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Militär-WM statt Bundesliga – falsches Signal zur falschen Zeit

Von am 12. Oktober 2007 – 12.37 Uhr 35 Kommentare

Viel war in den vergangenen Tagen seit dem Titelgewinn der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft in China davon die Rede, die Frauenfußball-Bundesliga müsse in Zukunft professioneller werden. „Die Bundesliga muss auch endlich was tun“, sagte etwa Turbine Potsdams Torhüterin Nadine Angerer kürzlich im Interview. „Die Zeit für den Frauenfußball ist so günstig wie nie“, erklärt ihr Trainer Bernd Schröder.

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Und doch muss man sich dieser Tage verwundert die Augen reiben. Gleich mehrere Bundesligavereine leisten sich den Luxus, Schlüsselspielerinnen für die Militärweltmeisterschaft in Indien abzustellen. Gründe mögen die betreffenden Vereine anführen können, doch die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt ist dennoch mehr als fragwürdig, setzt sie doch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ein Signal in die falsche Richtung. Denn genau jetzt geht es darum, für Nachhaltigkeit zu sorgen und die Gunst die Stunde zu nutzen, auf den Fußballplätzen die besten deutschen Spielerinnen aufzubieten.

So hat etwa Aufsteiger Wattenscheid 09 seine beste Spielerin, Kerstin Stegemann, freigestellt, um die deutsche Bundeswehrmannschaft bei der 4. CISM Militärweltmeisterschaft in Hyderabad vom 14. bis 20. Oktober zu betreuen. Die Bundesligapartie beim FCR 2001 Duisburg scheint man schon im vorab als Niederlage verbucht zu haben, denn nur so ist der Schritt zu erklären.

Freiwilliger Verzicht auf Schlüsselspielerinnen

Bayern München hat sich nach der überraschenden Nicht-Nominierung von Bianca Rech für die Weltmeisterschaft möglicherweise moralisch verpflichtet gefühlt, seine wichtige Abwehrspielerin von ihren Bundesligaverpflichtungen für die Titelkämpfe in Indien zu entbinden. Und auch der SC 07 Bad Neuenahr verzichtet ohne Not auf seine wichtige Defensivkraft Eva Augustin, die beim Bundesligaspiel in Potsdam genauso fehlen wird, wie beim DFB-Pokalspiel bei Wacker München in der kommenden Woche.

Wieder einmal macht Meister 1. FFC Frankfurt vor, was es heißt, professionell im Sinne des Vereins zu handeln. So wurde etwa Silke Rottenberg, die neben Stegemann als Trainerin in Indien hätte weilen sollen, und auch Stürmerin Conny Pohlers die Reise nach Hyderabad untersagt, da der Verein zu UEFA-Pokal-Spielen in Belgien weilt. Rein spekulativ bleibt, ob die Frankfurter Führung an einem reinen Bundesligaspieltag die Spielerinnen freigegeben hätte. Möglicherweise, aber nicht zwingend, erinnert man sich daran, dass Birgit Prinz im April sogar die Teilnahme am Spiel einer FIFA-Weltauswahl verboten wurde, weil der Verein ein Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg zu bestreiten hatte.

Im Erstligafußball der Männer undenkbar

Ein Blick über den Tellerrand zum Männerfußball sei in diesem Fall erlaubt. Wie würde wohl Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß reagieren, wenn vor einem Bundesligaspieltag Miroslav Klose um die Freigabe für die Militärweltmeisterschaft bitten würde? Gerne etwa hätte Mario Himsl, seit 2005 Trainer der Bundeswehr-Nationalmannschaft bei den Männern, Bayern Münchens Spieler Christian Lell zur Militär-WM mitgenommen, auf den er jedoch „schweren Herzens verzichtet.“ Naiv meint Himsl: „Wir versuchen bei den Bundesligisten publik zu machen, dass es diese Möglichkeit gibt.“

Solange Frauenfußball-Bundesligisten ihre Spielerinnen lieber bei der Militärweltmeisterschaft spielen lassen, wo in der indischen Hitze bis zu vier Partien innerhalb von sechs Tagen ausgetragen werden müssen und Schlüsselspielerinnen möglicherweise mit einer Verletzung zurückkehren, darf man sich nicht wundern, wenn die Frauenfußball-Bundesliga von der Öffentlichkeit nicht mit der erwünschten Ernsthaftigkeit betrachtet wird.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

