Bundesliga geht weiter – für langfristigen Aufschwung braucht es den WM-Zuschlag

Von am 6. Oktober 2007 – 11.22 Uhr 6 Kommentare

Wir schreiben die erste Woche nach dem WM-Titelgewinn von Shanghai, der erste Bundesliga-Spieltag im Land des Doppelweltmeisters steht morgen an. Dürfen sich heute wieder Schalke, Stuttgart oder Hertha über Zuschauerzahlen im hohen fünfstelligen Bereich freuen, während die Frauen-Bundesligisten morgen darauf hoffen, die Tausender-Marke zu überschreiten?

Sie dürfte morgen einfacher zu knacken sein, weil die erste Euphorie einige neue neugierige Zuschauer in die Stadien spülen wird. Das war 2003 nach dem ersten Titel auch so. Danach ebbte vieles wieder ab, einige aber blieben hängen. Der erste Schritt war gemacht.

Wie sieht es diesmal aus? Sind die Weltmeisterinnen eine Woche lang in den Medien präsent, berichten ARD und ZDF von der Bundesliga und eine Woche später ist alles vorbei? Diese Frage bewegt wohl alle Frauenfußball-Fans. Meine These: Es wird ähnlich laufen wie 2003. Ein nächster kleiner Schritt, kein Quantensprung. Für mehr braucht es den Zuschlag für die WM 2011.

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Ein vollgepacktes TV-Wochenende ersetzt keine kontinuierliche Berichterstattung

Zugegeben, die Einschaltquoten waren brillant. Bis zu 11,53 Millionen Zuschauer wollten das WM-Finale gegen Brasilien sehen, 6,59 Millionen Zuschauer verfolgten auf ARD und ZDF den Empfang der Weltmeisterinnen am Frankfurter Römerberg. Jede TV-Übertragung von Frauenfußball-Ereignissen hilft, um die weiterhin vorhandenen Vorurteile abzubauen. Das geht nur über Kontakt, und das WM-Finale war sportlich die bestmögliche Werbung.

Doch für einen langfristigen Aufschwung, der sich nachhaltig in den Zuschauerzahlen niederschlägt, benötigt es kontinuierliche Berichterstattung. Ein den WM-Nachwehen zu verdankendes mit Frauenfußball vollgepacktes TV-Wochenende macht noch keinen Sommer. Der nächste Schritt wäre, die Topspiele in Pokal und Bundesliga regelmäßig in die großen Sportsendungen zu bringen. Das gelang zuletzt bereits vereinzelt – darauf zu stoßen, ist für den Allerwelts-Zuschauer aber immer noch Glückssache.

WM 2011 als Chance für den Quantensprung

Der Zuschlag für die WM 2011 – die FIFA entscheidet am 30. Oktober – könnte das ändern. Eine WM im eigenen Land wäre die Chance für den Quantensprung.

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Denn es könnte keine bessere Konstellation als die derzeitige geben. Durch die WM-Erfolge 2003 und 2007 ist der Frauenfußball endgültig den Kinderschuhen entwachsen und zumindest auf Nationalmannschafts-Ebene ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Der Mädchenfußball boomt. Bei den Heimspielen der Nationalmannschaft in größere Stadien für 15.000 bis 20.000 Zuschauer zu gehen, ist längst kein Risiko mehr. Ein Heimspiel ausrichten zu dürfen, ist eine Ehre für die jeweilige Stadt. Auch im Zuge der WM-Bewerbung rissen sich mehr als 20 Städte darum, einen Teil vom Kuchen abzubekommen.

WM als Medienereignis

Schließlich ist jede Heim-WM, zumal in einer Sportart wie Fußball, auch immer ein Medienereignis, das sich weder ARD und ZDF entgehen lassen werden. Um vorherzusagen, dass im Vorlauf einer solchen Weltmeisterschaft auch die Frauenfußball-Bundesliga mehr Beachtung genießen wird, muss man kein Prophet sein.

