Frauenfußball: Auf leisen Sohlen aus der Nische

Von am 9. Oktober 2007 – 14.35 Uhr 3 Kommentare

Der zweite WM-Gewinn der deutschen Nationalmannschaft in Folge hat offenbar das Interesse der Deutschen an einer regelmäßigen Berichterstattung über den Frauenfußball im Fernsehen wachsen lassen.

Nach einer vom „Spiegel“ in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage unter 1000 Befragten des Münchner Instituts TNS Forschung votierten 71 Prozent dafür, „dass zukünftig mehr Frauenfußball, zum Beispiel Bundesligaspiele, im deutschen Fernsehen gezeigt wird.“

Nur neun Prozent sprechen sich gegen eine Ausdehnung der Übertragungen aus, 20 Prozent antworteten, sie interessieren sich nicht für die Sportart. 76 Prozent der Männer wollen mehr Frauenfußball im Fernsehen sehen gegenüber 67 Prozent bei den Frauen.

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Sicherlich sind die ermittelten Werte der in der Woche nach dem WM-Sieg durchgeführten Umfrage angesichts der rund um den Titel entstandenen Euphorie zu relativieren. Dennoch scheint sich der Trend zu verfestigen, dass dem Frauenfußball eine erhöhte Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird.

Erster Bundesligaspieltag nach WM ein Volltreffer

Das belegen auch die Zuschauerzahlen des ersten Bundesligaspieltags nach der WM. 9.418 Besucher verfolgten die sechs Spiele, ein Schnitt von 1.570 Zuschauer pro Spiel. Sicherlich eine Momentaufnahme, doch dennoch ein deutlich höherer Wert als nach dem WM-Sieg 2003. Damals kamen zum ersten Bundesligaspieltag nach dem Titelgewinn 4.232 Zuschauer in die Stadien, ein Schnitt von 705 Zuschauern. Und immerhin: Die ARD kam am vergangenen Wochenende gleich mit sechs Kameras zum Heimspiel der Frankfurterinnen gegen den HSV und berichtete sechs Minuten länger als je zuvor von einem Bundesligaspiel.

Der kontinuierliche, wenngleich moderate Aufschwung ist ungebremst. Auch die Erwartungshaltung für die Zukunft scheint im Jahr 2007 realistischer als damals im Jahr 2003, als die kühnsten Erwartungen geäußert wurden. Doch vor allem die Frauenfußball-Nationalmannschaft wird seit dem Titelgewinn vor vier Jahren mit größerem Interesse begleitet, was durch die guten Zuschauerzahlen bei den Länderspielen belegt wird. Das Sorgenkind Bundesliga hinkt bisher allerdings hinterher.

Bundesligavereine in der Pflicht

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Einen Boom wird es auch diesmal nicht geben, dafür ist der sportliche Wert der Bundesliga nach wie vor nicht hoch genug. Schon nach drei Spieltagen haben sich Meister 1. FFC Frankfurt und Vizemeister FCR 2001 Duisburg ein Fünf-Punkte-Polster vor der Konkurrenz verschafft. „Wir können nur durch sportliche Leistungen Werbung für unseren Sport machen“, so die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz. „Damit mehr Spannung aufkommt, müssen sich andere Vereine mehr anstrengen“, nimmt sie die Bundesliga-Konkurrenz in die Pflicht.

Doch noch wegweisender für die Zukunft dürfte die Entscheidung über das WM-Ausrichterland 2011 sein, die am 30. Oktober in Zürich fällt. Erhält Favorit Deutschland den Zuschlag, stehen die Chancen gut, dass aus dem Frauenfußball mehr als nur eine Randsportart wird. Denn dann würde dem Frauenfußball in den kommenden vier Jahren grundsätzlich ein höheres Maß an Aufmerksamkeit von Sponsoren und in der veröffentlichen Meinung geschenkt werden. Und so würde sich nach und nach auch über die öffentliche Meinung verstärkt der Schleier der Akzeptanz legen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Die Sache ist natürlich nicht so einfach, wie es hier klingt!!!
    „Damit mehr Spannung aufkommt, müssen sich andere Vereine mehr anstrengen“ sagte Birgit Prinz!!! Das ist natürlich leicht dahergeschwätzt, bei Bedingungen wie in Frankfurt!!! Duisburg ist dicht dran an den Hessinnen!!!
    In Potsdam ist es nur eine Frage von 1-2 Jahren, bis dort wieder ein konkurrenzfähiges Team aufgebaut ist!!! Auch in München und Essen, braucht es nicht mehr viel Zeit, um Ansprüche auf die Meisterschaft und den Pokal geltend zu machen!!! Bad Neuenahr und Wolfsburg, werden wohl noch länger brauchen!!! Die anderen Teams werden wohl auch langfristig keine Möglichkeit haben, Meister bzw Vizemeister zu werden!!! Hier fehlt der professionelle Rahmen!!!

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  • Bartolo sagt:

    Es geht natürlich nur um Eines: Geld
    Damit der Frauenfussball sich weiter entwickeln kann, müssen die Spielerinnen so bezahlt werden, dass sie zumindest in ihrer aktiven Zeit nicht neben dem Sport arbeiten müssen. Und sei es über „Schein-Arbeitsplätze“, wie das früher in den höheren Amateurklassen der Männer üblich war. Es sind aber nicht nur die Vereine gefordert, sondern auch die anderen „Profiteure“ eines FF-Booms. Also in erster Linie der DFB und das Fernsehen. Erst wenn die Spiele im Fernsehen zu sehen sind, werden sie für Sponsoren richtig interessant. Eine Abmachung zwischen DFB und Medien, dass jeden Sonntag Ausschnitte aus zwei Spielen der Frauen-Bundesliga gezeigt werden – und zwar nicht nur Frankfurt, Duisburg und Potsdam – könnte getroffen werden, ohne dass überhaupt Geld fliessen muss. Damit kann ein Prozess in Gang gesetzt werden, wo sich Medienpräsenz, Sponsorengelder, Attraktivität gegenseitig immer weiter gegenseitig hochziehen.
    Allerdings habe ich auch Angst vor einer möglichen Entwicklung.
    Was den Frauenfussball für mich attraktiv macht, lässt sich am Besten in einem Satz meines Vaters (über 70 und grosser FF-Fan) ausdrücken: „Wenn da eine liegen bleibt, dann hat sie wirklich was“.
    Also Ehrlichkeit. Meine Abwendung vom Männerfussball hat viel damit zu tun, dass dort über alle Maßen gelogen und betrogen wird. Das geht bei Schwalben los und findet bei versteckten Brutalitäten, Schauspielereien und verbalen Provokationen längst nicht sein Ende. Ich habe für solches Verhalten nur Verachtung übrig. Dass diese Entwicklung auch im Frauenfussball Einzug hält, hat man bei der WM vor Allem – aber nicht nur – am Beispiel Brasilien gesehen.

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  • Detlef sagt:

    @Bartolo,
    absolute Zustimmung zu Deinem Beitrag!!!
    Allerdings wird man diese unschönen Dinge wohl in Kauf nehmen müssen, wenn der FF proffessionalisiert werden soll!!!
    Frauen sind nicht automatisch bessere Menschen, und wenn viel Geld im Spiel ist, werden sie es den Herren gleich tun!!! Diese Entwicklung ist aber bereits in Gang gesetzt, und es liegt allein am Schiedsrichter, dagegen einzuschreiten!!!

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