35 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Selbst die FIFA propagiert ja, dass die Zukunft des Fußballs weiblich sei. Aber möglicherweise ist es ja so, dass die einberufenen Spielerinnen und Spieler ihre Akkreditierung primär als eine Möglichkeit ansehen, sich bei einem internationalen Wettbewerb zu präsentieren. Bei dem Vergleich, Herren- zu Damenliga, habe ich so meine Probleme. Nach meinem Kenntnisstand beinhaltet der Männerkader überwiegend Akteure auch dem Oberligabereich oder darunter liegenden Spielklassen. Selbst dort soll ja, so die zirkulierten Beträge richtig sind, stellenweise mehr an Aufwendungen gezahlt werden als in den höchsten Klassen des femininen Fußballs. Einige der kickenden Dame haben ja auch daraus die entsprechenden Schlüsse gezogen und sind einer Sportförderkompanie der Bundeswehr beigetreten. Vielleicht ergeben sich daraus ja auch rechtliche Verpflichtungen, die sowohl die Spielerinnen als auch deren Vereine nicht ignorieren können.
    Apropos, ich las, dass auch die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus an der aktuellen WM in Indien teilnehmen wird.

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  • Idgie-Jonsi-Fan sagt:

    Finde ich total korrekt wie die Frankfurter handeln. Schließlich will man sich nach Rekordmeisterschaften endlich auch international beweisen. Und eine „Militär“-Weltmeisterschaft ist nun wirklich nichts wovon die Öffentlichkeit viel (wenn überhaupt) puplic macht.

    Ich sehe das genauso, dass die anderen Bundesligisten endlich ähnlich professionell strukturiert und handeln werden müssen wie der 1. FFC Frankfurt. Erst dann bekommen den Frauen endlich ihren schon lange verdienten Lohn für ihre erbrachten Leistungen und Schweiß.

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  • nina sagt:

    miroslav klose ist kein militärsportler, sondern profifussballer, insofern hinkt der vergleich.
    die bundeswehr ermoeglicht es sportlerInnen, unter guten bedingungen zu trainieren und ihren lebensunterhalt zu bestreiten. das muss man nicht gut finden, ist aber fuer viele sportlerInnen wichtig, weil sie sich sonst nicht auf dem niveau sportlich betaetigen koennten.
    das man dafuer eine gegenleistung, wie abstellung fuer diese veranstaltung, bieten muss, wundert mich nicht.
    bis zum profisport ist eben noch ein weiter weg.

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  • Christian sagt:

    Das sehe ich ganz anders als Markus! Die Spielerinnen und damit die Vereine können froh sein, daß es die Einrichtung von Sportförderkompanien gibt. Alle paar Jahre (die letzte Frauen-Militär-WM war wohl 2004) mal ein paar Spierinnen – auch namhafte – zur WM abzustellen, muß m.E. für die Bundesliga drin sein. Denn unprofessionell wäre es meiner Meinung nach den Förderer Bundeswehr zu verprellen.

    Bei der CISM steht Conny Pohlers übrigens auf der Teilnehmerliste. Diese Liste mag überholt sein, Connys Mitwirken schien aber zumindest geplant gewesen zu sein. Das Mitwirken am UEFA Cup stellt für mich eine vertretbare Ausnahme dar. Ob Frankfurt auch für einen normalen Bundesligaspieltag keine Freigaben erteilen würde, ist Spekulation. Und selbst wenn sich der 1. FFC so verhalten würde, dann wäre das aus meiner Sicht nicht als professionell sondern als unsolidarisch zu bewerten.

    Nein, ein Vergleich mit den Männern sei gerade an diesem Beispiel NICHT erlaubt. Die Frauen sind als Sportsoldatinnen bei der Bundeswehr angestellt und mit Blick auf den Verein bestenfalls als „Feierabend-Profis“ zu bezeichnen. Zudem ist der Profi-Männerfußball nicht auf die Sportförderung der Bundeswehr angewiesen.

    Kurzum: Für einen langfristigen Vorteil muß man auch mal einen kurzfristigen Nachteil in Kauf nehmen. Ein Nehmen und Geben, von dem der Frauenfußball letztlich per Saldo stark profitiert.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Christian
    Findest Du nicht, dass der Zeitpunkt unglücklich gewählt ist?

    Ein Verein hat in erster Linie seine eigenen Interessen zu verfolgen, ich finde es also in keinster Weise unsolidarisch, wenn ein Verein wie Frankfurt eine Spielerin nicht freistellt, so er nicht dazu verpflichtet ist. Eine derartige Verpflichtung zu einer Abstellung für eine Militär-WM gibt es aber meines Wissens nach nicht. Davon abgesehen, empfinde ich es persönlich sogar als Wettbewerbsverzerrung für die Bundesliga, aber das ist ein anderer Punkt.

