Home » DFB-Frauen, Frauen-WM 2007

Pressestimmen zum WM-Finalsieg der DFB-Elf gegen Brasilien

Von am 1. Oktober 2007 – 16.07 Uhr 4 Kommentare

Nach dem Finalsieg der deutschen Nationalmannschaft sprechen Anerkennung und Begeisterung aus den Presseberichten des heutigen Tages. Das spannende Finalspiel wird einhellig als hervorragende Werbung für den Frauenfußball gewertet, woran sich grundlegende Überlegungen zur Zukunft des Frauenfußballs anschließen. Dabei bekommen wir Prognosen zu lesen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Anzeige

Markus Völker von der taz spart diesmal nicht mit Lob. Er sah ein „hochklassiges Match mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten, eine Partie, die keine Wünsche an ein Endspiel offen ließ.“ Gleichzeitig sei es ein „prototypisches Match, das die künftigen Trends im Frauenfußball aufzeigen sollte“, gewesen: „Das körperlose Spiel im Frauenfußball gehört endgültig der Vergangenheit an.“

Helen Ruwald vom Tagesspiegel kommt regelrecht ins Schwärmen. Ein „Gänsehaut-Gefühl“ habe sich eingestellt bei diesem „hochklassigen Frauenfußballspiel“. „Brasilien gegen Deutschland, das könnte künftig nicht nur mit den Kloses und Ronaldinhos, sondern auch mit den Martas und Lingors ein Klassiker werden.“ Dass das Finale Dramatik und Rekorde bot, sei für den Frauenfußball rundum perfekt gewesen: „Kein Frauenfußball-PR-Manager hätte bessere Arbeit leisten können, um sein Produkt zu positionieren.“

Kathrin Steinbichler von der Süddeutschen Zeitung berichtet, wie die brasilianischen Ersatzspielerinnen sich vor dem Aufwärmen minutenlang mit der WM-Trophäe fotografieren ließen. „Es sollte die einzige Begegnung mit dem Pokal bleiben“, auch wenn es „reines Glück für den Titelverteidiger“ gewesen sei, dass er ohne Gegentor in die Pause ging. Doch dann fiel erneut „ein Tor aus dem Nichts, und das ist im Lauf des Turniers so etwas wie die Spezialität der Deutschen geworden.“

Katrin Weber-Klüver von Spiegel Online streicht das „forcierte und aggressive Spiel der technisch überlegenen Brasilianerinnen“ in der ersten Halbzeit heraus. Am Ende hätten aber die Deutschen in diesem „ausgezeichneten, sehr spannenden Finale“ ihre Chancen besser verwertet. Die deutsche Spielweise sei nicht die schönste, aber die „effektivste“ gewesen.

Wolfgang von Kann von der Deutschen Welle hat eine „sehr gute Weltmeisterschaft“ gesehen, die bewiesen habe, dass Frauenfußball „heute nicht einmal mehr ansatzweise etwas mit den teilweise immer noch unausrottbaren Stammtischbetrachtungen zu tun hat.“ Dennoch gibt er zu bedenken, dass die Niveauunterschiede auf Vereinsebene noch beträchtlich sind: „Deshalb sollte man sich auch genau überlegen, ob der Plan, die kommende WM bereits mit 24 statt 16 Mannschaften auszutragen, wirklich richtig ist.“

Andreas Strepenick von der Badischen Zeitung sieht den deutschen Frauenfußball „auf dem richtigen Weg“ und schlägt den Bogen zum Ligafußball: „Er (der Frauenfußball) existiert auch in echt – da draußen auf den Kickplätzen.“

