Vorschau: Das große WM-Finale zwischen Deutschland und Brasilien

Von am 29. September 2007 – 23.18 Uhr 5 Kommentare

Birgit Prinz bestreitet ihr drittes WM-FinaleEs ist soweit, morgen um 14 Uhr (live bei ZDF und Eurosport) erreicht die fünfte Frauenfußball-Weltmeisterschaft ihren Höhepunkt. Mit Deutschland und Brasilien treffen im Finale von Shanghai die beiden Mannschaften aufeinander, die bisher in China für die Rekorde gesorgt haben.

Mit 19 (Deutschland) und 17 Toren (Brasilien) sind die beiden Kontrahenten die offensivstärksten Teams. Vermutlich sind es auch die beiden Mannschaften, die über das gesamte Turnier hinweg das meiste Selbstvertrauen ausstrahlen konnten.

Deutschland hat mit fünf Spielen ohne Gegentor eine neue Bestmarke aufgestellt und könnte morgen als erstes Team in der Geschichte von Frauenfußball-Weltmeisterschaften seinen Titel verteidigen. Brasilien bestreitet zum ersten Mal überhaupt ein WM-Finale bei den Frauen.

Anzeige

In den direkten Duellen liegen die Deutschen vorne, von fünf Spielen haben sie drei gewonnen, zweimal gab es ein Unentschieden. Den wichtigsten Sieg feierte der amtierende Weltmeister bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. Im Spiel um den Bronzerang waren Birgit Prinz und Renate Lingor für Deutschland erfolgreich.

In der regulären Spielzeit übrigens. Wie auch bei dieser WM bisher jedes K.O.-Spiel nach 90 Minuten einen Sieger fand. Sollte das morgen so bleiben – im Spiel um den dritten Platz folgt gleich das Elfmeterschießen -, wäre es die erste Frauen-WM ohne Verlängerung. Wäre eigentlich schade, schließlich haben die Deutschen gute Erfahrungen damit gemacht, oder nicht? Obwohl, für die Nerven wäre es vielleicht anders besser.

Deutschland:

Gute Nerven, die braucht man auf dem Feld, genauso aber auch auf den Rängen. Und die werden diesmal prominent besetzt sein. Neben DFB-Präsident Theo Zwanziger, der fast über die gesamte Turnierdauer in China weilte, nehmen auch der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und zahlreiche Mitglieder des Sportausschusses des Deutschen Bundestags auf der Tribüne Platz.

Sie wollen dabei sein, wenn Nadine Angerer möglicherweise den Rekord des ehemaligen italienischen Nationaltrhüters Walter Zenga knackt, der 1990 517 Minuten ohne Gegentor blieb. Und sie wollen dabei sein, wenn Birgit Prinz, Sandra Minnert und Sandra Smisek nach 1995 und 2003 ihr drittes WM-Finale bestreiten. Wobei nur Prinz in beiden bisherigen Finals auch tatsächlich zum Einsatz kam. Schließlich wäre es das i-Tüpfelchen, wenn die Mannschaft dem Geburtstagskind des heutigen Tages, Kerstin Stegemann, nach dem – viel zu langen 😉 – Ständchen (siehe Video) auch noch den WM-Pokal schenkt.

Doch bis es soweit kommen kann, wartet auf die deutsche Elf ein hartes Stück Arbeit. Um die Ballkünstlerinnen vom Zuckerhut, allen voran Weltfußballerin Marta, in Schach zu halten, bedarf es einer konzentrierten Mannschaftsleistung. Den USA gelang das nicht, doch im deutschen Team weiß man, dass die US-Girls weit von ihrer Bestform entfernt waren. „Die hatten ja im Halbfinale keinen Gegner. Mit mir machen die solche Mätzchen jedenfalls nicht“, sagte Abwehrspielerin Annike Krahn selbstbewusst der Frankfurter Rundschau.

Eine Sonderbewachung für die 21-Jährige von Umea IK soll es nicht geben. „Gegen sie im eins-gegen-eins zu bestehen, ist unmöglich. Wir müssen die Räume eng machen und Überzahl schaffen. Dann können wir Brasilien stoppen“, gibt Bundestrainerin Silvia Neid, die eine „absolut positive Anspannung“ verspürt, die Devise aus. Sehr zur Freude von Neid gab die medizinische Abteilung heute grünes Licht für einen Einsatz von Melanie Behringer. Die zuletzt überzeugende Lira Bajramaj hätte sonst als Ersatz bereitgestanden.