    Ich gebe Dir ja Recht, wenn Du die Fußballerinnen als „Feierabend-Profis“ bezeichnest. Doch wenn man derartige Signale nach außen sendet, darf man eben auch nicht permanent eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung einfordern bzw. sich wundern, wenn sie ausbleibt.

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  • Bernhard sagt:

    >

    Dafür ist Stephan Fürstner in Indien. Den würde das FCB-Regionalliga-Team dringend benötigen.

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  • Detlef sagt:

    Ich gebe Christian absolut recht!!!
    Wer bei der Bundeswehr angestellt ist, verdient ja auch seine Brötchen hier!!! Die Bundesliga ist ja „NUR“ Amateursport!!!
    Wenn ihr Brötchengeber also eine Weltmeisterschaft bestreiten soll, darf der doch auch erwarten, dass seine „Befehlsempfänger“ sich bei ihm revanchieren!!! Ohne die Bundeswehr, gebe es für den FF, noch weniger Möglichkeiten, in Deutschland professionell zu trainieren!!! Sie schafft vielerorts erst die Rahmenbedingungen dafür, diesen Sport intensiv zu betreiben!!! Das Militär ist quasi ein großer Sponsor des FF!!! Und ist es nicht viel besser, dafür Steuermittel auszugeben, als irgendwo in der Welt Krieg zu spielen???
    Solange die FF-Vereine nicht finanziell dazu in der Lage sind, ihre Spielerinnen VOLLZEIT zu beschäftigen und ordentlich zu bezahlen, solange haben sie meiner Meinung nach auch nicht das Recht, solche Einsätze zu verbieten!!! Der Zeitpunkt ist sicher etwas unpassend, aber für den Termin der Militär-WM, kann die Bundeswehr ja nichts!!!

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  • Christian sagt:

    Den Zeitpunkt bestimmen die Veranstalter der CISM und nicht der DFB oder die Bundeswehr. Wirklich ungünstig wäre er, wenn es zum Bundesligaendspurt ginge.

    Eine arbeitsvertragliche Verpflichtung zur WM-Teilnahme gibt es wohl nicht. Es ist wohl eher eine „moralische“ Verpflichtung, Treu und Glauben o.ä.

    Wettbewerbsverzerrung? Nunja, wenn ich eine ausländische Nationalspielerin in meinen Reihen habe, bin ich auch verpflichtet sie an von der FIFA festgelegten Länderspieltagen frei zu stellen. Wer keine Spielerinnen abstellen will, der braucht ja keine ausl. Natiospielerinnen oder Sportsoldatinnen verpflichten…

    Wenn die Vereine gemeinsam etwas für den FF und die Marke Bundesliga tun wollen, dann müssen sie an einem Strang ziehen. Ein Verein, der aus egoistischen Gründen ausschert, verhält sich in meinen Augen unsolidarisch.

    Außerdem: Leidet die von dir angesprochene öffentliche Wahrnehmung der Bundesliga wirklich aufgrund der Abstellungen? Mit guter Pressearbeit kann ein Verein die Abstellung von Spielerinnen für eine WM positiv herausheben. Im Idealfall, einem Titelgewinn der dt. Fußballsoldatinnen, kann sogar noch Eigenwerbung veranstaltet werden.
    Der Dienstbeginn von Lira und Simon wurde übrigens auch als Thema in Interview und Presseartikeln aufgegriffen.

    Ich glaube, du hängst das jetzt viel zu hoch und/oder schätzt den Nutzen der Sportförderung eher gering. Aber vielleicht sprichst du die Frage einfach mal im Gespräch mit betroffenen Vereinsverantwortlichen an. Würde mich interessieren, ob sich die Vereine zur Freistellung genötigt sehen oder dies eher bereitwillig machen.

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  • Christian sagt:

    PS: Mein Beitrag bezieht sich auf jenen von Markus. Leider hatte ich Probleme mit dem senden.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Christian
    Wenn ich eine ausländische Nationalspielerin zu einem FIFA-Termin freistelle, ist das eine Verpflichtung, keine Möglichkeit. Bei der Militär-WM ist die Abstellung ein Kann, kein Muss. Das ist der Unterschied. Glaubst Du wirklich, es hilft der Marke Bundesliga, wenn man gönnerhaft bzw. aus einer moralischen Verpflichtung heraus, Spielerinnen freistellt?

