Erster Aktionsabend gegen Homophobie stößt auf geringes Interesse

Von am 19. Oktober 2007 – 16.10 Uhr 10 Kommentare

Tanja Walther mit ihrer Arbeit Ende Juni in Leipzig war es, als beim ersten DFB-Fankongress dem Themenpunkt „Anti-Diskriminierung“ ein eigenes Forum gewidmet wurde und dabei erstmalig auch Probleme wie Sexismus oder Homophobie im Fußball auf offizieller Ebene angesprochen werden konnten. Auch wenn es noch nicht jedem DFB-Vertreter leicht fiel, derartige Tabus über die Lippen zu bringen, so war doch ein erster, wichtiger Schritt gemacht. Das (Ver-)Schweigen war gebrochen.

Schon damals wurde vereinbart, den Lippenbekenntnissen möglichst bald Taten folgen zu lassen, was nun am letzten Freitag beim 1. Aktionsabend gegen Homophobie in Berlin gelang. Vertreter von Verbänden, Vereinen und verschiedenen Organisationen sowie Faninitiativen waren anwesend, um Erfahrungen auszutauschen und eine Erklärung gegen Diskriminierung zu unterzeichnen. Von den zwölf Frauenfußball-Bundesligisten hielt es jedoch nur ein Verein für nötig, sich den darin vereinbarten Zielen zu verschreiben.

32 Unterschriften unter Erklärung „Gegen Diskriminierung im Fußball“

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DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn versicherte auf einer Podiumsdiskussion, dass der DFB das Problem Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit sehr ernst nehme und gerade dabei sei, Konzepte dagegen zu entwickeln. 32 Verbände, Vereine und Organisationen unterzeichneten (Liste der Unterzeichner) im Anschluss an den Diskussionsabend die Erklärung „Gegen Diskriminierung im Fußball“, die Womensoccer.de vorliegt.

Sie beinhaltet die Anerkennung der Tatsache, dass es neben Rassismus auch andere Formen der Diskriminierung – wie etwa gegen Menschen mit Behinderung, Islamophobie, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus – im Fußball gibt und Antirassismus-Paragrafen in den Stadionordnungen in Antidiskriminierungs-Paragrafen umzuwandeln sind. In den Stadion- und Vereinsordnungen müsse festgehalten werden, „dass keine/r aufgrund ihrer/seiner sexuellen Orientierung oder Hautfarbe bzw. ihres/seines Geschlechts oder Glaubens diskriminiert werden darf.“

Paragrafen reichen nicht, auch Aufklärungsarbeit notwendig

Es genüge aber nicht, diese Paragrafen lediglich einzuführen, sie müssten darüber hinaus auch durch kontinuierliche Aufklärungsarbeit flankiert werden, in der die Vielfalt im Fußball als Selbstverständlichkeit in den Vordergrund gerückt werden solle. Auch über „Frauenfußball, die Beteiligung von Schwulen und Lesben, Frauen, ethnischen Minderheiten usw.“ solle regelmäßig berichtet werden. Schließlich verpflichten sich die Unterzeichner, Diskriminierungen zu dokumentieren und zu melden. Die Ernennung eines Diskriminierungsbeauftragten wird empfohlen.

Nun liegt es an der Erwartungshaltung, ob es als Erfolg zu verbuchen ist, wenn bundesweit 32 Verbände, Vereine und Organisationen sowie Faninitiativen diese Erklärung per Unterschrift bejahen, die für einen einigermaßen modern denkenden Menschen nur Selbstverständlichkeiten enthält. Wem bewusst ist, dass über Themen wie Homophobie noch vor wenigen Jahren der Mantel des Schweigens gehüllt wurde und auch auf diesem Spielfeld erst mit DFB-Präsident Theo Zwanziger frischer Wind wehte, der weiß diese Erklärung realistisch als Erfolg zu verbuchen.