Auch Jens Hungermann von der Welt macht sich schon Gedanken, die über das WM-Finale hinausgehen. Das Finale habe „vor den Fernsehschirmen Begeisterung ausgelöst.“ Dass nun der Frauenfußball in Deutschland boomen werde, sei aber „unwahrscheinlich“. Es werde eine „Momentaufnahme“ bleiben, denn auch nach der WM 2003 habe sich der Frauenfußball nur in „sehr kleinen Schritten“ weiterentwickelt, die Namen der Bundesligaspielerinnen seien „nur Insidern bekannt“. Die Erfolge würden zwar „respektvoll registriert und mit wohlfeilen Worten gelobt“, entfachten aber keine „anhaltende Begeisterung“. Um dann doch mit einem kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont zu schließen: „Jede Tradition hat einmal als Neuheit begonnen.“

Wesentlich optimistischer blickt Michael Horeni von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf die Zukunft des Frauenfußballs. Durch die Arbeit von DFB-Präsident Theo Zwanziger, den „Promoter und Garantie dafür, dass die Entwicklung des deutschen Frauenfußballs gleich von zwei Seiten voranschreitet: von oben und unten“, habe er keinen Zweifel mehr, dass die WM 2011 nach Deutschland komme. Nach dem WM-Titel in Shanghai werde dann „viel mehr als nur ein Sommermärchen wahr. Die goldenen Jahre des Frauenfußballs, sie haben begonnen“, lautet seine Prognose.

Für Steffen Dobbert von der ZEIT war das Finale die „perfekte Reklame für eine immer noch unterrepräsentierte Sportart“. Die Nationaltrainerin im Interview in den Tagesthemen – „na endlich!“ ´, schreibt Dobbert, der denjenigen widerspricht, die den Weltmeisterinnen jetzt mal ein paar Tage der Freude gönnen.: „Die Beachtung muss und sie wird mehr werden.“ Sein Kollege Ulrich Dehne sieht das anders: „Der zweite und der dritte Platz von Ballack und Co. bei den vergangenen Weltmeisterschaften ist sportlich mehr wert als die beiden WM-Siege der Frauen hintereinander“, sagt er. Ein interessantes Pro & Contra.

Tags:

4 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Sportlich mehr wert. So ein Quatsch, Herr Dehne. Der zweite Platz unserer „schwarz-rot-geilen“ Jungs (BILD) bei der WM 2002 war sportlich so gut wie gar nichts wert.

    Im Achtelfinale ein Duselsieg (1:0) gegen Paraguay durch ein Tor von Neuville in der 88. Minute nach gähnend schwachem Spiel.

    Im Viertelfinale ein Duselsieg gegen die USA (1:0) durch ein Tor von Michael Ballack und zahlreiche Glanzparaden von Ollie Kahn.

    Im Halbfinale ein Duselsieg gegen Südkorea (1:0) durch ein Tor von Michael Ballack und zahlreiche Glanzparaden von Ollie Kahn.

    Das war nicht sportlich wertvoll. Sportlich wertvoll war dagegen die tolle Leistung der „schwarz-rot-geilen“ Jungs im vergangenen Jahr, wo man nach wirklich sportlich guten Leistungen Dritter wurde.

    Wieder mal einer jener Kritiker des Frauenfußballs, der ständig Vergleiche ziehen muss, um fußballspielende Frauen schlecht zu machen. Vorhang zu.

    Gottlob sind die meisten Pressestimmen sehr positiv. Das Finale war eine Werbung für den Frauenfußball. Deutschland hat nacheinander die Nr. 5, 4 und 8 der Weltrangliste besiegt und das ohne Gegentor.