Jeder, dessen Herz auch nur ein bisschen am Frauenfußball hängt, muss sich klarmachen, dass diese WM-Bewerbung eine möglicherweise einmalige Chance darstellt, dem Nischendasein zu entkommen. Überzogene Erwartungen wären auch hier fehl am Platze, aber nach zwei WM-Erfolgen, die viel für die Akzeptanz des Frauenfußballs gebracht haben, könnte der Zeitpunkt nicht günstiger sein.

Früchte der Arbeit können geerntet werden

Der Zuschlag wäre die verdiente Belohnung für die zahlreichen, engagierten Vorkämpfer für den Frauenfußball. Sie können nun die Früchte für ihre Arbeit ernten. Dass sich dabei auch solche im Erfolg sonnen würden, die dem Frauenfußball früher noch Steine in den Weg gelegt haben, gehört zum Geschäft. Diese Sonne aber würde diejenigen, die heute mit Frauenfußball immer noch nichts anfangen können (oder wollen), noch mehr in den Schatten stellen.

Lasst sie also aufgehen, die WM-Sonne über (Frauenfußball-)Deutschland. Damit auch die Bundesliga endlich die Beachtung erfährt, die sie sich verdient hat. Womensoccer.de wird beides verfolgen. Die Bundesliga und die Entscheidung am 30. Oktober in Zürich. Bleibt also dran, es stehen interessante Tage für den Frauenfußball an!

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6 Kommentare »

  • Max Diderot sagt:

    Widerspruch. Die Attitüde in Deutschland ist doch oftmals so, dass, steht ein großes Ereignis zur Disposition und unser Land ist einer der Kandidaten, ein überbordendes Verlangen gepaart mit gewagten Hypothesen einsetzt. Natürlich sähe ich es auch gerne, wenn in Deutschland die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 veranstaltet werden würde.
    Aber gleichzeitig ist mir auch bewusst, dass eine solche Veranstaltung in Peru, der Mitkonkurrenz, für das Land selbst als auch den mittel- und südamerikanischen Kontinent ein stärkerer Impuls für die Entwicklung des Frauenfußballs wäre als beispielsweise in Europa oder Nordamerika. In Deutschland, so kommt es mir manchmal vor, wird die Vergabe von sportiven und kulturellen Großereignissen immer als eine Art Pseudo-Weihnachtsfest zelebriert. Möglicherweise, weil wir sonst nicht jenen Frieden finden, den und viele andere Gelegenheiten bieten und dessen wir überdrüssig zu sein scheinen. Ein wenig so, wie jene Warenwelt, die glaubt den Menschen schon Gutes zu tun, wenn sie sie kurz nach Ostern mit den kulinarischen Begehrlichkeiten des Weihnachtsfestes konfrontiert.
    Aber zurück zum Frauenfußball in Deutschland. Der aktuelle Erfolg der deutschen Damen kann sich (noch) nicht im gleichen Verhältnis mit der Popularität anderer sportlicher Ereignisse, insbesondere dem Herrenfußball, messen. Hier gibt es einen Entwicklungs- und Akzeptanzvorsprung, den auszugleichen es langfristiger Überzeugungs- und Kärrnerarbeit bedarf. Die großen Events sind dabei aber immer nur ein Bestandteil. Und nur durch das stetige Wiederholen interessanter sportlicher Aspekte im Verbund mit medialer (Dauer-) Präsenz und attraktiven Rahmenmöglichkeiten in den Stadien (i.e. für Familien) lässt sich langfristig eine höhere Anteilnahme am Frauenfußball in Deutschland erreichen. Fast scheint es mir so, und dies meine ich nicht in böser Absicht, als greife hier der Pawlowsche-Reflex.
    Und noch eins. Machen wir uns doch nichts vor. Mir ist momentan keine Sportart bekannt, außer vielleicht das Synchronschwimmen, wo die Akzeptanz der weiblichen Protagonistinnen gleichwertig oder gar größer ist als die der Männer.