Nur Turbine Potsdam unterzeichnet

Auch Tanja Walther (siehe großes Womensoccer-Interview), ehemalige Bundesligaspielerin von Turbine Potsdam und als Vertreterin der „European Gay and Lesbian Sports Federation“ federführend an der Organisation der Veranstaltung beteiligt, äußert gegenüber Womensoccer.de nur verhaltene Kritik. „Es hätten mehr sein können“, sagt sie mit Blick auf die schwache Resonanz der Frauenfußball-Bundesligisten. Die parallel in Frankfurt veranstaltete Bundesliga-Tagung habe die persönliche Anwesenheit verhindert, doch alle Vereine seien angeschrieben worden.

Der SC Freiburg teilte immerhin mit, noch darüber nachzudenken. Bei den anderen Bundesligisten herrschte Funkstille. Die einzige Unterschrift unter die Erklärung setzte mit Bernd Kühn der Geschäftsführer von Turbine Potsdam. Vorab, so wie es den anderen Vereinen auch möglich gewesen wäre. „Ein Schweigen lässt sich ja immer in alle Richtungen interpretieren“, meint Walther diplomatisch. Die Tür will den diesmal Abwesenden keiner zuschlagen. Schließlich sollen auf den ersten Schritt noch weitere folgen.

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10 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Das kann ich nicht ganz nachvollziehen!!!
    So eine Unterschrift, dürfte doch im FF niemandem wehtun!!! Die Ziele dieser Kampagne, sind in den FF-Vereinen doch längst gelebte Normalität!!! Was im Männerbereich zur Zeit noch undenkbar ist, dürfte bei den Frauen-Klubs keine Probleme bereiten!!!

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  • Flo sagt:

    Super Beitrag

    endlich wird mal einem Thema über das alle reden und das doch tabu ist, eine Plattform geboten. Schade nur, dass die Resonanz so gering war. Wir wissen aber, dass die Ersten immer wenige sind und der erste Schritt immer der schwerste ist.

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  • Max Diderot sagt:

    Möglicherweise ist es ja demnächst notwendig, dass mir nur noch Zutritt zu einer Veranstaltung gestattet wird, wenn ich ein normiertes Brett vor meiner Stirn trage, auf dem die Prinzipien des Humanismus verewigt sind. Und nach dem ich aller Welt dieses Manifest kundtat, darf ich eventuell sogar meine niederen Instinkte bedienen und, sollte mich irgendwer ob meiner Haltung anpöbeln wollen, diesem die Fresse polieren. Im Anschluss kann ich auf meine gute Gesinnung verweisen und den Umstand hervorheben, das auch die Grobmotorik ein Teil meiner Philantropie sei.
    Ich frage mich, was wird sich in den Köpfen all jener, die Vorurteile hegen, ändern, wenn sich die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga in ihren Vereinssatzungen gegen sexuelle Diskriminierungen verwahren? Das Grundgesetz der Bundesrepublik besagt unter Artikel 2.1 „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“. Und obwohl diese Aussage vielen bekannt sein dürfte und die Jurisdiktion im Lauf vergangener Jahrzehnte liberale Urteile ob sexueller Orientierung gesprochen hat, bleibt doch unbestritten, dass ein Abweichen von der Mehrheitsnorm immer auch eine Sanktion mit sich bringt. Dieses Lifting des Alltäglichen mag ambitioniert sein, bleibt aber eher eine nette Geste. Wichtig ist mir, schon in den Kindergärten und Schulen für eine Entwicklung einzutreten, die die Unterschiedlichkeit von uns Menschen nicht in Abrede stellt und den gegenseitigen Respekt fördert.