    Zum Thema Wettbewerbsverzerrung: Ich denke schon, dass Saarbrücken am vergangenen Woche auch gerne gegen Wattenscheid ohne Kerstin Stegemann gespielt hätte. Dann hätte man die Partie (rein spekulativ natürlich) möglicherweise gewonnen. Für mich ist es am 4. Spieltag eine genauso große Wettbewerbsverzerrung wie am 20.

    Eventuell hätte man die Abstellungen in ein positives Licht rücken können, dies hat aber keiner der betroffenen Vereine getan. Ich glaube nicht, dass die Bundesliga davon profitieren würde, wenn Deutschland Militär-Weltmeister wird.

    Es ging mir nicht darum, es hoch aufzuhängen, sondern darum es zu thematisieren. Wenn man den Frauenfußball professioneller betreiben will und auch dahingehend wahrgenommen werden will, dann bleibt es für mich eine fragwürdige Entscheidung.

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  • Detlef sagt:

    @Markus,
    Du hast geschrieben „Ich glaube nicht, dass die Bundesliga davon profitieren würde, wenn Deutschland Militär-Weltmeister wird.“
    Ich möchte Dir da wiedersprechen!!!
    WARUM eigentlich nicht??? Wenn die Herren der Bundeswehr einen WM-Titel in der Hand halten, fällt es ihnen in Zukunft sicher leichter, über noch viel mehr Sponsoring der FF-BuLi zu entscheiden!!! Das hilft dann auch direkt den Vereinen der Buli, wenn diese sich nicht in Unkosten stürzen müssen, um ihre Spielerinnen zu halten!!!
    Ich glaube, Du hast es noch nicht richtig verinnerlicht, dass die Bundeswehr ein bedeutender Sponsor des FF in Deutschland ist!!! So einen potenten Partner, verärgert man nicht so einfach!!!
    Was das Thema „Wettbewerbsverzerrung“ angeht, so hast Du im Fall Stege sicher recht, aber sie könnte sich ja auch verletzten, krank werden, oder ähnlich unangenehmes passieren!!! Dann kann sich auch kein Verein darauf berufen, dass man selber gegen Stege spielen musste, der Liga-Kontrahent aber das „Glück“ hatte, ohne ihre Gegenwehr agieren zu können!!! Das war schon damals ein Thema, als TURBINE im UEFA-Pokal gespielt hat, und in der BuLi, wo sie nicht mehr Meister werden konnten, die Schlüsselspielerinnen geschont hat!!! Damals tönte ein Herr Agoli, wie ein Sprecher der Wochenschau!!! Wenn Wattenscheid nun Stege gegen Duisburg nicht eingesetzt hätte, um sie für den DFB-Pokal zu schonen,wäre es dann auch Wettbewerbsverzerrung??? Wer in LIGA EINS bestehen will, muss gegen jede Mannschaft spielen, egal ob mit oder ohne deren Stars!!!
    Natürlich hätte man es in ein positiveres Licht setzen können. Dass müssen aber viele Vereine noch lernen, Nachteile, bzw Behinderungen, als etwas Positives zu verkaufen!!!
    Das war schon bei der Studentenweltmeisterschaft zu merken, dass viele Klubs dies nicht als Auszeichnung ihrer Vereinsarbeit gesehen haben, sondern lediglich die zusätzliche Belastung propagierten!!!
    Du möchtest den FF doch auch professionalisieren???
    Dazu gehören nun mal auch Sponsoren wie die Bundeswehr!!!
    Gerade Frankfurt hätte mit seinem starken Kader, den Verlust von CONNY und Rotti wesentlich besser weggesteckt, als Wattenscheid den Verlust von Stege, Bad Neuenahr den Verlust von Eva Augustin, und, und, und!!! Simon und Lira sind nicht nach Indien, oder???

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  • Fuxi sagt:

    Diesen Absatz finde ich interessant:

    Gerne etwa hätte Mario Himsl, seit 2005 Trainer der Bundeswehr-Nationalmannschaft bei den Männern, Bayern Münchens Spieler Christian Lell zur Militär-WM mitgenommen, auf den er jedoch „schweren Herzens verzichtet.“

    Denn Bundesligaprofi Änis Ben-Hatira vom HSV wird bei der Militär-WM in Indien dabei sein.

    Von wegen „sowas gäb’s nicht beim Männerfußball“.