Brasilien:

Für die Seleção bot die Weltmeisterschaft im Land des Lächelns die große Chance, in einem fußballbegeisterten Land wie Brasilien für den eigenen Sport zu werben. Das überragende Abschneiden bei den Panamerikanischen Spielen im Juli hatte das öffentliche Interesse bereits erheblich ansteigen lassen. Jetzt, wo der Finaleinzug geschafft ist, geht auch der Verband neue Wege und will einen Frauenfußball-Pokal ins Leben rufen.

Es ist dies das Resultat einer bisher – mit Ausnahme des Viertelfinals gegen Australien, wo man knapp mit 3:2 gewann – souveränen Vorstellung in China. Mit feinen Kabinettstückchen, wuchtigen Distanzschüssen und viel Spielwitz spielte sich die Seleção in die Herzen vieler Fans.

Es bleibt zu hoffen, dass es diese Bilder sein werden, die nachhaltig im Gedächtnis zurückbleiben, und nicht jene, die das Halbfinale gegen die USA überschattet haben, als die ehemalige Bundesliga-Spielerin Cristiane eine klar unberechtigte gelb-rote Karte für Gegenspielerin Shannon Boxx forderte und die Entscheidung der Schweizerin Nicole Petignat triumphierend bejubelte.

Die deutsche Co-Trainerin Maren Meinert war im Stadion vor Ort und hat das Team gewarnt. „Mit solchen Provokationen müssen wir professionell umgehen“, appelliert Bundestrainerin Silvia Neid an ihre Spielerinnen. „Ich hoffe nur, dass die Schiedsrichterin nicht auf Schauspielereien reinfällt.“ Zumindest bei der obligatorischen Pressekonferenz konnten die Südamerikanerinnen ihr Ansehen noch nicht wieder aufbessern. Der blieb man nämlich fern.

Apropos Schiedsrichterin: Tammy Ogston aus Australien hat die Ehre, das große Finale zu leiten. Im Eröffnungsspiel gegen Argentinien und im Viertelfinale gegen Nordkorea war sie bereits zweimal eine Glücksbringerin für die deutsche Elf. Wie schon bei der Männer-WM werden damit Eröffnungsspiel und Finale vom gleichen Referee geleitet. 2006 war es der Argentinier Horacio Elizondo.

Auf Ogstons Spielberichtsbogen werden die Namen aller 21 pro Mannschaft gemeldeten Spielerinnen stehen. Denn alle sind spielberechtigt, auch die Brasilianerinnen Aline und Renata Costa, die gegen die USA ihre zweite gelbe Karte im Turnierverlauf gesehen haben. Die erste bekamen beide jedoch in der Vorrunde. Und dazu hieß es in einer Information an die Teams bereits vor der WM: „If a player receives a yellow card in two separate matches in the same phase of the competition (i.e. group phase or knock-out phase), she will be suspended from her team’s next match. If a player receives one yellow card in the group phase, it will not be carried over to the knockout phase.“

Brasiliens in Bestbesetzung, Deutschland in Bestbesetzung. Es ist angerichtet.

Mein Tipp: 3:2 für Deutschland
Tipp von Markus: 2:0 für Deutschland

Tags: , , , , , , , , , ,

5 Kommentare »

  • datort sagt:

    wir drücken die daumen!

    (0)
  • flaneur sagt:

    hoffentlich gibt es morgen keine klamotte zu sehen,(denn ein brasilianischer weltmeister ist fifa nüzlicher als einer aus europa…)

    (0)
  • Rainer sagt:

    Mein Tipp ist 3:1 für Brasilien. Norwegen gewinnt das Spiel um Platz drei mit 2:1.

    (0)
  • Detlef sagt:

    Ich hoffe natürlich, dass Deutschland gewinnt!!!
    Aber es wird sehr eng, und somit sage ich mal 3:2 für Deutschland!!!

    (0)
  • Zur Pause steht es 0:0. Kerstin Garefrekes und Sandra Smisek vergaben gute Chancen einer insgesamt jedoch leicht unterlegenen deutschen Mannschaft. Auf der anderen Seite war Daniela Alves in der 23. Minute dem Führungstreffer am nächsten, als sie mit einer Volleyabnahme aus 20 Metern nur den Pfosten traf.

    Der deutschen Mannschaft fehlt noch das spielerische Konzept, um die Partie ausgeglichen gestalten zu können. Viele Bälle gehen durch schlampige Zuspiele verloren, Brasilien ist klar feldüberlegen. Hier könnte das erste Tor bereits entscheidend sein!

    (0)