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  • K.C. sagt:

    Ich sehe es ähnlich wie Max. Offenheit und Tolleranz sollte für jeden eine Selbstverständlichkeit sein und es nützt herzlich wenig, wenn sich ein paar Vereinsvertreter auf einem Papier verewigen. Es ist ja nach meinen langjährigen Erfahrungen so, das es leider keine Offnheit gibt und zwar, und jetzt bitte Achtung in JEDE Richtung. Denn wie ist es denn im Fußball? Im Männerbereich gibt eine Homophobie und im Frauenfußball ist es so, das Heterosexuell orientierte Frauen diskriminiert werden. Ich erahne jetzt schon den Aufschrei, aber jeder der wie ich seit Jahren intensivst mit Frauenfußball zu tun hat, weiß das es so ist. Deshalb sehe ich auch die Initiative und vor allem din zeitungsbericht von Frau Walther zumindest Kritisch, weil einseitig und nicht offen und ehrlich. Ich bin sehr auf nachfolgende Kommentare gespannt.

    Viele Grüße und ein erfolgreiches Fußballwochenende!

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  • Flo sagt:

    Wird keinen Aufschrei geben K.C., weil du leider auch damit recht hast, aber nervt es dich nicht auch wenn du sagst, du hast mit Frauenfußball zu tun und das erste was du gefragt wirst ist, wie es mit der sexuellen Neigung der Frauen steht. Die Diskriminierung heterosexueller Frauen ist meiner Meinung nach ein Liga-oder Mannschaftsproblem und keines der Gesellschaft

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  • Detlef sagt:

    Ein sehr interessanter Aspekt, den K.C. hier anspricht!!!
    Natürlich sind Lesben und Schwule nicht automatisch bessere Menschen, weil sie schon hunderte Jahre von der (hauptsächlich christlichen) Gesellschaft, unterdrückt und verfolgt wurden!!!
    Auch sie erliegen oft der nur allzu menschlichen Schwäche, Minderheiten zu diskriminieren, bzw sie auszugrenzen!!! Dabei sollte doch gerade der Fußball, als Mannschaftssport, diese Grenzen überwinden,und unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Ansichten und Neigungen, zu einer Mannschaft zusammenbringen!!! Alle haben ein Ziel, und müssen dazu an einem GEMEINSAMEN Strang ziehen!!!
    Aber es ist wohl ein Problem unserer EGO-Gesellschaft, dass viele Menschen (egal ob Männlein oder Weiblein, Homo oder Hetero), nicht mehr Kollektiv-fähig sind, und oft nur eigene Ziele und Projekte verfolgen!!!

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  • K.C. sagt:

    Ich danke erstmal dafür, das hier so offen diskutiert werden kann!!!
    Es ist natürlich wirklich so Flo, das man von Leuten die noch nicht intensiv mit Frauenfußball zu tun haben, sexuell motivierte Fragen zu hören bekommt. Mein persönlicher Anspruch ist es, das es völlig egal sein muß welcher Orientierung man angehört. Deshalb gibt es bei uns auch einen einzuhaltenden Verhaltenskodex der besagt, dass man im Fußballumfeld (Stadionnähe, mit offizieller Vereinskleidung und offiziellen Anlässen) nicht mit seinem Partner herummacht. Aber eben auch hier sind konsequent Hetero und Homosexuelle Paare gemeint. Den das Problem sind nicht ein paar ältere Herrn oder irgendwelche Machos, sonder mögliche Sponsoren und noch viel wichtiger, die Eltern von jungen Mädchen. Diese beobachten nämlich sehr genau, ob ältere, erfahrene Spielerinnen sich „Frischfleisch“ in den Mädchenmannschaften angeln. Spätestens an dieser Stelle sollte eine ganz klare Grenze gezogen werden.