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  • @ Max Diderot

    Und wo genau ist da jetzt der Widerspruch zu dem, was ich geschrieben hatte? Kannst du das an einzelnen Punkten festmachen? Ich sehe nämlich nicht, dass wir da unterschiedlicher Meinung sind.

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  • Detlef sagt:

    @Max,
    ich kann auch keinen Unterschied feststellen!!! Katja hat eigentlich das Gleiche geschrieben wie Du, nur eben andersherum!!!
    Egal ob sorum, oder sorum, guter Artikel von Katja, und gute Meinung von Dir!!!

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  • Leider gab es bei Max Diderot technische Probleme beim Abschicken seines Kommentars. Er hat ihn mir per Mail zukommen lassen und ich stelle ihn in seinem Namen ein.

    Max Diderot:

    Nun, ich meine, mich dahingehend ausgedrückt zu haben, dass ich die Kontinuität unabhängig etwaiger Großereignisse, wie der WM, betone. Der Artikel erweckt in mir den Eindruck, als sei die Nicht-Ausrichtung einer 2011er-Veranstaltung ein Verdikt für den hiesigen Frauenfußball. Genau dies bezweifle ich. Selbst wenn die FIFA den Zuschlag an andere Kandidaten vergeben sollte, wäre dieser Umstand nicht Ausdruck einer Missachtung “ … für die zahlreichen, engagierten Vorkämpfer …“ in Deutschland.

    Der hiesige Frauenfußball sollte auch nicht der Versuchung erliegen, eine Kopie der männlichen Variante sein zu wollen. Einige Dinge lassen sich übernehmen, beispielsweise Ligaorganisation und Stadienmanagement. Sie sollten aber auf einer kleineren Flamme geführt werden. Die für den heutigen Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga vorliegenden Zuschauerzahlen, Freiburg knapp 900 und Frankfurt an die 2800, scheinen ja zu belegen, dass es nicht spektakulär aber in kleinen Schritten voran geht.

    In einer Ökonomie gibt es den Faktor der Überhitzung. Beispiel im Frauenfußball sind dafür die USA. Nach zwei WM-Organisationen und der Etablierung einer Liga, fand dieser Sport dort keine ausreichende wirtschaftliche Basis mehr. Und daraus sollte man lernen. Mir sind die konkreten Gründe nicht bekannt, die zur Auflösung der Soccerliga führten, aber ich vermute, dass wie so häufig Anspruch und Wirklichkeit nicht miteinander korrelierten.

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  • Detlef sagt:

    Natürlich wird sich der FF in Deutschland auch weiterentwickeln, wenn die WM 2011 nicht hierher vergeben wird!!! Aber es wäre sicher ein katalytischer Effekt, der diese Entwicklung enorm beschleunigen würde!!! Natürlich darf dabei nicht vergessen werden, dass 2011,die Männer-WM in Deutschland dann schon fünf Jahre her gewesen, und die letzte gerade noch gut im Gedächtnis geblieben ist!!! Ob sich die Euphorie dann auch auf die Frauen-WM übertragen lässt, bleibt ungewiss!!!

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  • @ Max Diderot

    Nachdem der Beitrag jetzt endlich angekommen ist, möchte ich Dir auch gerne noch antworten.

    Eine Heim-WM kann mit Sicherheit keine kontinuierliche Berichterstattung ersetzen. Deswegen schrieb ich ja auch, dass eine Woche, in der der Frauenfußball auch in den Medien von der WM-Begeisterung zehrt, nicht ausreicht.

    Genauso würde das Interesse am Frauenfußball auch vor und nach 2011 nicht automatisch steigen, wenn nicht auch die Strukturen wachsen. Auch das muss kontinuierlich geschehen, sollte aber bei einem für Deutschland positiven Entscheid in Zürich leichter fallen, weil auch das Medieninterese steigen wird.

    Das kann man ganz losgelöst von jeglichen Vergleichen mit dem Männerfußball so sehen. Dass durch eine Heim-WM neue Potenziale entstehen, könnte genauso auch auf eine Sportart übertragen werden, die noch wenig Beachtung findet.

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