Deutschland gewinnt hochklassiges WM-Finale gegen Brasilien

Von am 30. September 2007 – 18.35 Uhr 6 Kommentare

Jubel bei der deutschen Frauenfußball-NationalmannschaftDeutschland ist zum zweiten Mal Frauenfußball-Weltmeister! In einem hochklassigen Finale vor 31.000 Zuschauern in Shanghai bezwang der alte und neue Weltmeister die Auswahl Brasiliens mit 2:0. Birgit Prinz (52.) und Simone Laudehr (86.) machten den Triumph für Bundestrainerin Silvia Neid und ihr Team perfekt.

Die Brasilianerinnen konnten sich zwar spielerische Vorteile erarbeiten und kamen zu zahlreichen Großchancen, doch der Titelverteidiger präsentierte sich über 90 Minuten als die geschlossenere und gegen Ende auch konditionell stärkere Mannschaft. Die in der Abwehr überragende Annike Krahn und Torfrau Nadine Angerer, die einen Elfmeter von Weltfußballerin Marta (63.) parierte und kurz darauf einen präzise getretenen Freistoß mit einer Glanzparade entschärfte, ragten aus einer tollen Mannschaft heraus.

Finale beginnt mit Großchancen

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In einem spannenden Finale, das zu den besten Frauenfußball-Spielen gezählt werden muss, die es je gegeben hat, erlebten die Zuschauer von Beginn an hart umkämpfte Zweikämpfe, zwei bissige Mannschaften und viele Torszenen. Beide Teams nahmen sich dabei in der Anfangsphase nichts. Kerstin Garefrekes traf nach fünf Minuten das Außennetz, Formiga hätte drei Minuten später auf der Gegenseite beinahe eine Unsicherheit von Nadine Angerer zum 1:0 genutzt.

Nach einer Viertelstunde hatte Sandra Smisek den Führungstreffer auf dem Fuß, als sie im Strafraum nach einer schönen Kombination von Simone Laudehr und Linda Bresonik zum Abschluss kam, ihren Schlenzer aber links am Tor vorbei setzte. Es ging nun zügig hin und her.

Rüde Fouls der Brasilianerinnen bleiben ungeahndet

Um dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken, scheuten die Brasilianerinnen auch keinen ruppigen Körpereinsatz. Ob Formigas Bodycheck gegen Birgit Prinz, Martas Tritt in Renate Lingors Sprunggelenk oder Martas eingesprungener Tritt in die Hacken von Linda Bresonik – die Pfeife von Schiedsrichterin Tammy Ogston blieb stumm. Kerstin Garefrekes hingegen hatte schon nach sieben Minuten für ein Allerweltsfoul die gelbe Karte gesehen.

Doch es wurde auch Fußball gespielt, mit zunehmender Spieldauer immer besser von den Brasilianerinnen. Die deutsche Mannschaft leistete sich nach starken ersten 20 Minuten nun zu viele Abspielfehler, kombinierte schlampig nach vorne. Die Selecao nutzte die sich bietenden Räume und übte nun mächtigen Druck auf das Tor von Nadine Angerer aus. In der 23. Minute setzte Daniela eine wuchtige Volleyabnahme an den Pfosten, zwei Minuten später klärten Krahn und Angerer in höchster Not, nachdem Marta Ariane Hingst bereits überlaufen hatte.

Deutschland kommt aggressiver aus der Kabine

Bis zur Pause blieben die Brasilianerinnen feldüberlegen, bekamen vor dem Tor aber nicht die Freiräume, die ihnen im Halbfinale die USA noch gelassen hatten. Mit einem für die deutsche Mannschaft etwas schmeichelhaften 0:0 ging es in die Pause, aus der der Titelverteidiger wesentlich aggressiver herauskam. Bundestrainerin Silvia Neid schien deutliche Worte gefunden und ihre Spielerinnen dazu animiniert zu haben, das Aufbauspiel der Brasilianerinnen früher zu stören, um so Fehler zu erzwingen.

Annike Krahn Daraus resultierte in der 48. Minute zunächst ein Freistoß für Lingor, den die Frankfurterin von der linken Seite gekonnt aufs kurze Eck zog, doch Andreia konnte klären. Die im bisherigen Turnier kaum geprüfte brasilianische Keeperin musste vier Minuten später jedoch zum dritten Mal bei dieser WM hinter sich greifen. Sturmpartnerin Sandra Smisek hatte auf der rechten Seite tolle Vorarbeit geleistet und die freistehenden Prinz mustergültig bedient. Die dreimalige Weltfußballerin traf das Leder gar nicht voll und schloss zu zentral ab, doch Andreia ließ den Ball passieren.