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  • Max Diderot sagt:

    Interessante Diskussion. Möglicherweise werden wir uns in einigen Jahren, sollte sich die Professionalisierung des Frauenfußballs in Deutschland weiter entwickelt haben, köstlich über den Umstand amüsieren, dass eine Zeit lang eine Institution diesen unterstützte, die nicht zwangsläufig dafür bekannt ist, das Banner femininer Leidenschaft voran tragen zu wollen.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Teilnahme der Sportlerinnen und Sportler an den CISM-Wettkämpfen doch freiwilliger Natur. Davon ausgenommen sind jene, die sich, beispielsweise an den Sportschulen der Bundeswehr, als Zeitsoldaten verpflichtet haben. Dieser Personenkreis umfasst alle, die arbeitsrechtlich der Bundeswehr angehören. Anders ist es bei den Sportförderkompanien. Hier ist die Bundeswehr eine Art Mäzen, die von ihrem Etat einen Teil der Mittel für die Förderung junger Sportlerinnen und Sportler zu Verfügung stellt. Soweit mir bekannt, unterliegen diese Athleten aber keiner arbeitsrechtlichen Verpflichtung, bei Wettkämpfen teilnehmen zu müssen, die im CISM-Rahmen veranstaltet werden. Gleichzeitig aber sind diese Menschen sozialrechtlich (Rentenversicherung u.a.) durch ihr Engagement bei der Bundeswehr geschützt.
    Ich habe keine blasse Ahnung, wie sich am ehesten dieser gordische Knoten aufknüpfen lässt. Denn ich stimme jenen zu, die in der Abstellung für die CISM eine bewusste Ungleichbehandlung des Ligabetriebes sehen. Bei Krankheiten und Verletzungen aber ergibt sich die unbewusste, also nicht absichtlich gewollte Handlung.
    Der Spielbetrieb der I. und II. Frauenbundesliga muss vorankommen. Und es wäre wunderbar, wenn von Seiten des DFB, hier vor allem Frau Hannelore Ratzeburg, und den Vereinen schnell eine Strategie entwickelt wird, die dem (Frauen-) Vereinsfußball nachhaltig hilft.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Fuxi

    Ich habe ja nirgendwo geschrieben, dass es so etwas im Männerfußball nicht geben würde. Es sind ja darüber hinaus auch einige Zweitligaspieler mit bei der Militär-WM, etwa von 1860 München, oder auch Regionalligaspieler, wie Bernhard schon angemerkt hat.

    Aber Du willst doch nicht wirklich sagen, dass Ben-Hatira beim HSV einen vergleichbaren Stellenwert hat wie etwa eine Kerstin Stegemann in Wattenscheid oder eine Bianca Rech bei Bayern München bei den Frauen?

    Von 9 Bundesligaspielen hat Ben-Hatira in dieser Saison genau eines bestritten, als Einwechselspieler mit einem rund halbstündigen Kurzauftritt. Dieser Vergleich hinkt also meines Erachtens gewaltig.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Detlef

    Ich möchte der Militär-Weltmeisterschaft und auch nicht dem CISM mit seiner fast 60-jährigen Geschichte und seinen mehr als 100 angeschlossenen Mitgliedsnationen zunahe treten. Und doch behaupte ich, dass von 10 willkürlich in der Fußgängerzone einer deutschen Großstadt angesprochenen Passanten 8-9 nicht wissen würden, dass es überhaupt eine Militär-WM gibt. Ich denke, dass diese Veranstaltung öffentlich nur von einschlägigen Fachkreisen wahrgenommen wird. Deswegen meine ich, dass von dieser Seite aus auch kaum positive Akzente kommen können. Ob die Bundeswehr aufgrund eines Erfolgs ihr Engagement im Frauenfußball erhöhen würde, halte ich für spekulativ, und ehrlich gesagt nicht für besonders wahrscheinlich.

    Klar könnte sich eine Kerstin Stegemann verletzen, krank werden etc. Mag sein, aber das ist höhere Gewalt und nicht mit einer freiwilligen Abstellung gleichzusetzen und auch nicht mit der Entscheidung eines Vereins, eine Spielerinnen etwa für ein wichtiges Spiel in einem anderen Wettbewerb zu schonen. Sportliche Gründe sind ja durchaus nachvollziehbar. Hier würde der Nicht-Einsatz einer Spielerin zum Wohle des Vereins geschehen, in der Hoffnung, dass Ihre Leistung z. B. in einem Pokalspiel entsprechend gut ist und die Bedeutung des Spiels für den Verein möglicherweise wichtiger als das Ligaspiel.