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Abgesehen von einigen Fakten, die in meiner Meinung nach nicht korrekt sind, gefällt mir die gegenteilige Meinungswiedergabe im Artikel der „Zeit“ recht gut. Ich finde, Ulrich Dehne hat auch nicht Unrecht, wenn er den aktuellen Stellenwert von Herren- und Damenfußball-Weltmeisterschaften vergleichend, die Männer augenblicklich bevorteilt sieht. Dieser Umstand erklärt sich für mich aus zwei Gründen. Der eine Punkt ist die Historie. Es ist doch zwangsläufig, dass der weltweite Frauenfußball immer noch am Anfang einer Entwicklung steht. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass der DFB jüngst das 25-jährige Länderspiel-Jubiläum seiner Damen-Equipe feierte. Beinahe gleichzeitig wurde in China die fünfte Frauenfußball-Weltmeisterschaft begangen. Auf die entsprechenden FIFA-Regularien und die zeitliche Ebene des Männerfußballs übertragen, heißt dies, wir befinden uns im Jahre 1954. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht physisch präsent war, erschließt sich mir nur aus den Annalen der damaligen Berichterstattung, wie indifferent, gemessen an der heutigen Zeit, die damalige Fußballwelt war. Und was danach kam, ist den meisten von uns ja bekannt. Michael Horeni bringt es ja in seinem „FAZ“-Kommentar auf den Punkt. Soweit die Historie.
    Der zweite Punkt betrifft die Abrufbarkeit des wiederholten sportlichen Erfolges der DFB-Damen. Dieser findet keinen oder nur einen unzureichenden Widerhall in der sportlichen Tagesaktualität. Das wiederum fußt auf zwei wesentlichen Komponenten: Die fehlende Medienpräsenz und die Unzulänglichkeit der Frauenfußball-Bundesliga. Der eine Aspekt bedingt dabei den anderen. Witzig fand ich in dem Zusammenhang den ZDF-Reporter, der sich bei einer deutschen Spielerin, ich glaube es war Birgit Prinz, danach erkundigte, was jetzt nach der WM ob der Aufmerksamkeit zu tun sei. Dabei sollte diesem ZDF-Vertreter die Antwort doch leicht fallen: Mehr und kompetente Berichterstattung in den Sportsendungen des ZDF zum Thema Frauenfußball. Eine kurze, prägnante aber immer wiederkehrende Darstellung dient meines Erachtens mehr dem positiven Erscheinungsbild des Frauenfußballs als eine ausschließlich auf Event inszenierte Ausstrahlung.
    DFB-Präsident Dr. Zwanziger hat ja schon in einigen Gesprächen anklingen lassen, wie sehr ihm die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Frauenfußball-Bundesliga am Herzen liegt. Jetzt müssen diesen Worten Taten folgen. Am besten in einer gemeinsamen Initiative von DFB und Bundesligavereine. Und wenn erst dieser Anfang gemacht ist, werden sich auch die Worte Ulrich Dehnes „Der WM-Erfolg kompensiert in keiner Weise den Wunsch der Fußballfrauen, in der öffentlichen Wahrnehmung mit den Männern auf einer Stufe zu stehen.“ ins Gegenteil verkehren.

    (0)
  • Detlef sagt:

    @Rainer,
    wir sollten nicht den selben Fehler machen, und die Leistung der Herren schlecht reden!!!
    Wenn wir die sportlichen Erfolge der Herren (in jüngster Vergangenheit), immer wieder mit denen der Frauen vergleichen, wird das die Akzeptanz des FF auch nicht erhöhen!!!
    Da gebe ich Max recht, lieber in jeder ZDF-Sportschau die aktuelle Tabelle der FF-BuLi, und bei Spitzenspielen auch mal eine kurze Zusammenfassung in Form eines Beitrages, als dass wir jetzt wieder auf das nächste große Turnier der Frauen-NATIO warten, und dann erneut mit HURRA-Schrei unser Team feiern!!!

    (0)
  • Max Diderot sagt:

    Eine Ergänzung noch. Es würde beispielsweise den Hauptnachrichten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten keinen Zacken aus ihren televisionären Kronen brechen, wenn sie zu den jeweiligen Spieltagen die Ergebnisse der Frauenfußball-Bundesliga bekannt geben würden.
    Caren Miosga und Marietta Slomka als quasi Anchorwomen des Frauenfußballs – Herz was willst du mehr.

    (0)