Annike Krahn wächst über sich hinaus

Die Brasilianerinnen mussten nun kommen und taten dies auch. Doch immer wieder gingen die deutschen Abwehrspielerinnen kompromisslos dazwischen. Lediglich Kerstin Stegemann ließ sich das ein oder andere Mal von Weltfußballerin Marta düpieren. Doch es zeichnete die deutsche Mannschaft aus, dass nach einem Fehler der einen stets eine andere Spielerin zur Hilfe kam und die Situation bereinigte. Die erst 22-jährige Annike Krahn wuchs in ihrem fünften WM-Spiel dabei mit zunehmender Spieldauer immer mehr über sich hinaus.

In der 63. Minute mussten Spielerinnen und Fans dann aber den Atem anhalten. Linda Bresonik kam gegen Cristiane zu spät und die ehemalige Bundesliga-Spielerin im Strafraum zu Fall. Bresonik hatte ihre Gegenspielerin kaum berührt, doch Ogston entschied auf Strafstoß. Eine zweifelhafte Entscheidung, die jedoch folgenlos blieb, weil Nadine Angerer die richtige Ecke geahnt hatte und Martas viel zu zentral geschossenen Elfmeter parieren konnte.

Angerer sichert die Führung

Nadine AngererEs waren dies die großen Minuten der Nadine Angerer, die im Anschluss an das Finale als beste Torhüterin des Turniers geehrt wurde. Nur eine Minute bevor der Rekord des italienischen Torhüters Walter Zenga aus dem Jahr 1990 ablief, der 517 Minuten ohne Gegentor geblieben war, entschärfte die Potsdamerin einen präzisen Freistoß von Daniela mit einer Glanzparade.

In den Schlussminuten mussten die Brasilianerinnen augenscheinlich dem temporeichen Spiel Tribut zollen und ließen kräftemäßig stark nach. Nachdem Simone Laudehr in der 86. Minute nach einem Eckball von Lingor zum 2:0 einköpfte, war der zweite WM-Triumph in Folge perfekt.

Mit Deutschland gewann am Ende die Mannschaft, die sechs Spiele die höchste Konstanz aufwies, mit viel Geduld auf die entscheidenden Treffer wartete und auch körperlich den stärksten Eindruck hinterließ. Bundestrainerin Silvia Neid gelang das Kunststück, bei ihrer ersten WM als Cheftrainerin gleich den Erfolg ihrer Vorgängerin Tina Theune-Meyer von 2003 zu wiederholen.

Womensoccer.de gratuliert ganz herzlich und will darauf hinweisen, dass morgen Abend die ARD ab 18.50 Uhr und das ZDF ab 19.25 Uhr den Empfang des neuen Weltmeisters am Frankfurter Römer live übertragen werden!

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6 Kommentare »

  • senderin sagt:

    Was die Männer nicht ganz geschafft haben, vollbringen die Frauen. Das nehmen sich die Herren hoffentlich zum Vorbild. 🙂

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  • Detlef sagt:

    @Katja,
    Kleiner Widerspruch von mir!!!
    Im ersten Augenblick, sah ich auch kein Foul von Linda Bresonik an CRISSY!!!
    Aber in der Zeitlupe war schon eine Berührung zu sehen!!! Sicherlich kann man den ELFER geben, muss aber nicht unbedingt!!!
    Soweit ich mich erinnere, war der schwache Strafstoß von Marta nicht zentral, sondern von ihr aus links unten!!! Hätte sich NADZE für die andere Seite entschieden,wäre sie nicht an den Ball gekommen!!!

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  • @ Detlef

    Ich kann bei der Aktion, die zum Elfmeter führte, auch nach mehreren Zeitlupen kein Foul erkennen. Eine leichte Berührung ist ja noch nicht gleichbedeutend mit einem Foul. Auf jeden Fall hat Cristiane wieder eine spektakuläre Flugeinlage geboten….

    Stimmt, der Strafstoß von Marta hatte eine Linkstendenz, war aber schon sehr schwach und recht mittig gestoßen. Du hast aber Recht, dass Angerer den Ball vermutlich nicht gehabt hätte, wenn sie sich für die andere Seite entschieden hätte. So schnell hätte sie wahrscheinlich nicht mehr die Richtung wechseln können. Also einfach exzellent antizipiert. 😉

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  • Dani sagt:

    Gratulation an das deutsche Team zum Sieg.
    Aber man muss sagen, Brasilien war mehr als gleichwertig. Sie hatten die besseren Chancen und mehr Anteil am Spiel, aber die deutschen waren einfach kaltschnaeuziger, was die Chancenauswertung anging.