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  • UP Autkowsky sagt:

    Interessanter Aspekt den K.C. hier in die Diskussion eingebracht hat. Mir stellen sich damit die folgenden Fragen:

    1) Ist der Fakt, dass man beim Thema Frauenfussball als erstes immer an Lesben denkt (und fragt) vielleicht auch der ewigen Geheimnistuerei zuzuschreiben. Wenn die Aussenwahrnehmung aus der Annahme Fussballerinnen=Lesben besteht, dann waere mehr Offenheit aller Orientierungen doch sicherlich hilfreich — fuers Image der Vereine bei Eltern, die paar Heteras die Fussball spielen und sich immer rechtfertigen muessen und die Lesben, die alle im Schrank leben und einen Teil ihres Lebens vor der sich immer mehr interessierenden Oeffentlichkeit verstecken muessen

    2) Man stelle sich vor, Michael Ballack wuerde es per Vereinsverhaltenskodex untersagt sich vor dem Spiel mit einem Kuss von seiner Frau/Freundin zu verabschieden…?

    3) Sind wirklich alle Sponsoren um das Lesben-Image es Frauenfussballs besorgt? Wie alle anderen aufmerksamen Beobachter des Frauenfussballs wissen wohl auch Sponsoren um die Lesbenquote und haben sich dennoch zur Unterstuetzung von Vereinen entschieden. Nicht nur deswegen ist meines Erachtens ein angstbasierter Verhaltenskodex ueberfluessig. Kommerzielle Unternehmen wie z.B. Subaru schlagen schon heute Profit aus ihrem offenen Image — man steht dazu auch Lesben und Schwule anzusprechen

    Auch von mir noch mal vielen Dank fuer das Ermoeglichen der offenen Diskussion

    UP

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  • K.C. sagt:

    @UP, es ist aus meiner sicht wirklich gut, das hier jeder seine gedanken präsentieren kann, ich denke jeder beitrag hat hier auch absolut positive tendenzen.

    um das mit dem verhaltenskodex vieleicht noch ein wenig gerade zu rücken, es geht nicht darum, dass sich menschen ob ihrer sexuellen neigungen verstecken sollen. meine grundtendenz besteht ja eher darin, das es überhaupt keine rolle spielen darf. daraus ergibt sich aber eben auch, das sport sport ist, besonders wenn je höher die spielklasse und das es deshalb im sportlichen umfeld einfach nichts zu suchen hat. das gilt bei uns bei den frauen, weder wenn spielerinnen untereinander beziehungen haben, noch wenn sie am spielfeldrand eine freundin oder einen mann haben, aber auch in der männer/nachwuchsabteilung, da wir ein großer verein sind. also auch unseren männern und spielern der älteren jungsmannschaften haben sich am spielfeldrand nicht abzuschlabbern (um es mal volkstümlich auszudrücken). und übrigens sieht man genau sowas von profis wie ballack nicht. die wissen das nämlich auch. um mal auf andere branchen abzuschweifen: warum haben mitglieder von boybands und die castinggruppen niemals feste lebenspartner….?

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  • Detlef sagt:

    @UP Autkowsky,
    Da Sponsoren im FF sehr rar gesäht sind, ist man ständig auf der Suche nach neuen, noch potenteren!!! Ich glaube nicht, dass die Zurückhaltung und Vertuschung, den vorhandenen Sponsoren gilt, sondern den imaginären, möglicherweise interessierten Honoratioren!!!
    Diesen gilt wohl vorerst zu verheimlichen, was sie früher oder später sowieso mitbekommen werden!!! Da das große Misstrauen und die geringe Toleranz, gegenüber dem „alternativen Lebenswandel“ in der Gesellschaft, nach wie vor fest verwurzelt sind, haben viele Vereine wohl zu solch drastischen Mitteln gegriffen!!!
    Das Problem dürfte wohl bei den Vereinen am größten sein, die auch noch eine Männerabteilung haben!!! Hier droht das Image des „starken Geschlechts“ ebenfalls Schaden zu nehmen, wenn im selben Klub auch noch „Lesben“ Fußball spielen!!!
    Es ist ähnlich wie mit Behinderten, man weis dass es sie gibt, und man hat ja eigentlich auch nix gegen sie, aber deswegen müssen sie sich ja nicht unbedingt in der näheren Umgebung aufhalten!!!

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