    Ich hätte es für fahrlässig gehalten, wenn Frankfurt diesen beiden Spielerinnen die Freigabe erteilt hätte! Bist Du wirklich der Meinung, man sollte der Militär-WM einen höheren Stellenwert einräumen als der Bundesliga? Ich kann mir z. B. bei Frankfurt nicht vorstellen, dass etwa Sponsor Commerzbank very amused gewesen wäre, wenn das Fehlen der beiden Spielerinnen sich negativ auf die Leistung des Vereins ausgewirkt hätte. Bei einem Scheitern im UEFA-Pokal z. B. hätte man gehörig Angriffsfläche geboten.

    Jeder Verein sollte versuchen, aus seinen Möglichkeiten, das Optimum herauszuholen. Weder Wattenscheid, Bad Neuenahr oder Bayern München tun dies in diesem Fall. Ich lasse mich auch gerne eines Besseren belehren, aber glaubst Du etwa ernsthaft, die Vereine hätten diese Spielerinnen aus einer moralischen Verpflichtung gegenüber der Bundeswehr heraus freigestellt? Das würde mich dann doch überraschen. Simon und Lira wären so viel ich weiß bei der Militär-WM WM gar nicht einsatzberechtigt gewesen, weil sie noch in der Grundausbildung sind.

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  • nadine sagt:

    In diesem Zusammenhang ein sehr interessantes Interview mit T. Schulte, Wattenscheids Trainerin, zum Thema von „Steges“ derzeitiger Abwesenheit.

    Titel des Artikels: Wattenscheid ist sauer auf den DFB

    Zu finden hier:

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  • Detlef sagt:

    @Markus,
    welche Beweggründe die drei Vereine bewog, ihre Spielerinnen freizustellen, kann ich nicht genau sagen!!!
    Natürlich ist für uns FF-Fans in Deutschland, die Bundesliga wichtiger, als die Militär WM in Indien!!! Das sehen natürlich die Vereine ganz genau so!!! Und natürlich will jeder Klub, aus seinem Kader das Optimum herausholen!!!
    Aber ich halte es für ziemlich arrogant, dass man das Geld und die Unterstützung der Bundeswehr zwar gerne in Anspruch nimmt, wenn diese aber die Dienste der Spielerinnen braucht, einfach die Teilnahme verbietet!!! Dies betrifft ja eigentlich nur den FFC Frankfurt, denn alle anderen Vereine, haben ihre Spielerinnen ja freigestellt!!! Und ausgerechnet der Ligaprimus, hat es wohl am wenigsten nötig, denn hier könnte man ohne große Schwierigkeiten, auf CONNY und Rotti verzichten, da der Kader vor Weltklassespielerinnen nur so strotzt!!! Im UEFA-Cup, ist man noch in der Gruppenphase, und für den VfL Sindelfingen, reicht sicher auch der recht stattliche Rest aus!!!
    Für mich ist das jedenfalls bezeichnend, dass ausgerechnet die Klubs, die wohl am wenigsten auf ihre Leistungsträger in Uniform verzichten können, diese trotzdem freigestellt haben!!! Für mich ein Zeichen der Dankbarkeit, und des guten Tons!!!
    CONNY durfte schon nicht zur WM nach China mit, und nun kann sie nicht mal bei der Militär-WM dabei sein!!! Ich bin auf Sonntag gespannt, da werde ich sie mal fragen, ob der Verein die Spielerinnen eigentlich gefragt hat, ob sie denn gerne fahren würden!!! Ich in auf ihre Antwort sehr neugierig!!!

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  • Detlef sagt:

    @Nadine,
    der Artikel bestätigt meine Antwort an Markus wohl sehr anschaulich!!!
    Die Kritik gilt aber nicht nur dem DFB, sondern auch dem FFC Frankfurt!!! Beide betonen immer wieder laut und deutlich, dass man den FF viel mehr fördern muss!!! Und dann verprellt man ausgerechnet die Institution, die dies schon seit sehr vielen Jahren mit Eifer tut!!!

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  • Christian sagt:

    @ Detlef

    Meisterschaft und UEFA-Cup sind für mich zwei verschiedene Schuhe.

    Stand Conny Pohlers nicht in der Weltauswahl? Das ist doch auch ein Privileg!
    Ich schätze mal, daß sie lieber für Frankfurt im UEFA-Pokal erfolgreich ist, als an der Militär-WM teil zu nehmen.

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  • Detlef sagt:

    @Christian,
    das mag sicher im Viertel-, Halb-, und erst recht im Finale so sein, aber gegen Weezemal, Rejkjavik, und Everton ????
    Da kann man einen Trip nach Indien schon vorziehen!!!
    Und bitte nicht den Frankfurter Kader vergessen!!!