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  • helena sagt:

    Absolut schönes Spiel, Gratulation an die gesamte Mannschaft und vielen Dank für eine wirklich spannende WM mit vielen Höhen und Tiefen!

    Und an dieser Stelle gleich noch einen Dank an die Redaktion von womensoccer für die gute und wohltuend sachliche Bewertung und Darstellung aller Spiele und Spielerinnen – auch wenn ich selbstverständlich nicht immer einer Meinung war;). Weiter so!

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  • Rainer sagt:

    Cristiane fällt bisweilen etwas theatralisch, allerdings wird sie hier noch von Abby Wambach getoppt. Der Elfmeter war völlig in Ordnung und Linda Bresonik und das deutsche Team können froh sein, dass es hier nicht Rot gab, da die Brasilianerin auf dem Weg zum Tor war.

    Marta gesellte sich zu den ganz Großen des Fußballs, die in wichtigen Spielen Elfmeter versemmelt haben. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an den Elfmeter von Uli Hoeness im EM-Finale gegen die CSSR 1976, den er in die Wolken von Belgrad hämmerte. Lothar Matthäus verschoss im Pokalendspiel Borussia MG – Bayern den entscheidenden Gladbacher Elfer (pikant, weil das sein letztes Spiel für Gladbach vor dem Wechsel zu Bayern war). David Beckham bei der EM 2004 im Elferschießen gegen Portugal – Roberto Baggio im WM-Finale 1994 gegen Brasilien.

    Normalerweise schießt sie immer rechts, sie begann zu grübeln und deshalb kam es dann so.

    Das war von Anfang bis Ende Deutschlands WM. Eine tolle Leistung des Kollektivs, das in spielentscheidenden Momenten immer das nötige Quentchen Glück in der Defensive hatte und von Fehlern des Gegners profitierte.

    Nadine Angerers Parade gegen Nordkorea – im Gegenzug das 2-0 durch Renate Lingohr.

    Eigentor der Norwegerinnen vor der Halbzeitpause.

    Innenfosten bei Danielas Schuss.

    Wer seine Torchancen nicht nutzt, der wird von der Neid-Elf gnadenlos bestraft. Glücklich, aber verdient.

    Hut ab vor Marta, die unmittelbar nach dem Spiel interviewt wurde und trotzig sagte, abhaken, Kopf hoch, 2008 Olympia…

    Am Donnerstag werden Marta und Elaine schon wieder in der schwedischen Liga gegen den Tabellenletzten Falköping auflaufen. Und nach diesem Sieg fehlt dann nur ein weiterer zum schwedischen Meistertitel. Aber das wird nur ein schwacher Trost sein.

    Ich bin gespannt, ob der WM-Titel zu dem einen oder anderen Rücktritt im deutschen Team führt, denn mit solch einem Erfolg kann man eine Nationalmannschaftskarriere trefflich beenden.

    Oder vielleicht wollen alle Gold bei Olympia, Gold in Finnland (EM 2009).

    Schaun mer mal…

    In jedem Fall gibt das Resultat dem Frauenfußball in Deutschland einen weiteren riesigen Auftrieb. Klasse.

    Am 30.10. sollte dann noch die WM nach Deutschland vergeben werden. Dann bin ich 2011 dabei.

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4 Pingbacks »

  • Wir sind wieder Weltmeisterin!!!…

    Ja wie geil ist das denn, Deutschland ist Weltmeister! Halt, Stopp! Eigentlich müsste ich ja sagen, Weltmeisterin! Ja genau, unsere Fussballfrauen haben es geschafft, sie haben ihren Weltmeistertitel von 2003 erfolgreich verteidigt. Und wie……

  • Fussball-Blog Wochenschau KW 40…

    Kurz und knapp und wie immer mit reichlicher Verspätung: Die Blog-Wochenschau… 
    Freitag, 28.09.2007
    The Diva & the Kid: Persönliches
    Das nimmt sich jemand aber ganz schon persönlich, nur weil der Ingo Durstewitz ein Witz is…

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  • Readers Edition » Die Fußball-Welt ist zu Gast bei deutschen Freundinnen sagt:

    […] Dem “Sommermärchen” ließen die Handballer ein “Wintermärchen” folgen, die Brand-Schützlinge ließen in eigenen Hallen nichts anbrennen und holten sich nach unglaublichen Spielen den Titel. Köpfchen bewiesen am 30. September die Fußballfrauen im Endspiel gegen Brasilien, Weltmeisterinnen wurden sie ohne Gegentor. […]