraus, quasi dem guten Gewissen geschuldet, wacht eines Morgens der FIFA-Präsident schweißgebadet auf. In der Nacht wurde er erneut von einem Albtraum heimgesucht. Muss er möglicherweise erneut eine Weltmeisterschaft nach Deutschland vergeben? Nach der Schlappe im Wahlgang um die Männer-WM 2006 konnte er seine mimischen Affekte nur unter der schmerzhaften Zuhilfenahme von Botox-Spritzen regulieren. Würde ihm dies wieder bevorstehen? Beim Frühstück sinnierte er noch. Dann rief ihn sein Freund Blocher, Christoph Blocher eine Art Oberhirte dumpfer Schweizer Politik, an, der ihn auf die Mikrokredite eines Muhammad Yunus aufmerksam machte. Damit und in Verbindung einer Art Staatskonkordat der afrikanischen Staaten, ließen sich diese eventuell davon überzeugen, nicht ihre Stimmen der DFB-Bewerbung zukommen zu lassen. Heureka, dachte sich der oberste FIFA-Repräsentant, das ist die Idee. Erstens wimmel ich mit dieser Strategie die Deutschen ab, zweitens begegne ich mit Kleinstkrediten den Oligarchen und drittens, ja drittens könnte ich für diese meine Umsetzung auch noch für den Friedensnobelpreis nominiert werden. Genüsslich lehnte sich Sepp B. in seinem schweren Büro-Sessel zurück, während Gritli M., seine langjährige Sekretärin, ihm den dritten Milchkaffee an diesem herrlichen Morgen servierte. Und gerade als das schaumige Weiß an seiner Oberlippe Spuren hinterlassen wollte, wachte in einem Schweizer Schlafzimmer ein schweißgebadeter Mann auf, der sich an diesem Tag mit seinem Gremium daran machen musste, eine Entscheidung über die Vergabe der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 zu treffen.
    Es könnte sich ja so oder so ähnlich abspielen aber es muss nicht zwangsläufig so sein.

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