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  • Christian sagt:

    @Detlef
    Ich denke, ein gewichtiger Punkt für Pohlers ausgerechnet nach Frankfurt zu wechseln, ist die Möglichkeit im UEFA Cup zu spielen. Wenn sie beim 1. FFC nicht auf der Ersatzbank versauern möchte sondern sich im Gegenteil auch für die Natio empfehlen will, dann muß sie jede Gelgenheit bei Frankfurt beim Schopfe packen. Und genau so schätze ich ihren Ehrgeiz ein.

    Wie „leicht“ Frankfurt das Miniturnier gefallen ist, kann ja jeder an den Spielergebnissen und -verläufen ablesen. Und einen der beiden last-minute-Siegen verdankt Frankfurt eben jener Conny Pohlers. 😉

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  • Markus Juchem sagt:

    Hans-Peter Agreiter, Abteilungsleiter für Frauen- und Mädchenfußball bei der SG Wattenscheid 09, hat freundlicherweise in einem eigenen Beitrag für Womensoccer.de die Gründe seines Vereins erläutert, Kerstin Stegemann für die Militär-WM freizustellen.

    Zum Beitrag von Hans-Peter Agreiter

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  • Bernd sagt:

    @ Christian

    Weshalb sind UEFA-Cup und Bundesliga „zwei verschiedene Schuhe“? Beides ist gleichermaßen ernstzunehmen. Sonst entspricht man dem medial vermittelten Bild, demzufolge die Nationalmannschaft in der Wichtigkeitsskala vor UEFA-Cup und Bundesliga kommt. Das erscheint mir kontraproduktiv.

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  • Christian sagt:

    @ Bernd
    Entschuldigung, ich dachte zumindest diese von dir als „Wichtigkeitsskala“ genannte Bedeutungsrangfolge wäre hier Konsens. Wenn wir uns jetzt mal auf den Vereinsfußball beschränken, so wirst du doch wohl nicht abstreiten wollen, daß der UEFA Cup in der Hierarchie genauso über der Bundesliga steht, wie diese über der 2. Liga, oder?

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  • Bernd sagt:

    Das sehe ich nicht so. Für einen Verein, dessen Mannschaft in Bundesliga und UEFA-Cup spielt, ist die Bundesliga das Kerngeschäft. Hier gilt es sich zu präsentieren. Der UEFA-Cup hingegen ist ein Zuschussgeschäft, solange man nicht maximale Erfolge einfährt. Im Frauenfussball ist er zudem nur für einen (maximal 2) der 12 Bundesligisten relevant und sollte daher gegenüber der Bundesliga realistisch nur als Sahnehäubchen angesehen werden. Die Entwicklung der Bundesliga steht über allem. Da schließe ich mich dem Autor an.

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  • Detlef sagt:

    @Christian,
    CONNY hat bereits bewiesen, dass sie wieder Tore schießen kann!!!
    Ich glaube nicht, dass Frau Neid, oder Frau Ballweg in Belgien waren!!!
    Und im Fernsehen, wird ja die Gruppenphase auch nicht übertragen!!!
    Also wie soll CONNYs Leistung von Bedeutung gewesen sein???
    Sie hat, und wird weiter, ihre Chance beim Schopfe packen, allerdings befürchte ich, dass sie trotzdem für Frau Neid keine Rolle mehr spielen wird, egal wie viele Tore sie erzielen wird!!!

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  • Christian sagt:

    @ Markus

    Mmh, irgendwie habe ich anscheinend bei diesem Thema schon von Anfang an Schwierigkeiten, deine Aussagen richtig zu verstehen. Zuletzt dachte ich, du siehst den Widerspruch zwischen der Aussage von Herrn Agreiter einerseits und Frau Schulte andererseits („Möchten“ – „Müssen“)…

    Ich habe die Aussagen aus Wattenscheid übrigens so (falsch?) verstanden, daß man schon vor geraumer Zeit an den DFB herangetreten war und um eine Spielverschiebung gebeten hatte und dann von der Absage überrascht war (Zitat Schulte aus dem MAZ-Interview: „Ich ärgere mich über die Art und Weise, wie der DFB mit uns umgegangen ist. Erst ist er ausgewichen, dann hat er unseren Antrag auf Spielverlegung mit einem einzigen Satz abgeschmettert.“).
    Ich habe eh den Eindruck, daß der DFB der Militär-WM für die Frauen keine richtige Bedeutung beigemessen hat. Indiz dafür ist für mich auch, daß in der ersten DFB-News zur Militär-WM nur von den deutschen Männern die Rede war. Erst jetzt, da die Männer ausgeschieden sind, die Frauen aber das Endspiel erreicht haben, finden sie Beachtung.

