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Rainers WM-Ecke: Finale furioso

Von am 1. Oktober 2007 – 16.53 Uhr

Feier WM-TitelSCHANGHAI. Nach dem Gewinn des WM-Titels zeigte sich China noch einmal von zwei grundverschiedenen Seiten. Derjenigen des freundlichen Gastgebers und derjenigen eines militaristischen Polizeistaates. Bei allem Jubel um das deutsche Team war das Sicherheitsbild, das der WM-Gastgeber am Mannschaftsbus abgab, erschreckend.

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Da wurden Journalisten gewaltsam an ihrer Arbeit gehindert. Etwa 50 Fans wurden bedrängt, später weggedrängt. Ein Verhalten, als sei das Leben der vor dem Bus tanzenden und Autogramme schreibenden Spielerinnen akut gefährdet. Die ausgelassenen Gesänge Marke „So seh’n Sieger aus!“ wurden zügig eingedämmt.

Als der Bus abfuhr, entspannten sich auch die Gesichter der Weißhemden aus der Abteilung Sicherheit, deren rigoroser Auftritt sogar von der Polizei zunächst bestaunt wurde. Selbst Spielerinnen signalisierten den Kräften, was denn dieser vormitternächtliche Spuk-Einsatz solle.

Das Angenehme ereignete sich am Nachmittag. Fete im Fünf-Sterne-Hotel Hua Ting, zu der DFB-Boss Theo Zwanziger auch die Journaille, Eltern und weitere Gäste der DFB-Reise, den Konsul von Schanghai sowie die Mitglieder des Sportausschusses im Bundestag eingeladen hatte, die Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble auf dem Weg ins Reich der Mitte begleitet hatten. Bis in die Morgendämmerung wurde im dritten Stock ausgiebig bei Disco, Rock und Live-Musik einer bayerischen Oktoberfestmusik gefetet. Auf dem Piano stand der Pokal.

Locker ging es zu, und international. Denn die Norwegerinnen feierten mit mehreren Spielerinnen mit, Englands Trainerin Hope Powell war da, weitere Vertreterinnen der FIFA aus der Schweiz und Südafrika. Nur Amerikanerinnen waren nicht dabei, schon gar keine Brasilianerinnen. Doch das störte in der Party-Laune niemanden.

Ganz besonders genoss Nadine Angerer natürlich ihr neues Stardasein. Wie gewohnt mit Cord-Mütze. Anja Mittag wuselte kreuz und quer über die Tanzfläche, mal mit, mal ohne die Deutschlandfahne schwingend, auf jeden Fall aber in internem Wettbewerb mit Lira Bajramaj um die Gunst der schärfsten Tanzmaus ganz vorne.

Der Bar-Chef hatte die Stimmung eigentlich genau getroffen, als er den Journalisten morgens gegen fünf Uhr vor der Heimfahrt erklärte, deutsche Gäste seien ihm in der Bar am liebsten. Die tränken ordentlich und da gehe richtig die Post ab.

Ansonsten war die WM mit dem deutschen Triumph schnell zu Ende. Im Pressezentrum und auf den Straßen wurde schnell gearbeitet. Das Rot und Gelb der Frauen-WM wurde zügigst durch das Grün und Weiß der Special Olympics ersetzt. „Happy Shanghai, proud Hongkou“ und „beautiful goals, beautiful girls“ wird dann ersetzt durch den Slogan „joy and friendship“ der Olympioniken. Bereits im Schanghaier Morgengrauen nach dem Finale war die fünfte WM der Ladykicker Geschichte.

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