    Und zum Schluß: Bist es nicht gerade du, der so hohe Ansprüche an Professionalität im FF stellst? Dein ganzer Artikel ist ja auch keine Frage sondern Feststellung („falsches Signal zur falschen Zeit“, „verwundert die Augen reiben“, „leisten sich den Luxus“, „Die Bundesligapartie beim FCR 2001 Duisburg scheint man schon im vorab als Niederlage verbucht zu haben, denn nur so ist der Schritt zu erklären.“ etc.).

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  • Christian sagt:

    Entschuldigung, meine Antwort gehört eigentlich zu dem anderen Beitrag. 😉

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  • Ulrich Strobel sagt:

    also ich finde es richtig, dass die Damen, die vom Steuerzahler als
    Sportsoldatinnen( Zeitsoldaten) ausgehalten werden, auch etwas der Bundeswehr zurückgeben.
    Der Vergleich mit den Männern hinkt, und man muß leider feststellen,
    dass der Autor wenig Ahnung von der Bundeswehr hat.
    Die Bundesligaspieler der Männer sind in der Regel keine Zeitsoldaten.
    Die Männer sind Wehrpflichtige, die ihren Grundwehrdienst ableisten müssen( Zwangsdienstleistende). Für Frauen gibt es in Deutschland
    keine Wehrpflicht, sondern diese sind freiwillig zur Bundeswehr gegangen, um als sogenannte Sportsoldatinnen finanziell abgesichert zu sein. Wehrpflichtige männliche Fußballer werden von der Bundeswehr schlecht bezahlt (Wehrsold) und sind der Bundeswehr
    gegenüber nicht verpflichtet sondern ihrem Verein.
    Also bitte erst informieren dann schwätzen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Hallo Herr Strobel,

    vielen Dank für Ihre persönliche Meinung. Ein bisschen mehr Respekt und Höflichkeit würde Ihnen aber gut zu Gesicht stehen, finden Sie nicht?

    Vielleicht werfen Sie vorab einmal einen Blick auf unsere Leitlinien, dann freuen wir uns über weitere kompentente Meinungen.

    Einen angenehmen Abend wünscht
    Markus Juchem

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  • oliist sagt:

    Soweit ist es in Deutschland gekommen.Frauen lassen sich von der Bundeswehr aushalten und die Männer werden von der Bundeswehr förmlich ausgebeutet während sie sich allesamt den Hintern für Deutschland aufreißen.Tst,tst,tst. 😉
    So einfach kann die Welt sein.

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  • streitkraeftebasis.de sagt:

    Die Spielerinnen in Ede sind zum teil nachgereist oder wie z.B. Stege zum Bundesligaspiel gependelt.
    Keine Spitzensportlerin hat ein Spiel ihres Vereins versäumt!
    Deutschland ist übrigens mit einem 3:0 gegen Frankreich Militärweltmeister geworden.
    Tore: Stege, Bianca Rech und Adriane Gründig.

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  • suplo sagt:

    Da gratuliere ich den neuen (Militär-) Weltmeistereinnen ganz herzlich.

    @Markus Juchem
    Ich unterstütze auch die Meinung, dass man immer zuerst dem Arbeitgeber verpflichtet ist.
    Bei vielen unserer Mädels ist dies nun einmal der Staat, vertreten durch die Sportförderung der Bundeswehr, der Polizei u.a. Und das ist auch gut so. Ohne diese Unterstützung würden viele Sportarten, inkl. dem Frauenfußball, wesentlich schlechter dastehen.

    Wenn die Vereine ihre Spielerinnen zukünftig selbst finanzieren können, werden auch sicher keine Abstellungen zur Militär-WM mehr notwendig sein.

    Bis dahin freue ich mich auf jeden Fall auch über diese Erfolge mit den Sportlerinnen. Und manch anderer sollte vielleicht seine Abneigung gegen das Militär zurückstellen, sich mitfreuen und auch von diesem Teil des FF berichten. 🙂

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  • oliist sagt:

    ^ Womit dann tatsächlich fast alle Titel in deutschen Händen sind.
    Es ist einfach toll heute ein Fan des (deutschen)FF zu sein.
    Goldmedaille mit den hübschen Ringen darauf,ich hoffe du bist schon blitzblank poliert. 🙂

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